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Hab mal eine Frage...
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Schwarzes Smartie
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Anmeldungsdatum: 06.05.2006
Beiträge: 616
Wohnort: Paradise City a.k.a. Köln :)

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2008 - 00:35:48    Titel: Hab mal eine Frage...

Nämlich, ob es richtig ist, jemanden nach dem zu bestrafen, was er bezweckt oder was tatsächlich passiert ist...?

Ein Beispiel:
Ein Mann bekommt eine Ohrfeige. Der Täter trägt einen Ring, der das Auge des Mannes verletzt. Der Mann erblindet. Nun ist es schwere Körperverletzung, obwohl es ne spontane Ohrfeige war...

Sicher, das ist ein extremer Fall, und auch etwas anders anders zu betrachten, weil es ein Unfall war, aber was ich meine bezieht sich auch auf "versuchte" Körperverletzung etc. Alles, wo es heißt: "Auch der Versuch ist strafbar." Und dann wird es weniger hart bestraft...

Ich finde das ein bisschen inkonsequent, was meint ihr?
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2008 - 01:13:55    Titel: Re: Hab mal eine Frage...

Schwarzes Smartie hat folgendes geschrieben:
Nämlich, ob es richtig ist, jemanden nach dem zu bestrafen, was er bezweckt oder was tatsächlich passiert ist...?

Ein Beispiel:
Ein Mann bekommt eine Ohrfeige. Der Täter trägt einen Ring, der das Auge des Mannes verletzt. Der Mann erblindet. Nun ist es schwere Körperverletzung, obwohl es ne spontane Ohrfeige war...

Sicher, das ist ein extremer Fall, und auch etwas anders anders zu betrachten, weil es ein Unfall war, aber was ich meine bezieht sich auch auf "versuchte" Körperverletzung etc. Alles, wo es heißt: "Auch der Versuch ist strafbar." Und dann wird es weniger hart bestraft...

Ich finde das ein bisschen inkonsequent, was meint ihr?


Ich versteh gar nicht was du meinst. Das Strafrecht kennt zwei Arten von Unrecht, Erfolgsunrecht und Handlungsunrecht. Der Gesetzgeber ist zurecht der Auffassung, dass beide Arten von Unrecht das Vertrauen der Allgemeinheit in die Rechtsordnung erschüttern, beim einen Mal, weil das rechtsfeindliche Tun des Täters in zurechenbarer Weise besonders schwere Folgen hatte, das Opfer also besonders viel darunter leiden musste, beim anderen weil der rechtsfeindliche Wille so groß war und das geschützte Rechtsgut auch in Gefahr geriet.
dornbusch
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Anmeldungsdatum: 26.10.2007
Beiträge: 3823

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2008 - 04:56:34    Titel:

weil es ein Unfall war

Unfall? Ring trifft Auge bei einer Ohrfeige?
Da könntest du genauso gut versuchen, den Schaden als Willen Gottes zu erklären.
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2008 - 09:35:26    Titel:

Sorry, bei solchen Sachen wie der Threadsteller geht mir grds das Messer in der Tasche auf... Diese Gedanken kann ich einfach nicht nachvollziehen
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2008 - 10:09:05    Titel: Re: Hab mal eine Frage...

Schwarzes Smartie hat folgendes geschrieben:
Nämlich, ob es richtig ist, jemanden nach dem zu bestrafen, was er bezweckt oder was tatsächlich passiert ist...?


Erfolgsqualifikationen/fahrlässige Straftaten und versuchte Straftaten können den gleichen Unrechtsgehalt haben.

Zur Erfolgsqualifikation: Schwarze Strümpfe hat es schon geschrieben. Natürlich ist es richtig, eine Tat schwerer zu bestrafen als das Grunddelikt, wenn sie einen Erfolg mit sich bringt, der mindestens fahrlässig herbeigeführt ist (vgl. § 18 StGB). Das Unrecht einer Tat, durch die jemand erblindet, ist doch ersichtlich höher als wenn keine Folgeschäden zurückbleiben. Dieser Gedanke lässt sich auch auf alle anderen Erfolgsqualifikationen übertragen. Das StGB kennt daher nicht nur Vorsatz-, sondern auch Fahrlässigkeits-Bestrafung. Wenn man die Fahrlässigkeits-Bestrafung für "ungerecht" halten würde, würde man es auch für ungerecht halten, dass jemand, der im Straßenverkehr grob unachtsam ist und dadurch einen Menschen anfährt und tötet, überhaupt nicht bestraft wird ("er hat es ja nicht gewollt").

Zum Versuch: Der Versuch wird nicht zwangsläufig milder bestraft als die Vollendung; er kann milder bestraft werden (vgl. § 23 II StGB).
Hier wird im Gegensatz zum fahrlässigen Handeln mit schwerer Folge wieder der "böse Wille" des Täters bestraft, der nicht zum Erfolg geführt hat. Wie hoch das Unrecht bestraft werden soll, das in diesem Willen zum Ausdruck kommt, liegt im Ermessen des Richters.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2008 - 10:29:29    Titel:

Kann den ungläubigen bis abwertenden "Tonfall" der ersten drei Antworten nicht so recht nachvollziehen. Große Namen der Strafrechtsgeschichte haben schon daran gezweifelt, ob es sowas wie eine Fahrlässigkeitsschuld, die vom Staat sanktioniert werden darf, überhaupt geben kann. Der Threadersteller greift diesen Gedanken letztlich auf. Auch hier darf ich wieder an das Lehrbuch von Roxin verweisen, wenn ich mich recht entsinne behandelt er das Thema.

Unabhängig davon: Letztlich kann ein Strafrechtssystem ohne Fahrlässigkeitstatbestände nicht auskommen. Könnte man einem betrunkenen Autofahrer, der im Rausch ein Kleinkind überfährt nur noch mit § 315c StGB kommen könnte, wäre die Volksseele wohl nicht mehr zu halten. Die Akzeptanz strafrechtlicher Entscheidungsfindung ist ohnehin nicht sonderlich groß. Hier gibt es ein immenses Strafbedürfnis, dem Rechnung getragen werden muss.
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