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Fragen zum 18.Jahrhundert
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Foren-Übersicht -> Geschichte-Forum -> Fragen zum 18.Jahrhundert
 
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Shorty007
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Anmeldungsdatum: 27.07.2007
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 05 Aug 2007 - 12:05:07    Titel: Fragen zum 18.Jahrhundert

Meine erste Frage bezieht sich auf die Steuern in den nordamerikanischen Kolonien von England:

Die Kolonien mussten für Importe von Gebrauchsgütern aus England Zölle entrichten(u.a. für Tee). Außerdem musste sie vom Mutterland benötigte Rohstoffe billig abführen. Außerdem gab es noch diverse anderen kuriose Steuern, wie der Stamp Act, die dann aber später wieder zurückgenommen wurden. England führte sie aufgrund der kostspieligen Kriege in und um Eurpa ein(bes. siebenjähriger Krieg). Insbesondere möchte ich jetzt den Zeitpunkt kurz vor dem Boston Tea Act. Einer der Beweggründe für diesen
späteren ,,Act'' war das Handeln des Mutterlandes in der Ostindiengesellschaft. Diese stand kurz vor dem Bankrott, da sie auf ihrem Tee sitzen blieb. Nun versuchten das Mutterland diesen Bankrott abzuwenden, aber nicht auf dem simpelsten Weg, nämlich durch die
Aufhebung der nordamerikanischen Importzölle, sondern die an England zu entrichtenden Zölle beim Import wurden beseitigt. Desweiteren erhielt die Ostindiengesellschaft größere Autonomie bei der Abwicklung ihres Handels und konnte daadurch auf amerikanische Zwischenhändler beim verzichten. Dadruch war der indische Tee sogar billiger als der holländische Schmuggeltee.

Meine Fragen sind nun, wie kommt es dazu, das der Tee so billig wird, obwohl er erst von Indien nach Amerika geliefert werden muss?
Warum muss er überhaupt erst in England zwischengelagert werden oder anders ausgedrückt warum müssen überhaupt Zölle an England entrichtet werden, obwohl sie doch eigentlich schon den nordamerikanischen Zoll entrichten?
Warum war dieser Tee billiger als der Schmuggeltee, auf dessen Endpreis
gar keine Zölle kamen und der zudem noch den kürzeren Transportweg hatte?

Meine zweite Frage bezieht sich auf die Wahl des Nationalkonvents:

Wurd dieser durch das Zensuswahlrecht oder durch ein allgemeines Wahlrecht, d.h. alle Männer über 21 Jahre gewählt?
Weil ich habe zwei Quellen, die sich in diesem Punkt strittig sind.

Meine dritte Frage zielt auf das Regierungssystem während der französischen Revolution und Napoleon ab:

Es gab in dieser Zeit diverse regierungs-Institutionen.
Es gab zum Beispiel den Nationalkonvent, der unter sich einen Wohlfahrtsausschuss sowie einen Sicherheuitsausschuss hatte.
Dann gab es noch das Direktorium, das später durch die verabschiedete Verfassung eingesetzt wurde. Später wird dann noch das Konsulat eingesetzt, indem Napoleon als erste Konsul ernennt wird. Außerdem gibt es noch das Revolutionstribunal.
Jedoch verstehe ich bei der ganzen Sache nicht den Zuständigkeitsbereich der einzelen Institutionen, so wie deren Abhängigkeiten und Verbindung zueinander? Vielleicht kann mir einer von euch helfen.

Vielen Dank Wink
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 566

BeitragVerfasst am: 07 Aug 2007 - 21:02:26    Titel:

Hallo Shorty
das 18. Jh scheint nicht viele Freunde zu haben, aber ich werde antworten, komme aber im Moment nicht dazu.
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 566

BeitragVerfasst am: 09 Aug 2007 - 16:52:11    Titel: Re: Fragen zum 18.Jahrhundert

Also hier mal die ersten Antwortansätze.
Die Sache mit dem Teeim- und export habe ich nicht ganz verstanden, einiges scheint auch in sich nicht schlüssig zu sein; bist du sicher richtig zitiert bzw. gelesen zu haben? (nur eine Frage, kein Vorwurf)

Shorty007 hat folgendes geschrieben:
warum müssen überhaupt Zölle an England entrichtet werden, obwohl sie doch eigentlich schon den nordamerikanischen Zoll entrichten?
Warum war dieser Tee billiger als der Schmuggeltee, auf dessen Endpreis
gar keine Zölle kamen und der zudem noch den kürzeren Transportweg hatte?


Das Zollsystem erscheint uns heute merkwürdig, war aber typisch für die damaligen Staaten und ihr fiskalisches System. Eine Art der Besteuerung, wie wir sie heute kennen, war fremd. Der Staat versuchte auf direktem Wege an das Geld heranzukommen und das ging am besten über Zölle, die auch im Land erhoben wurden. Fast alle Staaten der frühen Neuzeit hatten Binnenzölle, in Deutschland war der Begriff "Akzise" üblich. Wollte ein Bauer z. B. eine Wagenladung Weizen von Köpenik nach Berlin bringen, mußte er an einem Berliner Stadttor Akzise entrichten. Solche inneren Zollschranken gan es auch zwischen England und den Kolonien. Wenn also ein Schiff von England nach Neuengland fuhr, wurde die Ware verzollt.

Eine Gegenfrage: wieso hat der holländische Schmuggeltee einen kürzeren Weg; er kommt genauso aus Indien wie der englische, soweit ich weiß


Shorty007 hat folgendes geschrieben:
Meine zweite Frage bezieht sich auf die Wahl des Nationalkonvents:

Wurd dieser durch das Zensuswahlrecht oder durch ein allgemeines Wahlrecht, d.h. alle Männer über 21 Jahre gewählt?
Weil ich habe zwei Quellen, die sich in diesem Punkt strittig sind.


Die Quellen würden mich interessieren. Die Verfassung von 1791 hat ein Zensuswahlrecht, die 1793er Verfassung nicht mehr. Den Rest muß ich selbst noch mal nachschauen.

Shorty007 hat folgendes geschrieben:
Meine dritte Frage zielt auf das Regierungssystem während der französischen Revolution und Napoleon ab:

Es gab in dieser Zeit diverse regierungs-Institutionen.
Es gab zum Beispiel den Nationalkonvent, der unter sich einen Wohlfahrtsausschuss sowie einen Sicherheuitsausschuss hatte.
Dann gab es noch das Direktorium, das später durch die verabschiedete Verfassung eingesetzt wurde. Später wird dann noch das Konsulat eingesetzt, indem Napoleon als erste Konsul ernennt wird. Außerdem gibt es noch das Revolutionstribunal.
Jedoch verstehe ich bei der ganzen Sache nicht den Zuständigkeitsbereich der einzelen Institutionen, so wie deren Abhängigkeiten und Verbindung zueinander?


Es ist eine Frage des Nacheinanders. Der Wohlfahrtsausschuß ist das Herrschaftsinstrument Robespierres, also quasi die Regierung der Jakobinerzeit. Übrigens ist der Begriff "Wohlfahrt" irreführend, weil er ein bißchen nach Hartz IV und Sozialhilfe klingt. Es geht um die Wohlfahrt des Staates. Der Konvent ist dagegen das Parlament, insofern stehen Konvent und Wohlfahrtsauschuß eher nebeneinander (als Exekutive und Legislative), de facto stand der Konvent unter der Kontrolle des Wohlfahrtsauschusses.
Die Verfassung von 1795 beendet die Zeit des Terrors des Wohlfahrtsauschusses. Das Direktorium ist die Regierung, bestehend aus 5 Direktoren. Die Verfassung von 1795 und damit das Direktorium wird 1799 durch Napoleon weggeputscht. Napoleon setzt die Konsulatsverfassung durch, an der Spitze stehen 3 Konsuln, deren erster Napoleon ist.
Die Revolutionstribunale sind die Gerichtshöfe der Terreurzeit, vor die jeder geschleppt werden konnte, der sich unpatriotisch verhielt. Meist endete das Tribunal, das mit einem ordentlichen Gericht nicht zu vergleichen ist, mit harten Strafen bis hin zur Guillotine
Shorty007
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Anmeldungsdatum: 27.07.2007
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 10 Aug 2007 - 11:09:01    Titel:

Die Quelle, die ein allgemeines Wahlrecht belegt, ist Wikipedia:

Zur gleichen Zeit wurde entschieden, dass die Abgeordneten in diesem Konvent von allen Franzosen über 21 Jahren, die über ein Jahr ansässig seien und von ihrer Arbeit lebten, gewählt werde. Der Nationalkonvent war also die erste französische Versammlung, die durch ein allgemeines Wahlrecht ohne Klassenunterschiede gewählt wurde. Das Mindestalter für das aktive Wahlrecht wurde weiter auf 30 Jahre gesenkt, während man fortan ab einem Alter von 25 Jahren das passive Wahlrecht in Anspruch nehmen konnte.

Hier steht nichts davon, das es nach dem Besitz des einzelnen geht?

Bist du dir Sicher, das der Wohlfahrtsauschuss, das Nationalkonvent kontrollierte. Meiner Meinung nach war es doch so das der Nationalkonvent Auschüsse bildeten, nämlich den Wohlfahrtausschuss und den Sicherheitsausschuss.(....Sowohl für legislative als auch für administrative Zwecke benutzte der Konvent Ausschüsse, deren Befugnisse mehr oder weniger weit durch aufeinanderfolgende Gesetze ausgedehnt oder beschnitten wurden. Die bedeutendsten dieser Ausschüsse waren das Comité de salut public (Wohlfahrtsausschuss), das Comité de sûreté générale (Sicherheitsausschuss) und das Comité de l'instruction... (http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalkonvent))

Wann wurde die Nationalversammlung(Assemblee Nationale) eig wieder eingeführt, weil sie während der Terrorherrschaft vom Nationalkonvent abgeschafft wurden ist?

Es gab also in den Kolonien beim Einfuhr von Waren zwei Zölle. Einmal den Zoll der bei der Einfuhr an die englische Krone entrichtet werden musste und einmal der nordamerikanische Zoll.
Der Tee aus Indien wurde jedoch vom Zoll der englischen Krone befreit, beim Einfuhr in die Kolonien. Damit war der Indien-Tee billiger, als z.B. der holländische Tee. Dies stellte ein Problem für die amerikanischen Händler da, weil sie nicht mit diesem niedrigem Preis konkurrieren konnten. Dieser Frust entlud sich dann in der Boston Tea Party.

Aber warum haben die amerik. Händler nicht einfach den indischen Tee gekauft oder haben sie das gemacht?
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 566

BeitragVerfasst am: 15 Aug 2007 - 17:11:56    Titel:

Shorty007 hat folgendes geschrieben:

Bist du dir Sicher, das der Wohlfahrtsauschuss, das Nationalkonvent kontrollierte.


Ja absolut. Es geht um den Unterschied zwischen theoretisch und praktisch. Theoretisch war der Wohlfahrtsausschuß "nur" ein Ausschuß des Konvent, praktisch dominierte Robespierre und sein Anhang (der ja sowohl im Ausschuß als auch im Konvent saß) den Konvent. Konkret: am Ende der Terrorherrschaft war im Konvent niemand mehr seines Lebens sicher, weil keiner mehr wußte, was im Wohlfahrtsausschuß ausgebrütet wurde. Der Sturz Robespierres war ein Verzweiflungsakt der Abgeordneten. Die Macht lag faktisch beim Ausschuß, der Konvent nickte dessen Beschlüsse eigentlich nur ab.
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 566

BeitragVerfasst am: 15 Aug 2007 - 17:18:13    Titel:

Shorty007 hat folgendes geschrieben:

Es gab also in den Kolonien beim Einfuhr von Waren zwei Zölle. Einmal den Zoll der bei der Einfuhr an die englische Krone entrichtet werden musste und einmal der nordamerikanische Zoll.

Aber warum haben die amerik. Händler nicht einfach den indischen Tee gekauft oder haben sie das gemacht?


Also es gab nur den englischen Zoll, denn einen nordamerikanischen Zoll kann es ja nicht geben, weil Nordamerika ja noch kein Staat war.

Machen wir es praktisch: ein englisches Schiff landet mit indischem Tee in Boston. Der Tee wird verzollt, das Geld landet in der britischen Kasse.
Danach kommt ein hollänbdisches Schiff mit indischem Tee; auch diese Ladung wird verzollt, sofern das holl. Schiff überhaupt einen solchen Hafen anlaufen durfte (galt die Navigationsakte noch??? muß ich nachprüfen); und auch dieses Geld landet im britischen Staatssäckel. Möglicherweise war der Zoll, der vom engl. Schiff erhoben wurde niedriger, somit war der Tee auch billiger.
Die amerikanischen Händler haben auf jeden Fall indischen Tee gekauft, die Frage ist immer nur, wie hoch wird er verzollt und wer führt ihn ein. Durfte eine Nichtbritische Firma überhaupt Waren in die engl. Kolonien einführen oder nicht? Sorry aber ich stelle fest, der Teufel steckt im Detail
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 566

BeitragVerfasst am: 15 Aug 2007 - 17:29:37    Titel:

So, habe mich ein wenig schlau gemacht, also …
Zur Sanierung des durch den French and Indian War stark desolaten Staatshaushalt erhebt England ab 1764 wieder Einfuhrzölle auf diverse Waren, die es vorher scheinbar nicht gab (zumindest nicht auf Einfuhren durch britische Schiffe und Firmen). In den Zusammenhang gehört auch die Stempelsteuer von 1765. Dagegen opponieren die Kolonien und setzen sich durch, was die Stempelsteuer angeht. 1767 legt England wieder nach, diesmal unter anderem mit einer Teesteuer. Dagegen gibt es wieder Widerstand, die Briten geben nach, bis auf den Teezoll. Von diesem Teezoll wird die Ostindienkompagnie befreit um so quasi mit Dumpingpreisen den Schmuggeltee zu unterbieten.
Demnach müsste der normale Neuenglandteetrinker dreierlei Teesorten zur Verfügung gehabt haben:
a) teuren verzollten Tee
b) billigeren geschmuggelten Tee
c) billigen (weil unverzollten) Ostindienkompanietee
Dagegen rebellieren die Kolonisten der Boston Tea Party, der Rest ist Geschichte.
Shorty007
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Anmeldungsdatum: 27.07.2007
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 16 Aug 2007 - 17:18:55    Titel:

Danke für deine Antwort.

1.)Bezüglich der Zölle redest du weiter oben von einem holländischen Schiff das indischen Tee nach Nordamerika einführt. Jedoch dürfte doch so ein Transport augrund der Navigationsakte, die erst im 19.Jahrhunder außer Kraft trat, wenn dann nur auf illegalem Wege zustande gekommen sein.

Warum haben sich die Kolonisten eig über den Wegbruch der Steuern für die Ostindienkompanie aufgeregt, rein wirtschaftlich gesehen konnte sie sich doch jetzt billigeren Tee kaufen?
Habe mal gelesen, das die amerikanischen Händler nicht mehr konkurrenzfähig waren, aber habe das schon damals nicht richtig verstanden, da die Händler theoretisch doch die Möglichkeit hatten den billig importierten englischen Tee zu kaufen oder?

Meine Ansätze sind:

- hatten Angst vor einem Monopol der Ostindienkompanie auf die Teebranche
- Profit aus dem Teegeschäft kann genutzt werden um Neuengland zu kontrollieren

Also konkret: Was hat zur Boston Tea Party geführt?

Wäre über eine Vervollständigung der Ansätze dankbar Wink

2.)Frage ich mich noch, wie es in den französischen-, spanischen- und niederländischen Kolonien mit der Besteuerung zu ging. Gab es auch hier Bestrebungen nach Unbhängigkeit. Meiner Meinung nach müsste der französische und spanische Teil Nordamerikas, die englischen Siedler auf jedenfall unterstützen, da das französischen Mutterland auch tatkräftig Hilfe leistete. Das Spanien auch Hilfe leistet ist eine logischen Schlussfolgerung, da auch auf ihrem Thron ein Bourbon, während des spanischen Erbfolgerkriegs installiert worden ist. Niederlande wird als Beweggrund die Schwächung der englischen Seemacht durch Verringerung des englischen Budgets betrachtet haben.

3.) In einem Wikiedia Artikel habe ich gelesen, dass die Industrie in Nordamerika durch das britische Mutteland verboten war, da dieses erreichen wollte das die Siedler Neuenglands Güter aus England einfühgren musste. Auf einer Karte von 1775 ist jedoch vornehmlich im Norden Neuenglands, wie wir das aus dem späterem Bürgerkrieg kennen, eine starke Industrie vorhanden, was die Existenz dieses Gesetzes in Frage stellt?


4.)Habe ich noch eine Frage zur Parteienstruktur während der französischen Revolution.

Beim Zusammentritt der Nationalversammlung existiserte der bretonische Klub. Dieser spaltete sich mit der Zeit in Jakobiner, die Cordeliers und die Feuillants.
Die Feuillants waren sehr monarchistisch spaltete sich von dem Klub nach der Flucht des Königs ab.
Die Cordeliers spalteten sich später noch in die Dantonisten und Hebertisten auf, die beide sehr linksradikal waren und den Terror unter Robespierre unterstützten und sogar noch härtere Maßnahmen forderten.
Die Girondisten gingen aus den Jakobiner hervor stießen jedoch mit ihnen in Konflikt und wurden unter der Terrorherrschaft beseitigt. Sie vertraten das Großbürgertum in der Provinz.
Aus dem Jakobinerclub entsand auch die Bergpartei, die oft als Synonym für Jakobiner verwendet wird. Diese wollten die Revolution voranbringen.
Aus den Reihen der Jakobiner wurde auch die spätere Partei der Thermodianer rekrutiert, die den Sturz Robespierre durchführten.

Meine Fragen lauten jetzt folgendermaßen:

Wie waren die politischen Ausrichtungen der einzelnen Parteien?
Worin bestand der Unterschied zwischen Bergpartei und den Jakobiner?
Ursprung aller Parteien ist doch der Jakobinerklub
=> Welche Parteien gab es noch die eher rechts standen, also konservativ ausgerichtet waren, abgesehen von den Feuillants und den Girondisten?
In diesem Zusammenhang fällt mir noch der Aufstand in der Vendee ein. Diese waren royalistischenen-katholioschen gesinnt, aber es gab hier doch keine Partei, die sie in der Nationalversammlung vertrat, oder?
Shorty007
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Anmeldungsdatum: 27.07.2007
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 01 Sep 2007 - 23:17:43    Titel:

Nun haben sich noch einige Fragen ergeben:

Warum dauerte es nach der großen Entwicklung der Industrie solange bis soziale Reformen eingeführt worden sind?

Meine Ansätze sind:

- Unternehmer wollten möglichst großen Gewinn machen
- Unternehmer hatten durch großes Vermögen viel Einfluss auf die Politik(Zensuswahlrecht)
- der Staat hatte Angst seine größten Steuerzahler zu verlieren

Außerdem stellt sich noch eine Frage zu den Allianzen des ersten Weltkriegs:

Wie kam es dazu das Österreich-Ungarn und Preußen Seite an Seite kämpften, trotz des Dualismusder davor lange Zeit herrschte.
Der einzige Plausible Grund für mich ist, ist das sie beide geographisch eingegrenzt in Mittelueuropa waren. Desweiteren waren sie noch im Dreibund miteinander verbündet, der nach dem Berliner Kongress geschlossen wurde.

Aber wie kam es zu dieser Veränderung der Beziehungen?

Danke für die Antwort Wink
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 566

BeitragVerfasst am: 02 Sep 2007 - 11:00:58    Titel:

Ich fang mal mit der letzten Frage an:

Shorty007 hat folgendes geschrieben:
Außerdem stellt sich noch eine Frage zu den Allianzen des ersten Weltkriegs:

Wie kam es dazu das Österreich-Ungarn und Preußen Seite an Seite kämpften, trotz des Dualismusder davor lange Zeit herrschte.
Der einzige Plausible Grund für mich ist, ist das sie beide geographisch eingegrenzt in Mittelueuropa waren. Desweiteren waren sie noch im Dreibund miteinander verbündet, der nach dem Berliner Kongress geschlossen wurde.

Aber wie kam es zu dieser Veränderung der Beziehungen?

Danke für die Antwort Wink


Dahinter steht die Vorstellung, die man bei vielen Zeitgenossen (vor allem Schülern) findet. Wenn einmal etwas so ist, dann muß es auch so bleiben. In der Politik ändern sich die Konstellationen aber oft sehr schnell und das wird dann meistens auf den schlechten Charakter der Politiker geschoben, weil die eben korrupt oder sonst was sind. Bestes Beispiel ist die US Außenpolitik, aber das ist nicht das Thema.

Also zu Deutschland. Bismarck war ein zu kreativer Kopf, als daß er sich durch tradierte Vorstellungen und überkommene Feindbilder seine Freiheit des polit. Handelns hätte beschneiden lassen. Konkret:
Der Dualismus entstand allein aus der Frage nach der Vorherrschaft in deutschland. Als diese Frage 1866 entschieden war (und zwar zugunsten Preußens), war der Dualismus beendet. Er hätte weiterhin die Geschicke des Landes bestimmen können, wenn Bismarck den Wünschen seines Königs und der Militärs nachgegeben und Österreich gedemütigt hätte. Da Bismarck aber schon längst erkannt hatte, daß die große Auseinandersetzung mit Frankreich noch bevor stand, war ihm schon nach Königgrätz klar, daß ein Ausgleich und ein Vertrauensvolles Verhältnis zu Österreich für deutschland lebensnotwendig war. Daraus erwuchs der erbitterte Konflikt auf dem Kronrat in Nikolsburg, aus dem Bismarck letztlich (und zum Glück) als Sieger hervorging.
Nach dem Krieg 1871 war Bismarck weiterhin klar, daß mit Frankreich ein solcher Ausgleich nicht zu erreichen war (einige Anläufe etwa in der Kolonialpolitik hat er versucht), sondern daß Frankreich isoliert gehalten werden müsse. Dazu brauchte er vor allem Ruhe an Deutschlands Ostgrenze und dazu war ein Einvernehmen mit Österreich und Rußland wichtig. Das Einvernehmen mit Rußland bestand schon seit 1863, das mit Österreich wurde nach 1866 aufgebaut. Beide Mächte waren natürlich umgekehrt auch ihrerseits an guten Beziehungen zu Deutschland interessiert.
So gut die Konstruktion des Dreikaiserbündnisses auch gedacht war, in der Praxis ergaben sich im Laufe der Jahre Probleme, weil der Nationalismus die Balkanvölker langsam in Wallung brachte und vor allem Rußland diesen panslawistsichen Strömungen sehr positiv gegenüber stand. Der Zar, vor allem Nikolaus II. war kaum in der Lage, diese gefährlichen Strömungen an seinem Hof entgegenzutreten.
Daher drifteten Österreich und Rußland mehr undmehr auseinander und drängten Deutschland auf eine eindeutige Festlegung. Bismarck versuchte, diesem Drängen auszuweichen, da er keinen seiner östlichen Partner aufgeben wollte, aber es wurde auch für dieses polit. Genie immer schwerer. Am Ende stand der berühmte Rückversicherungsvertrag, der von vielen als diplomatische Glanzleistung gerühmt wird, in Wahrheit aber ein Akt purer Verzweiflung war um das zusammen zu halten, was nicht mehr zusammen hält.
Der "Neue Kurs" unter Wilhelm II. gibt diese Politik insofern auf, als eine klare Neupositionierung der deutschen Außenpolitik vorgenommen wird (zu diesem zeitpunkt ist Bismarck aber nicht mehr im Amt), allerdings mit der Konsequenz, daß Rußland ins feindliche Lager abdriftet. Umso mehr wird Österreich zum Eckpfeiler der deutschen Außenpolitik, ob diese Entscheidung gut war, mag dahungestellt bleiben, sie wurde aber sehenden Auges und bewußt getroffen.
Die enge Bindung der beiden Partner hat zunehmend fatalere Folgen und es war schon ein prophetisches Wort, als Reichskanzler v. Bülow im Reichstag das beiderseitige Verhältnis mit "Nibelungentreue" kennzeichnete. Diese Nibelungentreue forderte Wien in der Julikrise tatsächlich ein und Deutschland stellte denn auch den "Blankoscheck" aus. Der Rest ist Geschichte...
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