Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Zukunft der sozialen Marktwirtschaft [Bereiche/Themen]
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Zukunft der sozialen Marktwirtschaft [Bereiche/Themen]
 
Autor Nachricht
drohdeifl
Inaktiver Account
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2007 - 15:41:22    Titel:

Nur irgendwann wird es zwangsweise zu einer unpopulären Entscheidung bzgl. der dt. Marktwirtschaft kommen. Denn das aktuelle System wird es äußerst schwer haben, langfristig zu bestehen. Gerade wenn man die steigenden Sozialausgaben betrachtet, wird das Problem offensichtlich. Kurz, man muss in Zukunft umstrukturieren, selbst wenn es nicht von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert wird.
Pauker
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2007 - 17:12:26    Titel:

Es ist die Frage, ob man Ungerechtigkeit (oder als solche empfundene) hinnehmen muss oder ob man aktiv etwas dagegen tut. Nenn mich hoffnungslos optimistisch, aber ich möchte nur in einer Welt leben in der letzteres möglich ist.

Gruß
Pauker
drohdeifl
Inaktiver Account
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2007 - 20:17:05    Titel:

Ich kann deine Argumentation gut verstehen. Dennoch denke ich, dass langfristig gesehen, eine deregulierte Marktwirtschaft (ein Schritt Richtung freie MW) jedem Bürger zu Gute kommt.
Kurzfristig ist dies natürlich erstmal nicht der Fall, da die Sozialleistungen signifikant auf ein Minimum reduziert würden. Doch wenn man im Verlauf einiger Jahre den Standort Deutschland attraktiv machen kann und Unternehmen entlasten kann, wird sich dies positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Die Gefahr ist natürlich, dass hier zwei Dinge durcheinander gehen: Zum einen die Debatte Bürokratieabbau, weniger Staat, mehr Markt und die der Sozialleistungen. Dennoch kann es doch nicht sein, dass 35-40 Milliarden im Jahr Bürokratiekosten sind.

Ich fordere keine freie MW im klassischen Sinne, doch einen deutlichen Schritt in Richtung freie MW, weg von der staatl. regulierten MW.
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2007 - 21:01:06    Titel:

Kölner_VWLer hat folgendes geschrieben:
Eingreifen des Staates nur im Falle von offensichtlichem Marktversagen (was gar nicht so oft vorkommt) und zur Sicherung des Existenzminimuns. Dieses Minimum muss aber wirklich ein Minimum sein, so dass sich jede Arbeit lohnt.


Ich hätte dazu ein paar Fragen:

Zum einen klingen Deine Argumentationen für mich nach Allgemeinplätzen, denen niemand widersprechen würde. Daher sind sie für mich relativ inhaltsleer. Bitte konkretisiere doch mal im Detail, wo es:

a) Marktversagen gibt
b) Märkte perfekt funktionieren und der Staat dennoch eingreift
c) wie Deiner Ansicht nach das Existenzminimum aussehen soll.

Warum gibt es Deiner Ansicht nach denn diese Eingriffe, wenn sie nichts bringen?

Beste Grüße
coffeinjunky
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2007 - 21:23:35    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Was allerdings wichtiger ist. Das mag THEORETISCH alles richtig sein.


Selbst das ist es aber nicht. Die Trennung von effizienter Allokation und entsprechender Verteilung kann nur unter der Annahme erfolgen, dass die Transaktionskosten = 0 sind (d.h. sie sind vernachlässigbar gering) und es keine Externalitäten gibt. Dies sind die beiden grundlegendsten Annahmen des ersten Hauptsatzes der Wohlfahrtsökonomie.

Stelle dir vor, B wird von seinen 3 Äpfeln nicht satt und hat Kinder. Er hat damit starke Anreize die Marktlösung nicht zu akzeptieren und mit schlagkräftigen Argumenten A davon zu überzeugen ihm seine Äpfel zu geben. Das nennt man "Kriminalität" und ist ein externer Effekt, weswegen die Marktlösung oftmals nicht als akzeptabel angesehen werden muss. Oder um es mit den Worten des Nobelpreisträgers Amartya Sen zu sagen: "In short, a society can be Pareto optimal and still be perfectly disgusting".

Mit anderen Worten: das Beispiel ist denkbar schlecht gewählt. Wenn jemand aber sagen würde, wir reden über beispielsweise Deko-Kerzen, dann ist sofort klar, dass die Marktlösung zu akzeptieren ist. Es wird aber leider sehr oft vom Markt für Deko-Kerzen (worüber die ökonomische Theorie sehr viel aussagt) auf z.B. den Arbeitsmarkt geschlossen, von dem wir wissen, dass Aussagen über eben diesem immer sehr genau und Vorsichtig sein sollten.

Ferner ist die Aussage, dass mehr Ungleichheit das Wachstum fördern würde, zu belegen. Ich würde mich darüber freuen, wenn Quellen genannt werden. Ein Zugang zu allen Ressourcen für eine breite Schicht der Bevölkerung ist nach meiner Kenntnis generell als superior zu werten, da dadurch ein größeres Investitionspotential generiert wird. Über eine Quelle zu obiger Aussage würde ich mich daher wirklich freuen.

Beste Grüße
coffeinjunky
drohdeifl
Inaktiver Account
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 00:18:39    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Ferner ist die Aussage, dass mehr Ungleichheit das Wachstum fördern würde, zu belegen. Ich würde mich darüber freuen, wenn Quellen genannt werden.


Da ich wenig Zeit habe, habe ich ca. 25 Sekunden gegoogelt. Vergleiche dazu S.11:

http://www.wiwi.uni-hannover.de/konj/veran/ss04/wuv/VorlesungEV6.pdf

Wie gesagt, bin etwas unter Zeitdruck. Deshalb konnte ich nicht den kompletten Kontext erschließen.
Universitätsprofessor
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 02.07.2007
Beiträge: 157
Wohnort: Karl-Marx-Stadt

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 00:27:13    Titel:

mtobi hat folgendes geschrieben:
coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Ferner ist die Aussage, dass mehr Ungleichheit das Wachstum fördern würde, zu belegen. Ich würde mich darüber freuen, wenn Quellen genannt werden.


Da ich wenig Zeit habe, habe ich ca. 25 Sekunden gegoogelt. Vergleiche dazu S.11:

http://www.wiwi.uni-hannover.de/konj/veran/ss04/wuv/VorlesungEV6.pdf

Wie gesagt, bin etwas unter Zeitdruck. Deshalb konnte ich nicht den kompletten Kontext erschließen.

Und nach der S. 11 kommt die S. 12. Bitte auch lesen !

Gez.
Der Universitätsprofessor
Pauker
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 00:34:51    Titel:

Meine Laienökonomie entbehrt der wissenschaftlichen Grundlage. Meine Studien sind schon etwas länger her und ich gebe zu, dass ich nie in die Tiefe vorgedrungen bin. Vermutlich liegt aber in der Annahme der einfachen Übertragbarkeit vereinfachter Modelle auf die Realwirtschaft das Grundproblem.

Ich weiß nicht, ob eine weitere Deregulierung theoretisch zu einer höheren Wohlfahrt führen würde. Ich weiß aber, dass sie wohl derzeit und in absehbarer Zukunft politisch kaum durchsetzbar sein wird.

Die nächste Frage ist, ob eine so starke Deregulierung (auch ökonomisch) überhaupt wünschenswert ist?

Hohe soziale Unterschiede darf sich jeder gerne mal in Brasillien anschauen. Dort leben die Menschen in einer Gesellschaft, in der es normal ist, dass jeden Morgen ein paar Tote in den Großstädten geborgen werden müssen. Die Polizei traut sich zum Teil nicht in die entsprechenden Slums herein, weil die Verbrecher besser ausgestattet sind (der freie Markt und Drogenhandel...) als die Ordnungshüter, so dass die Leichen auch mal 2 Tage rumliegen. Die täglichen Leichen werden dort als "hams" (Schinken) bezeichnet, so sehr hat man sich daran gewöhnt. Reichtum sollte man nicht auf der Straße zeigen oder sich nur noch mit Hubschraubern fortbewegen. Als Tourist immer schön 10 Dollar dabei haben, dass man dem Räuber auch was anbieten kann, sonst wird man aus Frust abgestochen.

In den USA gibt es ähnliche Problembezirke, nur dass die staatliche Machtposition wohl noch stark genug ist, um das ganze etwas besser unter dem Deckel zu halten. Aber auch da bin ich duch Bezirke gefahren, wo ich lieber keine Autopanne gehabt hätte.

Das sind ganz plastisch die externen Effekte einer Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Wohlstands.

Da liegt im Übrigen ein riesiges Potenzial an Menschen brach, weil diese es aufgrund ihrer Situation niemals zu einem höheren Bildungsabschluss bringen werden.

Das soll die Wirtschaft langfristig fördern?
Ist das in euren Wohlfahrtsmodellen abgebildet?

Gruß
Pauker
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 00:51:59    Titel:

Das es natürlich Effekte gibt, die über Ungleichheit das Wachstum fördert, ist natürlich klar. Das es auch konträre Effekte gibt, ist Dir hoffentlich auch klar. Wenn nicht, dann bitte Deine Quelle lesen. Wenn Du etwas findest, was etwas über den Netto-Effekt aussagt, wäre dies sehr schön. Wink

@Pauker: es ist durchaus korrekt, dass man davon ausgeht, dass es sowas wie eine "optimale" Regulierung (lets say R*) gibt. Zumindest in der Theorie. Leider ist R* nur sehr schwer aufzufinden. Man kann argumentieren, dass eine Regulierung R zum einen Kosten verursacht und zum anderen Nutzen bringt. Dort, wo die Grenkosten einer zusätzlichen Verschärfung der Regulierung dem Grenznutzen entspricht... die Argumentation kennst Du mit Sicherheit. Wink *gähn*

Eine einseitige Kosten-Betrachtung, wie z.B. aus Köln hier vorgetragen, kommt natürlich zu kurz, da auch positive Effekte von Regulierungen denkbar sind.

Da hier aber auch mit "Zwangs"-Phrasen und Werturteilen gearbeitet wurde, denke ich kaum, dass es hier um reine ökonomische Theorie gehen soll, sondern um Darstellung eigener politischer Ansichten. Vielleicht sogar ein Fall für das Politik-Forum. Wink

Beste Grüße
coffeinjunky
drohdeifl
Inaktiver Account
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 03 Nov 2007 - 12:32:44    Titel:

Universitätsprofessor hat folgendes geschrieben:

Und nach der S. 11 kommt die S. 12. Bitte auch lesen !

Gez.
Der Universitätsprofessor


Wie gesagt, ich hatte wenig Zeit. Dennoch sind Thesen gelistet, die behaupten, Ungleichheit fördere das Wachstum (genauso wie Thesen das Gegenteil behaupten). Es geht nur darum zu zeigen, dass es wissenschaftlich debattiert wird und nicht völlig aus der Luft gegriffen ist.

Auf einer Seite der Uni Siegen steht dazu:
Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten: Während zwischen Wachstum und Ungleichheit empirisch kein eindeutiger Kausalzusammenhang sichtbar ist [...]

Quelle: http://www2.uni-siegen.de/dept/fb05/vwli/Lehre/W_und_V/Seminar_WS04_05'/Weder_Oschinkski.pdf (S.1)

Sprich, weder das eine, noch das andere ist z.Z. empirisch nachweisbar.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Zukunft der sozialen Marktwirtschaft [Bereiche/Themen]
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter
Seite 3 von 6

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum