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Gedicht - Gesang der Toten - Interpretation?
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Gironimo
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Anmeldungsdatum: 18.10.2007
Beiträge: 21
Wohnort: Sindelfingen

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 10:55:22    Titel: Gedicht - Gesang der Toten - Interpretation?

Ok, lest euch das Gedicht mal durch und vl könnten wir ja drüber diskutieren, um was es geht. Das wäre sehr hilfreich, denn ich habe es schon probiert, aber ich komme leider nicht so weit.
Wäre nett, wenn sich einige dazu melden.


Lion Feutchwanger - Gesang der Toten

Es dorrt die Haut von unsrer Stirn,
Es nagt der Wurm in unserm Hirn.
Das Fleisch verwest zu Ackergrund,
Staub stopft und Erde unsern Mund.
Wir warten.

Das Fleisch verwest, es dorrt das Bein,
Doch eine Frage schläft nicht ein,
Doch eine Frage wird nicht stumm
Und wird nicht satt: warum? warum?
Wir warten.

Staub stopft und Erde uns den Mund,
Doch unsre Frage sprengt den Grund
Und sprengt die Scholle, die uns deckt,
Und ruht nichtm bis sie Antwort weckt.
Wir warten.

Wir warten. Denn wir sind nur Saat.
Die Antwort kommt, die Anwort naht.
Weh, wen sie trifft. Heil, wem sie frommt.
Die Antwort zögert, doch sie kommt.
Wir warten.

Lion Feuchtwanger war Jude, und deshalb denke ich dass er dies schreibt um die ungelösten Fragen beantwortet zu bekommen: Warum! In diesem Gedicht ist derjenige schon tot und liegt unter der Erde. Dort beschreibt er wie sein Körper zu Grunde geht, seine Seele jedoch noch auf eine letzte Antwort wartet um zur Ruhe zu kommen.

Die letzte Strophe von dem Gedicht, verstehe ich leider nicht: " Weh, wen sie trifft. Heil, wem sie frommt. "! Wie ist das denn zu verstehen?

Wäre super, wenn ihr antwortet.
Homo-sapiens
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Anmeldungsdatum: 20.10.2007
Beiträge: 13

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 15:44:29    Titel:

Hollo Gironimo
In der lezten Strophe ist die Antwort gemeint die unheil bringt im Sinne von:Sind wir bereit die Antwort zu ertragen?
Gironimo
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Anmeldungsdatum: 18.10.2007
Beiträge: 21
Wohnort: Sindelfingen

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 16:42:38    Titel:

Ah ok, danke.
Nur was ich gerade gelesen habe ist, dass das Gedicht 1915 veröffentlich wurde. Das heißt bevor das alles mit Hitler war. Mhh, dann verstehe ich das Gedicht nicht wirklich. Ich dachte es geht darum, dass sie eine Antwort verlangen für das was alles geschehen ist. Oder bezieht er sich hier auf den 1. Weltkrieg?
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 16:55:53    Titel:

Gironimo hat folgendes geschrieben:
Ah ok, danke.
Nur was ich gerade gelesen habe ist, dass das Gedicht 1915 veröffentlich wurde. Das heißt bevor das alles mit Hitler war. Mhh, dann verstehe ich das Gedicht nicht wirklich. Ich dachte es geht darum, dass sie eine Antwort verlangen für das was alles geschehen ist. Oder bezieht er sich hier auf den 1. Weltkrieg?


Ich sehe gerade, das Gedicht wurde auch "Lied der Gefallenen" genannt. Dann bezieht es sich nicht nur auf irgendwelche Toten, sondern auf die im 1.Weltkrieg gefallenen Soldaten.

Normalerweise würde man ja denken, dass nach dem Tod alles vorbei ist und man die Antworten auf die Fragen des Lebens dann erhält. Auch nach dem jüdischen Glauben steht man, soviel ich weiß, nach dem Tod nicht sofort wieder auf, sondern muss bis zum "Jüngsten Tag" warten. Aber dieses "Warten" geschieht nicht bewusst. Die Toten in dem Feuchtwanger-Gedicht aber warten, als ob sie noch leben würden. Dadurch bekommt die Frage nach dem "Warum?" ein viel größeres Gewicht. Selbst für die Toten bleibt die Frage quälend. Es ist nicht irgendeine Frage, sondern die Frage, warum Menschen im Krieg sterben müssen. Die Toten wissen es auch nicht. Der Grund dafür ist so unklar, dass die Frage wirklich nur ganz am Ende geklärt werden kann und nur von Gott allein. Dies ist natürlich doppeldeutig und meint: Dass Menschen im Krieg sterben müssen, ist völlig unsinnig, versteht keiner. Das wäre zumindest meine Interpetation.
Gironimo
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Anmeldungsdatum: 18.10.2007
Beiträge: 21
Wohnort: Sindelfingen

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 18:01:26    Titel:

Dies ist natürlich doppeldeutig und meint: Dass Menschen im Krieg sterben müssen, ist völlig unsinnig, versteht keiner. Das wäre zumindest meine Interpetation.

Danke schon mal für deine Antwort. So wie ich dich verstanden habe, denkst du, dass das Gedicht beschreibt, wie die Gefallenen auf eine Antwort warten ( von Gott). Aber an wen richtet sich das Gedicht dann? und warum ist der TITEL gerade: GESANG der Toten?

Ich denke, dass das ein guter Hinweis war, dass die Juden so lange bis zum jüngsten Gericht auf ihre Antwort warten, aber dennoch wenn sie doch eine Anwort letzendlich bekommen, warum steht dann in der letzten Strophe: Die Anwort kommt, die Antwort naht. Weh, wen sie trifft. Heil, wem sie frommt. ???

Wäre nett, wenn du dazu nochmal antworten könntest
Danke Smile
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 19:26:22    Titel:

Gironimo hat folgendes geschrieben:
aber dennoch wenn sie doch eine Anwort letzendlich bekommen, warum steht dann in der letzten Strophe: Die Anwort kommt, die Antwort naht. Weh, wen sie trifft. Heil, wem sie frommt. ???


Der Jüngste Tag ist zugleich Tag des Gerichts über die Guten und die Bösen. Die Antwort wird hier verbunden mit einem Schuldspruch. Wen er trifft, den erwartet die ewige Verdammnis, wem er nützt ("frommen" = nützen), der hat das ewige Heil. Die Erwartung der Antwort ist immer auch versteckte Drohung an die Lebenden, es besser und anders zu machen, denn am Ende steht sonst die Verurteilung Gottes.

Dieser drohenden Aspekt wird von Feuchtwanger noch viel mehr verstärkt, dadurch dass die Toten nicht einmal bis zum Jüngsten Tag Ruhe finden (wie es traditionell dem jüdischen Glauben entspricht), sondern sich bis dahin die ganze Zeit selbst quälen. Das Gedicht richtet sich natürlich an den Leser und damit an alle, insbesondere aber an die Verantwortlichen. Der Totengesang wird umgedreht: die Toten singen zu den Menschen (normalerweilse beweinen die Menschen in der Totenklage den Verlust eines Menschen). Dadurch bekommt das Gedicht einen erzieherischen Charakter, das Verhalten im Leben zu überdenken. Die bösen Taten sind mit dem Tod noch nicht vorbei, und in dieser Frage (etwa: Wozu sind wir im Krieg in den Tod geschickt worden?) ist es ganz besonders drängend, denn die Gefallenen beschäftigt ihr Schicksal sogar noch in der Zwischenzeit vom Tod bis zum Jüngsten Tag.
Gironimo
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Anmeldungsdatum: 18.10.2007
Beiträge: 21
Wohnort: Sindelfingen

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 19:36:27    Titel:

Danke, für die Antwort. Das hat mir sehr weitergeholfen. Jetzt verstehe ich das Gedicht besser und besser und kann es denke ich richtig interpretieren. Smile
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 19:45:37    Titel:

Gironimo hat folgendes geschrieben:
Danke, für die Antwort. Das hat mir sehr weitergeholfen. Jetzt verstehe ich das Gedicht besser und besser und kann es denke ich richtig interpretieren. Smile


Jau, denn du müsstest das alles eigentlich noch aus dem Gedicht herausarbeiten.

Zitat:
Staub stopft und Erde unsern Mund


Ein schönes Bild. Versuche einmal dem nachzugehen, was es sagen will, und achte darauf, wie er es weiterführt.
exphysiker
Gesperrter User
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Anmeldungsdatum: 12.04.2007
Beiträge: 1102

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2007 - 23:46:20    Titel:

Moin,

Zitat:
Es ist nicht irgendeine Frage, sondern die Frage, warum Menschen im Krieg sterben müssen.


Und was wäre eine Antwort auf diese Frage, die einem frommt? Und was ist dann mit der Saat gemeint?

Ich finde das Warum? bezieht sich auf die Frage, warum man auf der Welt ist. Welchen Sinn hatte das Leben, und wie hat man es entsprechend gelebt?

Als Antwort kann nur sein, dass man natürlich nicht dazu da ist, als Kanonenfutter zu dienen in einem sinnlosen Krieg, sondern, dass man sein Leben nach Gottes Willen gestalten sollte. Die Saat würde dann im Jenseits aufgehen, oder nicht, je nach dem, wie man hier gelebt hat.
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2007 - 10:22:57    Titel:

exphysiker hat folgendes geschrieben:
Die Saat würde dann im Jenseits aufgehen, oder nicht, je nach dem, wie man hier gelebt hat.


Das halte ich für eine gute Antwort. Man muss natürlich bedenken, dass 1915 jede öffentliche Hinterfragung des Kriegssinns oder gar eine offene Anklage der Verantwortlichen als Landesverrat gewertet worden wäre (zumal noch von einem jüdischen Autoren - offiziell galt der von der Zensur unterstütze "Burgfrieden"). Feuchtwanger bleibt so in einem allgemein-religiösen Rahmen, der aber sowohl für Christen wie auch Juden gilt und den er so drohend und mahnend wie möglich ausgestaltet.
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