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Probleme mit Konjunktiv i.V.m. Kausalsätzen
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Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Probleme mit Konjunktiv i.V.m. Kausalsätzen
 
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Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 17:13:16    Titel:

Habe nochmal eine Frage. Kann man als Konjunktiv auch "würde" benutzen, wenn der Konjunkiv 2 "zu stark" nach Präteritum klingt? Beispiel:

1) Eigentlich: "Die politischen Verhältnisse stellten eher einen Auslöser als die Vollendung der Tragik dar."

2) Umgewandelt: "Die politischen Verhältnisse würden eher einen Auslöser als die Vollendung der Tragik darstellen."

Die Bearbeiterin hat Variante 2) gewählt. Ist das korrekt? An sich verwendet man "würde" doch nur für die "Zukunftsform", oder? Aber zugegeben: 2) hört sich auch nach meinem Sprachgefühl besser an.


Dann habe ich noch eine weitere Frage aus Interesse:
Heißt es: "Mir würde schlecht werden, wenn ich das essen müsste." Oder: "Mir würde schlecht, wenn ich das essen müsste." Ich habe immer Probleme damit, ob ich das Wort "werden" anhängen muss oder nicht.

Danke im Voraus!
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 17:57:18    Titel:

Du kannst ohne Probleme würde in deinem ersten Beispiel benutzen, da "stellten" etwas befremdlich klingt, wenn es auch vollkommen richtig ist.

Zu deinem zweiten Problem:

"Mir würde schlecht" enstpricht dem normalen Konjunktiv II des Verbes "werden".

"Mir würde schlecht werden" ist die "Würde-Form" des Konjunktivs.

Du kannst also beide Formen verwenden. Denn hier handelt es sich um einen kausalen Zusammenhang.

Ich glaube, dein Verständnisproblem kommt daher, dass "werden" hier nicht als Hilfsverb der Zukunftsangabe verwendet wird sondern in seiner eigentlichen Bedeutung, die einen Zustandswechsel beschreibt.

Dabei muss sich die Würde-Form in der Kausalität nicht unbedingt auf die Zukunft beziehen:
Würde ich X jetzt nicht machen, könntest du Y nicht tun. Das "jetzt" verweist als deiktische Zeitangabe eindeutig auf die Gegenwart.

"Würde" verweist nur in der indirekten Redewiedergabe auf die Zukunft: Er sagt, dass er X machen würde. Wir verstehen zu einem späteren Zeitpunkt als jetzt. Hier ist das Verb "werden" allerdings wieder Hilfsverb der Zukunftskonstruktion (Ich werde X tun).

Die Konstruktion der Zukunftsform durch das Hilfsverb "werden" ist übrigens nur die Verwendung der Abstraktion der eigentlichen Semantik (Bedeutung) des Verbes, das einen Zustandswechsel ausdrückt. Denn was ist die Zukunft anderes als eine gefühlte (Zustands)Veränderung in der Zeit? Ach ich liebe die Linguistik... Very Happy
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 18:26:20    Titel:

Ja, das klingt auch interessant. Germanistik war für mich auch lange eine Option, bis ich mich dann letztlich für Jura entschieden habe (ach, in diesem Fach kann man die deutsche Sprache so richtig schön anwenden Wink ).

Zum Thema: Dann frage ich mal weiter Very Happy .

Das hat jetzt nichts mehr mit dem Konjunktiv zu tun, aber auch mit einem Problem, dass ich ständig habe:
Beispiel: "Im Folgenden werden die am häufigsten vertretenen Deutungsrichtungen vorgestellt und deren wesentlichen Aussagen benannt."

Muss es nicht heißen "deren wesentliche Aussagen"? Sagt mein Sprachgefühl Smile . Andererseits: Würde man das "deren" durch ein "die" ersetzen, wäre der Satz wie oben beschrieben sicher richtig.
Ich kann daraus keine Regel ableiten.
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 18:53:19    Titel:

Es muss "[...] und deren wesentliche Aussagen benannt" heißen.

Denn das Relativpronomen trägt bereits die Marke des Genitivs und kann aus diesem Grund nicht die starke Markierung des NOM (Passiv) tragen. Und da die starke Markierung so früh wie möglich erfolgen muss, geschieht das bei "wesentlich".
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 19:08:18    Titel:

Vielen vielen Dank schonmal!
Habe dann noch eine kleine Frage:
"Nach Eilb trage der Einzelne keine Verantwortung für sein Handeln, sondern übertrage er diese Verantwortung auf die gesellschaftlichen Strukturen."

Kann man das so schreiben?
Jetzt bin ich auch durch den Konjunktiv-Teil (d.h. Wiedergabe der Lit.-Ansichten) durch Smile.

Weiterhin finde ich es inkonsequent, dass die Bearbeiterin beim erweiterten Infinitiv manchmal ein Komma setzt und manchmal nicht. Aber das ist wohl nicht so schlimm, oder? Das kann ich ja jetzt kaum bemängeln. Ich würde aber immer ein Komma setzen.
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 19:19:14    Titel:

"Nach Eilb trage der Einzelne keine Verantwortung für sein Handeln, sondern er übertrage diese Verantwortung auf die gesellschaftlichen Strukturen."

Die neue Rechtschreibung lässt uns die Wahl, ob wir vor einem erweiterten Infinitiv mit zu ein Komma setzen oder nicht. Ich würde es aufgrund der übersichtlichen Strukturierung des Satzes immer machen. Aber eagl ob Komma oder nicht, es muss einheitlich sein. Obwohl auch dies keine Regel ist, denn man kann sich dazu entschließen, keins zu setzen, nur eben an einer Stelle, weil an dieser wirklich die Verständlichkeit gefährdet wäre.
Einheitlichkeit ist aber dennoch immer besser und ein Komma vor jedem erweiterten Infinitiv mit zu sowieso. Dann erübrigt sich nämlich auch die Frage nach der Einheitlichkeit.


Ich habe aber so den Verdacht, dass sich deine Frage eigentlich auf das Komma im Beispielsatz (vor sondern) bezog, obwohl da kein erweiterter Inifinitiv mit zu vorkommt. Very Happy
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 19:31:14    Titel:

Nein nein, der erweiterte Infinitiv war nicht auf diesen Satz bezogen! Dass vor "sondern" ein Komma kommt, ist mir klar Wink .

Zwei, wie ich finde, problematische Beispiele dafür, wo sie kein Komma gesetzt hat:

1) Die Figuren in Lessings Werk sind in der Lage über das Geschehene zu reflektieren.
Liegt hier ein normaler erweiterter Infinitiv vor oder muss hier ein Komma hin?

2) Durch die unbestimmten Andeutungen gelingt es Orsina Odoardo innerlich zu erschüttern und ihn um seinen Verstand zu bringen.

Hier würde ich zwecks Verständlichkeit nach Orsina auf jeden Fall ein Komma setzen, sofern hier überhaupt eine Wahlmöglichkeit besteht.
Vesar
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 19:36:56    Titel:

Das sind beides normale erweiterte Infinitive mit zu (Was ist denn ein nicht normaler erw. Inf. m. zu?)

Die neue Rechtschreibung überlässt uns die Entscheidung, ob wir ein Komma setzen oder nicht. Das Komma ist kein Muss mehr. Also ja, wir haben die Wahlmöglichkeit. Aber auch ich würde zwecks besserer Strukturierung auf jeden Fall ein Komma setzen.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 19:41:19    Titel:

Ja, k.A. - hätte ja sein können, dass es da noch Besonderheiten gibt oder so Smile. Ich musste den Satz mit Orsina und Odoardo direkt hintereinander jedenfalls zweimal lesen, um ihn zu verstehen. Zwei Namen hintereinander ohne Komma finde ich schon merkwürdig.

Jetzt habe ich noch zu einer anderen Sache eine Frage, da ich mich jetzt natürlich in der Pflicht fühle, richtig zu korrigieren Smile:

1) Zwischen dem ernsten, strengen Vater Odoardo und der eher einfältigen Mutter Claudia, steht ihre gemeinsame Tochter Emilia.

Das Komma vor dem "steht" würde ich entfernen. Richtig?

2) Zu Beginn des Dramas erscheint Hettore weniger empfindsam, als vielmehr vernarrt in seine Angebetete, Emilia Galotti.

Das Komma vor dem "als" würde ich entfernen. Richtig?
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
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BeitragVerfasst am: 11 Jun 2008 - 20:05:28    Titel:

In beiden Fällen das Komma wegstreichen. (vor steht, vor als)
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