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Was bringen mir Buchinterpretationen?
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interbuy
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Anmeldungsdatum: 20.10.2007
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 20:40:13    Titel:

...


Zuletzt bearbeitet von interbuy am 16 Dez 2008 - 15:50:25, insgesamt einmal bearbeitet
xinoxano
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Anmeldungsdatum: 13.07.2007
Beiträge: 262

BeitragVerfasst am: 12 Mai 2008 - 21:22:38    Titel:

Du hast ja bereits einige meiner Ansicht nach hervorragende Antworten auf Deine Frage erhalten, mit dem Hinweis, dass Buchinterpretationen Dir dabei helfen können, Deinen Erlebnishorizont zu erweitern, Deine Allgemeinbildung zu verbessern, wichtige Schlüsselkompetenzen für die Kommunikation zu erwerben etc. Literatur, auch Werke aus entfernten Epochen und Kulturen, kann uns durchaus dabei helfen, Antworten auf die Fragen zu finden, die uns hier und heute beschäftigen. Denn im Grunde genommen sind die Gefühle und die Probleme des Menschen in allen Epochen und Kulturen die gleichen (z.B. Adoleszenz-Probleme, gesellschaftliche Nonkonformität, Liebe und Liebeskummer, Eifersucht, Trauer – um nur einige der Themen zu nennen, die typischerweise in den üblichen Schullektüren auftauchen, und die jeden Menschen betreffen).
Aber der naheliegendste Grund dafür, Literatur zu lesen, wurde noch nicht genannt: Literatur ist Kunst! Ebenso könntest Du fragen, warum Du Dir eine Symphonie von Beethoven anhören, oder ein Gemälde von Picasso betrachten solltest. Zum Vergnügen, natürlich! Wenn Dich die genannten Argumente immer noch nicht überzeugen, dann denk nicht weiter über das Warum nach, sondern erfreue Dich einfach an der Lektüre einiger der größten Werke der Weltliteratur! L’art pour l’art!
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 13 Mai 2008 - 01:37:01    Titel:

Ich möchte den Beitrag von interbuy einmal unkommentiert lassen. Für solche Leute gibt es wohl auch in Deutschland christliche Privatschulen, in welchen die Schüler der Unterstufe nur mit biblischen Geschichten konfrontiert und im Bio-Unterricht mit dem Kreationismus vertraut gemacht werden. Entsprechend wird auf dem Gymnasium etwa Lessings "Nathan, der Weise" abgelehnt, weil darin der Muslim Saladin wesentlich besser wegkommt als der christliche Patriarch. - Da diese Ausprägung eines christlichen Fundamentalismus bei uns noch keine amerikanischen Ausmasse angenommen hat, belassen wir es bei einem: "Chacun à son gout!".

Hingegen möchte ich kurz auf die Beiträge von xinoxano und Franka_ zu sprechen kommen:
1. Es stimmt natürlich, dass man Literatur einfach nur aus Freude geniessen kann; und in diesem Zusammenhang ist auch der Begriff "Kunst" angebracht. Sobald es jedoch ans Interpretieren geht, stellt sich die Frage, was Kunst denn eigentlich SEI! Da wir diese Frage letztlich nur subjektiv beantworten können, besteht die Gefahr einer elitären Verwendung des Begriffs: Kunst und deren Deutung ist nur dem "Auserlesenen" zugänglich. - Der von mir erwähnte Literaturwissenschaftler Emil Staiger, der sich nur "dem Schönen und Guten" widmen wollte, vertrat diese Auffassung: Sein berühmter Aufsatz "Die Kunst der Interpretation" deutet schon im Titel an, dass Interpretation keine von jedem erlernbare Fertigkeit sei, sondern eine Begabung, die nur wenigen Begnadeten in die Wiege gelegt wurde. Entsprechend brüstete er sich im Anhang auch mit einem Briefwechsel, den er mit dem Philosophen Martin Heidegger wegen der Auslegung eines einzigen Wortes ("scheinen") in einem Mörike-Gedicht geführt hatte - zwei Auserwählte unter sich!

Zu meiner Zeit mussten die Studenten nicht mehr nur zu den interpretierenden Göttern aufblicken, da wir Literatur als einen Spezialfall von Kommunikation zu betrachten lernten. Kommunikation bedingt den Austausch zwischen Leser und Literatur, der Kunst-Begriff bleibt aussen vor; hingegen ermöglicht dieser Zugang jedem Einzelnen einen Austausch über die für ihn relevanten Dinge - das Leben in seiner ganzen Fülle. Die Aneignung von Fachlichem ist weiterhin nötig, aber die einst so heiss diskutierten "Methoden" (Positivismus, Geistesgeschichte, Literatursoziologie und -psychologie, Rezeptionsästhetik etc.) lassen sich ins Kommunikationsmodell einbetten. Dem persönlichen Zugang wird Raum gewährt, das elitäre Denken früherer Zeiten fällt - zumindest theoretisch! - weg. Literatur wird zu einem Diskurs, den es (dies sicher erst auf "höherer" Stufe) zu hinterfragen gilt. - Ich betrachte mich als "Problemgeschichtler", der wesentlich von der Herangehensweise profitiert hat.

2. Mit dem Diskurs-Begriff bin ich bereits bei Franka_ gelandet: Du sprichst mehrmals von Strukturen und ihren Zusammenhängen. Es geht, das weisst du sicher, auch in Mathematik und Physik um mehr. Selbstverständlich gibt es in den Natur- und Geisteswissenschaften Leute, die die Sache nur um ihrer selbst willen betreiben, als geistige Masturbation sozusagen. Letztlich denkt aber auch der Mathematiker, dass sein Fach die Grundlage für Physik und Chemie ist, dass es letztlich um das Leben und oft das zum Ueberleben Notwendige geht (ich verdanke meine Medikamente schliesslich unter anderem auch der Mathematik!). - Nun gab es in der Linguistik und Literaturwissenschaft auch eine Richtung, die man als "Strukturalismus" bezeichnete. Sie bemühte sich, Literatur als System (also rein synchronisch, vom geschichtlichen Aspekt abstrahierend) zu betrachten. Dieser Strukturalismus hat seine historische Bedeutung, artete aber besonders in der Literaturwissenschaft auch oft zum Selbstzweck, zur geistigen Masturbation aus. Literatur wurde um ihrer selbst willen interpretiert. Höhepunkt: die vor allem in Frankreich verbreitete "explication du texte". Es ging einfach darum, einen Text nach vorgegebenen "Regeln" zu analysieren, ihn nicht auf für den Leser wirklich Relevantes abzuklopfen, sondern vor allem viel überflüssigen Müll zu produzieren. - Die Namen, die diesem Strukturalismus ein Ende setzten, sind berühmt: Foucault, Derrida, die "Chicago School", Lacan etc.
Ich versuche ihre Erkenntnisse (DIE Erkenntnisse der Postmoderne!) auf einen Satz zu reduzieren: Strukturen sind in einen Diskurs (Kommunikation) eingebettet, und auch dieser Diskurs hat eine Geschichte; die Geschichtlichkeit dieses Diskurses, in dem wir uns gerade befinden, gilt es zu hinterfragen, damit wir mehr über uns selber und unser Verhältnis zum "Leben" erfahren können. - Also einverstanden: Die Gemeinsamkeiten zwischen Natur- und Geisteswissenschaften sind zu betonen; es muss aber immer wieder darauf hingewiesen werden, dass beide nicht als Selbstzweck betrieben werden dürfen, sondern Sinn machen müssen.

Damit haben wir uns - abstrahierend - wohl weit von REnO's sehr konkret gestellter Frage entfernt. Ich werde in diesem Thread von jetzt an auch mein grosses Maul halten. Aber @REnO: Du siehst vielleicht, worum es mir immer wieder geht: Das Ganze muss Sinn machen; es darf einem Lehrer nicht einfach um seinen Lehrplan gehen, auch nicht um das Aneignen von Fertigkeiten, mit denen du letztlich doch nichts anfangen kannst. Du hast ein Recht darauf, zu erfahren, was dir das Lesen und Interpretieren eines bestimmten Werks überhaupt bringen soll, wie es deinen Horizont erweitert. Dann wirst du eines Tages auch in der Lage sein, Freude beim Lesen zu empfinden.
P.S: Sehr viele Mathematiker lesen besonders gern einen der kompliziertesten Romane des 20.Jahrhunderts: "Ulysses" von James Joyce. Wir Anglisten hatten einen Horror vor dem Buch; und ich frage mich heute noch, warum gerade Naturwissenschaftler es so anziehend finden...

Gruss
Bruno58
tokyob
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Anmeldungsdatum: 19.06.2006
Beiträge: 3096
Wohnort: Tokyo, Japan

BeitragVerfasst am: 13 Mai 2008 - 02:36:47    Titel: Re: Was bringen mir Buchinterpretationen?

REn0 hat folgendes geschrieben:

Aber irgendeinen Sinn muss das doch haben, sonst würde man es uns doch nicht beibringen. Oder???

Ich bin auch schon so weit, dass ich gar nicht mehr wissen will wofür ICH das Schul-Deutsch gebrauchen kann. Ich will nur wissen, wofür irgendwer das braucht.

Ich will nur wissen, wofür ich in der Oberstufe so viele alte Bücher lesen muss und die interpertieren muss. Wie hilft das mir, oder der Welt weiter?


Also erstmal ist Abitur die ALLGEMEINE Hochschulreife. Man will also alle Schueler zwingen, breite Grundkenntnisse in allen Gebieten zu haben. Dazu gehoert natuerlich auch die Deutsche Literatur. (Und komischerweise auch Sport.). Anderen Leuten passt halt Franzoesisch nicht und anderen Mathe nicht.

Wenn Du die Interpretation von menschlichem Verhalten, etc. so abgeht, solltest Du eventuell mal pruefen, ob bei Dir ein leichtes Asperger-Syndrom vorliegt :

"Der Asperger-Patient hört eher, was andere sagen bzw. treffender: was sie formulieren, als was sie damit meinen. Das ist nicht unbedingt dasselbe, wenn man beides sauber analysiert. ... Nur wenn diese Regeln verstanden und innerhalb der jeweiligen Kultur angewendet (oder gebrochen) werden, können wir verstehen, ob jemand stichelt, einen Hintergedanken hat, höflich, humorvoll, sarkastisch u. ä. sein möchte oder ist. Und das genau ist es, was dem Asperger-Patienten abgeht.
Sie selber aber halten sich auch nur an ihre eigenen Fakten, ohne jene Begriffe zu verwenden, die gewöhnlich die Bedeutung des Gesagten nach Stimmung,Wertigkeit oder hintergründige Doppelsinnigkeit färben. ... Allerdings ermöglicht es die meist hohe Intelligenz von Asperger-Patienten den Mangel an Spontaneität und Situationsgefühl zeitweilig so gut zu kompensieren, dass die Betroffenen nach und nach nicht mehr sonderlich auffällig erscheinen."

Aber troeste Dich. Wenn Du Mathe oder Physik studierst triffst Du fast nur "Gleichgesinnte".

PS : In "Dead Poets Society" fragt er (sinngemaess) : "Why do we write poety ? - To woo women."
Nurnullnixeins
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Anmeldungsdatum: 13.05.2008
Beiträge: 62

BeitragVerfasst am: 13 Mai 2008 - 03:10:04    Titel:

Es gibt auch Oberstufen, die sich stark um die Epochen kümmern (in S2), was wiederrum interessant ist, da man die Relationen Geschichte --> Situation --> Literatur gut sieht.
Interessant kann hierbei der Naturalismus, seine Eigenarten, Chancen, Umstände und ... Kurzlebigkeit auf Grund seiner selbst, sein.

Was ich ausdrücken will ist, dass es einfach einen Unterschied zwischen "interpretier das mal, lies es vor --> Kommentare --> ok, nächstes Thema" und fundiertem Deutschunterricht gibt...
interbuy
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Anmeldungsdatum: 20.10.2007
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 13 Mai 2008 - 18:05:48    Titel:

...

Zuletzt bearbeitet von interbuy am 16 Dez 2008 - 15:43:08, insgesamt einmal bearbeitet
oberhaenslir
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Anmeldungsdatum: 20.09.2007
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2008 - 23:28:57    Titel: Überlass doch deinen Platz einem Lernwilligen!

Was suchst du denn auf einem Gymnasium, wenn du dir solche Kompetenzen nicht aneignen willst?

Überlass doch deinen Platz einem Lernwilligen!
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