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Selbstmord mit verschriebenen Tabletten
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socialangel
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Anmeldungsdatum: 16.05.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 27 Jan 2008 - 01:34:50    Titel: Selbstmord mit verschriebenen Tabletten

Ich hätte hier mal ein etwas längeres Fallbeispiel. Es wäre aber trotzdem super, wenn mir jemand weiter helfen könnte.

Angenommen, eine Patientin (P) ist seit dem Tod ihres Mannes psychisch krank und leidet an einer manisch-depressiven Psychose. Über Jahre hinweg ist P bei verschiedenen Ärzten in Behandlung, muss mehrere Male in der Psychiatrie stationär behandelt werden und befindet sich in den Zwischenzeiten in ambulanter Behandlung. P ist jedoch nach einigen Jahren mit ihrem Arzt nicht mehr zufrieden, fühlt sich aber wieder besser und die bis dahin immer erhaltene Depotspritze kann abgesetzt werden. Nach zwei Jahren fühlt sich P aber wieder schlechter und geht zu einem anderen Arzt, der ihr in Absprache keine Depotspritze, sondern Antidepressiva in Tablettenform verschreibt. P kann die Tabletten selber nicht mehr richtig dosiert einnehmen, nimmt zu viele oder mal keine und soll zur Einstellung der Medikamente in die Psychiatrie eingewiesen werden. Der Arzt schreibt eine Einweisung in der zur manisch-depressiven Psychose auch eine derzeitige Suizidgefährdung diagnostiziert wird. P begibt sich daraufhin freiwillig in die Klinik, da sie selber damit einverstanden ist für ein paar Wochen stationär behandelt zu werden. Beim Aufnahmegespräch erfährt auch die Tochter (T) von der Suizidgefährdung ihrer Mutter, jedoch versichern beide glaubwürdig, dass so etwas nicht passieren wird und der Arzt sieht durch die freiwillige Entscheidung von P, sich stationär behandeln zu lassen, keine Notwendigkeit, sie auf einer geschlossenen Station unterzubringen und sie kommt auf eine offene Station. Nach ein paar Wochen soll und will P dann entlassen werden, T, die sie regelmäßig im Krankenhaus besucht hat, holt sie ab, obwohl jedoch das Krankenhaus eine Weiterbehandlung in einer psychiatrischen Tagesklinik dringend empfiehlt. Nur unter dem Aspekt, dass dies passiert, entlässt das Krankenhaus P. P bekommt aber vom Krankenhaus keine Medikamente mit und muss also zu ihrer ambulanten Ärztin fahren, um die verschreibungspflichtigen Antidepressiva bekommen zu können, die sie einnehmen muss. T, die mit P zusammen wohnt merkt P an, dass sie sich sehr schlecht fühlt, P äußert gegenüber T, dass ihr egal ist, ob sie lebt oder tot ist, verspricht aber T, dass sie sich nichts antun wird. T ist überfordert mit der Situation, musste sich die ganze Zeit über um P kümmern und ständig ins Krankenhaus fahren, will also am Wochenende mal einen Tag ihre Ruhe haben und geht von Samstag bis Sonntag zu einem Freund. Als sie am Sonntagabend nach Hause kommt, findet sie P tot im Bett, ruft sofort den Notarzt, jedoch kommt jegliche Hilfe zu spät. Der Notarzt ruft die Polizei und auch die Kriminalpolizei wird gerufen, die Tablettenpackungen mit über 300 Tabletten im Papierkorb finden. Der Arzt hat P immer nur alle 2 Monate zum Termin kommen lassen und deswegen hatte sie so viele Tabletten zu Hause, denn T ist sich sicher, dass P diese neuen Tabletten erst angefangen hat, im Krankenhaus zu nehmen, also auch nicht vorher hätte ansammeln können. T wurde vom Arzt auch nicht informiert, dass P so viele Tabletten zu Hause hatte und sie ein Auge darauf haben sollte, obwohl der Arzt erst vor Kurzem eine Suizidgefährdung diagnostiziert hatte und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine weiterhin depressive Phase. T ist sich aber auch nicht sicher, ob P überhaupt wusste, dass sie durch eine Überdosis dieser Tabletten sterben kann und ob sie sich wirklich umbringen wollte oder ob sie nur mal wieder nicht schlafen konnte und ein paar zu viele Tabletten genommen hat, um zur Ruhe zu kommen. Diese Frage wird sich auch nicht mehr klären lassen. Da T noch zur Schule geht und kein eigenes Geld verdient, ist T nun neben dem emotionalen auch ein finanzieller Schaden entstanden, denn auch der Vater von T lebt ja nicht mehr und T muss nun von einer kleinen Hinterbliebenenrente leben.
Hat sich T oder vor allem der Arzt strafbar gemacht? Welche Rechtsgrundlage gibt es für solch einen Fall ? Darf der Arzt einer suizidgefährdeten Patientin mehr als 300 verschreibungspflichtige Tabletten verschreiben? Oder wäre es seine Pflicht gewesen, anstatt von Tabletten eine Depotspritze zu geben, damit der Patient dann wenigstens keine Tabletten zu Hause hat, womit Missbrauch betrieben werden kann? Kann sich der Arzt darauf berufen, im Moment der Verschreibung keine Suizidgefährdung festgestellt zu haben, denn die Patientin befand sich ja einige Wochen in der Psychiatrie und wurde dort auch nicht festgehalten, sondern entlassen? Selbst wenn der Arzt dies in diesem Moment nicht festgestellt hat, ist es nicht seine Pflicht, dies richtig einzuschätzen? Und hätte T nach den von P geäußerten Gedanken das Haus gar nicht verlassen dürfen, obwohl P ihr glaubwürdig versichert hatte, sich nichts anzutun und T auch nicht wusste, dass P so viele Tabletten zu Hause hatte? Hätte T wie, wenn es bei dem Arzt auch so wäre, als Laie trotzdem die Pflicht gehabt, P richtig einzuschätzen?
dornbusch
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Anmeldungsdatum: 26.10.2007
Beiträge: 3823

BeitragVerfasst am: 27 Jan 2008 - 08:19:00    Titel:

Ärzte verschreiben die Medikamente, der Apotheker verkauft sie und der Patient nimmt sie ein. Ob der Patient seine Tabletten wirklich einnimmt oder hortet, kann kaum festgestellt werden. Selten ist das nicht.

Du stellst die Frage, ob alle Beteiligten ihr Menschenmögliches getan haben, um der Patientin zu helfen? So wie du den Fall schilderst wohl ja.

Abgesehen davon ist Selbsttötung keine Straftat.
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