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Worauf kommt es bei Klausuren an?
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StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2008 - 21:37:16    Titel:

Marin2008 hat folgendes geschrieben:
16-18 Punkte werden in der Regel für eine erschöpfende und (nahezu) perfekte Lösung gegeben, die ein Professor oder BGH-Richter nach Begutachtung nicht besser hätte abliefern können. Bei besonders komplexen und selteneren Sachverhalten macht man leichte Abstriche.

Nun, völlig konform gehe ich mit deiner Auffassung nicht. Gerade sehr anspruchsvolle, juristisch einwandfreie Lösungen können auch voll in die Hose gehen. Wenn man besser ist, als die Lösungsskizze vorgibt oder einen anderen Aufbau wählt, kommt selbst ein Prädikatsjurist als Korrektor nämlich stark ins Schleudern. Um durch logisch stimmige, aber hoch anspruchsvolle Argumentationen oder die Beantwortung von Rechtsfragen durch zu steigen, die die Lösungsskizze nicht vorsieht, muss man sich intensiv mit der jeweiligen Klausur beschäftigen. (Spätestens bei der Bearbeitung von Hausarbeiten wird wohl jedem schon bewusst geworden sein, wie schwierig es ist, hinter unbekannte Meinungen zu steigen. Very Happy Dieses Problem potenziert sich, wenn der Schreiber sich in Stress und Zeitnot befand.) Für eine wirklich intensive Auseinandersetzung reicht dann Zeit und Muße des Korrektors oft nicht. Viel wird gar nicht weiter beachtet, was juristisch vielleicht hoch zu bewerten wäre. Freilich ist dieses Problem für das (zumindest erste) Examen insoweit weniger relevant, als es sich bei den Korrektoren um Professoren handelt, die selbst intensive Auseinandersetzungen, die so in der Lösungsskizze nicht vorgesehen sind, in adäquater Zeit bewältigen können, so sie denn Willens sind.

Was ich damit sagen will: Es kommt nicht darauf an, einen Geniestreich aufs Papier zu bringen. Diesen Eindruck könnte man beim Lesen deines Eintrages gewinnen und teile ich überhaupt nicht. Sondern: Man muss erkennen, was der Prüfer hören will und dies mit entsprechender Deutlichkeit und Prägnanz in der Schwerpunktsetzung verkaufen. Man wirbt mit einer Klausur für sich. Blumentöpfe gewinnt man mit genialen, aber lösungsskizzenfernen Ideen selten; solides, nett verpacktes und den Sachverhalt niemals aus den Augen lassendes Abspulen von Wissen genügt völlig. Und letztlich braucht es gerade was die Schwerpunktsetzung angeht auch eine Menge Klausurerfahrung und das nötige Quäntchen Glück.

Übrigens gibt es in Klausursituationen m.E. keine erschöpfenden Lösungen. Ich behaupte: Es ist unmöglich, eine durchschnittliche Examensklausur in fünf Stunden juristisch erschöpfend zu bearbeiten. Verifizieren lässt sich dies, indem man sich das ein oder andere wenig an die Klausuranforderungen orientierte Fallbuch ansieht. Etwa: Ibler, Öffentliches Baurecht. Erschöpfend kann eine Klausurbearbeitung nur insoweit sein, als es die realistische Lösungsskizze vorgibt.
Marin2008
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Anmeldungsdatum: 01.02.2008
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2008 - 22:53:03    Titel:

Es kommt halt immer drauf an wen man als Korrektor hat: einen Prof bzw. Mitarbeiter mit Weitblick oder einen engstirnigen Korrektor. Manche wissen kreative Lösungen zu schätzen, manche nicht. Es gibt bestimmte Namenskürzel unter den Korrekturen bei denen man aus Erfahrung gleich weiß: na gute Nacht! In bin durch meine erste Probehausarbeit mit 3 Punkten gefallen, obwohl ich mit mind. 13 gerechnet hab, weil ich - davon bin ich heute noch überzeugt - eine neue vertretbare eigenständige Lösung zu einem Problem (Grundstückskauf von Minderjährigen) entwickelt hatte. Dagegen hab ich mal ohne Vorbereitung in einer Strafrechtsklausur 15 Punkte bekommen (große Übung sogar Cool ), bei der ich nur mit 5 gerechnet hatte. Das kann ich mir immer noch nicht erklären.

Wer das Klausurproblem nicht zufällig gelernt hat, kann keine Klausur auch nur annährend erschöpfend lösen. Dann reicht schon eine größtenteils richtig grob durchgelöste Arbeit zum Bestehen mit ca. 5-6 Punkten (und das schaffen die wenigsten), je mehr man an Problemen erkennt und dann dazu 2-3 Sätze schreiben kann, umso höher geht es.

Das Ibler-Buch hab ich. Davon bin ich schwer begeistert und beeindruckt. Er schreibt aber auch im Vorwort, dass die Lösungen zu Lernzwecken ausführlicher und "sorgfältiger" sind als im Examen erwartet. Trotzdem muss man für 16-18 Punkte insoweit einen "Geniestreich" fertig bringen, dass man feinsinnige Gedankengänge zeigt/andeutet, die andere Studenten eben nicht haben. Dann sollte es in den Punkten steil nach oben gehen, es sei denn man hat einen dilettantischen Korrektor.
Ceasars01
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Anmeldungsdatum: 11.02.2008
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2008 - 23:16:29    Titel:

Okay, erstmal vielen Dank für eure Antworten soweit. Es ist wirklich nicht ganz einfach sich da wirklich hineinzuversetzen. Ich habe mir schonmal Klausuren angeschaut und auch im Praktikum selbst ein bisschen mit Gesetz und Subsumtionstechnik rumprobiert, allerdings möchte ich nochmal ein bisschen weiter fragen (schließlich ists eine Entscheidung fürs Leben Very Happy Razz )
(ich bin dabei mal etwas platt um die Frage zu vereinfachen!)

Wenn ihr jetzt sagt das Recht ist so komplex und es gibt so viele verschiedene Ansätze, dass es sehr schwer ist das ganze (geforderte) Spektrum abzudecken dann kommt mir sofort in den Sinn wer also ein umfangreiches Wissen über Rechtszusammenhänge hat, der gewinnt.
Dabei denke ich an das Lernen dieser Systeme/Stammbäume welche Gesetze angewandt werden (Sachbeschädigung - Vorsatz? - Ja: Lesen sie bei §xyz weiter; Nein: Lesen Sie bei §zyx weiter).

Sehe ich das richtig? Oder was genau lernt man um gut zu sein?
Worauf kommt es beim Lernen an?
Marin2008
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Anmeldungsdatum: 01.02.2008
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2008 - 23:56:51    Titel:

Das Verständnis für Zusammenhänge und damit der Spaß an Jura kommt irgendwann nach viel Lernen. Man muss nur am Ball bleiben und nicht verzweifeln. Irgendwann kann man auch schwerere Fälle / Examensklausuren halbwegs lösen, auch wenn man es sich nicht wirklich zutraut. Strafrecht ist relativ überschaubar. Im Zivilrecht sind die Anspruchsgrundlagen im Grunde auch überschaubar ... immer wieder dasselbe, nur abgewandelte Konstellationen. Öffentliches Recht ist zum Verzweifeln - praktisch ein Fass ohne Boden, zumindest für die meisten.

Beim Lernen kommt es auf die Fähigkeit an das Gelesene anzuwenden. Daher sollte man immer parallel auch Fälle zum Thema anschauen. Man muss sicheres Grundlagenwissen haben. Auch das scheinbar Selbstverständliche ist nicht immer einfach und muss wiederholt werden. Für Anfänger: Vertragsschluss, Abstraktionsprinzip (man kann Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft anfechten usw.), 985 BGB, Recht zum Besitz, 812 usw. Das kennst du, falls du Wirtschaft/Recht im Abi hattest.

Hier gibts teilweise gute Tipps von Studenten, die das Examen hinter sich haben:
http://www.uni-mannheim.de/fakul/jura/ls/falk/ (Erfahrungsberichte --> Examensvorbereitung)

Ich nenn nochmal die Seite von Lorenz:
http://www.lrz-muenchen.de/~Lorenz/lehre/gk1/index.htm (Schuldrecht AT --> Übung)
Dort sind Fälle und Lösungen. Das ist ein guter und relativ verständlicher Überblick für dich zum Einstieg. (Die Lösungen sind für Starter sehr ausführlich. Später kann man es abkürzen, wenn die Prüfpunkte unproblematisch sind.)

Und als Tipp: Fritjof Haft - Einführung in das juristische Lernen. Ein leicht zu lesendes, amüsantes Buch für Studienanfänger. Er gibt Tipps wie man ans Lernen rangeht. Auch wenn ich persönlich teilweise Abstriche mache, kann ich das Buch nur empfehlen. Genauso wie seine Strafrechtsbücher. Strafrecht AT ist das beste und hilfreichste Jurabuch, das mir in meinem Studium über den Weg kam.
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 23 Feb 2008 - 14:07:12    Titel:

Ich bin auch ein großer Freund des Ibler-Fallbuchs (überdies kam ich als Konstanzer ja auch in den Genuss der korrespondierenden Vorlesung, die nicht minder gut war). Insoweit ist es natürlich richtig, dass sich das Niveau der Lösungen sowohl vom Umfang als auch von den zur Verfügung stehenden Mitteln (eine derart substantiierte historische Auslegung ist ohne entsprechende Quellen, die in der Klausur nun einmal nicht vorhanden sind, schlichtweg unmöglich) selbst eine herausragende Klausur deutlich überschreitet. Gleichwohl zeigt das Buch auf eine didaktisch geradezu überragende Weise, wie sich auch speziellere Probleme mit dem altbekannten Handwerkzeug des Juristen (sc. insbesondere den traditionellen Auslegungsmethoden) erstaunlich gut in den Griff bekommen lassen. Allein deshalb sollte es jeder Examenskandidat m.E. zumindest einmal gelesen haben.
Letztlich sind Fallbücher sowieso oftmals weit jenseits eines für die Klausurbearbeitung realistischen Niveaus verfasst. Oft lohnt die Lektüre freilich schon, um einfach mal ein Gespür für die dezidierte Argumentationstechnik mancher Autoren zu gewinnen, unabhängig davon, dass man es in der Form in der Klausur nicht wird zu Papier bringen können. Ein weiteres gutes Beispiel ist insoweit Gursky, Klausurenkurs im Sachenrecht.
Im Übrigen hat Tobi das altbekannte Dilemma ja schon angesprochen. Vielfach geht es einfach nur darum, möglichst präzise die Lösungsskizze zu treffen, was umsomehr in der Zeit vorm Examen gilt, wo man regelmäßig auf unsichere, unmotivierte oder gar unfähige Korrektoren trifft.
So habe ich mir in der vorletzten Strafrechtsklausur im Examensklausurenkurs drei Punkte abgeholt (und Strafrecht ist ansich mein Paraderechtsgebiet) und dies allein deshalb, weil ich drei Strafbarkeiten i.E. anders beurteilt habe als die Lösungsskizze und mir jeweils ein "unvertretbar" eingehandelt habe.
Den Hinweis, dass ebendiese Ergebnisse jeweils von nicht unprominenten Literaturstimmen (in dem Fall Rengier, Kindhäuser et al.) durchaus vertreten werden, konnte ich mir in der Besprechung nicht verkneifen. Der diesbezügliche Hinweis durch die "Dozentin", dies seien dann aber Mindermeinungen, auf die man im ersten Staatsexamen nicht stützen könne, war schon so hochnotpeinlich, dass man sich fragt, wofür man da eigentlich sein Geld bezahlt.
Und in der nächsten Klausur trifft man dann eben wieder die Lösungsskizze und bekommt neben 14 P. noch als einzigen Vermerk vom (übrigens selben) Korrektor ein äußerst aufschlussreiches "Weiter so!".
Sicher ist das ein Dilemma, aber wenigstens kann man sich - wie Tobi ja schon andeutete - mit dem Gedanken trösten, dass im Staatsexamen dann in aller Regel Professoren korrigieren, die weniger Wert auf die Kongruenz zur Lösungsskizze legen als auf eine in sich stimmige Lösung.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 24 Feb 2008 - 13:20:36    Titel:

Shafirion, mal im Ernst: Für diesen Kindergarten zahlst du Geld? Sowas würde mich maßlos wütend machen. Schon die Behauptung, dass man sich im Refexamen keiner Mindermeinung anschließen darf, ist ein Unding allerhöchster Güteklasse. Wenn, dann muss man diese apodiktische Äußerung dahingehend konkretisieren, dass sich die h.M. aus Klausurtaktik (und rein deshalb!) oft als der praktischere Weg anbietet. Ein "Weiter so!" als einzige Anmerkung ist schon fast Zeugnis für eine schlechte Korrektur. Was zu bemängeln findet sich gerade bei den überdurchschnittlichen Klausuren, in denen der Jurist als pathologisch perfektionistischer Mensch mal so richtig loslegen könnte, so er denn fähig ist...

Zum Ibler-Buch: Natürlich ganz hervorragend. Wollte das Buch keineswegs schlecht machen. Im Gegenteil: Er bringt in unvergleichlicher Präzision zu Papier, wie man methodisch korrekt auch zu "abgefahrenen" Ergebnissen kommt. Seine Falllösungen sind schlicht als mustergültig zu bezeichnen. Nur wird dadurch eben oftmals nicht klar, was wirklich noch vom Erwartungshorizont umfasst ist. Das finde ich an den "Die wichtigsten Fälle"-Büchlein von Hemmer so toll: Alles, was über das zu erwartende Gutachten hinausgeht, wird farblich unterlegt.
Jannismai
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Anmeldungsdatum: 17.10.2014
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 14 Jan 2015 - 03:27:36    Titel:

Ich finde den Thread sehr spannend und möchte ihn daher mal wiederbeleben.


Und wo finde ich Canaris-Falllösungen?
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