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Was bringen mir Buchinterpretationen?
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Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Was bringen mir Buchinterpretationen?
 
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REn0
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Anmeldungsdatum: 26.03.2007
Beiträge: 87

BeitragVerfasst am: 11 Mai 2008 - 15:55:05    Titel: Was bringen mir Buchinterpretationen?

Hi Leute.
Erst einmal zu mir: Ich bin Schüler in der Stufe 12 eines Gymasiums in NRW und hab Mathe und Physik als LK. Daraus lässt sich ja schon vermuten, dass Deutsch nicht gerade mein Glanzfach ist. Um genau zu sein: Ich stehe glatt 4.

Das könnte vielleicht daran liegen, dass ich nicht ganz genau erkennen kann was es mir bringt, Bücher wie Efii Brießt oder momentan Die Verwirrungen des Zöglings Törleß zu lesen und dann natürlich auch zu interpretieren. Ein Beispiel um zu verdeutlichen was ich meine:
Was kann ich mit dem Wissen anfagen, dass ein (erfundener) Junge keinen Charakter hat? (Törleß)
Darauf fällt mir überhaupt keine Antwort ein, so lange ich auch darüber nachdenke. Ich habe auch schon im Internet gesucht und bis jetzt jeden Deutschlehrer den ich hatte gefragt. Keiner konnte mir eine befriedigende Antwort geben. Aber irgendeinen Sinn muss das doch haben, sonst würde man es uns doch nicht beibringen. Oder???


Naturwissenschaften machen einen Sinn.
Biologie kann dafür genutzt werden um Menschen zu heilen. Neue Medikamente werden erforscht etc.
Chemie braucht man um neue Werkstoffe zu entwickeln etc.
Und unsere Welt beruht auf den Gesetzen der Physik. Autos entwickeln, Häuser bauen ... Für so etwas braucht man Physik-Kenntnisse.
Ich könnte noch weiter machen, aber ich denke der Standpunkt ist klar geworden.

Ich bin auch schon so weit, dass ich gar nicht mehr wissen will wofür ICH das Schul-Deutsch gebrauchen kann. Ich will nur wissen, wofür irgendwer das braucht.


Ich hoffe ihr könnt mir eine Antwort darauf geben. Vielleicht kann ja auch eine kleine Diskussion entstehen, wer weiß. Um das alles aber in einem Vernünftigen Rahmen zu halten, maße ich mir mal an gewisse Regeln aufzustellen:

1. Antworten wie: "Um Deutschlehrer zu werden" sind sinnlos. Ich denke warum die sinnlos sind erklärt sich von selbst.
2. Gegenfragen sind natürlich ok, aber eine Frage wie: "Wofür brauche ich denn Mathe" ist hier auch nicht erwünscht. ANGENOMMEN: Wenn Mathe "auch" sinnlos ist, wird Deutsch damit nicht sinnvoller. Wenn das aber trotzdem jemand klären möchte, bitte ich ihn einen neuen Thread zu eröffnen (im Mathe-Forum) und das dort separat zu diskutieren. Der Link kann hier natürlich gepostet werden.


Um das noch ein letztes mal klar zu stellen:
Es geht mir nicht darum zu wissen, wofür man Deutsch Rechtschreibung und Grammatik lernt. Oder Briefe schreiben. Den Zweck kenne ich. Ich will nur wissen, wofür ich in der Oberstufe so viele alte Bücher lesen muss und die interpertieren muss. Wie hilft das mir, oder der Welt weiter?


Vielen Dank schon mal im Voraus
mfg
REn0
vito
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Anmeldungsdatum: 29.05.2005
Beiträge: 69
Wohnort: Bern

BeitragVerfasst am: 11 Mai 2008 - 16:26:54    Titel:

Zitat:

2. Gegenfragen sind natürlich ok, aber eine Frage wie: "Wofür brauche ich denn Mathe" ist hier auch nicht erwünscht. ANGENOMMEN: Wenn Mathe "auch" sinnlos ist, wird Deutsch damit nicht sinnvoller. Wenn das aber trotzdem jemand klären möchte, bitte ich ihn einen neuen Thread zu eröffnen (im Mathe-Forum) und das dort separat zu diskutieren. Der Link kann hier natürlich gepostet werden.


Die Gegenfrage muss aber fast zwangsläufig gestellt werden, denn deine Beispiele sind ja schön und gut, aber sie können mich nicht überzeugen. Ja, mag sein, dass vieles worauf unsere Welt jetzt basiert, oder die Technologien die unser Leben erleichtern auf einem Physikalischen Fundament aufbauen. Aber was bringt es dem dem normalen Gymnasiasten, der selbst wenn er das studiert, was nicht der grossteil sein wird, wahrscheinlich niemals irgendwo mitwirken wird, wodurch danach eine bahnbrechende Errungenschaft entsteht? Oder was ein normaler Mensch im alltag an Mathematik lernt, lernt er in der Grundschule, später musst du selten irgendwelche Funktionen oder Logarithmen anwenden. Genau so verhält es sich natürlich auch mit dem Fach Deutsch (ganz im Gegenteil zu anderen Sprachfächern wie Englisch und Französisch, denn Kommunikation und Fremdsprachen sind heute ein Muss und generell wichtiger als irgendwelche Naturwissenschaftliche Kenntnise). Um ein möglichst grosses Spektrum zu haben, bevor du an die Uni gehst, lernst du das interpretieren, weil es auch Leute gibt, die das vertiefen wollen, genau wie andere Leute es nicht einsehen, warum sie jetzt Mathe und Physik büffeln sollen. Es ist primär dafür notwendig, dass später jeder an der Uni die gleichen Startbedingungen hat. Warum Bücher interpretieren? Nun ja, wenn es dich nicht interessiert, erübrigt sich die Frage für dich schon nach einem Sinn. Aber jemanden der es interessiert, kann daraus interessante soziologische Schlüsse ziehen. Geisteswissenschaft ist nämlich auch sehr wichtig, und erklärt auch vieles, warum wir heute so leben wie wir es tun. Z.b. die ganze Konsumgesellschaft, kannst du durch Physik nicht erklären (oder nur bedingt). Aus Büchern kann man auch wertvolle Erkenntnise gewinnen. Aber jo, es gibt Leute die das besser können, als ein einfacher Gymnasiast wie ich ^^
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 11 Mai 2008 - 17:08:52    Titel:

Interpretationen dienen dir, sofern du dich nicht für das Fach Deutsch interessierst, vor allem dazu, dir Kompetenzen anzueignen. Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten, welche oft durch Welten getrennt sind. Die Kompetenz besteht also darin, diese Unterschied zu überbrücken, aufzudecken und damit auch eigentlich die Wunder der Sprache zu entdecken. Das ist beispielsweise eine Kompetenz, die du im Leben benötigst, im Umgang mit Menschen, in welchem Beruf auch immer.
Es geht weiter darum, aus dem Detail auf die Zusammenhänge zu kommen, diese zu verstehen und darzustellen, zu synthetisieren und die Komplexität eines Vorgangs zu verstehen. Auch diese Kopetenz wirst du immer wieder im Leben benötigen.
Es geht ebenfalls darum, Gegenstände und Vorgänge nicht nur zu erfassen sondern auch zu lernen, sie konkret und präzise zu formulieren und sie mitzuteilen. Das ist viel schwieriger, als man denkt. Aber auch diese Komptetenz, das Formulieren von komplexen Gedankengängen, diese erst mal für dich verstehbar zu machen und anschließend mitzuteilen, wirst du ebenfalls in jedem Beruf benötigen.
Buchinterpretationen und die Interpretation aller anderen möglichen Textarten, die du im Laufe deiner Schulzeit durchgenommen hast, dienen dir auch dazu, mit allen Textsorten, mit denen du täglich im Leben konfrontiert wirst, umzugehen. Du gewinnst eine gewisse Texterfahrung, die dir die Rezeption eines Textes im außerschulischen Leben erheblich erleichtert oder eigentlich erst möglich macht.

Interpretation ist also nicht eine Art Übung nur um der übung willen, sondern es werden dir auf diesem Weg verschiedene Kompetenzen vermittelt, die viel allgemeiner sind als das Fach Deutsch und die du immer wieder benötigen wirst.

Mit Mathe ist das übrigens genauso. Mathe wird nicht vermittelt, mit dem Ziel, dass nach der Schule der Großteil alle möglichen Logarhythmen berechnen kann, sondern damit sich alle Schüler später im Leben mit den Zahlen zurechtfinden, da man tagtäglich mit ihnen konfrontiert wird.

Das Augenmerk liegt demnach auf dem Kondensat, auf dem, was am Ende dabei herauskommt, eben die Kopetenz.
LaChatte
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 1479

BeitragVerfasst am: 11 Mai 2008 - 17:33:49    Titel:

Ausser dem, was Vesar schon so klug aufgeführt hat, fällt mir noch ein:

- es wird praktische Psychologie vermittelt; Wenn du die Gedankengänge, die Gefühle und den Charakter einer fiktiven Figur kennst, hilft dir das, reale Menschen mit ähnlichen Denk- und Handlungsmustern korrekt einzuschätzen, und sie auch zu verstehen.

- alte Bücher sind ein Stück Kulturgeschichte; und die Ideen, die die Autoren hatten, leben weiter bis heute. Sie zu verstehen hilft dabei, sich selbst zu verstehen. Es kann auch dabei helfen, sich in eine fremde Kultur einzuleben (denn wie Deutschland vor hundert oder zweihundert Jahren war, das ist uns heute auch schon wieder fremd geworden) und entwickelt die Fähigkeit, fremde Mentalitäten generell besser zu verstehen.

- nicht zuletzt vermittelt es - durch das Lesen selbst - ein Gefühl dafür, was schöne, gute Sprache ist. Das darf durchaus ein passives Wissen sein; ich wär gar nicht dagegen, wenn heute auch in der Oberstufe hin und wieder etwas auswendig gelernt werden würde, auch wenn man diese Texte möglicherweise erst viel später richtig schätzen lernt. Aber dann sind sie immerhin schon mal präsent.

grüsse, barbara
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 00:14:03    Titel:

Hallo REnO

Deine Frage nach dem Sinn des Lesens und Interpretierens (hier vor allem von "Literatur" im speziellen Sinne) hat schon so viele Philosophen und Germanisten zu verständlicheren oder unverständlicheren Büchern inspiriert, dass ich mich kaum getraue, hier zu einer kurzen Antwort anzusetzen.

Es geht natürlich letztlich - wie in den von dir erwähnten naturwissenschaftlichen Fächern - um das Verstehen. Die Literatur erhebt aber den Anspruch, nicht nur "Teilgebiete" des Lebens, sondern das Leben und Denken als Ganzes zu thematisieren. Wenn wir uns mit Literatur beschäftigen, beschäftigen wir uns also letztlich mit uns selbst, unserem Leben und seiner Einbettung in die Geschichte.

Dies tönt natürlich seltsam für einen Gymnasiasten, der zum Aufbau eines Sonetts befragt wird, zu verschiedenen Versmassen, Strophenformen, offenem und geschlossenem Drama, realistischem Erzählen etc. etc. - Ein guter Deutschlehrer MUESSTE aber dazu in der Lage sein, das Ganze in einen Zusammenhang zu stellen, den Schülern den Sinn einer Interpretation verständlich zu machen.

Nehmen wir die beiden von dir erwähnten Beispiele! Was macht Fontanes "Effi Briest" für uns als Leser interessant? - Wir erfahren in unserem scheinbar so emanzipierten Zeitalter, wie sich die Frau im 19.Jahrhundert noch selbst verwirklichen konnte: nämlich höchstens durch Ehebruch. Während dem Mann (theoretisch!) so viele Möglichkeiten zur Verfügung standen, sich zu entwickeln (Helden im "Entwicklungsroman" waren immer nur Männer!), blieb den Frauen die Gefangenschaft im Käfig der Ehe. Der Ausbruch aus diesem Käfig via Ehebruch wird in mehreren Romanen der Zeit thematisiert: Flaubert's "Madame Bovary", Fontanes Novelle "L'Adultera", Tolstois "Anna Karenina". Bezeichnend auch die vom damaligen "moralischen" Empfinden als nötig erachtete "Bestrafung" durch den Tod. Interessanterweise ist es gerade ein Drama des die Moderne einläutenden Ibsen, welches der Frau gestattet, ihrem Vogelkäfig auf eine neue Weise, die ihr letztlich Selbstverwirklichung ermöglicht, zu entkommen: "Nora". - Wir lernen also etwas über die Stellung der Frau in einer uns noch gar nicht so fremden Epoche, wir lernen etwas über über Moral als Mittel zur Unterdrückung - auch heute eine aktuelle Gefahr (religiöser Fundamentalismus).

Beim "Törless", der meiner Meinung nach nur "zufällig" etwas mit Sadismus und jugendlicher Homosexualität zu tun hat, geht es um etwas bleibend Aktuelles: die Situation des langsam Heranreifenden, der mit seinem Leben noch nicht zurecht kommt und sich in eine Art von - für Pubertierende typische - Reverie flüchtet. Hier lohnt es sich besonders, nicht in erster Linie auf die äusseren Abläufe, sondern auf das in Törless Vorgehende (und wie es erzählt wird) zu achten. Plötzlich wirst du erkennen, dass nicht ein "Charakterloser", sondern ein heranreifender Jugendlicher im Mittelpunkt der Erzählung steht, der uns selber viel über unsere Pubertät und unsere Neigung, der "Realität" mit Reverien auszuweichen, vermittelt.

Solche Hintergründe müsste ein guter Deutschlehrer neben all dem nötigen "technischen" Kram, den wir für unsere Interpretationen benötigen, ausleuchten; dann macht der ganze Aufwand Sinn. In den 40er und 50er Jahren galt der Schweizer Literaturwissenschaftler Emil Staiger als Guru für eine ganze Generation von Germanisten. Er wollte sich nur dem "Guten und Schönen" widmen, verachtete später die Literatur, von Hochhuth, Weiss und Frisch, die sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzte, als "Gossenliteratur". Ein solches Herangehen an Literatur muss abgelehnt werden. Interpretation macht nur einen Sinn, wenn wir nach dem für uns noch immer Wichtigen, Aktuellen in einem Text fragen. - Aus diesem Grund gefällt mir der in Weimar als Dichterfürst sitzende Goethe der klassischen und nachklassischen Phase auch nur dort, wo er seine eigenen Schwächen erkennen lässt; etwa wenn er an Schiller schreibt, Jean Paul, einer meiner Lieblingsschriftsteller, sei nach Weimar gekommen "wie der Chinese nach Rom" - oder wenn er, der sein Leben lang mit dem "Faust" zu ringen hatte, den jungen Heine ziemlich brüsk entlässt, weil dieser ihm frech verkündet, er arbeite gerade an SEINEM Faust. Literatur und ihre Verfasser müssen "menscheln".
(End of Part I)


Zuletzt bearbeitet von Bruno58 am 13 Mai 2008 - 12:56:58, insgesamt 2-mal bearbeitet
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 01:24:59    Titel:

Part II

Du siehst: ich habe bewusst darauf verzichtet, mich auf einzelne der psychologischen, philosophischen, geschichtlichen (und manchmal sogar naturwissenschaftlichen) Erkenntnisse, die uns Literatur zu vermitteln vermag, zu beschränken. Dafür gibt es Spezialdisziplinen! - Literatur will etwas Umfassenderes, und sie ermöglicht es jedem Interpreten, sich auf das zu konzentrieren, was für ihn einen aktuellen Bezug hat. Er muss seine Interpretation letztlich nur so gut begründen können, dass ihr nicht widersprochen werden kann; es sei denn, man gehe die Sache von einer völlig anderen Warte aus an. - Ich habe mich auch auf die von dir erwähnten Texte konzentriert, weil ich hier nicht theoretisieren, sondern dir den Sinn des Lesens "versinnlichen" wollte.

Du hast Gegenfragen gestattet. Ich erlaube mir eine: Magst du Filme? - Filme haben nämlich etwas mit Literatur gemeinsam: Es geht ihnen auch um das Leben in seiner ganzen "Fülle". Sie bedienen sich z.T. einfach anderer oder zusätzlicher Mittel: Visualisierung, Musik etc. Vielleicht hat es Literatur in dieser Hinsicht schwerer; denn sie muss auch Stimmungen mit Hilfe von Sprache erzeugen. Es gibt jedoch billige Filme, wie es Groschenliteratur gibt - und es gibt Werke, denen wir wichtige Erkenntnisse über uns und das Leben verdanken.

Ich sehe hier einmal von der Künstlichkeit etwa eines Peter Greenaway ab und nenne nur zwei Beispiele aus unterschiedlichen Genres, die ich als wichtige Filme der letzten Jahre betrachte: "Amores Perros", das Erstlingswerk von Inarritu, dem Regisseur des m.E.s überschätzten "Babel", und "Alles ist erleuchtet", nach dem Roman von Jonathan Safran Foer (mit Eljah Wood). Wer die Darstellung des Molochs Mexico City mit all seinem Elend in "Amores Perros" sieht, wird nicht einfach mit sozio-kulturellen Fakten konfrontiert; er erfährt auch vielleicht bislang nur im Unbewussten Schlummerndes über die Nichtigkeit von Plänen und die Bedeutung jenes kleinen Flämmchens, das man Hoffnung nennt. So etwas kann einem die Philosophie erklären, veranschaulichen können es nur Literatur und Filme. "Alles ist erleuchtet" kommt als Road-Movie daher. Wie sich aber zu Beginn groteske Figuren auf der Reise zu Menschen entwickeln, die es lernen müssen, zu ihrem Menschsein zu stehen - nenn mir - Literatur und Film ausgenommen - eine "Wissenschaft", die uns so etwas zu vermitteln mag! Und die uns ein interpretierendes Nachsinnen ermöglicht. - Kurz: Wenn du Filme magst, wirst du früher oder später auch den Zugang zur Literatur finden.

Ich will hier die Bedeutung deiner Lieblingsfächer für das tägliche Leben und Ueberleben in keiner Hinsicht herabwürdigen. Die Literatur thematisiert einfach andere Bereiche, stellt vielleicht einen "umfassenderen" Anspruch. Es ist, wie schon mehrfach erwähnt, Pflicht eines Lehrers, den Anspruch von Literatur auch Naturwissenschaftlern (einige bedeutende Schriftsteller waren Naturwissenschaftler!) schmackhaft zu machen.

Warum die Bedeutung des Lehrers? - Ich war in Physik eine Null! Mein Physiklehrer alberte stundenlang herum, machte auf Entertainment pur (Donald Duck mit Helium intus etc.) - und anschliessend kamen die schweren, für mich nicht lösbaren Fragen in den Prüfungen. Heute stelle ich bei jeder Gelegenheit mein Wissensmanko fest. Und ich bin überzeugt: Physik wäre ein Fach, das mich interessieren könnte! (Ich nehme mir auch immer wieder vor, ein Einführungsbuch zu lesen, rede mich aber damit aus der Affäre, ich sei jetzt das, was man in der Schweiz als "alten Knochen" bezeichnet.) - Deshalb meine Bitte an dich: Mach jeden Deutschlehrer, dem es nicht gelingen will, dir den Sinn einer bestimmten Lektüre befriedigend zu veranschaulichen, immer wieder auf das Sprichwort vom Hans, der nimmermehr lernt, was Hänschen nicht lernte, aufmerksam!

Entschuldige die Länge meiner Antwort (es hätte schlimmer kommen können!). Meine Tippfehler werde ich korrigieren, sobald mich diese Seite endlich an das "Edit" ranlässt.

Gruss
Bruno58


Zuletzt bearbeitet von Bruno58 am 12 Mai 2008 - 15:47:42, insgesamt einmal bearbeitet
Franka_
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Anmeldungsdatum: 23.04.2008
Beiträge: 114

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 12:43:53    Titel:

Ich bin überrascht, dass du den Zusammenhang zwischen Mathe und Deutsch nicht siehst.
Aber vielleicht ist dir einfach nicht klar, was Mathe wirklich bedeutet.

Es geht doch nicht um Rechnen, es geht um die Strukturen der Objekte untereinander. Du erkennst Muster, Zusammenhänge etc. ... natürlich alles auf einer äußerst abstrakten Ebene
Genau das macht die Mathematik und die Naturwissenschaften (das Rechen ist nebensächlich)

Und was machst du in Deutsch? Ist es nicht genau das Gleiche? Wo ist der Unterschied? - Doch nur der Grad der Abstraktion.

Es geht doch nur um die Beziehung der Objekte untereinander. Und die Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen.
Seien es reelle oder fiktive Personen oder eben mathematische Strukturen.

Du muss nicht beides mögen.
Sinnvoll ist aber beides – oder keins davon


Liebe Grüße
Mathe- und Physikstudentin
Tantus
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Anmeldungsdatum: 23.04.2006
Beiträge: 565

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 16:15:25    Titel:

Geisteswissenschaften generell fördern viel mehr die charakterliche Entwicklung der Schüler. Es geht hier weniger darum, ihnen möglichst viel Fachwissen beizubringen, als viel mehr darum, dass die Schüler sich selbst und die Welt, in der sie leben - inklusive Vergangenheit und Zukunft - kritisch hinterfragen.
Es geht um ethische, philosophische Fragen, die, mögen sie auch teilweise abstrakt sein, das Leben eines jeden Menschen beeinflussen.
Es geht darum, dass man als Mensch reift und zu erkennen lernt.

Schließlich sagte bereits Einstein:

"Es ist nicht genug, den Menschen ein Spezialfach gelehrt zu haben.
Dadurch würde er zwar zu einer Art benutzbarer Maschine,
aber nicht zu einer vollwertigen Persönlichkeit."
interbuy
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Anmeldungsdatum: 20.10.2007
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 18:07:17    Titel: Re: Was bringen mir Buchinterpretationen?

..

Zuletzt bearbeitet von interbuy am 16 Dez 2008 - 14:42:13, insgesamt einmal bearbeitet
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 19:07:21    Titel:

Bitte enthalte dich eines Threads, wenn du nicht gewillt bist, etwas Intelligentes oder Produktives zur Diskussion beizusteuern.
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