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Der Islam und seine Richtungen – Fragen an Muslime
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Gott ist Liebe
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Anmeldungsdatum: 10.03.2008
Beiträge: 1105
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BeitragVerfasst am: 01 Dez 2010 - 19:58:11    Titel:

Ach Knut!

Das ist doch etwas ganz anderes:

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Du leugnest ja sogar die zentrale Lehre des Islam, die ihm auch seinen Namen verschafft hat: das Toleranzgebot, das über Jahrhunderte im Osmanischen Reich praktiziert wurde.
Ich bitte dich nachdrücklich, auch diesbezüglich beim Papst nachzulesen.Dir werden wohl die Augen tropfen!

Ich daraufhin
Gott ist Liebe hat folgendes geschrieben:
Selbstverständlich leugne ich das, denn das Osmanische Reich verdankte seine Existenz den rücksichtslosen Eroberungsfeldzügen und der Unterwerfung der Christen und der Zerstörung des byzantinischen Reichs. Den Juden und Christen wurden mit Gewalt die Söhne entführt, um sie als Janitscharen auszubilden. Auch wenn grundsätzlich religiöse Toleranz herrschte, so kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nichtmuslime in diversen rechtlich relevanten Gebieten diskriminiert wurden und Opfer willkürlicher Repression waren.


knut hacker hat folgendes geschrieben:
Gott ist Liebe hat folgendes geschrieben:

Sorry, angesichts Deiner Art, Texte inhaltlich wiederzugeben, bin ich vorsichtig geworden. Ich werde mir das Buch selber einmal zu Gemüte führen.


Was habe ich denn inkorrekt wiedergegeben?

Das hier fehlte bei Dir:

Papst Benedikt XVI hat folgendes geschrieben:
Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, ...

Wo der Islam aber, sagen wir, monokulturell, allein herrscht, unangefochten in seinen Traditionen und seiner kulturellen und politischen Identität, sieht er sich leicht als Gegenposition zur westlichen Welt, gewissermaßen als der Verteidiger der Religion gegenüber dem Atheismus und dem Säkularismus.Das Wahrheitsbewusstsein kann dann so eng werden, dass es zur Intoleranz wird und damit auch ein Miteinander mit den Christen sehr schwer macht. Hier ist es wichtig, dass wir mit allen dialogwilligen islamischen Kräften intensiv in Verbindung bleiben, und dass dann Bewusstseinsveränderungen auch dort geschehen können, wo Islamismus Wahrheitsanspruch und Gewalt miteinander verknüpft.

Ausserdem hattest Du Islamismus mit dem monokulturell und unangefochten herrschendem Islam gleichgesetzt.

GIL
knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 01 Dez 2010 - 20:59:26    Titel:

Gott ist Liebe hat folgendes geschrieben:

Das hier fehlte bei Dir:

Papst Benedikt XVI hat folgendes geschrieben:
Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, ...

Wo der Islam aber, sagen wir, monokulturell, allein herrscht, unangefochten in seinen Traditionen und seiner kulturellen und politischen Identität, sieht er sich leicht als Gegenposition zur westlichen Welt, gewissermaßen als der Verteidiger der Religion gegenüber dem Atheismus und dem Säkularismus.Das Wahrheitsbewusstsein kann dann so eng werden, dass es zur Intoleranz wird und damit auch ein Miteinander mit den Christen sehr schwer macht. Hier ist es wichtig, dass wir mit allen dialogwilligen islamischen Kräften intensiv in Verbindung bleiben, und dass dann Bewusstseinsveränderungen auch dort geschehen können, wo Islamismus Wahrheitsanspruch und Gewalt miteinander verknüpft.

Ausserdem hattest Du Islamismus mit dem monokulturell und unangefochten herrschendem Islam gleichgesetzt.



Ich hatte am 25. November um 16:17 Uhr folgendes geschrieben:
"Auf Seite 127 legt er den Grund für den gewalttätigen Islamismus dar.In monoislamischen Ländern bestehe die Gefahr, Atheismus und Säkularismus, mit denen man den Westen verbinde, als Feindbild zu begreifen statt als Aufgabe für den Glauben.Er sieht als Mittel gegen Islamismus allein den Dialog an."
Jetzt möchte dich schon bitten, worin Du einen Unterschied zum nunmehr mitgeteilten wörtlichen Text siehst!!!!!!!!!!!!!!!Einer von uns beiden muss dann wohl spinnen.
Das mit meiner angeblichen Gleichsetzung verstehe ich einfach nicht. Ich habe doch Islam nicht mit Islamismus und umgekehrt gleichgesetzt sondern im Gegenteil die Perversion des Islam durch den Islamismus betont, worauf Du geantwortet hattest, dass der Islamismus genauso wie der Islam im Koran wurzele.

Es kann ja durchaus in einer Diskussion zu Missverständnissen kommen.Aber dass du bewusst solche provozierest, indem du mir laufend etwas unterschiebst, was ich nie behauptet habe, und meine Zitate ins Gegenteil verkehrst, ist einfach perfide. Ich glaube längst nicht mehr, dass du Jurist bist, wie du einmal angegeben hast. Kürzlich hast du ja angegeben du seist "Akademiker (Philosoph)". Ich kann auch das nicht glauben ( zumal dir scheint´s der Terminus "Rezeption" nicht geläufig ist). Für mich ist die Diskussion mit dir nun endgültig beendet. Ich habe dies schon einmal gesagt und dabei immer wieder guten Willen gezeigt. Aber einer derartigen Feindseligkeit mir gegenüber kann ich ich nicht weiter trotzen, trotz allen Zuspruchs, den ich per Privatpost erfahren habe, dazu habe ich eine zu weiche Seele.


Zuletzt bearbeitet von knut hacker am 02 Dez 2010 - 18:55:19, insgesamt einmal bearbeitet
knut hacker
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BeitragVerfasst am: 01 Dez 2010 - 21:34:15    Titel:

Nur noch eine Klarstellung liegt mir am Herzen.Das Osmanische Reich hat Eroberungsfeldzüge bis vor die Tore Wiens durchgeführt, aber nie zum Zwecke der Verbreitung des islamischen Glaubens.
Ich wiederhole einige Zitate aus: Wolfgang Gust, Geschichte des Osmanischen Reichs, erschienen im katholischen(!) Weltbild-Verlag:
„Und auf der griechischen Insel Chios betraten noch lange danach islamische Derwische christliche Kirchen, indem sie sich bekreuzigten, mit Weihwasser besprengten und ausriefen: „Euer Glaube ist so gut wie der unsrige.“
„ Seine Lage“ - die des katholischen bosnischen Königs Stefan Tomasevic - „gegenüber Rom war insofern prekär, als die meisten seiner Untertanen der Sekte der Bogomilen angehörten.Ihnen versprachen die Türken Freiheit...und drei Viertel der Bevölkerung traten daraufhin zum Islam über.“Den Bogomilen“, schreibt Historiker Josef Matuz, „erschien der Islam, der wesentlich toleranter als der mittelalterliche Katholizismus war, als eine wahrhafte Befreiung.““
„Im Osmanischen Reich lebten Angehörige verschiedener Religionen in größerer Eintracht als im Abendland.... Zwar gab es eine Glaubenshierarchie, bei der die Muslems vor den Christen und Juden rangierten, aber das osmanische Reich war durchaus tolerant in einer Zeit, als Toleranz selten war und in Europa nicht nur Jugend verbannt und verbrannt wurden, sondern auch viele Abweichler als Ketzer ihr Leben lassen mussten.“.
„ DieTürken...zwangen niemals einen Christen, zum Islam überzutreten.“


Zuletzt bearbeitet von knut hacker am 02 Dez 2010 - 21:18:42, insgesamt einmal bearbeitet
knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 02 Dez 2010 - 20:29:15    Titel:

Ich habe mich bemüht, weiter zu recherchieren:

A Ergänzend zum Gebot der Nächsten-/Feindesliebe im Islam:

Ich hatte auf die Koranverse verwiesen, durch die die Thora ( Altes Testament) und das Evangelium (neues Testament) in den Koran rezipiert worden sind.Weiterhin habe ich auf die Koranverse zum Verständnis Jesu im Koran verwiesen.Demnach erkennt der Koran die Lehren Jesu (Evangelium) und damit auch die Bergpredigt mit dem Gebot der Nächsten-/Feindesliebe an, bestreitet aber die Gottessohnschaft und die Auferstehung Jesu. Jesus gilt als ein von Allah gesandter und privilegiert aufgenommener Prophet.

I Daher heißt es in der Sure 5, Vers 82 (Zählung OHNE den ersten Vers der Anrufung Allahs): ...Und du wirst sicher finden, dass unter ihnen diejenigen, die den Gläubigen in Liebe am nächsten stehen, die sind, welche sagen: „Wir sind Christen“.

II Johann-Dietrich Thyen hat in seinem Buch „Bibel und Koran, Eine Synopse gemeinsamer Überlieferungen“ (Verlag Böhlau ,2000) eine Gegenüberstellung von Versen der Bibel und solchen des Korans vorgenommen.Im Kapitel „Worte der Bergpredigt Jesu“( S.216f) finden sich unter anderem folgende Gegenüberstellungen:

1) Mt 5,5 : Selig sind die Sanftmütigen.... - Sure 25, 63 (Zählung OHNE den ersten Vers der Lobpreisung Allahs): Die wahren Diener des Barmherzigen sind diejenigen, die sanftmütig auf Erden wandeln und die den Friedensgruß entbieten, wenn Toren sie ansprechen.

2) Mt.5,9: Selig sind, die Frieden stiften....- S 42,40b: Wer vergibt und Frieden schließt, der stellt es Gott anheim, ihn zu belohnen.(Anm.: Gemeint ist hier nicht eine Willkür Gottes, sondern dessen Gnade im Sinne der Lehre von Augustinus und Luther)

3) Mt.5,39: Ich aber sage euch, dass ihr euch dem Bösen nicht widersetzen sollt, sondern wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dem halte die andere auch hin! - S.16,126f:.... Aber wenn ihr geduldig seid, ist das besser für die, die geduldig sind.(127:) Sei geduldig! Nur durch Gott wirst du geduldig sein. Und sei nicht traurig über sie! Und lass dich wegen der Ränke, die sie schmieden, nicht bedrücken

B Ergänzend zu den Belegen für die im Osmanaischen Reich entsprechend dem zentralen Gebot des Korans praktizierte Toleranz noch folgende Hinweise:

I Dr. Klaus Gallas, der 1996 den Journalistenpreis der Regierung von Zypeern erhielt, schreibt in seinem zusammen mit einem Co-Autor herausgegebenen Buch: „Griechenland, Begegnung mit Geschichte, Kultur und Menschen“ im Kapitel „Kirche und Staat“:

„1453 folgte dann die Katastrophe. Mit Waffen des christlichen Westens eroberten die Osmanen das Zentrum der christlichen Welt. Knapp tausend Jahre nach dem Untergang des Weströmischen Reiches (476) ging auch das Oströmische Reich unter. Am 29. Mai zog Mehmed II. Fati (der Eroberer) in die Stadt ein. Vom 7. April an hatte er Konstantinopel mit Kanonen – der neuesten Erfindung des abendländischen Kriegskunst – belagern lassen. Den modernen Feuerwaffen der Osmanen hielt das in tausend Jahren nie erstürmte Festungswerk Konstantinopels nicht stand.

Dieses Schicksalsjahr ist für den neuegriechischen Staat von eminenter Bedeutung, denn fortan lebte „das Griechentum“ nur noch in der Institution der orthodoxen Kirche weiter. Die Ursachen der bis heute wirksamen Macht der griechisch-orthodoxen Kirche liegen vor allem in der osmanischen Haltung gegenüber der Kirche. Sie gründet in dem islamischen Gebot, allen Nichtmuslimen gegenüber tolerant zu sein und ihnen Religionsfreiheit zu gewähren. Nach islamischem Recht muss keine im Islam lebende Minderheit Vertreibung oder Zwangsbekehrung fürchten. In der Rechtspraxis ist den Minoritäten sogar ausdrücklich Schutz zugesichert. Die Gemeinschaften der Anders gläubigen hatte im Osmanischen Reich und haben auch heute noch im türkischen Staat als “Nationen“ („ millet“ = die Nation) einen autonomen Status.“

II Dem entsprechen die Erklärungen des Kongresses der Islamischen Welt, so zum Beispiel vom August 1975:
„ Eine echte Partnerschaft zwischen Christentum und Islam, den beiden größten Weltreligionen, ist natürlich und gottgewollt...“( Khoury/Hagemann/Heine, Islam-Lexikon: Stichwort „Nächstenliebe“, mit weiterem Nachweis)


Ich verweise auch auf wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%A4chstenliebe#Islam insbesondere auf den Schlußsatz im Kapitel Islam: "Muslimische Theologen betonen daher heute, dass Islam und Christentum sowohl im Ersten Gebot als auch im Gebot der Nächstenliebe übereinstimmen."
knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 04 Dez 2010 - 14:53:28    Titel:

Ich habe hier im Forum immer die Meinung vertreten, dem Islam fehle einfach die Zeit der Aufklärung. Ich wurde unterdessen eines anderen belehrt. Die islamische Welt hatte ihre Aufklärung weit vor der unsrigen!
Michael Kasperowitsch schreibt in der „NN“ vom 2.12. 2010:
„In der Vergangenheit war er (der Islam) oft genug eine Quelle jener Aufklärung, die christliche Kirchen heftig bekämpft haben. Der islamische Forscher und Philosoph Avicenna aus Zentralasien beispielsweise hat im 11. Jahrhundert medizinische Erkenntnisse gewonnen, die über Jahrhunderte hinweg Gültigkeit hatten. Und viele Jahrzehnte vor Kopernikus und Galileo hat der Wissenschaftler Ulugbek in seinem Observatorium bahnbrechende Entdeckungen über die Planeten gemacht...... Ohne islamische Einwirkungen über Spanien oder Süditalien wäre auch der Wandel eines mittelalterlichen, im höchsten Grade intoleranten Europa, das lange wenig Gedankenfreiheit kannte, vermutlich nicht so günstig verlaufen.... Die für die Mathematik so bedeutenden Nullen haben wir von den Arabern übernommen.“
Ergänzend sei hinzugefügt, dass wir auch den Humanismus den Arabern zu verdanken haben. Denn die Schriften der Antike wurden in der Bibliothek von Alexandria aufbewahrt und nach dem Brand weiter tradiert.
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BeitragVerfasst am: 06 Dez 2010 - 16:51:54    Titel:

Lieber Knut

Wenn ich die islamische Gesellschaftsideologie verstehen will, brauche ich als Nichtmuslim nicht zu erörtern, welche ideologische Richtung die korrekte sei, sondern ich überlasse es einem Muslim, mir das zu erklären, dem ich dann aber die nötigen Verständnisfragen stellen werde.

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Aber der heilige Zorn von Katholiken der Denkungsart eines GIL richtet sich gegen den Islam!

Nochmals zum Mitschreiben: Mich interessiert der religiöse Bereich des Islam keinen Deut. Das ist die Privatsache jedes einzelnen Muslim. Mich interessiert einzig und allein das islamische Gesellschaftssystem, und das ist es, was ich kritisiere. Hast Du das nun endlich verinnerlicht? Ich habe das Recht, den Islam als Gesellschaftssystem zu kritisieren, so wie ich jede andere politische Ideologie kritisieren darf.

Nun zu den einzelnen Punkten: Es mag wohl sein, dass auch im Islam die Nächstenliebe eine Rolle spielt. Auf der von Dir verlinkten Seite steht zwar ausdrücklich, dass im Koran nichts darüber steht, sondern nur zwei Sätze des "Propheten" damit in Zusammenhang gebracht werden könnten, wobei dort die Erlangung des Glaubens im Vordergrund steht, was also nichts anderes heissen kann, als dass unter dem "Bruder" und dem "Nachbarn" ausschliesslich ein Muslim zu verstehen ist. Das Evangelium versteht aber unter dem Begriff der Nächstenliebe etwas ganz anderes, nämlich die bedingungslose Liebe jedes Menschen. Der Koran sagt an anderer Stelle: "Schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben" (Sure 8, Vers 55). Und wie man sich mit Nichtmuslimen zu verhalten habe, darüber gibt es ein Kompendium von rund 40 Kampfbefehlen, und zwar von Allah wortwörtlich diktiert!

Mich interessiert nun, was der moderate Muslim ideologisch der islamistischen Lesart des Koran entgegenzusetzen hat. Und ich will keine Lippenbekenntnisse hören, sondern eine reflexive, selbstkritische Verarbeitung der Gräueltaten, die im Namen Allahs von Muslimen in der Geschichte des Islam seit den Zeiten Mohammeds bis heute angerichtet wurden.

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Michael Kasperowitsch schreibt in der „NN“ vom 2.12. 2010:
„In der Vergangenheit war er (der Islam) oft genug eine Quelle jener Aufklärung, die christliche Kirchen heftig bekämpft haben. Der islamische Forscher und Philosoph Avicenna aus Zentralasien beispielsweise hat im 11. Jahrhundert medizinische Erkenntnisse gewonnen, die über Jahrhunderte hinweg Gültigkeit hatten. Und viele Jahrzehnte vor Kopernikus und Galileo hat der Wissenschaftler Ulugbek in seinem Observatorium bahnbrechende Entdeckungen über die Planeten gemacht...

Aber naturwissenschaftliche Errungenschaften darf man doch nicht gleichsetzen mit gesellschaftsideologischen Zielen. Das ist schon systematisch falsch, denn auch dem Dritten Reich verdanken wir grosse naturwissenschaftliche Entdeckungen. Abgesehen davon stellen wir heute fest, dass die auf der Grundlage des Islam regierten Staaten in allen Bereichen rückständig sind.
knut hacker hat folgendes geschrieben:
Ergänzend sei hinzugefügt, dass wir auch den Humanismus den Arabern zu verdanken haben. Denn die Schriften der Antike wurden in der Bibliothek von Alexandria aufbewahrt und nach dem Brand weiter tradiert.

Nein, Humanismus gründete auf keiner auch nur irgendwie islamisch begründeten Philosophie, sondern - wie Du selber sagst - einerseits auf der Philosophie der Antike, anderseits aber auch auf der mittelalterlichen Philosophie. Dass dabei die Bibliothek von Alexandria eine gewisse Rolle gespielt haben mag, sei dahingestellt, da diese Institution ihre Blütezeit unter dem Islam längst hinter sich hatte und vom Kalifen Umar ibn al-Chattab gesagt wird, er habe die Vernichtung aller Bücher befohlen, die dem Koran widersprachen. Jenes Gerücht wäre nie entstanden, hätte man sich zu Beginn des Humanismus auf in Alexandria vorhandene Schriften des Altertums berufen.

GIL
knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 06 Dez 2010 - 21:20:00    Titel:

So einfach ist das! Da verschwinden einfach die Argumente des Papstes und die akribische Gegenüberstellung der Verse der Bergpredigt und der entsprechenden des Koran. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Gott ist Liebe
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Anmeldungsdatum: 10.03.2008
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BeitragVerfasst am: 07 Dez 2010 - 01:25:54    Titel:

Lieber Knut

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Da verschwinden einfach die Argumente des Papstes

I wo, ich lieg doch ganz auf der Linie des Papstes, mit dem einzigen Unterschied, dass der Papst seine Kritik am Islam diplomatisch verhüllt. Ich übersetze mal auf Klardeutsch, was er sagte:

In islamisch regierten Ländern herrscht Intoleranz gegenüber Andersgläubigen, auch gegenüber Christen, weil der Islam dazu tendiert, kein anderes als sein Weiltbild als die einzig gültige Wahrheit zu akzeptieren. In diesen Ländern gibt es nur wenige dialogbereite Kräfte, was das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen schwer macht. Gleichwohl muss der Dialog mit diesen Kräften gesucht werden, weil ansonsten die Gefahr einer weiteren Verbreitung des Islamismus besteht.

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Gott ist Liebe hat folgendes geschrieben:
Ausserdem hattest Du Islamismus mit dem monokulturell und unangefochten herrschendem Islam gleichgesetzt.

Ich habe doch Islam nicht mit Islamismus und umgekehrt gleichgesetzt sondern im Gegenteil die Perversion des Islam durch den Islamismus betont, worauf Du geantwortet hattest, dass der Islamismus genauso wie der Islam im Koran wurzele.

Du hast gesagt, der Papst spreche über den Islamismus, dabei hat er über die islamisch regierten Staaten gesprochen. Er sieht also das Problem bereits im niederschwelligeren Bereich als gegeben.

Der Islamismus hat seine Wurzeln ebenso im Koran wie die moderate Ausprägung des Islam: Die Fundamentalisten lesen den Koran wörtlich, und es gibt bislang niemanden, der erklären kann, aus welchem Recht er die wörtliche Auslegung als unislamisch verurteilen dürfe.

Herrgott nochmal: Warum muss ich mich denn dauernd wiederholen?

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Das Osmanische Reich hat Eroberungsfeldzüge bis vor die Tore Wiens durchgeführt, aber nie zum Zwecke der Verbreitung des islamischen Glaubens.

Sorry, das ist Geschichtsklitterung.

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Ergänzend zum Gebot der Nächsten-/Feindesliebe im Islam...

Ich habe nie bestritten, dass es Muslime gibt, die Jesus als einen der wichtigsten Propheten verehren und seine Lehren in ihrem religiösen Leben integriert haben. Das ist aber hier gar nicht das Thema, denn es geht nicht darum, alle möglichen islamischen Richtungen aufzuzählen, um dabei festzustellen, dass sie vielfältig sind, und sich dabei zu fragen, welche von ihnen die ursprünglichere onder sonst irgendwie zutreffendere sei. Das alles zu beurteilen ist die Aufgabe, die die Muslime unter sich selbst zu lösen haben. Wir Nichtmuslime haben dazu nichts zu sagen, sondern vermögen höchsten empirische Studien anzustellen, wie viel fundamentalistisches Gedankengut sich inzwischen im Islam wieder verbreiten konnte.

Du wolltest hier aber behaupten, dass die Nächstenliebe im Koran erwähnt sei. Dies stimmt einfach nicht. Es gibt keine einzige Stelle, in der die Nächstenliebe nur schon erwähnt würde. Von einem Liebesgebot, das über jedem anderen Gebot stünde, ist der Islam weit entfernt. Im Gegenteil: Jeder Normalmuslim wird unschwer im Koran genügend Verse finden, die ihn zum Hass gegen Andersgläubige anstiften, auch gegen Christen.

Nochmals zum Mitschreiben: Mich interessieren die schöngeistigen Koranstellen, die allenfalls spirituell angehaucht sein mögen, überhaupt nicht, mich interessiert einzig und allein der politische Teil am islamischen Gesellschaftssystem und was dieses Systems an überzeugenden Argumenten zu liefern imstande ist, die darlegen, wieso Gewaltverse des Koran nicht wörtlich - sprich: nicht ernst genommen - werden DÜRFEN.

GIL
knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 07 Dez 2010 - 21:35:49    Titel:

Der von mir zitierte katholische Verfasser begeht also Geschichtsklitterung. Und kannst du deinen eigenen Link nicht nachlesen?Und hast du die von mir zitierten Koranstellen in der Übersicht der Gegenüberstellung zur Bergpredigt zur Nächsten-und Feindesliebe nicht nachgelesen, von der Rezeption des Evangeliums und damit auch der Bergpredigt in den Islam einmal ganz abgesehen. Ich beziehe meine Informationen aus zitierfähigen wissenschaftlichen Quellen, du aber offenbar aus dem Internet.
Ich lade dich hiermit noch einmal nach Amberg zur Diskussion mit den hiesigen Franziskanerpatres im Kloster auf der Mariahilfberg ein, wenn du die katholische Meinung zum Islam kennen lernen willst.
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Anmeldungsdatum: 10.03.2008
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BeitragVerfasst am: 08 Dez 2010 - 10:03:04    Titel:

Lieber Knut

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Der von mir zitierte katholische Verfasser begeht also Geschichtsklitterung.

Nicht weil einer Katholik ist, gilt er bereits als integre Quelle.
Ausserdem bin ich bezüglich Deiner Lesart vorsichtig geworden. Du interpretierst mir zu viel Eigenes in einen Text hinein.

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Und hast du die von mir zitierten Koranstellen in der Übersicht der Gegenüberstellung zur Bergpredigt zur Nächsten-und Feindesliebe nicht nachgelesen, ...

Es ist nun mal eine Tatsache, dass die Nächstenliebe im gesamten Koran keine Erwähnung findet.

knut hacker hat folgendes geschrieben:
... von der Rezeption des Evangeliums und damit auch der Bergpredigt in den Islam einmal ganz abgesehen.

Nochmals zum Mitschreiben: Es gibt sie, die liebenswürdigen, moderaten Muslime. Sie sind unstrittig in der überwiegenden Mehrheit.

Aber: Es gibt auch islamisch regierte Länder mit ihrer klar muslimisch gefärbten Politik und Strategie, es gibt die Scharie und die typisch islamische Lebensform und es gibt mit dem Leben bedrohte Apostaten, die dem Islam den Rücken gekehrt haben, und zwar hier in Europa.

Ich kritisiere hier nicht den einzelnen Muslim, auch nicht die moderate Auslegung des Koran, sondern ich kritisiere, dass es einem Muslim nicht gelingt, sich ideologisch gegen das dem Islam inhärente menschenverachtende System entgegenzusetzen. Dem Islam hängt auch dieses unmenschliche Gesicht an, belegt durch Gewaltverse im Koran, durch Eroberungsfeldzüge des "Propheten", durch die Diskriminierung von Ungläubigen und der weiblichen Bevölkerung, durch Ablehnung von individuellen Freiheitsrechten, wie Glaubensfreiheit, Meinungsäusserungsfreiheit, Forschungs- und Kulturfreiheit und, und, und ... Es gibt das alles, und es hat im Islam eine lange, systembedingte Tradition. Es nützt nichts, das zu leugnen.

Und jeder Muslim ist ein Teil davon. Er trägt die Verantwortung durch seine Zugehörigkeit zum Islam mit, zumal wenn er nichts dagegen unternimmt.

GIL
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