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Tötung aus Habgier?
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Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 18:32:02    Titel: Tötung aus Habgier?

Hallo zusammen,

ich verstehe momentan die Lösung eines Falles nicht so ganz...
A wird von B erpresst. B ist bei A in der Wohnung, um das Geld "abzuholen". Daraufhin tötet A den B.
Ich hätte ja Habgier bejaht, weil es ja auch heißt "Motiv kann sowohl die Vermehrung, wie auch die Erhaltung des Vermögens (...) sein". In der Lösung wird Habgier jedoch ausgeschlossen, weil es dem A ja lediglich um die Vermeidung des Verlustes seines Geldes ging.

Kann mir da vielleicht jemand das Brett vorm Kopf entfernen? Very Happy
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 18:42:24    Titel:

Das klingt ja nach der schönen normativen Einschränkung der Arglosigkeit durch den BGH. Rolling Eyes Zur Habgier: Kann eigentlich nur sein, dass der Falllöser sich hier wortlos der Mindermeinung angeschlossen hat. Denn herrschend ist in der Tat die Auffassung, dass auch die Vermeidung von Aufwendungen ein Gewinn und damit vom Habgiermerkmal erfasst ist (sofern die eigene Vermögenserhaltung im Vordergrund steht, was i.a.R. aber der Fall sein dürfte).

NACHTRAG: Es kann ja auch wertungsmäßig keinen Unterschied machen, ob er das Geld hier anspruchsgemäß übergibt und übereignet und ihn anschließend erst tötet, um das Geld wieder an sich zu nehmen (nach allen Auffassungen Habgier), oder ob er es schon vorher tut. Hier erkennt man m.E. die Schwäche der Mindermeinung recht gut.
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 18:46:06    Titel:

Dankeschön. Das komische ist jetzt eben, dass der Aufgabensteller am Ende des § 211 verneint... ich dagegen nicht. Sad
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 18:52:34    Titel:

Nun ja, hier ließe sich wunderbar eine Gesamtwürdigung der Tat-Diskussion durchführen, da A ja von B erpresst wird. Da gibt es ja die dollsten Auffassungen. Ich würde spontan auch dazu neigen, mit einer Gesamtwürdigung (egal an welcher Stelle man das nun einbaut) einen Mord zu verneinen. Zumindest dann, wenn im Sachverhalt Angaben wie "psychische Ausnahmesituation durch die Erpressung", "A war sich nicht gewiss, ob die Erpressungen damit ein Ende nehmen" etc. zu finden sind. Dann würde übrigens auch die Habgier ausscheiden, weil es ihm dann nicht um die Vermögenserhaltung gehen würde, sondern darum den Erpressungen ein Ende zu bereiten.
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 19:03:49    Titel:

Beulke schreibt in seinem BT ja, dass es auf o.g. Motive nicht ankommen würde... wenn man allein nach der Definition der Habgier geht, also rücksichtsloses und sittlich anstößiges Gewinnstreben um jeden Preis, würde ich die Habgier auch verneinen...
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 19:10:23    Titel:

Beulke vielleicht. Gibt aber viele Vertreter, die solche Motive bei der Urteilsfindung jedenfalls nicht völlig unberücksichtigt wissen wollen, da der Mordtatbestand sich sonst dem Verdikt der Verfassungswidrigkeit aussetzen würde... Stichwort lebenslänglich ohne Spielraum. Da gibt es mehrere Auffassungen zu, wie man da korrigierend eingreifen könnte. Der BGH will z.B. (wenn ich's jetzt richtig im Kopf hab) krasserweise einen "ungeschriebenen minderschweren Fall" annehmen (Familientyrannenfälle!?) und so der lebenslänglichen Freiheitsstrafe entgehen.
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 19:13:01    Titel:

In Passau gibts leider nur 3 StrafR-Professoren, darunter auch Beulke Very Happy

Aber nochmal zum Fall: Wo würdest Du denn gesamtwürdigen?
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 19:15:28    Titel:

Hab nochmal in den SV geschaut. Da steht nur "um den endgültigen Verlustes seines Geldes zu verhindern"... Hört sich ja eigentlich nicht sonderlich habgierig an.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 19:17:40    Titel:

Oh, schönen Gruß, seine Bücher sind klasse. Very Happy

Wie gesagt kommt das ganz auf die Angaben im Sachverhalt an. Sowas leiert man sich nicht kraft studentischer Arrogant aus dem Ärmel, sondern verwertet den Sachverhalt. Wenn Sätze im o.g. Stil zu finden sind, müsste man es zumindest andiskutieren. Was man daraus schlussendlich macht, ist ja wurst. Wenn allerdings nichts außer "A wird erpresst" im Sachverhalt steht (wie in deiner Zusammenfassung), dann braucht man das natürlich nicht zu diskutieren.
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 - 19:20:36    Titel:

Zuvor hat man § 32 äußerst ausführlich geprüft, dann verneint, dasselbe mit § 34. Der Sv war also schon etwas länger Very Happy
Dann werd ich mal wieder an meiner Lösung rumbasteln... ABer vielen Dank für die Hilfe!
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