Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Menschens-Kinder!
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Menschens-Kinder!
 
Autor Nachricht
Beau
Valued Contributor
Benutzer-Profile anzeigen
Valued Contributor


Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 6875
Wohnort: Frankreich

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2007 - 09:34:00    Titel: Menschens-Kinder!

Menschens-Kinder! Das sagt Ihr, meine lieben deutschen Freunde, wenn Euch etwas gefällt oder Ihr etwas zu staunen habt.

... und ich, ich war durch diesen mysteriösen Genitiv erstaunt! Dann habe ich gegoogelt - da steht's:

- un total d'environ 11 800 000 pages en allemand pour des Menschen
- un total d'environ 82 100 pages en allemand pour des Menschens

...
Generaltoni
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1722
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2007 - 12:53:36    Titel:

@ beau.becir - deine Fragen sind immer wieder anregend, wenn du nicht gerade den Deutschen Sprachzucht und -Idealismus beibringen willst…
(Sprache kann man nur in Teilbereichen und mit bestimmten Methoden systematisieren…)

Zur Frage:

Es handelt sich um Fugenlaute oder –zeichen (einige: Fugenvokale), die eine Sprechhilfe sind:

Es gibt e-, -s-, -es-, -n-, -en-, -er-, -ens-, -o- (nur bei Konfixkomposita)

Vgl.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fugenzeichen

("Des Menschens" ist natürlich ein Schreibfehler.]
*

Im Grimmschen Wörterbuch wird vermutet, dass es sich bei einigen Wortbildungen um Genitivkomposita handelt; kann aber damit nicht die Morphologie aller Belege klären.

An unserer deutschen Sprache ist vieles „unordentlich“, spontan, metaphorisch eigenwillig, individuell – vieles wird wieder vergessen.

Ich habe mal kopiert, dass auch die schöne, Grimmsche Rechtschreibung deutlich wird:
(Ich will hier nicht alle Fügungen kommentieren.)

Die"Grimm'schen" schreibt immer Menschenkinder.

MENSCHENKIND [Grimmsches Wörterbuch. Lfg. 12,11], n.

1) kind von menschen: je mehr sich die natur dem griechischen himmel nähert, desto schöner, erhabener und mächtiger ist dieselbe in bildung der menschenkinder. WINKELMANN 3, 52; spielend mit der folgenden bedeutung, in einem rätsel:

ob er (Adam) gleich starb mit seinem grauen haar,
kein menschenkind minder auf erden war. (HEBEL 1, 277).

2) mensch überhaupt, mit hervorhebung seiner abstammung und seiner daher ererbten beschaffenheit (vergl. auch kind II, 3, f, th. 5, 712); die gewöhnlichste bedeutung, schon mhd.:

daჳ ist diu welt, die scheltent si: an der ist wandelbæres niht,
wan swâ diu menschenkinder habent mit argen sünden pfliht. (minnes. 2, 357a Hagen);

gott ist nicht ein mensch, das er liege, noch ein menschenkind, das jn etwas gerewe. 4 Mos. 23, 19; jre frucht wirstu umbbringen vom erdboden, und jren samen von den menschenkindern. ps. 21, 11; wie thewr ist deine güte, gott, das menschenkinder unter dem schatten deiner flügel trawen. 36, 8; die sollen dem herrn danken umb seine güte, und umb seine wunder, die er an den menschenkindern thut. 107, 8; und wenn gleich einer unter menschenkindern volkomen were, so gilt er doch nichts, wo er on die weisheit ist, so von dir kompt. weish. Sal. 9, 6; alle sünde werden vergeben den menschenkindern. Marc. 3, 28; der löwe aber saget, könten die löwen nur auch so mahlen wie die menschenkinder, so solte wol nicht darstehen, wie der mensch den löwen, sondern wie der löwe den menschen erwürget. Lokmans fab. 7; habe er (der teufel) sieben töchter gezeuget, die er mit den menschenkindern verehelicht habe. SCHUPPIUS 841; die ganze natur der menschenkinder schien damals in [12,2057] allen ländern rege zu werden, und die groszen erfindungen thaten sich mit einmal hervor. WINKELMANN 3, 218;

o wir arme menschenkinder,
wie dan werden wir bestahn? (SPEE trutznacht. (1654) 191);

o vater, vater, dich soll ich
die menschenkinder lehren! (HERDER z. litt. 4, 146);

denn wir sind argwöhnisch, wir menschenkinder auf erden. (Odyss. 7, 307);

alle menschenkinder, kein menschenkind, lebendiger und nachdrücklicher als alle menschen, kein mensch: alle menschenkinder geen mit eitel torheit, dockenwerk und unnützen künsten umb. (FRANK weltb. 23a);

willst du nichts sehen an,
als was ein mensch gethan,
so wird kein menschenkind
von wegen seiner sünd
im himmel bestehen. (P. GERHARD 66, 33);

vielfach in anrede und ausruf: des herrn wort geschach zu mir, und sprach, du menschenkind, offenbare der stad Jerusalem jre grewel. Hes. 16, 2; du menschenkind, wiltu nicht strafen die mördische stad? 22, 1; ihr menschenkinder, gott hat euch gerahten und ermahnet, dasz jhr dem teufel nicht dienen sollet. (pers. rosenth. 8, 24);

ach wein auch du, o menschenkind,
und traure über deine sünd. (P. GERHARD 16, 33);

ihr menschenkinder,
geht, seid und bleibet sünder. (17, 9);

o du verfluchtes menschenkind,
von sinnen toll, von herzen blind,
lasz ab die welt zu lieben! (J. RIST in Wackernagels leseb. 2 (1876), 528);

zwei blumen, rief er (der genius), hört es, menschenkinder,
zwei blumen blühen für den weisen finder. (SCHILLER resignation (hist.-krit. ausg. 4, 30);

abstammung und eigenart ist durch den gegensatz teufelskind besonders hervorgehoben:

kein schwefelpfuhl erschreckte die gewissen!
das menschenkind hiesz noch kein teufelskind. (GLEIM 3, Cool,

öfter hat menschenkind, schon in der rede des 17. jahrh., zumal aber in der neueren, eine gewisse derbere art und einen beiklang von humor oder ironie: ich denke, ihr seid auch ein menschenkind wie ich. CHR. WEISE comöd. 88; nun wäre aber, wenn es auf Danischmends willen angekommen wäre, auf dem ganzen erdboden kein galgen, kein henker, und kein hängenswürdiges menschenkind gewesen. WIELAND 8, 241; sich über die thorheiten der menschenkinder lustig zu machen. 250; des Schweizerhauptmann Landolts biographie von Weisz, besonders mit einigen handschriftlichen zusätzen, erneuerten anschauung und begriff des wundersamsten menschenkindes, das vielleicht auch nur in der Schweiz geboren und grosz werden konnte. GÖTHE 32, 178; in betracht der vielerlei menschenkinder, die ihre schrift lesen sollen. 38, 86; was ich, als einzelnes isolirtes menschenkind, ganz ruhig wagen konnte, wäre für einen familienvater tollkühnheit gewesen. (SEUME spazierg. 1, 37);

zwar mag in éinem menschenkind
sich beides auch vereinen. (GÖTHE 2, 209);

vor alters wurden menschenkinder
verwandelt oft in quell und flusz:
auch unsre sieben arme sünder
bedroht ein gleicher götterschlusz. (UHLAND ged. 318).

3) menschenkind, von einem kindlichen menschen: endlich der kindliche frühling mit seinem weiszen kirchenschmuck von blüten, der wie ein kind blumen und blütenkelche um den erhabenen geist herumlegt und an dessen gebete alles mitbetet was ihn beten hört. und für menschenk i n d e r ist ja der frühling der schönste priester. (J. PAUL uns. loge 1, 41).


Viel Stoff für Sprachmenschenskinder!


Zuletzt bearbeitet von Generaltoni am 21 Apr 2014 - 12:40:28, insgesamt einmal bearbeitet
Beau
Valued Contributor
Benutzer-Profile anzeigen
Valued Contributor


Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 6875
Wohnort: Frankreich

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2007 - 19:32:15    Titel:

Lieber Generaltoni, besten Dank für diesen schönen Vortrag!


...
Generaltoni
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1722
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2007 - 19:45:14    Titel:

Da freut und bedankt sich der Lehrer bei seinen Menschenskindern, die nicht zu seiner Schulklasse gehören:

http://www.borer-cartoon.ch/Wochen2/Lehrer.gif
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Menschens-Kinder!
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum