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Versuch - unmittelbares ansetzen
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baseU
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Anmeldungsdatum: 21.03.2007
Beiträge: 6
Wohnort: Saarland

BeitragVerfasst am: 21 März 2007 - 17:37:23    Titel: Versuch - unmittelbares ansetzen

Guten tag liebe uni-protokolle gemeinde.
ich hätt ne frage zum unmittelbaren ansetzen beim versuch.

Zitat:

§ 22 StGB
Eine Straftat versucht, wer nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt.


In meinem Lehrbuch & Skript (Wessels-AT, HemmerSkript AT II) sind mehrere Theorien aufgeführt. Darunter zählen unter anderem:

formell-objektive Theorie
materiell-objektive Theorie
subjektive Theorie
formell-materiell gemischte Theorie.
Gefährdungstheorie
"Jetzt gehts los Formel"
Spärentheorie
Zwischenaktstheorie
Bockelmannsche Formel
Rspr.
(...)

Nun stellt sich mir die Frage, wie ich damit am besten einen Fall bearbeite.

Bsp.: A legt sich auf die lauer um B zu erschiessen. B taucht auf, er visiert ihn an, schiesst jedoch nicht, weil sein gewissen rebelliert.

Welche Theorien sind nun einschlägig?
Ich blick da in dem ganzen "theoriengewirr" nimmer durch.

In meinem Skript wurde die

Gefährdungstheorie
"Jetzt gehts los Formel"
Spärentheorie
Zwischenaktstheorie

lediglich im zusammenhang mit der formell - materiell gemischten Theorie erwähnt. ?!

beste grüße
Christian205
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Junior Member


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 84
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 21 März 2007 - 18:06:45    Titel:

Worüber du dir bei der Frage des "unmittelbaren Ansetzens" klar werden musst ist, dass es hier keinen wirklichen Streit zu entscheiden gibt.

Ausgangspunkt ist der Gesetzeswortlaut: Demnach ist entscheidend, ob der Täter nach seiner Vorstellung objektiv die Schwelle zum Versuch überschritten hat.
Das Vorstellungsbild des Täter bildet somit die Grundlage für eine objektive Bestimmung des Versuchsbeginns.

Wenn du willst, kannst du dies als gemischt subjektiv-objektive Theorie bezeichnen. Wichtig ist aber zu verstehen, dass sich dies aus dem Gesetzeswortlaut ergibt.
Den Theorien (und das sind wirklich Theorien die auf der Grundlage der alten Fassung der Versuchsstrafbarkeit entstanden) subjektiv und formal-objektiv ist somit der Boden entzogen. ME sind diese Theorien es nicht mal wert, darunter zu subsumieren. Sie sind heute wegen des Gesetzestext nicht mehr vertretbar.


Der heutige Streit dreht sich allein um die Frage, auf welche objektiven Kriterien abzustellen ist, um auf Grundlage der Tätervorstellung den Versuchsbeginn zu ermitteln.
Vertreten wird: wesentliche Zwischenakte, Eindringen in die Opfersphäre, Gefährdung, räumlicher zeitlicher Zusammenhang, ...

Um im Einzelfall eine gerechte Lösung zu bekommen bedarf es aber einer Gsamtschau all dieser Kriterien. Dies kommt auch durch die wenige griffige Formel der Rspr. zum Ausdruck wenn sie zB sagt:

a) Der Täter müsse subjektiv die Schwelle zum "jetzt geht es los" überschreitet und objektiv zur tatbestandsmäßigen Angriffshandlung ansetzt, so daß sein Tun ohne Zwischenakte in die Tatbestandsverwirklichung übergeht.

oder

b)Das Versuchsstadium erstreckt sich dementsprechend auf Handlungen, die im ungestörten Fortgang unmittelbar zur Tatbestandserfüllung führen sollen oder die im unmittelbaren räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit ihr stehen (BGHSt 28, 162, 163)

c) 30, 364:Die Grenze von der Vorbereitungshandlung zum Versuch wird nicht erst überschritten, wenn der Täter ein Tatbestandsmerkmal verwirklicht, sondern schon dann, wenn er Handlungen vornimmt, die nach seinem Tatplan der Erfüllung eines Tatbestandsmerkmals vorgelagert sind, in die Tatbestandshandlung unmittelbar einmünden und das geschützte Rechtsgut - nach der Vorstellung des Täters - in eine konkrete Gefahr bringen.

Du siehst, dass sie einmal mehr auf die Zwischenakte abstellt (a) und einmal mehr auf einen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang (b). Bei (c) stellt sie sogar auf die konkrete Gefährdung ab.


Bei deinem Fall und auch bei den meisten anderen, in denen das unmittelbare Ansetzen zu Probleme bereitet, ist meist jedes Ergebnis vertretbar. Wichtig ist eine ausgedehnte Argumentation auf Grundlage der oben dargestellten Kriterien.


Chris
baseU
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Anmeldungsdatum: 21.03.2007
Beiträge: 6
Wohnort: Saarland

BeitragVerfasst am: 21 März 2007 - 18:32:25    Titel:

dankeschön für die doch sehr ausführliche und rasche info.
mich hat das alles verwirrt. ich war gerade dabei, die unterlagen von der vorlesung vom WS ein wenig zu repetieren. Ein freundlicher komolitone hat mir ein fall zukommen lassen, indem die leiterin des tutorium StRII noch ausschließlich auf die "alten theorien" einging. desweiteren hat mich verwundert, dass sie in dem fall, in dem es eigentlich kein problem zum unmittelbaren ansetzen gab, noch breit und ausführlich die alten theorien abgehandelt hat.

nun ist mir das klar. dankeschön.
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