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"Am Turme" Annette von Droste Hülshoff, hab ich Fr
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Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> "Am Turme" Annette von Droste Hülshoff, hab ich Fr
 
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Berndl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2007 - 20:17:57    Titel: "Am Turme" Annette von Droste Hülshoff, hab ich Fr

Wir müssen dieses Gedicht bis in 4 Tagen interpretieren als Hausaufgabe:

-----------------------------------------------------------------------------------------------
Am Turme

Ich steh' auf hohem Balkone am Turm,
Umstrichen vom schreienden Stare,
Und lass' gleich einer Mänade den Sturm
Mir wühlen im flatternden Haare;
O wilder Geselle, o toller Fant,
Ich möchte dich kräftig umschlingen,
Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben dann ringen!

Und drunten seh' ich am Strand, so frisch
Wie spielende Doggen, die Wellen
Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,
Und glänzende Flocken schnellen.
O, springen möcht' ich hinein alsbald,
Recht in die tobende Meute,
Und jagen durch den korallenen Wald
Das Walroß, die lustige Beute!

Und drüben seh ich ein Wimpel wehn
So keck wie eine Standarte,
Seh auf und nieder den Kiel sich drehn
Von meiner luftigen Warte;
O, sitzen möcht' ich im kämpfenden Schiff,
Das Steuerruder ergreifen,
Und zischend über das brandende Riff
Wie eine Seemöve streifen.

Wär' ich ein Jäger auf freier Flur,
Ein Stück nur von einem Soldaten,
Wär' ich ein Mann doch mindestens nur,
So würde der Himmel mir raten;
Nun muß ich sitzen so fein und klar,
Gleich einem artigen Kinde,
Und darf nur heimlich lösen mein Haar,
Und lassen es flattern im Winde!
-----------------------------------------------------------------------------------------------
Ich komm bis jetzt damit ganz gut klar,nur kann ich mit einigen Begriffen nichts anfangen.


1. Was ist ein "Fant"? (Vers 5)
2. Was meint das lyrische Ich mit "Sehne an Sehne" genau? (Vers 7)
3. Was bedeutet die "lustige" Beute, warum benutzt sie das wort "lustig"? (Vers 16)

mfg Berndl
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2007 - 22:09:07    Titel: Re: "Am Turme" Annette von Droste Hülshoff, hab ic

Berndl hat folgendes geschrieben:
Ich komm bis jetzt damit ganz gut klar...


Ja? Für mich sieht es so aus, als ob du hier nur deine Hausaufgaben ins Forum setzen würdest. Razz
Berndl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 02 Okt 2007 - 15:30:16    Titel:

Nein ganz und garnicht! Hab meine bisherigen ergebnisse mal in den pc getippt:

Am Turme

allgemein

- jede Strophe in 2 Hälften geteilt
- 1. Hälfte: Aussage über Situation des lyrischen Ichs
- 2. Hälfte: der dadurch angeregte vergebliche Wunsch
- Reimschema abab und cdcd
- lyrisches Ich eine Frau
- wahrscheinlich die Droste selbst

1. Strophe

- Turm steht für Einsamkeit
- lyrisches Ich ist allein und Turm engt sie ein
- schreiende Stare zeigen triste Gegend, es ist langweilig
- Mänade: Gefährtin des Weingottes Dyonisis
- steht für Ausgelassenheit
- Sturm und flatterndes Haar steht für Freiheit
- Wind ist der Geselle
- will Wind (also Freiheit) umschlingen
- möchte mehr Freiheiten haben
- Sturm kann auch für Veränderung stehen
- Veränderung der alten Verhältnisse
- Emanzipation der Frau
- Konjunktiv: Wunschäußerung
- Sehne steht für geringen Raum zw. Leben und Tod
- Ringen um Leben und Tod -> Abenteuer erleben
- „!“ bedeutet sehnlicher Wunsch nach mehr Freiheit

2. Strophe

- Doggen und Wellen verkörpern Freiheit
- Geklaff und Gezisch: ungezügelt -> Freiheit ungebändigt
Ausgelassenheit -> Unbeschwertheit der Doggen
-> will lyrisches Ich auch haben
- Flocken -> Wellen und Gischt
- Gischt: Erfrischung -> Auffrischung des Lebens, mehr Spannung
- lyrisches Ich will so schnell wie möglich ins Wasser springen („alsbald“)
- „in die tobende Meute“ -> lyr. Ich will Teil der Freiheit werden
- Freiheit selbst erleben
- Sprung ins kalte Wasser -> Neugierde auf das Kommende
- Metapher: „korallener Wald“ -> steht für das Meer
- Meer bedeutet Unendlichkeit, Freiheit
- lyr. Ich will auf See jagen
Berndl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 19 Okt 2007 - 12:38:45    Titel: Meine Interpretation

Ich hab mal das ganze Gedicht Vers für Vers interpretiert:

1.Strophe

Ich steh' auf hohem Balkone am Turm,
-> das lyrische Ich steht auf einen Balkon, von dem es seine gesamte Umgebung überblicken kann
-> da dieser an einem Turm ist und extra das Adjektiv „hoch“ verwendet wird, kann das lyrische Ich nur beobachten, es kann also selbst nicht an seiner Umgebung teilnehmen

Umstrichen vom schreienden Stare,
-> beschreibt die derzeitige innere Verfassung des lyrischen Ichs (aufgewühlt, unzufrieden, beunruhigend)

Und lass' gleich einer Mänade den Sturm
-> mit Sturm ist Wind gemeint, dieser ist ein Symbol für Freiheit, d.b. das lyrische Ich möchte mehr Freiheit

Mir wühlen im flatternden Haare;
-> früher war es Sitte, dass die Frauen geschlossene Haare tragen, das öffnen der Haare war ungern gesehen und wurde verpönt, es entsprach nicht den Vorstellungen der Gesellschaft
-> die flatternden Haare stehen für außerdem für Bewegung, d.b. das lyrische Ich möchte mehr Bewegung in ihrem Leben haben

Bis jetzt hat das lyrische Ich seine Umgebung beschrieben, was es sieht und was es fühlt. In der ersten Hälfte jeder Strophe beschreibt das lyrische Ich immer was es sieht und in der zweiten Hälfte jeder Strophe werden die Wünsche geäußert, die daraus entstehen. Nun folgt in der zweiten Hälfte der 1. Strophe die Wunschäußerung.

O wilder Geselle, o toller Fant,
-> das lyrische Ich fühlt sich alleine und möchte Gesellschaft

Ich möchte dich kräftig umschlingen,
-> es WILL mehr Gesellschaft

Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben dann ringen!

-> es möchte in der Gesellschaft mehr Spannung erleben
-> sie möchte mit der Gefahr „Sehne an Sehne“ sein, d.b. es möchte der Gefahr sehr nah kommen, mehr Nervenkitzel erleben, selbst auf „Leben und Tod“
-> die „zwei Schritte vom Rand“ verstärken den Wunsch ein Risiko einzugehen, um ihr Leben spannender zu gestalten

2.Strophe

Und drunten seh' ich am Strand, so frisch
-> sie sagt, selber dass sie SIEHT

Wie spielende Doggen, die Wellen
-> das lyrische Ich sieht die Wellen und vergleicht sie mit spielenden Doggen, die für Getümmel und Bewegung stehen

Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,
-> gesamter Vers bezieht sich noch auf die Doggen, die für die Bewegung stehen, die sich das lyrische Ich in ihrem Leben wünscht

Und glänzende Flocken schnellen.
-> das lyrische Ich sieht die Wellen

O springen möcht' ich hinein alsbald,
-> hier fiel mir der Spruch „Der Sprung ins kalte Wasser“ ein, d.b. das lyrische Ich würde gern ins kühle Nass springen um sein Leben aufzufrischen, zu so einem Sprung gehört auch ein wenig Mut, den das lyrische Ich nicht besitzt, es aber gern hätte

Recht in die tobende Meute,
-> ist sich einer Gefahr bewusst und nimmt es in Kauf, es wünscht sich praktisch mehr Spannung in ihrem Leben

Und jagen durch den korallenen Wald
-> das Verb „jagen“ steht wohl eindeutig für Spannung und Abenteuer, da das lyrische Ich durch den „korallenen Wald“ jagen möchte muss es tauchen, es möchte in ein Neues Leben eintauchen

Das Walroß, die lustige Beute!
-> das Walroß ist wohl einer der größten Lebenwesen der Welt, das lyrische Ich möchte es also mit den größten Dingen aufnehmen um mehr Abenteuer in sein Leben zu bringen

3.Strophe

Und drüben seh ich ein Wimpel wehn
-> das lyrische Ich sieht eine (dreieckige) Fahne wehen

So keck wie eine Standarte,
-> das lyrische Ich vergleicht es mit einer viereckigen Fahne (hier versteh ich nicht was das lyische Ich ausdrücken möchte, als es den Wimpel mit der Standarte vergleicht?)

Seh auf und nieder den Kiel sich drehn
-> das lyrische Ich sieht die Bewegung der Fahne, es möchte genau so viel Bewegung in seinem Leben

Von meiner luftigen Warte;
-> das lyrisch beobachtet die Fahne von seinem Balkon aus (mehr fällt mir zur „luftigen Warte“ nicht ein)

O, sitzen möcht' ich im kämpfenden Schiff,
-> das lyrische Ich möchte in dem Schiff sitzen, welches es sieht
-> das Schiff steht symbolisch für die Person des lyrischen Ichs, es möchte für seine Freiheit „kämpfen“

Das Steuerruder ergreifen,
-> Symbol: das lyrische möchte selbst sein Leben „lenken“

Und zischend über das brandende Riff
-> das „Riff“ steht für die Gesellschaft, würde das lyrische Ich mit dem Schiff fahren dann würde es irgendwann auf das Riff (die Gesellschaft) stoßen

Wie eine Seemöve streifen.
-> aber als Seemöve kann das lyrische Ich über das Riff fliegen (sich über die Gesellschaft hinwegsetzen)
-> zu gleich ist die Seemöve wieder ein Symbol für Freiheit

4.Strophe

In der 4. Strophe beginnt das lyrische Ich mit den Wunschvorstellungen und fällt gegen Ende wieder in ihre Realität zurück.

Wär' ich ein Jäger auf freier Flur,
-> Jäger ist ein Symbol für Abenteuer und mehr Spannung, welches das lyrische ich in ihrem Leben wünscht

Ein Stück nur von einem Soldaten,
-> der Soldat hat was kämperisches, das lyrische Ich wünscht sich wie ein Soldat um ihre Wünsche zu kämpfen

Wär' ich ein Mann doch mindestens nur,
-> das lyrische Ich wünschst sich die Privilegien und die Freiheiten eines Mannes zu genießen

So würde der Himmel mir raten;
-> Bezug zu Gott im Himmel, dieser wollte das alle Menschen gleich sind und die gleichen Rechte besitzen sollten, sowohl Männer als auch Frauen

Nun muß ich sitzen so fein und klar,
-> fällt in die Realität zurück, in der dem lyrischen Ich alles vorgeschrieben wird und nach den Regeln der Gesellschaft leben muss
Gleich einem artigen Kinde,
-> Symbol für Gehorsam, das lyrische darf nicht ihren Wünschen und Vorstellungen nachgehen, genau so wie es ein artiges Kind nicht tut

Und darf nur heimlich lösen mein Haar,
-> das lyrische Ich darf nur heimlich ihre Gedanken äußern
-> das heimliche Lösen ist ein erster Schritt sich gegen die Gesellschaft zu stellen, was sich das lyrische Ich aber nur „heimlich“ getraut

Und lassen es flattern im Winde!
-> vorheriger Vers wird zu ende geführt, die Haare flattern
-> Wind ist wieder ein Symbol für Freiheit

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Verbesserungen sind erwünscht, ich bekomm dafür nächste Woche eine Benotung
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
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BeitragVerfasst am: 20 Okt 2007 - 15:37:31    Titel:

Mir ist die From deiner Interpretation fremd, es wirkt alles so zerstückelt, obwohl du viel Richtiges schreibst.

Musst du die Interpretation nicht in einen Gesamttext einbinden (etwa: Einleitung, Inhalt, Analyse, Schluss)?

Wenn du das Gedicht autobiografisch deutest (was sich auch anbietet), dann würde ich ein paar biografische Elemente mit einfließen lassen (wann und wo geschrieben, Lebensumstände der Droste), dann wird der Kontext des Gedichtes klarer (was sieht sie denn für ein Gewässer von ihrem Balkon aus? usw. usw.).

Nachdem du jeden Vers einzeln durchgegangen bist, fehlt sowas wie eine gesamte Deutung. Deine gewonnenen Erkenntnisse müssen jetzt doch irgendwie aufeinander bezogen werden.


P.S.: Im Gegensatz zum "Wimpel" hat eine "Standarte" eine militärische Bedeutung.
Berndl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 20 Okt 2007 - 19:18:27    Titel:

Ich muss das Gedicht mündlich interpretieren (mithilfe von Stichpunkten), deswegen kein ganzer Text. Danke für den Tipp mit den biografischen Fakten.

Wie sieht denn eine Gesamtdeutung aus?

Ich vermute, dass das lyrische Ich die Droste-Hülsoff selbst ist. Sie lebt ein Leben das sie ablehnt. In ihrem Gedicht bringt sie Wünsche zum Ausdruck, dass sie zum Beispiel die Freiheiten und Privilegien eines Mannes genießen möchte. Doch nur "heimlich" kann sie ihre Wünschen freien Lauf lassen...

->so ungefähr?

mfg berndl
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 20 Okt 2007 - 22:38:22    Titel:

Die "Pflichttexte" aus Wikipedia sind äußerst schwach:

http://de.wikipedia.org/wiki/Droste-H%C3%BClshoff
http://de.wikipedia.org/wiki/Am_Turme
http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Meersburg

Besser ist diese Biographie:

http://www.xlibris.de/Autoren/Droste-Huelshoff/Biographie/Biographie.htm

Hier wird deutlich, warum sie nie geheiratet hat und das "eintönige Leben eines adeligen Fräuleins" führte, dann aber (als sie sich des 17 Jahre jüngeren Schücking "mit halb mütterlicher Fürsorge, halb Verliebtsein" annahm) pötzlich 1841/42 in ihrer Lyrik den Durchbruch hatte. Natürlich war diese Beziehung damals absolut undenkbar (abgesehen davon war er der Sohn ihrer verstorbenen Freundin), aber das dadurch aufkommende Lebensgefühl merkt man dem Gedicht an - es wirkt geradezu jugendlich, oder nicht?

Du könntest beim Vortrag ein Bild von der Droste zeigen, dann sieht man das mit den Haaren besser, aber bitte nicht das vom 20-Mark-Schein. Denn wie du jetzt weißt, war sie bereits etwas älter, als sie das Gedicht schrieb (nämlich 45).


Zitat:
jede Strophe in 2 Hälften geteilt
- 1. Hälfte: Aussage über Situation des lyrischen Ichs
- 2. Hälfte: der dadurch angeregte vergebliche Wunsch
- Reimschema abab und cdcd


Die Teilung einer jeden Strophe in zwei Hälften geschieht also sowohl inhaltlich als auch formal. Das Reimschema (Kreuzreim) unterstützt die inhaltliche Zäsur (ein Schweifreim etwa wäre doch hier ganz undenkbar, weil er die Trennung aufheben würde). So müsste man die einzelnen durch die Analyse gewonnenen Erkenntnisse aufeinander beziehen.
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