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Aufbauabgrenzungsproblematik bei Täterschaft und Teilnahme
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hyper_ghost
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Anmeldungsdatum: 23.03.2008
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 23 März 2008 - 10:07:00    Titel: Aufbauabgrenzungsproblematik bei Täterschaft und Teilnahme

hi

mir ist beim Durcharbeiten meiner Strafrechts BT Mitschriften folgendes Problem aufgetaucht, dessen Aufbau gerade für eine Klausur sehr interessant ist und ich bisher nichts vergleichbares in Literatur und Rechtsprechung gefunden habe.

Man stelle sich vor, dass 2 Männer einen anderen fesseln (Mordmerkmal gegeben) und daraufhin strangulieren wollen.
Ein Vierter, der von diesem Tatplan weiß, ist zum Tatzeitpunkt ebenfalls vor Ort.
Dieser will von vornherein nichts mit der Angelegenheit zu tun haben bzw. sich zu beteiligen und versucht während der Tat die beiden anderen nur mit Worten zu beschwichtigen, was beide allerdings nicht von der Fortführung abhält.
Allerdings sind 2 Polizeibeamte gleich in einem Nebenraum und die Tür ist nicht verschlossen. (Sollheißen, dass es hier ein leichtes wäre, Hilfe dem Gefesselten zukommen zu lassen.)

Mir ist jetzt unklar, ob jener wegen Mordes oder Totschlages durch Unterlassen in Nebentäterschaft oder wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen bestraft werden kann.
Dann stellt sich auch die Frage, wie ich das ganze in einem Gutachten aufbauen würde.
Vorerst ist zu sagen, dass hier eine Garantenstellung des Beobachtenden angenommen wird.

Prüfe ich den Mord durch Unterlassen in Mittäterschaft, dann scheitert die Prüfung am gemeinsamen Tatentschluss, der bewusst und willentlich geschlossen werden sein müsste.

Erwähne ich danach das Unterlassen des Mordes in Nebentäterschaft, dann ist die Prüfung bei der Entsprechnungsklausel der Unterlassensprüfung, durch fehlende gleiche besondere Handlungsmodalitäten wie beim Begehungsdelikt, beendet, da er hier kein Mordmerkmal verwirklicht.

Gehe ich jetzt über zum nebentäterschaftlichen Totschlag durch Unterlassen, dann kommt man mit diesem Delikt, meines Erachtens nach, durch.
Allerdings stellt sich bei mir die Frage der Kausalität, da der Beobachtende nur im Bezug auf die Handlung der beiden Mörder handeln kann, weil ein Tod beim Gefesselten sonst nicht eingetreten wäre.
Somit ist die angestoßene Kausalkette des Beobachtenden abhängig von dem, was die Mörder tun.
Es kann damit auch nicht ausgeschlossen werden, dass trotz des Unterlassens der Gefesselte durch die beiden Täter aus anderen Gründen nicht zu Tode kommen würde, wenn gleich der Beobachtende um die Ernsthaftigkeit des zuvor gefassten Tatplanes und dessen Umsetzung wusste.
Folglich hat ersterer keine alleinige Kausalität für den Tod des Betroffenen.
Kann man hier trotzdem zu einer Strafbarkeit aus Nebentäterschaft finden?

Was dann noch bleibt ist die Beihilfe zum Mord durch Unterlassen.
Die Strafbarkeit sollte meiner Meinung nach, auch nicht am doppelten Vorsatz der Beihilfe scheitern, wenn er mit dolus eventualis gehandelt hat, was hier durchaus anzunehmen wäre.

Mglw. könnte man auch hier den Streit zur Täterschaft und Teilnahme (Nebentäterschaft und Beihilfe) anbringen und sich dann für eines entscheiden, ohne vorher so Abzugrenzen, wie eben beschrieben, was allerdings nur möglich wäre, wenn die obige Kausalität entfiele.

So weit erstmal.

Ich bedanke mich schon einmal im voraus und wünsche noch angenehme Ostern.

Gruß
hyper_ghost
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