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Mindestlohn langsam einführen
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Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Mindestlohn langsam einführen
 
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hanswürstchen
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Anmeldungsdatum: 24.12.2007
Beiträge: 73

BeitragVerfasst am: 24 Dez 2007 - 01:19:12    Titel: Mindestlohn langsam einführen

Moin,

als Gegenargument zum gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohn wird oft die Vernichtung von Arbeitsplätzen ins Feld geführt.
Wenn man aber einen Mindestlohn über 5 Jahre
2008 -> 4€
2009 -> 5€
2010 -> 6€
2011 -> 7€
2012 -> 8€
langsam einführt, dann könnte sich doch jedes Unternehmen darauf einstellen. Zur Not auch über 10 Jahre verteilt.
Die Argumente "Niedrige Löhne sind Menschenunwürdig" und "Ein Mindestlohn gefährdet Arbeitsplätze" sind, wie ich finde, moralisch etwa gleichwertig.
Durch die langsame Einführung jedoch könnte man das zweite Argument fast vollständig umgehen...

Was haltet ihr davon?
eb5-2k8
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Anmeldungsdatum: 20.10.2007
Beiträge: 359
Wohnort: Oestrich-Winkel

BeitragVerfasst am: 24 Dez 2007 - 01:55:40    Titel:

"Die Unternehmen können sich darauf einstellen." Und was soll das bringen? Wenn mit einem Mindestlohn X die Rendite nicht mehr stimmt fallen Arbeitsplätze weg. Ob der Mindestlohn dann 2008 oder 2012 eingeführt ist dabei egal. Oder meinst du damit, dass die Unternehmen dann Zeit haben ihre Preise zu erhöhen? Ohh das wäre toll! Die Leute die heute schreien MINDESTLOHN sind dann die die morgen schreien FRECHHEIT DIESE PREISERHÖHUNGEN. Arrow http://de.wikipedia.org/wiki/Lohn-Preis-Spirale
sidi
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Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 1708

BeitragVerfasst am: 24 Dez 2007 - 09:16:49    Titel:

Es ist doch mehr oder weniger klar, dass die Linke/SPD ein höhere ALQ/Inflation für den Mindestlohn in Kauf nehmen. Auch wenn keine Millionen Arbeitsplätze davon wegfallen würden, es würden welche wegfallen. Auch die Inflation könnte zu einem Problem werden, die dann wiederum genau die am schmerzhaftesten treffen würde die durch den Mindestlohn arbeitslos geworden sind.
Bei deiner (Hanswürstchen) Argumentation übersiehst du, dass wir nicht isoliert auf der Welt leben. Die Chinesen/Inder würden sich freuen, da noch mehr Arbeitsplätze outgesourct werden würden.
Die Linken sagen zwar immer, dass ein Mindestlohn die Kaufkraft erhöhen würde und somit neue Arbeitsplätze enstehen anstatt wegfallen würde. Jedoch würde zum einem eine höhere Inflation dies mindern zum anderen würde dieser kurzfristige(!) Kaufkraftanstieg nur bei einem Aufschwung richtig seine Kraft entwickeln. Bei einem Abschung oder gar Depression würde das zusätzliche Geld eher gespart. Nach einiger Zeit wäre dieser Kaufkraftanstieg jedoch wieder durch eine höhere Inflation oder/und magere Lohnsteigerungen kompensiert und dann?
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 24 Dez 2007 - 11:19:09    Titel:

Die Unternehmen kündigen dann die unrentablen Arbeitsplätze eben etwas langsamer und haben mehr Zeit sich im günstigeren Ausland nach entsprechenden Arbeitskräften umzuschauen. Was soll die langsame Einführung dann für Vorteile haben?

Gruß
Pauker
Shifty-V
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Anmeldungsdatum: 24.08.2007
Beiträge: 76

BeitragVerfasst am: 24 Dez 2007 - 12:23:34    Titel:

Glaube auch nicht das der Mindestlohn die lösung ist, obwohl die niedriglöhne genau so ........ sind. Eins der Probleme ist ja auch das die Aufträge immer an die Firmen gehen die am wenigsten verlangen (EU Gesetzt muss so sein) und dann am ende auch den angestellten kaum was zahlen. Schonmal kacke selbst das arbeitsamt muss leute beschäftigen die ca 3 euro verdienen

Finde den Combi lohn ganz interessant auch wenn der gewisse lücken vorweist oder risiken Wink z.b die leute die 900 euro verdienen hätte nix davon und der arbeitgeber könnte auch einfach die löhne senken damit er mehr zuschüsse bekommt.
eb5-2k8
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Anmeldungsdatum: 20.10.2007
Beiträge: 359
Wohnort: Oestrich-Winkel

BeitragVerfasst am: 25 Dez 2007 - 14:53:25    Titel:

sidi hat folgendes geschrieben:
Hmm ja, hatte letztes Jahr ein Seminar über Arbeitsmarktpolitik und der zuständige Dr. (ZEW/IZA) meinte bzgl. England, dass vom Mindestlohn früher nur relativ weniger davon betroffen waren um wirkliche ernsthafte Konsequenzen zu haben, jetzt jedoch kommt der Mindestlohn auch in Enlgand in Regionen wo er zu Problemen führen wird.


Im übrigen geht es in England seit Jahren wirtschaftlich steil bergauf. Dort werden die Früchte geerntet die Ms. Thatcher seinerzeit gesäht hat. Mir scheint ausserdem, die britischen Sozialdemokraten machen mehr Bürgerliche-Politik als hierzulande die CDU unter Öko- und Sozialkanzlerin Merkel, die ohnehin lieber auf internationalem Parkett glänzt und um die Welt jettet, als hier die verwahrloste "Sozialwohnung Deutschland" zu entrümpeln.
Durch die daraus resultierende, sensationelle wirtschftliche Lage in England, sind zwar die Preise hoch aber umso höher sind die Einkommen! Dh es ist leichter einen ML von zb umgerechnet 8€ durchzusetzen als in DE weil diese 8€ deutlich weniger Wert sind.

Auch verstehe ich nicht mit welchem Recht sich der Staat eigentlich herausnimmt, Mindestlöhne oder neuerdings auch Maximallöhne festschreiben zu können? Wenn ich als Inhaber (Aktionär) meinem Angestellten (Manager/Geschäftsführer) einen Lohn von 420 Mio. im Jahr zahlen will (mein Geld!) brauch ich mich dafür nicht zurechtfertigen. Es geht den Staat nichts an wieviel ich für die Dienstleistung zahle die mir erbracht wird! Umgekehrt wenn ich für mein Büro eine Putzkraft haben will und jemand zu mir kommt und ich im Arbeitsvertrag festlege 5€ / Stunde. Kann der AN frei entscheiden ob er den Vertrag animmt, mit mir verhandelt, oder sagt "nee das ist mir zuwenig putz selber". Niemand wird zu einem Arbeitsvertrag gezwungen. Mit welchem Recht kommt nun der Staat und sagt "entweder du zahlst ihm das doppelte oder du entlässt ihn"?
hanswürstchen
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Anmeldungsdatum: 24.12.2007
Beiträge: 73

BeitragVerfasst am: 25 Dez 2007 - 15:07:00    Titel:

eb5-2k8 hat folgendes geschrieben:
Dort werden die Früchte geerntet die Ms. Thatcher seinerzeit gesäht hat

Mit einfachen Behauptungen kommen wir hier nicht weiter. Wenn, dann muss man das schon begründen.

eb5-2k8 hat folgendes geschrieben:
Wenn ich als Inhaber (Aktionär) meinem Angestellten (Manager/Geschäftsführer) einen Lohn von 420 Mio. im Jahr zahlen will (mein Geld!) brauch ich mich dafür nicht zurechtfertigen.
[...]
Es geht den Staat nichts an wieviel ich für die Dienstleistung zahle die mir erbracht wird! Umgekehrt wenn ich für mein Büro eine Putzkraft haben will und jemand zu mir kommt und ich im Arbeitsvertrag festlege 5€ / Stunde. Kann der AN frei entscheiden ob er den Vertrag animmt, mit mir verhandelt, oder sagt "nee das ist mir zuwenig putz selber". Niemand wird zu einem Arbeitsvertrag gezwungen. Mit welchem Recht kommt nun der Staat und sagt "entweder du zahlst ihm das doppelte oder du entlässt ihn"?

Eigentum verpflichtet doch besonders dann, wenn man viel davon hat, und wenn es immer noch viel Armut gibt, dann sollte schon ein gewisser Rechtfertigungsdruck für Megagehälter auf dir lasten, wenn du sie zahlst.
Außerdem sollte man in Zeiten von Harzt 4 nicht mehr von "Niemand wird zu einem Arbeitsvertrag gezwungen" sprechen....

Aber ich möchte doch wieder zum Ursprungsthema verweisen.

Das Recht, dass sich der Staat herausnimmt, Mindestlöhne einzuführen, beruht darauf, die Menschen vor Ausbeutung zu schützen. Das zu deiner Frage...

Aber es ging mir mehr darum, wie ein Mindestlohn eingeführt werden kann, damit er keinen / kaum ökonomischen Schaden anrichtet...
sidi
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Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 1708

BeitragVerfasst am: 25 Dez 2007 - 15:36:17    Titel:

hanswürstchen hat folgendes geschrieben:


Aber es ging mir mehr darum, wie ein Mindestlohn eingeführt werden kann, damit er keinen / kaum ökonomischen Schaden anrichtet...



Na ja, gar nicht Smile. Sonst hätte man ihn ja schon längst irgendwie eingeführt. Ganz klar ökonomisch sinnvoller ist das Thema "Mindesteinikommen" (mal die Mitnahmeffekte ausgeklammert). Siehe ifo Institut/SVR etc., bzw. Komiblohnmodelle.
hanswürstchen
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Anmeldungsdatum: 24.12.2007
Beiträge: 73

BeitragVerfasst am: 25 Dez 2007 - 15:52:43    Titel:

Kanz klar ist das überhaupt nicht sinnvoller. Wie wäre es, wenn ein Unternehmen dann 0€ Lohn zahlt und der Staat legt den Rest drauf? Wer hindert Unternehmen an dieser Idee?
Es zeigt in die Richtung -> Gearbeitet wird für das Unternehmen und der Arbeiter wird dann vom Staat bezahlt.

Ist es nicht ein Zeichen für eine schieflage der Marktwirtschaft, wenn sie nicht flächendeckend anständige Löhen zahlen kann? Ich bin sicher, dass das Potential zu guten Löhnen in unserer Wirtschaft steckt, aber die Idee den Arbeiter mit niedrig Löhnen abzuspeisen ist einfach zu verlockend... dem würde ein Mindestlohn einen Riegel vorschieben...

Also bitte doch zurück zum Thema "wer hat noch Ideen oder Beweise für die gelungene Einführung eines Mindestlohns".
Kölner_VWLer
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Anmeldungsdatum: 09.08.2007
Beiträge: 1616

BeitragVerfasst am: 26 Dez 2007 - 00:35:24    Titel:

Zitat:
@Kölner_VWLer:

Zitat:

Kölner_VWLer hat folgendes geschrieben:

Wie dem auch sei, Mindestlöhne werden für sich genommen immer die Arbeitsnachfrage reduzieren


Hast du dich jetzt vertippt? Ein Mindestlohn macht jede noch so niedrig qualifizierte Arbeit enorm viel Attraktiver, demnach wird die nachfrage steigen.

Zitat:

Kölner_VWLer hat folgendes geschrieben:

Relative Armut kannst du nur dann besiegen, wenn alle genau gleich viel verdienen. Ansonsten wird es immer die ärmsten 25% geben. Selbst im Schlaraffenland.



Es geht hier aber nicht um relative Armut. Es geht darum, dass viele Menschen von Ihrem Lohn nicht menschenwürdig Leben können.
Es wäre ja schön, wenn nur die relative Armut das Problem wäre, aber es geht hier schon um eine konkrete untere Grenze die nicht unterschritten werden darf...



Okay kurz zu dem ersten:

Man spricht von Arbeitsnachfrage im Allgemeinen als Nachfrage nach dem Faktor Arbeit von seiten der Unternehmen und nicht als Nachfrage nach einem Arbeitsplatz seitens der Haushalte. Insofern wird natürlich die Arbeitsnachfrage wie ich schon geschrieben habe durch Mindestlöhne gesenkt.

Das Arbeitsangebot seitens der HH dagegen wird für die speziellen betroffenen Tätigkeiten steigen. Dies macht die Sit. für die jenigen mit den geringsten Qualifkationen noch schwerer. Plötzlich werden diese Tätigkeiten auch für deutlich besser qualifizierte attraktiv, Studenten beispielsweise! Und wer guckt in die Röhre-->Natürlich der Geringqualifizierte. Soziale Politik ist eben meist nicht sehr sozial in dem Sinne, dass sie den Menschen hilft.



Zum zweiten:

Imho kann man sowohl mit der Grundversorgung von Hartz IV; wie auch mit den 800-1000€ die man aus 5-6€ Jobs erhält ein "menschenwürdiges" Leben führen.

Und wie gesagt: Der Markt wird im Zeitablauf von alleine dafür sorgen, dass die Lohnuntergrenze immer mehr steigt.

Beispiel:

Hättest du in den 60er Jahren jemanden ohne besondere Qualifkationen gesagt er bekommt 5 Mark in der Stunde, was inflationsbereinigt unseren 5€ in der Stunde nahekommt..dann wäre dieser jemand sehr froh gewesen!

Bevor also jemand mit dem Argument "Löhne fallen ins Bodenlose" kommt sollte man sich genau die Empirie anschauen.

Die Lohnquote ist ziemlich konstant bei 60-65% während das BIP stark angestiegen ist.


Nochmal:

Es soll nicht der Eindruck aufkommen ich würde den Leuten nicht gönnen mehr zu verdienen. Aber leider kann man nicht per Gesetz beschließen, dass man reicher wird.

Der bessere Weg ist es, Weiterbildungsmöglichkeiten zu stärken und falls man unbedingt sozialpolitisch tätig werden will, dann besser durch direkte Transfers (in Maßen) anstatt einem Eingriff in die Preisbildung auf dem Arbeitsmarkt.


Kombilöhne birgen natürlich im einfachsten Modell tatsächlich die Gefahr, dass die Unternehmen dann einfach die staatliche Stütze ausnützen.

Mit viel Bürokratie könnte man das in den Griff kriegen, aber auch diese Variante erscheint mir nicht als Königsweg.

[/quote]
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