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strafrechtliche Prüfungsfragen
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Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> strafrechtliche Prüfungsfragen
 
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derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 20:17:42    Titel: strafrechtliche Prüfungsfragen

Habe ihr gerade Korrekturanmerkungen vor mir..

1.Bemängelung des Aufbaus bei Betrug 263 weil zuerst rechtsw. Vermögensvorteil geprüft wurde. Steht es nicht aufbaumässig frei, in welcher Reihenfolge man die TB Merkmale prüft? Der Korrektor meint hier Täuschung,Irrtum,Verfügung,Schaden anders ginge es nicht!?

2. Rechtswidriger Vermögensvorteil und Stoffgleichheit des Schadens gehören in den subjektiven Tatbestand?? mbMn doch nur Vorsatz bzgl derselben..

3.Meineid 154: der Angeklagte darf nicht grundsätzlich immer vereidigt werden?

4.Raub, 249: Finalzusammenhang (Gewalt als Wegnahmemittel) gehört in den obj. TB? gehört es nicht in den subj. TB da es um die Tätervorstellung geht?


freue mich über eine sachkompetente Beantwortung. Danke

derjim
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 20:50:50    Titel:

Zu 1), 2) und 4)
Nun, du solltest an der überkommenen Trennung zwischen objektiven und subjektiven Merkmalen festhalten und eine Vermischung vermeiden. Die Anmerkungen sind durchweg richtig. Insbesondere gehören die Stichwörter "rw Vermögensvorteil" und "Stoffgleichheit" in die Bereicherungsabsichts-Ecke, also in den subj. Tb. Hingegen ist der finale Zusammenhang zwischen Gewalt und Wegnahme bereits in Bezug auf den obj. Raubtb. konstitutiv, darf also nicht als reinsubjektives Element angesehen und somit nicht erst im subj. Tb. erörtert werden.

Zu 3)
Nein, ein Nacheid wird grundsätzlich nur dann abgenommen, wenn die Aussage eine besondere Bedeutung hat. Das ist (nunmehr auch de lege lata und nicht nur in der Rechtspraxis) der Ausgangspunkt. Vereidigung nur im Ausnahmefall.
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 22:10:44    Titel:

StR-Tobi hat folgendes geschrieben:

Zu 3)
Nein, ein Nacheid wird grundsätzlich nur dann abgenommen, wenn die Aussage eine besondere Bedeutung hat. Das ist (nunmehr auch de lege lata und nicht nur in der Rechtspraxis) der Ausgangspunkt. Vereidigung nur im Ausnahmefall.


Korrekt, aber ein Angeklagter darf überhaupt nicht vereidigt werden. Wir sind ja nicht in den USA und England (im übrigen ist auch die uneidliche Falschaussage des Angeklagten straflos).
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 22:36:58    Titel:

Um Gottes Willen, ein Kapitalverbrechen! Da bin ich natürlich voll reingefallen! Evil or Very Mad Jeder Praktiker hätte mich in der mündlichen Prüfung spätestens jetzt mit seinem Schönfelder bedroht. Natürlich darf hierzulande der Angeklagte nicht vereidigt werden. Ist nur bei Zeugen und Sachverständigen zulässig. Doppelfehler in Fragen sind heimtückisch...
derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 22:47:13    Titel: re

Hallo!

Das die Bemerkungen schon stimmen werden durfte ich ja wohl annehmen. Allein die Begründung war mir nicht einleuchtend..

Zitat:

Zu 1), 2) und 4)
Nun, du solltest an der überkommenen Trennung zwischen objektiven und subjektiven Merkmalen festhalten und eine Vermischung vermeiden. Die Anmerkungen sind durchweg richtig.


Die Trennung zw. obj und subj TB Merkmalen ist überkommen? seit wann denn? Bin ich nicht mehr up to date? Das ist ja, als ob einem mitgeteilt wird, das das Wasser von nun an die Wand hoch statt runter läuft..wie wird denn heute unterschieden (sprich klausuraufbau)? ach, Strafrecht war noch nie mein Fall..

Zitat:

Insbesondere gehören die Stichwörter "rw Vermögensvorteil" und "Stoffgleichheit" in die Bereicherungsabsichts-Ecke, also in den subj. Tb.


Kannst du das näher ausführen? Kommt es nicht objektiv auf Stoffgleichheit und Rechtswidrigkeit des Schadens an? Was hat denn das mit der Tätervorstellung zu tun?


Zitat:

Hingegen ist der finale Zusammenhang zwischen Gewalt und Wegnahme bereits in Bezug auf den obj. Raubtb. konstitutiv, darf also nicht als reinsubjektives Element angesehen und somit nicht erst im subj. Tb. erörtert werden.


hmm aha, verstehe

zu 3) was denn nun: Vereidigung nur im Ausnahmefall oder garnicht?

danke für eure Antworten!

derjim
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 22:51:33    Titel:

Ein Angeklagter darf nicht vereidigt werden! Unter keinen Umständen, selbst wenn er sich auf dem Boden wälzt und darum bettelt.
derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 23:16:58    Titel: re

Hi schwarze Strümpfe,

ok! woraus ergibt sich das und warum?

derjim
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 23:21:21    Titel: Re: re

derjim hat folgendes geschrieben:
Hi schwarze Strümpfe,

ok! woraus ergibt sich das und warum?

derjim


Das ergibt sich daraus, dass in der StPO jede Vorschrift zur Vereidigung des Beschuldigten fehlt (im Gegensatz zu § 59 StPO).

Es widerspricht der Vorstellung der StPO von der Rolle des Beschuldigten (der ja auch straflos lügen darf) und dem Menschenbild des Grundgesetzes, einen Menschen, der in einer immensen Drucksituation ist, in eine Situation zu bringen, in der er eine für ihn entscheidende Aussage machen muss und im Fall einer Falschaussage mit 1-15 Jahren Gefängnis bestraft wird. Mir ist auch schleierhaft, wie man diesen Umstand nicht kennen kann, nachdem man einmal ein StPO-Lehrbuch aufgeschlagen hat.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 09 Jan 2008 - 23:22:20    Titel: Re: re

derjim hat folgendes geschrieben:
Die Trennung zw. obj und subj TB Merkmalen ist überkommen? seit wann denn? Bin ich nicht mehr up to date? Das ist ja, als ob einem mitgeteilt wird, das das Wasser von nun an die Wand hoch statt runter läuft..wie wird denn heute unterschieden (sprich klausuraufbau)? ach, Strafrecht war noch nie mein Fall..

Ja, ist sie. Das ist meines Wissens sogar allgemeine juristische Normenlehre. Wenn du dich für die genauen dogmatischen Hintergründe unter besonderer Berücksichtigung des Strafrechts interessierst, muss ich dich allerdings an die Herrn Professoren Kühl oder Roxin verweisen. Jedenfalls: Egal welchen Aufbau man seinem Gutachten zugrunde legt (dreigliedriger Verbrechensbegriff, Lehre von den negativen Tatbestandsmerkmalen oder was auch immer) - diese Trennung zwischen objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen wird immer vorgenommen.

Zitat:
Kannst du das näher ausführen? Kommt es nicht objektiv auf Stoffgleichheit und Rechtswidrigkeit des Schadens an? Was hat denn das mit der Tätervorstellung zu tun?

Nein, kommt es nicht. Es geht hier darum, was der Täter beabsichtigt. Er muss die Absicht haben, sich (oder einem anderen) einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, der mit dem Vermögensschaden stoffgleich ist. Man muss sich diese Definition einfach einprägen, dann kann man da auch nicht objektiven und subjektiven Tb. vermischen.

Zitat:
ok! woraus ergibt sich das und warum?

§§ 59 I, 79 I StPO (andere Berechtigungen kennt die StPO nicht) und dem Grundsatz nemo tenetur se ipsum accusare. Man will den Angeklagten unter allen Umständen davor bewahren, sich durch eine (gemäß genanntem Grundsatz zulässige) Lüge vor Gericht wegen eines Meineids strafbar zu machen. Ein Eid ist ja eine echte Gewissensprobe, den Angeklagten will man vor einer Gewissensnot schützen. Daher ist der Angeklagteneid in Deutschland unzulässig.
derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 11 Jan 2008 - 00:49:44    Titel: re

Hallo ihr beiden!

Danke für eure Antworten! sehe jetzt klarer.

Zitat:

Nein, kommt es nicht. Es geht hier darum, was der Täter beabsichtigt. Er muss die Absicht haben, sich (oder einem anderen) einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, der mit dem Vermögensschaden stoffgleich ist. Man muss sich diese Definition einfach einprägen, dann kann man da auch nicht objektiven und subjektiven Tb. vermischen.


"Absicht rechtswidriger stoffgleicher Bereicherung" war mir natürlich geläufig, da ging ich von obj. Prüfung bzgl Bereicherung und subjektiver bezüglich der Absicht derselben aus . nagut da hab ichs mir wohl mal wieder komplizierter gemacht als es ist

Zitat:

Mir ist auch schleierhaft, wie man diesen Umstand nicht kennen kann, nachdem man einmal ein StPO-Lehrbuch aufgeschlagen hat.


das ist eine lange Geschichte .. Cool

Zitat:


Ja, ist sie. Das ist meines Wissens sogar allgemeine juristische Normenlehre. Wenn du dich für die genauen dogmatischen Hintergründe unter besonderer Berücksichtigung des Strafrechts interessierst, muss ich dich allerdings an die Herrn Professoren Kühl oder Roxin verweisen. Jedenfalls: Egal welchen Aufbau man seinem Gutachten zugrunde legt (dreigliedriger Verbrechensbegriff, Lehre von den negativen Tatbestandsmerkmalen oder was auch immer) - diese Trennung zwischen objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen wird immer vorgenommen.


Entschuldigung aber.. wiso wird die Trennung noch vorgenommen, wenn sie überholt ist..? man gliedert also nach einem System, von dem man nicht überzeugt ist?


mfg
derjim
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