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Mündliches Abi: Verschiedene Fragen
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Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Mündliches Abi: Verschiedene Fragen
 
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mooselover
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Anmeldungsdatum: 08.03.2008
Beiträge: 211

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 08:57:23    Titel: Mündliches Abi: Verschiedene Fragen

Hallo ihr,

ich hab am Montag mündliches Abi in Politik&Wirtschaft und bin jetzt fleißig am Lernen, aber da sind mir jetzt ein paar Fragen gekommen, die ich nicht beantworten kann.
Wäre toll, wenn jemand mir hier weiterhelfen könnte.

1. Wie spricht man "Tobinsteuer" aus?

2. Ist die deutsche Wirtschaftspolitik nachfrage- oder angebotsorientiert bzw. keynesianistisch oder monetaristisch? Im Stabilitätsgesetz von 1967 wurde doch Globalsteuerung und damit eher nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik festgelegt, oder? Aber gilt das auch noch für heute?

3. Warum bleibt im Wirtschaftsaufschwung das Preisniveau stabil, bei Hochkonjunktur aber nicht?

4. Was ist der Multiplikatoreffekt und was ist der negative Multiplikatoreffekt? Hat das was mit der Nachfrage zu tun?

Vielen Dank schon mal im Voraus!
mooselover
mooselover
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Anmeldungsdatum: 08.03.2008
Beiträge: 211

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 10:15:45    Titel:

Ich hätte da noch eine Frage:

5. In welcher Konjunkturphase befinden wir uns gerade? Im Aufschwung? Oder kann man das nicht so genau sagen? Und wenn doch, woran kann man das erkennen?
stechus kaktus
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Anmeldungsdatum: 18.02.2006
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 10:54:02    Titel:

1- Wie man es schreibt T O B I N ,ob man das i wie i oder wie y ausspricht ist denke ich sekundär.

2- Wenn ich mich entscheiden müsste würde ich eher Nachfragepolitik sagen, zumindest ist die Politik einfach zu weit von Angebotspolitik entfernt wenn man sich so die Regularien anguckt.
Oder findest Du dass die aufgeführten Punkte etwa auf Realität hier und jetzt zutreffend?
http://de.wikipedia.org/wiki/Angebotspolitik

Aber Vorsicht, ich weiß nicht welche Lehrer ihr so habt, bei alten Sozis würde ich meine Wortwahl anpassen und ebenso die Thesen was davon gut oder schlecht ist. Höchstwahrscheinlich ist wieder so ein Kompromiss nötig - merke es Dir schon mal für später: gut+schlecht /2 = Kompromiss = Optimum ^^

3- Hmm bleibt es wirklich bei Wirtschaftsaufschwung wirklich so automatisch stabil?
Ja ok, bei Hochkonjunktur kann die Nachfrage größer als das Angebot sein, bei Arbeitskräften z.B., aber die Waren verfallen im Preis weil die Nachfrage diesbezüglich befriedigt ist und viel Konkurrenz vorherrscht...

4- http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=W1IAFL
stechus kaktus
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Anmeldungsdatum: 18.02.2006
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 11:01:45    Titel:

5 - Ja das kann man eigentlich nicht so super gut sagen, weiß man nachher eher zu bestimmen, es spricht aber durchaus was dafür dass es ein relativer boom ist der gerade abnimmt.

Übrigens sollte man sich da auch nicht so drauf stürzen, diese Konjunkturphasen sind kein Muß und man sollte da auch nicht mit zu sehr taktieren sondern die Weichen so stellen dass es immer relativ oben bleibt, immerhin haben wir Gesamtwirtschaftlich nicht sowas wie ein Schweinezyklus, es kann auch wenn man alles richtig macht ohne externe Schocks alles halbwegs gleichmäßig gut bleiben.
Bei unendlicher Reaktionsgeschwindigkeit der Märkte (ok Theorie, der man aber sehr wohl in der Praxis nah kommen kann) muss es nicht zwangsläufig solche Konjunkturzyklen geben, zumindest nicht so starke.

Die ganzen Leute stürzen sich eher drauf wie man mit Staatsverschuldung und Co. die Zyklen abflachen kann, woher sie die Einsicht haben dass es so richtig ist, würde ich gerne wissen.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 11:40:11    Titel:

In der Theorie steigt die Inflation in Boomphasen. Das kann man auf verschiedene Arten erklären.

- Arbeitskräfte werden knapp. Lohnsteigerungen.
- Nachfrage steigt. Angebot hinkt hinterher. Preise steigen.
- zunehmende Investitionen, Kreditbedarf, Geldmenge steigt. Inflation.

Der Zusammenhang ist m.W. empirisch aber eher schwach belegt. Nicht umsonst gibt es ja Phänomene wie Stagflation. Die derzeitig steigende Inflation würde ich auch nicht mit dem Aufschwung erklären, sondern mit dem Aufstieg der Schwellenländer, der verstärkten internationalen Nachfrage nach Rohstoffen und nicht zu vergessen der oftmal etwas verspätet angepassten Preise dank der Mehrwertsteuererhöhung.

Die Frage nach der Angebots und Nachfrageorientierung ist schwer zu beantworten. Das Stabilitätsgesetz war keynesianisch orientiert. Ich sehe eine Mischung.
Z.B. ist die fast vollständige Befreiung von der Erbschaftssteuer, wenn der Betrieb noch jahrelang fortgeführt wird, doch eher angebotsorientiert. Die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge hilft einerseits der Nachfrage, entlastet aber auch die Unternehmen.
Hier musst du aufpassen nicht in politische Antworten (auch hier im Forum) hereinzufallen, die die Sache meist einseitig betrachten. Wenn du einen guten Lehrer hast, will er sehen, dass du Dinge ausgewogen beurteilen kannst.

Gruß
Pauker
mooselover
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Anmeldungsdatum: 08.03.2008
Beiträge: 211

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 13:36:18    Titel:

Vielen Dank für eure Antworten!

Mir ist dabei noch eine Frage eingefallen:
Bedeutet wachsendes BIP im Vergleich zum Vorjahr automatisch Aufschwung oder kann man das so nicht sagen?
Giri
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Anmeldungsdatum: 05.05.2007
Beiträge: 139
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 22:59:12    Titel:

naja, in den USA haben wir ein steigendes BIP und trotzdem wird von Rezession gesprochen... und außerdem solltest Du im Colloqium klar machen, dass du auch vom REALEN BIP sprichst.
Und als Vorbereitung Zeitung lesen!
McCoy
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Anmeldungsdatum: 09.06.2006
Beiträge: 501

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2008 - 23:30:28    Titel:

Ich würd erst von einem wirtschaftlichen Aufschwung reden, wenn das BIP-Wachstum über dem langfr. Trendwachstum liegt.
Sternau
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Anmeldungsdatum: 26.02.2007
Beiträge: 209

BeitragVerfasst am: 21 Mai 2008 - 00:17:56    Titel: Re: Mündliches Abi: Verschiedene Fragen

mooselover hat folgendes geschrieben:
Hallo ihr,

ich hab am Montag mündliches Abi in Politik&Wirtschaft und bin jetzt fleißig am Lernen, aber da sind mir jetzt ein paar Fragen gekommen, die ich nicht beantworten kann.
Wäre toll, wenn jemand mir hier weiterhelfen könnte.

1. Wie spricht man "Tobinsteuer" aus?

2. Ist die deutsche Wirtschaftspolitik nachfrage- oder angebotsorientiert bzw. keynesianistisch oder monetaristisch? Im Stabilitätsgesetz von 1967 wurde doch Globalsteuerung und damit eher nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik festgelegt, oder? Aber gilt das auch noch für heute?

3. Warum bleibt im Wirtschaftsaufschwung das Preisniveau stabil, bei Hochkonjunktur aber nicht?

4. Was ist der Multiplikatoreffekt und was ist der negative Multiplikatoreffekt? Hat das was mit der Nachfrage zu tun?

Vielen Dank schon mal im Voraus!
mooselover


Zu

2. Im Grunde weder noch; es wird gesundes Mittelmaß praktiziert. Für die Nachfragepolitik spricht ein hoher Anteil an Staatsausgaben im BSP. Für die Angebotspolitik spricht, dass diese Staatsausgaben für z.B. Ausbildung und Gesundheit anfallen sowie teils einfach den redistributiven Gesellschaftskonsens widerspiegeln, d.h., die aggregierte Nachfrage nicht bewusst stimulieren. Der hohe Exportanteil im BSP spricht, je nach Argumentation, für erfolgreiche Angebotspolitik: gute Ausbildung in vor allem technischen Berufen hat dazu geführt, dass deutsche Produkte international wettbewerbsfähig sind. Die großzügige Rentenpolitik meiner Meinung nach eher verfehlte Angebotspolitik (verringerter Arbeitsanreiz) und hat sicherlich wenig positive Auswirkungen auf die Nachfrage (Rentner geben nicht viel Geld aus - warum geben wir ihnen also viel?!?) Ein weiteres Beispiel für Angebotspolitik ist die Unternehmenssteuerreform (Veränderung der Anreizstruktur...)

Das klingt etwas hardcore-liberal, ist aber nur eine positive ökonomische Analyse. Über die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahmen zu streiten ist ja zunächst einmal ein anderes Thema... Das Haushaltsdefizit der vergangenen Jahre ist natürlich positiv im Nachfragesinne, allerdings eher zyklisch als bewusst gesteuert (im Vergleich z.B. zu den Steuersenkungen in den USA 2001 und 2003). Die USA sind ein gutes Beispiel für deutlich aktiver betriebene Nachfragepolitik.

==> dies nur als Ideen für mündliches Abi; rigorose Analyse ist natürlich anders... Wenn Du hier genauer reinschauen möchtest, schau Dir die Zusammensetzung des Staatshaushaltes (sollte es auf destatis geben, oder beim Bundesministerium der Finanzen) an und untersuche strukturelle Veränderungen der letzten 10 Jahre mit Hinblick auf den Effekt auf Angebot und Nachfrage.

==> Auch bedenken: die Geldplitik wird von der EZB betrieben; die sind stark monetaristisch orientiert (Kontrolle der Inflation orientiert sich am klassischen Geldmengenansatz... für umfangreiche Diskussion musst Du Makroökonomie machen). Das schränkt natürlich die Instrumentarien der Fiskalpolitik ein (Stabilitätspakt verhindert radikale Keynes-Wipo etc....)

3.

Keynesianische Angebotskurve ist horizontal bis zum natürlichen Output-Level. Bei Annäherung an ebendieses in der Aufschwungphase bleibt das Preisniveau konstant. Während der Hochkonjunktur nähert sich die Volkswirtschaft dem full employment level an, Inflation steigt.

Anders erkärt: im Aufschwung gibt es noch eine Menge ungenütze Ressourcen, die bei Nachfrageerhöhungen zum aktuellen Preislevel in Aktion treten. Je knapper sie aber werden (Hochkonjunktur), desto stärker zieht die Inflation an...

Für eine eher monetaristische Erklärung, nehme einfach an, dass das Preislevel kurzfristig fix ist, während es sich in der Hochkonjunktur flexibilisiert. Das bedingt dann wiederum den Abschwung...


4. Der Multiplikatoreffekt besagt, dass eine Erhöhung in z.B. den Regierungsausgaben das Einkommen erhöht. Diese Einkommenserhöhung erhöht wiederum den Konsum um einem Faktor c ("marginal propensity to consume" = marginale Konsumneigung). 0<c<1. Dieser Konsum erhöht wiederum das Einkommen derer, von denen Güter und Dienstleistungen erworben werden. Diese geben wiederum einen Anteil c hiervor für den Konsum aus. Mathematisch ausgedrückt:

G = Veränderungen Regierungsausgaben
dY = Veränderungen Nationaleinkommen

dY = G + cG + (c^2)G + (c^3)G + (c^4)G + ... + (c^n)G [multipliziere mal c)

cdY = cG + (c^2)G + (c^3)G + (c^4)G + ... + (c^n)G + (c^2n)G [subtrahiere diese Gleichung von der oberen]

(1-c)dY = G - (c^2n)G [dividiere durch (1-c); beachte dass c^2n=0 da c kleiner eins und n theoretisch unendlich)

dY = G* 1/(1-c); letzterer Ausdruck [1/(1-c)] = Multiplikator

Definition: Der Multiplikator ist das Vielfache um das sich Output auf eine Veränderung in den exogenen Nachfragebestandteilen (G, I) verändert.

Beachte, dass der Multiplikator generell kleiner ist als hier ausgewiesen. Weil das Einkommen steigt, steigt die Nachfrage nach Liquidität, dies führt zu Zinserhöhungen und dadurch werden Investitionen gedämpft (was wiederum über den Multiplikator Auswirkungen auf den Output hat).

Negativer Multiplikator - k.A., ich vermute, dass ist das gleiche für Reduktionen in z.B. Regierungsausgaben...?!?

Konjunkturphase gerade: der Aufschwung hat nicht in eine Hochkonjunktur gemündet (Währungsaufwertung, Subprimekrise, allgemeiner Abschwung in Business & Consumer Confidence), allerdings sind wir auch nicht im Abschwung. Also quasi eine Zwischenphase.
mooselover
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Anmeldungsdatum: 08.03.2008
Beiträge: 211

BeitragVerfasst am: 21 Mai 2008 - 06:53:13    Titel:

Vielen Dank für eure Antworten!

Besonders an Sternau, das war ja mal ganz schön ausführlich!
Ich denke ich hab das jetzt ganz gut verstanden, vor allem die Tatsache, dass es wohl nicht auf alles eine konkrete Antwort gibt, sondern dass man ziemlich auf Pro/Contra achten muss.
Ich hoffe ich krieg das in der mündlichen Prüfung hin, hab schon ziemlich Angst davor.
Also falls mir noch irgendwie Fragen einfallen, werd ich sie hier reinschreiben, in der Hoffnung, dass die dann auch so toll beantwortet werden können.
=)

Liebe Grüße
mooselover
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