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Fall Marco W.- Eure Meinungen
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Rechtsreferendar
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Anmeldungsdatum: 26.01.2007
Beiträge: 391

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 11:50:47    Titel:

Wenn nach deutschem Recht ein Jugendlicher wegen Handy-Abrippe zwei Monaten im Gefängnis sitzt oder eine Schwarzarbeiter ohne Aufenthaltsgenhmigung 6 Wochen, oder ein EC-Betrüger über 8 Wochen, dann wird mann zugeben müssen, dass eine 6-monatige U-Haft wegen einer Vergewaltigung und eines Kindesmißbrauchs, die sich auf ein Gutachten und eine Aussage der kindlichen Opferzeugin stützt, eine durchaus gerechtfertige U-Haft ist. Ihn erwartet nach dem jetzigen Sachstand eine langjährige Freiheitsstrafe. So ist das nun mal der Sachstand.

Die Medien haben natürlich nur deswegen ein Interesse an der Geschichte, weil sie sie verkaufen können. Marco interessiert sie nicht. Sie machen ihm Bährendienst, weil sie andauern die türkische Jusitz beleidigen und so weiter nach dem Motto: Bei uns in DE alles besser. Diese zeigt sich aber davon unbeeidrückt und macht einen bisher hervorragenden Job. Ein der Vergewaltigung Verdächtigter gehört in der U-Haft in jedem Land dieser Erde, so auch in der Türkei. Etwas anderes - außer vielleicht bessere Haftbedingungen- hätte er auch nicht hier in DE erwarten können. Straftat ist eben Straftat. Er könnte höchtstens Hafterleichterungen beantragen. Dies hatte er aber bisher nicht getan, soviel ich weiß.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 12:18:17    Titel:

Dass du den Sachstand als gegeben betrachtest, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Aussagen sind widersprüchlich; die Medizinerstimmen belegt zwar Spermaspuren aber schließt eine Vergewaltigung aus ("Doch der Frauenarzt Levent Hakim, den das Mädchen und ihre Mutter nach dem Vorfall aufgesucht hatten, sagte, dass es seiner Meinung nach zu keiner Vergewaltigung gekommen sei. Nach 30 Jahren Praxis könne er das mit aller Bestimmtheit sagen.", Quelle: DIE ZEIT, 8.8.07). Die Tatsache, dass das Verfahren trotz größter Bemühungen immer weiter in die Länge gezogen wird, spricht diesbezüglich für sich selbst. Das geschieht sicherlich nicht deshalb, weil die Fakten auf dem Tisch liegen.

Dass Medien gemeinhin nicht aus Nächstenliebe handeln, ist nicht wirklich neu. Ein Kommerzialisierungsinteresse ist unserer Gesellschaft immanent und ändert an der Erforderlichkeit einer - ruhig auch sehr kritischen - Berichterstattung nichts.
Rechtsreferendar
Gesperrter User
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Anmeldungsdatum: 26.01.2007
Beiträge: 391

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 12:57:42    Titel:

soviel ich weiß, und ich kenne die Tatsachen aus Medien, es gäbe zwei Gutachten, wobei ein belastend ist. Dieser Arzt hat vor Gericht ausgesagt, das Mädchen sei vergewaltigt worden ( so der Anwalt der Nebenklägerin). ER ist wahrscheinlich ein sachverständigter Zeugen, nicht ein Sachverständigter. Jetzt wird ein drittes Sachverständigtengutachten geholt (so die letzten Meldungen aus der Türkei). Die Aussage des Mädchens können wahrscheinlich aber nur durch einen Sachverständigten erschüttert werden. Ein Privatgutachten ist ein substantiierter Vortrag oder vielleicht ein Beweisermittlungsantrag an das Gericht. Man kann während der Ermittlungen und Untersuchungen nicht einem Privatgutachter Glauben schenken; vor allem dann nicht, wenn eine gegenteilige Auffassung in einem anderen Gutachten vertreten wird. Wenn das Gericht ein drittes Gutachten bestellt hat, so heißt das- was die Vergewaltigung angeht- dass es den Ausgang der Sache als offen, bzw. vom Ausgang des dritten Gutachtens abhängig bzw. das eine Gutachten durch das andere als nicht widerlegt ansieht, was an sich für eine Haftaufhebung vielleicht auch reichen würde, jedoch den Jungen wegen des sexuellen Mißbrauchs als schuldig ansieht, was dann auch die U-Haft rechtfertigt. Es kann natürlich auch sein, dass das Gericht einen Gutachter als zuverlässiger als den anderen Gutachter betrachtet, was bei bestimmten Gutachtern ausreichend ist. Ich kenne viele Urteile deutscher Gwrichte, wo ausdrücklich steht, ein besonderes zuverlässiger Sachverständiger, der ... . Das weiß ich aber nicht. Nach meiner Auffassung sollten Marco die Haftbedingungen gelockert werden, weil er von der Haft besonderes getroffen scheint. Eine Haftaufhebung käme nicht in Frage.

Die Medien machen viel Lärm nur ein paar Tage vor der Verhandlung und danach verlassen das Thema sofort, weil sie das einfach nicht verkaufen können. Sie bezahlen sich da auch keine Rechtskundigen, sondern irgendwelche Journalisten, die möglichst eine abenteuerliche Geschichte voller mysteriöser Umstände erzählen sollen. Anfangs haben sie berichtet, dies sei in De nicht strabar, das Gesetz gibt es in der Türkei nur wegen Heirat von Jugendlichen im Suden und so ein Zeug. Die wollten einfach möglichst viele Leute für sich gewinnen. Sonst lassen sich diese Lügen nur schwerlich erklären. Marco haben sie nicht geholfen.
FU
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Anmeldungsdatum: 05.04.2006
Beiträge: 116

BeitragVerfasst am: 14 Dez 2007 - 20:29:32    Titel:

Fern ab aller juristischen Diskussionen zu dem Thema finde ich es doch echt ne riesen Sache, dass er nun heim darf zu seiner Familie und das auch noch zur Weihnachtszeit, wobei ihm zweiteres wohl weit weniger wichtig sein wird.

Hätte das so nicht erwartet, v.a. dass sie ihm die Heimreise gestatten. Aber wie gesagt, da freut man sich doch echt enorm für die Familie.

Bezweifle, dass er im April zur Prozessfortsetzung anwesend sind wird, ist ja aber auch nur all zu verständlich. Ich glaube der Flughafen heute wird das lezte sein, was er an türkischem Boden je noch mal betreten wird.... Und wer kanns ihm verdenken.....
dornbusch
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Anmeldungsdatum: 26.10.2007
Beiträge: 3823

BeitragVerfasst am: 15 Dez 2007 - 08:12:57    Titel:

Ob die Medien über das weitere Ermittlungsverfahren gegen M. in Deutschland ebenso berichten werden?
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 15 Dez 2007 - 08:41:36    Titel:

FU hat folgendes geschrieben:

Bezweifle, dass er im April zur Prozessfortsetzung anwesend sind wird, ist ja aber auch nur all zu verständlich. Ich glaube der Flughafen heute wird das lezte sein, was er an türkischem Boden je noch mal betreten wird.... Und wer kanns ihm verdenken.....


Zitat:
Artikel 16

(2) Kein Deutscher darf an das Ausland ausgeliefert werden.



Ich teile deine Skepsis.
dragonfly
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Anmeldungsdatum: 23.03.2006
Beiträge: 164
Wohnort: Konstanz

BeitragVerfasst am: 16 Dez 2007 - 12:02:04    Titel:

Angenommen Marco geht nicht zurück in die Türkei und er wird im Abwesenheitsverfahren verurteilt.
Die Türkei tritt vor Eintritt der Vollstreckungsverjährung der EU bei, kann sie dann die Auslieferung verlangen? Oder gelten die Auslieferungübereinkommen nicht rückwirkend?
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 16 Dez 2007 - 13:39:40    Titel:

Dafür müsste man das DSÜ lesen, aber vom Gefühl würd ich sagen, dass das eine Verfahrensvorschrift ist, die auch rückwirkend Geltung hat. Dann müsste Marco weiterfliehen. Etwa nach Panama oder Kanada. Wink

Edit: Oder andere Möglichkeit: er verbüßt die Strafe in Deutschland, wird aber von Wolff am ersten Tag begnadigt. Eine Begnadigung dürfte erneute Strafvollstreckung oder gar Verurteilung hindern (autrefois pardon).
Oezkan
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Anmeldungsdatum: 29.04.2006
Beiträge: 256

BeitragVerfasst am: 16 Dez 2007 - 16:29:01    Titel:

Kennt hier auch nur irgendeiner die türkische StPO? Oder das türkische Rechtssystem? Ich vermute mal nein oder? Ich auch nicht,weder die StpO noch das StGB im engeren Sinne. Also finde ich diese Diskussion völlig überflüßig. Versteht mich nicht falsch. Ich sage nicht, Augen zu und durch. Aber wir kennen doch alles nur aus den Medien oder? Hat irgendjemand die Akte gesehen? Die Zeugenaussagen nachgelesen? Und keine 5 Antworten später kommt Türkei,EU,Rechtstaatlichkeit etc. Wie gesagt,diese Themen müssen behandelt werden und natürlich hat die Türkei nachholbedarf. Und natürlich müssen diese Themen angesprochen werden und immer wieder kritisch hinterfragt werden. Aber wenn sollte das auf einer Basis geschehen wo beide Partner auf gleicher Augenhöhe sich gegenüberstehen. Ich finde es eine Unverschämtheit das die Bundeskanzlerin sich in das verfahren eingemischt hat. Dies ist ein grds. Problem der Länder die ihre angebliche Rechtstaatlichkeit immer so hochhängen. Betracht man diese genauer brökelt die Fassade doch recht schnell. Und nein dies ist keine Rechtfertigung. Aber wie gesagt. Die einen müssen vom Ross runter,die anderen sich ernsthaft bemühen ihre Hausaufgaben zu machen.


Gruss,

Özkan
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 21 Dez 2007 - 10:12:50    Titel:

anonymus666 hat folgendes geschrieben:
Hallo zusammen.

ihr kennt sicher alle die Problematik rund um Marco Weiss..

Mir ist etwas unklar:
Die deutsche Justiz hatte ja an die Türkei den Antrag auf Übernahme des Verfahrens gestellt, der jedoch noch nicht angenommen worden ist.

Kann mir jemand sagen, WONACH (Gesetz und Paragraph) sich ein solcher Antrag richtet? StPO?

Desweiteren:

Nehmen wir an, er hätte die "vermeintliche" Tat in Deutschland begangen:
Nach welchem StGB-Paragraph wäre er dann strafbar? (Er war damals erst 17 Jahre und sie 13 Jahre.)
§ 182 StGB passt somit nicht, denn hierfür müsster er wenigstens 18 Jahre gewesen sein.


Vielen Dank.
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