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Keynes - Allgemeine Theorie
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ehtmag
Gast





BeitragVerfasst am: 07 Dez 2004 - 16:57:29    Titel: Keynes - Allgemeine Theorie

Tachskes allerseits,

ich (Jgst. 13, wohl zukünftig VWL-Student) habe mir mal die Allgemeine Theorie von Keynes ausgeliehen und will mich daran mal versuchen, sprich mich qüalen.
Ich finde hier folgende Stelle - über die man zwar hinweglesen und die weiteren Argumente verstehen kann - , die mir nicht ganz eindeutig erscheint:

Zitat:
Es wäre interessant, das Ergebnis einer statitischen Erhebung über das tatsächliche Verhältnis zwischen Änderungen von Geldlöhnen und Änderungen von Reallöhnen zu sehen. Im Falle von Änderungen, die nur für eine besondere Industrie Geltung haben, würde man erwarten, daß sich die Geldlöhne und Reallöhne in der gleichen Richtung ändern. Handelt es sich aber um eine Änderung des allgemeinen Lohnniveaus, wird man meiner Ansicht nach finden, daß die Änderung der Reallöhne, welche mit der Änderung der Geldlöhne verbunden ist, weit davon entfernt, die gleiche Richtung einzuschlagen, fast immer in entgegengesetzter Richtung verlaufen wird. Das heißt, man wird finden, daß wenn die Geldlöhne steigen, die Reallöhne sinken, un daß, wenn die Geldlöhne fallen, die Reallöhne steigen. Das ist darauf zurückzuführen, daß eine abnehmende Beschäftigung auf kurze Sicht wahrscheinlich sowohl von einem Sinken der Geldlöhne wie auch von einem Steigen der Reallöhne begleitet sein wird, aus Gründen, die nicht miteinander zusammenhängen. Die Arbeiter werden nämlich eher bereit sein, eine Lohnkürzung anzunehmen, wenn die Beschäftigung abnimmt, während die Reallöhne unter den gegebenen Umständen gleichzeitig steigen müssen, weil der Grenzertrag einer gegebenen Kapitalausrüstung steigt, wenn die Produktion abnimmt.


Bezüglich der - entgegengesetzt zu der der Geldöhne verlaufenden - Bewegung der Reallöhne rollt Keynes hier die Sache vom ersten klassischen Postulat (Der Lohn ist gleich dem Grenzerzeugnis der Arbeit.) her auf.
Wieso sind jedoch auf kurze Sicht (wie immer das auch zu quantifizieren ist) unter der Annahme, dass der Preis von Lohngütern konstant bleibt (auf kurze Sicht ist das wohl sicher der Fall), die Bewegungen von Geld- bzw. Reallohn gegenläufig?
Wenn der Geldlohn sinkt und die Preise von Lohngütern, wie es so schön heißt, konstant bleiben, dann kann eine Einheit (also z.B. 1 €) immer noch genausoviel kaufen, die Kaufkraft des Geldlohns in seiner Gesamtheit nimmt jedoch ab.

Ich finde, Keynes macht es sich hier leicht, indem er seine Begründung von einer beliebig gewählten Seite aufrollt.

Ich hoffe auf konstruktive Beiträge Wink
Tschö.
Mango
Senior Member
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Anmeldungsdatum: 04.12.2004
Beiträge: 1168

BeitragVerfasst am: 07 Dez 2004 - 22:51:19    Titel:

Also die Argumentation könnte die folgende sein (allerdings hat Keynes auch manchmal etwas wirre Ideen ^^):

Gehen wir von einer Situation aus, in welcher gleichzeitig die Nominallöhne als auch die Beschäftigung sinkt.

("Die Arbeiter werden nämlich eher bereit sein, eine Lohnkürzung anzunehmen, wenn die Beschäftigung abnimmt")

Das ist, denke ich, durchaus nachvollziehbar, siehe Lohnverzicht bei Karstadt usw.

Wenn aber die Beschäftigung sinkt, steigt automatisch die Grenzproduktivität der Arbeit (klassisch F´(L)>0 F´´(L)<0, positive aber mit zunehmender Beschäftigung abnehmende Grenzertäge)

Es gilt aber prinzipiell Reallohn gleich Wertgrenzprodukt, folglich muss der Reallohn steigen.

Allerdings ist dann natürlich das Postulat des konstanten Preisniveaus nicht mehr zu halten, denn es muss ja prinzipiell gelten:

w=W/P

mit w als Reallohn, W Nominallohn, P als Preisniveau

und falls sich w und W nicht proportional bewegen, muss natürlich das Preisniveau variieren

EDIT: In dem von Dir zitierten Ausschnitt wird auch nirgends ein konstantes Preisniveau postuliert Wink
Es wäre auch unrealistisch zu fordern, dass eine Veränderung der Nominallöhne in sämtlichen Industrien, worum es ja geht, das Preisniveau nicht beeinflusst
ehtmag
Gast





BeitragVerfasst am: 08 Dez 2004 - 16:57:26    Titel:

Zitat:
In dem von Dir zitierten Ausschnitt wird auch nirgends ein konstantes Preisniveau postuliert Wink
.

Direkt nicht, aber wie ich schon sagte

Zitat:
... unter der Annahme, dass der Preis von Lohngütern konstant bleibt (auf kurze Sicht ist das wohl sicher der Fall) ...


Das würde ich auch weiterhin annehmen wollen.
Trotzdem danke bis jetzt für die Aufklärung.

Tschö.
Mango
Senior Member
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Anmeldungsdatum: 04.12.2004
Beiträge: 1168

BeitragVerfasst am: 09 Dez 2004 - 00:13:48    Titel:

Tut mir leid, aber Du kannst nicht annehmen, dass das Preisniveau konstant bleibt und sich gleichzeitig alle Löhne, d.h. das Komplette Bip, Nominal verändern Rolling Eyes
Weil eine derartig massive Veränderung WIRD das Preisniveau beeinflussen. Und zwar auch kurzfristig. Und da widerspricht weder Keynes noch sonst jemand.
Denken wir doch mal an die Realität.
Nehmen wir an, aus irgendeinem Grund, sei es durch einen Boom oder wie auch immer, können alle Firmen 10% mehr Gehalt zahlen, d.h. alle Nominallöhne steigen. Produziert wird deswegen natürlich nicht mehr. Logischerweise führt dies auch kurzfristig zu einem Preisanstieg.

Keynes unterscheidet ja, genau in dem von Dir zitierten Ausschnitt, zwischen Lohnänderungen in einzelnen kleinen Sektoren oder in der Gesamten Industrie. Und der von Dir untersuchte Fall betrifft ja letztere.

Niemand wird ein Konstantes Preisniveau unter diesen Bedingungen Postulieren, auch nicht kurzfristig. Glaub mir, wenn ein Verkäufer merkt, dass das Geld weniger wert ist, steigt SEHR schnell der Preis (bei Hyperinflation auch gern mehrmals am Tage).

Noch ein kleiner Tip... nicht immer nur an Keynes klammern, er hatte gute und schlechte Ideen, nicht anderes als Marx oder jeder andere Ökonom.
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