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Zu Jura wechseln?
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peterbm
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Anmeldungsdatum: 11.02.2008
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 17:32:07    Titel: Zu Jura wechseln?

Hallo,

die Frage mag ein wenig pauschal und unreflektiert anmuten, kann man doch nur schwierig einer unbekannten Person Empfehlungen für ein Studium aussprechen.

Meine Frage allerdings richtet sich eher darauf, wie "nah die Rechtswissenschaft am Menschen" ist. Zu meiner Person: Ich studiere zur Zeit seit einem halben Jahr VWL und bin vom neoklassischen (sich dem Menschen und seiner Irrationalität eher abwendenden) Wissenschaftsbild, das ja ausschließlich im Studium vermittelt wird, recht enttäuscht und überlege ernsthaft, das Fach zu wechseln. In den bisherigen Juravorlesungen, in die ich mich gesetzt habe, hat sich gezeigt, dass das Wissen stets konkret auf Menschen und alltägliche Probleme angwandt wird - das vermochte, mir zu gefallen. Im Examen ist es ja auch so, dass man Fälle löst. Gehe ich also recht in der Annahme, dass Jura nah an den sozialen Konflikten zwischen Indivduen in einem "geordneten System" interessiert ist und dies (wissenschaftlich) zu erforschen versucht? Das soll freilich nicht heißen, dass es ein rein "praxisnahes" Studium ist. Das würde ich nicht wollen. Vielmehr soll man aber praktische Bezüge, nicht unter unmöglichen Annahmen, sondern unter echten Realitäten, herstellen können.

Inwiefern ich fachlich geeignet wäre, kann ich nicht sagen, da mir keine besonderen Fächer einfielen, die auf Jura schließen lassen. Gibts da einen zuverlässigen Anhaltspunkt (eine Gruppe von "Experten" scheint dabei an Mathe zu glauben, andere an Sprachen)? Mein Abi habe ich mit 1,2 gemacht; hatte eigentlich an den meisten Fächern, insbesondere aber an den Geisteswissenschaften, Spaß. Ich denke, dass mir ein Fach mit Zahlen ohne Bezug auf sozialwissenschaftliche Implikationen - diesen Eindruck machen die Wirtschaftswissenshcfaten mir mehr und mehr - nicht so sehr zusagt.

Vielleicht kann mir ja jemand antworten oder mal Stellung nehmen. Würde mich freuen!

Grüße,

Pete
Marin2008
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Anmeldungsdatum: 01.02.2008
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 18:26:37    Titel:

Hallo,
jeder Mensch ist natürlich verschieden. Es gibt rationale Juristen, die nicht übermäßig Sinn für Geisteswissenschaften haben. Ich zum Beispiel bin zwar kein Naturwissenschaftler, aber in Mathe hatte ich 14 Punkte im Abi. Twisted Evil Andere sind mehr Philosophen (und wenden sich besonders zur Rechtsgeschichte, Rechtspolitik etc. hin) - und geben als Professor kaum Veranstaltungen zum materiellen Recht, geben sich praktisch nicht mehr damit ab, was mich persönlich immer irritiert. Dem Idealjuristen liegen sowohl Mathe als auch geisteswissenschaftliche Fächer, aber das ist alles kein Muss. Bei einem Abischnitt von 1,2 ist davon auszugehen, dass Jura für dich kein Problem ist.

In den Lehrveranstaltungen lernt man abstraktes Wissen, meist ohne Fallbezug. Die sogenannten "Übungen", in denen der Prof. lustlos den Fall schildert und die Lösung runterrattert, bringen überhaupt nichts. Das kann man sich im Prinzip alles sparen, da das Angebot an juristischen Lehrbüchern sehr gut ist. Entscheidend fürs Examen ist die Fähigkeit Fälle zu lösen - daher rennen die meisten Studenten zum Repetitor; wobei im Schwerpunktbereich auch Themenarbeiten kommen können.

Prof. Gröschner aus Jena zum Beispiel hat vor dem Jurastudium auch BWL studiert, und jetzt hat er seinen Schwerpunkt im rechtsphilosophischen und -theoretischen Bereich.
http://www.recht.uni-jena.de/o02/index.html

Zur Frage, wie nah Jura am Menschen ist ... das kommt eben drauf an ... Lehrveranstaltungen können unheimlich trocken und wenig gewinnbringend sein. Die fürs Examen im Vordergrund stehenden Fall-Lösungen basieren natürlich auf Lebenssachverhalten, wobei einige Sachverhalte schon sehr an den Haaren herbeigezogen und lebensfremd sein können. Juristische Streitfragen können schonmal sehr tiefgreifend und abstrakt sein.

Das wars erst mal. Wenn ich gute Links zu solchen Grundsatzfragen finde, kann ich mich nochmal melden. Andere Poster können sicher noch ihren Standpunkt posten.


Zuletzt bearbeitet von Marin2008 am 11 Feb 2008 - 18:37:51, insgesamt einmal bearbeitet
Krawallbiene
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Anmeldungsdatum: 15.08.2005
Beiträge: 5181

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 18:34:59    Titel:

öhm also 1,2 im Abi ist doch kein Indiz dafür, dass er mit Jura keine Probleme haben wird...da hab ich schon ganz anderes bei mir im Semester gesehen.
Marin2008
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Anmeldungsdatum: 01.02.2008
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 18:40:12    Titel:

Wenn das Abitur was taugt, halte ich einen guten Abschluss schon für einen Garanten. Da pauschalisiere ich. Ob jedem aber Jura Spaß macht, ist eine andere Frage.
derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 19:15:43    Titel: re

Zitat:
öhm also 1,2 im Abi ist doch kein Indiz dafür, dass er mit Jura keine Probleme haben wird..


eben. Für die gleiche Aussagekraft kann man auch Pendeln oder seine Kristallkugel befragen

Zitat:

Gehe ich also recht in der Annahme, dass Jura nah an den sozialen Konflikten zwischen Indivduen in einem "geordneten System" interessiert ist und dies (wissenschaftlich) zu erforschen versucht?


jein..nein. der Jurist betrachtelt die Welt der Menschen ungefähr so wie ein Forscher die Insekten in einem Glas betrachtet . Also "näher ran" kommst du damit nicht. Für die realistische Weltzugewandtheit der Juristen stellvertretend für andere Beispiele sei hier die Entscheidung des VGH Mannheim 29.9.86 angeführt, der zufolge 15-17jährige Schüler sittlich gefährdet sind, wenn sie mitbekommen, daß ein verheirateter Mann und eine unverheiratete Frau ohne Not ein Zimmer miteinander teilen Cool .

Wenn du auf die Welt der Menschen oder gar intensiven Sozialkontakt erpicht bist, solltest du dir Biopantaletten zulegen und dich für Sozialwissenschaften einschreiben. Very Happy
Marin2008
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Anmeldungsdatum: 01.02.2008
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 20:09:26    Titel:

Die Diskussion tut zwar nichts zur Sache ... aber im Ernst ... wenn ein Abischnitt von 1,2 kein Garant dafür ist, dass Jura problemlos zu schaffen ist ... dann ist das deutsche Abitur überhaupt nichts wert. Das Abitur bescheinigt die Studierfähigkeit - sich in neue Gebiete einzuarbeiten. 1,2 heisst: besser geht es fast nicht.

Im Gegensatz zu Naturwissenschaften oder entfernteren Geisteswissenschaften braucht man für Jura nicht annährend so viel Begabung und Talent. Gewagt gesagt: Fürs Juraexamen braucht man logisches Denken und abstraktes Wissen für mehr oder weniger komplexe - um nicht zu sagen: simple - Fall-Lösungen. Mehr nicht. Juristen sollten sich nicht zu wichtig nehmen. Die Diskussion im Bachelor-Thread habe ich verfolgt; der energischen Meinung von derjim kann ich nicht folgen.

Ich kenne niemand, der mit einem oberen Abischnitt bei durchschnittlichem Fleiß und Interesse das Studium nicht bestanden hätte. Man kann Anfangsschwierigkeiten haben, sich wegen der Stoffmenge verzetteln und um die ersten Scheine bangen. Das passiert vielen. Längerfristig sollte man die Kurve kriegen. Vielmehr sieht man schon von Anfang an, dass sich die besseren Abiturienten auch im Jurastudium schon von anderen abheben.
friendlyfox
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Anmeldungsdatum: 25.09.2005
Beiträge: 1342
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 21:28:47    Titel:

Das glaube ich aber nicht. Das Abituer bescheinigt höchstens die REIFE, wie es der Name schon sagt. Mehr nicht. Was man daraus macht, ist eine andere. Und von der subjektiven Benotung der Lehrer mal ganz abgesehen...

Ansonsten finde ich aber, dass sich der Threadersteller ziemlich intelligent gibt und dass er sich Gedanken dazu gemacht hat.

Vielleicht solltest du dir mal den Studienverlaufsplan anschauen und ein wenig in der Literatur rumstöbern, die dir noch begegnen wird. Auch ein Blick in alte Skripte(viele sind ja online auf Fakultätsseiten kostenlos verfügbar) könnte dir weiterhelfen.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 21:54:18    Titel:

Ich kann mich Marin2008s Meinung auch nicht anschließen. Ein gutes Abi sagt vielleicht etwas über das Potenzial eines Studenten aus, nicht mehr und nicht weniger. Ein Garant ist selbst ein Abi von 1,0 nicht.
derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 22:21:08    Titel: re

Abitur bedeutet lediglich, das überhaupt die Chance besteht, das diese Person theoretisch das Studium erfolgreich absolviert (Obwohl ich das grds auch für Nichtabiturienten für möglich halten würde). Addiere dir doch mal die Abbrecherquote, die Schwundquote und die Examensdurchfallquote. Dann wirst du sehen wieviele von denen, die anfangen, auch durchkommen..und das sind ALLES Abiturienten. Oder du setzt dich mal in einen Erstsemesterkurs und einmal ins Unirep. Im ersten musst du dich auf dem Gang quetschen und die Luft anhalten, im zweiten kannst du die Beine hochlegen und deine Kaffekanne, Klamotten und die Tageszeitung auf jeweils seperaten Sitzen parken.

derjim
Marin2008
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Anmeldungsdatum: 01.02.2008
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 11 Feb 2008 - 22:48:07    Titel:

Viele entscheiden sich für Jura als Notlösung, ebenso wie BWL. Denen, die dann abbrechen, fehlt meist das Interesse sich dem Studium richtig zu widmen, oder sie schaffen die Scheine nicht, aber das sind gewöhnlich keine 1,x-Abiturienten.

Für die Frage der Eignung zum Jurastudium hab ich den JuS-Studienführer (1997), das Jura-Spezialheft (ca. 2000) von der Zeitschrift Jura und zB die site gefunden: http://zsb.uni-muenster.de/material/m573_1.htm .

Im JuS-Studienführer wird genannt: juristische Neugier, Fleiß und Freude am Lesen, soziale Kompetenz und Rechtsgefühl. Im Jura-Heft wird wie in dem Link genannt: die Note in Mathe (als Indiz für logisches Denken), dann Latein und moderne Sprachen (Indiz für Fleiß), daneben Geschichte, Sozialkunde und Wirtschaftslehre, und natürlich Deutsch. Sozialkompetenz ist entscheidend für den Erfolg in der juristischen Praxis. Aber erwähnt wird, dass auch viele schlechtere Abiturienten gute Juristen werden (weil es ihnen Spaß macht und sie motiviert sind) und gute Abiturienten im Studium oder in der Praxis scheitern (das sehe ich nach wie vor anders. Ich hab noch nie von jemand gehört, der mit einer Top-Abinote im Studium nicht zurecht kam. Wenn, dann nur mangels Spaß und Fleiß.)

Vielleicht ist ja auch eine spezielle wirtschaftsrechtliche Ausbildung für dich interessant: zB http://www.fh-schmalkalden.de/Wirtschaftsrecht.html .
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