Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Suffixderivat oder Konvertat?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Suffixderivat oder Konvertat?
 
Autor Nachricht
Klöten-Karlo
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 29.12.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 29 Dez 2007 - 22:31:28    Titel: Suffixderivat oder Konvertat?

Hallo allerseits,

ich sitze hier grade vor meinem Linguistik-Ordner und bin ein wenig am Verzweifeln. Wäre super, wenn mir jemand weiterhelfen könnte...

Folgendes Problem:
Meine Unterlagen zum Thema Wortbildung sagen mir, dass es bei der Derivation u. a. die Möglichkeit gibt, aus einem bereits vorhandenem Lexem und einem Derivations-Suffix ein neues Lexem zu bilden.
Also bspw. frei (Lexem) + -heit (Derivations-Suffix) --> Freiheit (neues Lexem)

Soweit so gut...

Nun ist aber ein paar Seiten weiter die Rede vom Prozess der Konversion (Null-Derivation), den man z. B. bei Substantivierungen anwendet. Als Beispiel hab ich hier das Verb leben.
leben --> das Leben (Konvertat)

Auch das leuchtet noch ein. Was mir aber nicht einleuchten will, ist folgendes Beispiel:
das Öl --> ölen (Konvertat)

Warum wird "ölen" als Konvertat und nicht als Suffix-Derivat eingeordnet?!
Man hängt doch da ein Suffix (-en) an ein Lexem und gewinnt somit wieder ein Neues, dachte ich...

Wer weiß Rat?

Vielen Dank im Voraus,
Klöte
Generaltoni
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 29 Dez 2007 - 23:14:27    Titel:

Einfache FRAGE - sozusagen: zurück:


Was ist den ein Suffix - als Gegenstück zum Präfix - siehst du's?

Wenn du aus einem Nomen ein Verb machst, machst du das ja nicht mit einem Suffix.

O.k.?

Na - schönen Sonntag.

Wow - na, da häng ich mal ein Suffix an: Sonntäglein - ohne viel Linguisterei-Streicheleinheiten!!
weaver
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 03.03.2006
Beiträge: 2472

BeitragVerfasst am: 29 Dez 2007 - 23:26:21    Titel:

Bad + suffix -en = baden

Frage + suffix -n = fragen

klar klar is da n suffix dran.

zur ausgangsfrage: vielelicht hiolft ja dies weiter:

http://www.lrz-muenchen.de/~wolfgang_schindler/skripte/Morpho-078.pdf

aber ich bin nicht so der linguist.
Generaltoni
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 08 Jan 2008 - 10:06:58    Titel:

Ich hätte es zwar nicht vergessen, aber fast verknüngelt, darauf zu reagieren:

Die vom Vor-Poster angegebene Adresse mit dem Programm-Text über linguistische Terminologien zur Morpholgie von PD Dr. Wolfgang Schindler zeigt viele Begriffsbildungen, die von anderen Begriffskünstlern in Frage gestellt oder ganz negiert werden.

Schindler gibt ja auch großzügigst viele Tipps, wie man die Prüfungsfragen, die man als Student bei ihm erwarten kann, beantworten soll (im Unterschied zu anderen Begriffsbildungen).

Ich habe nur die Anfänge dieser Verbalexperimente der Linguistik im Studium erlebt und habe sie gemieden, da sie, ohne psychologische oder historische oder erkenntnistheoretische Implikate, Aussagen über Sprachwandel, insbesondere Wortbildungen und Neuschöpfungen machen, die ohne Kenntnisse und Analyse der Originalbelege in ihren zumeist dichterischen Kontexten nicht sinnvoll oder eindeutig zu beurteilen sind.

Viele morphologische Bestimmungsversuche sind diskutabel; einige köstlich-komisch, andere überflüssig; besonders unter P. 9.2
Semantische Wortbildungstypen:
z.B.: "taxativ", "agentiv", patientiv", "egressiv".
- Hier werden Aktionsarten von Verben mit Zweck- oder Umstandsbestimmungen anderer Wortarten stark gemischt.

Aber, nun, in der Hautpsache, zu den Affixen (Prä- oder Suffixen) oder Endungen:

In der älteren Duden-Grammatik wurden Wortendungen von Suffixen unterschieden. (Aus Grammatik (³1973: Suffixe sind bedeutungstragende Wortergänzungen, die als selbständige Worte nicht mehr vorkommen…[Ältere R.])

Heute auch nach Duden:

"Suffix: hinten an ein Wort oder einen Stamm anzufügendes unselbstständiges Wortbildungsmittel oder Flexionsmorphem; Endung; als Wortbildungsmittel zu unterscheiden von einer Silbe u. daher hier nicht 'Nachsilbe' genannt."

http://www.duden.de/deutsche_sprache/fachausdruecke/s.php


S. bei "Wiki":

http://de.wikipedia.org/wiki/Suffix

Flexionssuffixe (im Deutschen meist Endungen genannt):
• in der Deklination geben Flexions-Suffixe (manchmal zusammen mit Präpositionen oder Artikeln) Genus und Kasus an

• in der Konjugation von Verben geben Flexions-Suffixe Tempus, Modus, Person und Numerus an.

Hier werden Verbendungen, also Flexionsformen, die in der Wortgeschichte verschliffen sind oder wegfielen, die also also nicht mehr explizit bedeutungstragend, sondern durch das regierende Pers.-Pron. ausgewiesen sind, mit Suffixen gleichgesetzt, die eine neue Wortform bilden.

Weiter nach Wolfgang Schindler:
Formale Auffälligkeiten/Besonderheiten: Fuge (Liebe+s+insel); die Fuge wird jedoch meist in der Strukturanalyse und die Kategorienangabe hinreichend beschrieben; Segmenttilgung kanad(a)+ isch, Schul(e)+bus; Verdacht < denken (Konsonantenwechsel)

Ohne Wissen, dass „Verdacht“ als Nomen und „verdacht“ als Adj. in der Sprachgeschichte gebildet wurden, ist auch eine Verbbildung wie „ich verdächtige meinen Verdacht des Verrats“, rein von dem undifferenzierenden Pauschalbegriff „Suffixe“ her nicht sinnvoll zu analysieren.

Beispiele, direkt aus dem Grimmschen Wörterbuch (in originaler Rechtschreibung):

VERDACHT [Lfg. 25,1], m. argwohn, substantiv zu verdenken, wie bedacht zu bedenken, gedacht zu gedenken (s. theil 1, 1218. 4, 1, 1926). geschlecht meist masculin, doch bei LUTHER br. 4, 663 feminin, auch später: dasz inquisitin in böser verdacht der hexerei stehe. Erfurter juristenurtheil im Creuzburger hexenprocess 1666 (Eisenacher archiv). das wort ist nicht im mhd., aber im mnd. und zwar als feminin nachgewiesen (SCHILLER-LÜBBEN 5, 328 aus dem 14. jahrh. und vordacht, suspicio DIEF. nov. gloss. 357a aus nd. glosse des 15. jahrh.). die bedeutung entspricht meist der im nhd. üblichen von verdenken,


"Wir freuten uns mit sorgen, wenn auf verdachter see ein falsches segel kam." (P. FLEMING 81).

Oder, wieder Wolfgang Schindler:
„Konnotationen“ als „auch semanto-pragmatische Aspekte“ aufwändig zu präfigieren, ist technizistische Petrifizierung (auch wenn das jetzt ein Fremdwort ist).

Abschließend:
Ich bin misstrauisch bei "Morphologen", die alles erklären können oder wollen, nachdem sie sich für fast alle Wort- und Mentaliäts-Symptome ein Begriffsmaschinchen für isolierte Verbalismen konstruiert haben, mit dem sie Diagnosen ausdrucken, die sie als Prüfungsfragen stellen wollen.

Sprache funktioniert und wandelt sich anders, als Morphologen das erkennen und "aufschneiden" wollen.
Sie "machen auf" Wortbildungswissenschaft, die sprachgebundene sprachmateriale Erkenntnisse verhindert oder unterschlägt.

In Einzelerkenntissen kann sie natürlich und konsequent z. B. der Sprachkritik, Sprachpsychologie, Metaphernkunde oder Poetologie... dienen; wo die Morphem- oder Textem-Repräsentanten sie verhindern helfen, interessieren sie mich nicht.

Wer sich morphologisch durch die Sprachwelt bewegen will, wie in einem selektiven Wörterbuch, bitte sehr...

Mich interessieren Menschen, psychisch oder neurologisch Kranke und besonders Dichter, die nicht für ein oder nach einem Wörterbuch denken und sprechen und schreiben.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Suffixderivat oder Konvertat?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum