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Verständnisproblem
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iurax
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Anmeldungsdatum: 16.01.2007
Beiträge: 25

BeitragVerfasst am: 24 Jun 2008 - 18:18:28    Titel: Verständnisproblem

Hallo Leute! Ich komm bei der folgenden Frage irgendwie nicht weiter. Bezieht sich auf Rechtstheorie / Methoden und Verfahren.

Ordnen Sie der Rechtsnanwendung lege artis nach Maßgabe der canones die entsprechende Theorie des Rechts zu.

2 Fragen... 1) Wer oder Was ist ein canones? Hab dazu keine passende Übersetzung/Deutung gefunden und 2) "entsprechende Theorie des Rechts". Was ist damit genau gemeint?

Freue mich über mögliche Hilfestellungen.

Danke.
mauserl2008
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Anmeldungsdatum: 25.06.2008
Beiträge: 10
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 25 Jun 2008 - 16:33:54    Titel:

Canones
Das kanonische Recht, d.h. das Kirchenrecht, besteht aus Canones und päpstlichen Dekretalen. Die Kanones waren Synodalbeschlüsse mit legislativem Charakter. Zumeist beschränkte sich die Geltungskraft der Beschlüsse dieser Diözesan- und Provinzialsynoden nur auf das entsprechende Bistum bzw. die entsprechende Kirchenprovinz. Wurden sie im Laufe der Zeit hingegen in größere Sammlungen aufgenommen, erweiterte sich ihr Geltungsbereich beträchtlich. Es war dabei immer üblich, dass man sich auf die Beschlüsse früherer Synoden berief. Inhaltlich wurden viele Themenbereiche berührt: Neben Recht und Verfassung sowie Doktrin, Kirchenordnung und Liturgie sind auch Bestimmungen zum Alltagsleben der Menschen (z.B. Vorschriften zur Ehe etc.) enthalten. Stellungnahmen zu politischen Fragen komplettieren das Spektrum. Man findet in den Canones also reichhaltige Informationen zur mittelalterlichen Gesellschaft.

Überliefert sind die Canones einzeln in Konzilsakten oder in Kanonessammlungen, die die Akten verschiedener Synoden zusammenstellten. Die Systematik der Zusammenstellung konnte unter chronologischen oder sachlichen Gesichtspunkten geschehen oder auch schlicht willkürlich sein. In den Sammlungen konnten zudem Exzerpte der Bibel, der Kirchenväter oder weltliche Gesetze enthalten sein. Sie waren in der Regel keine offizielle kirchliche Anfertigung, sondern sind aus interessengeleiteter, privater Initiative entstanden. Die Untersuchung der zugrundeliegenden Interessen kann dabei sehr aufschlussreich sein. Durch die Akzentuierung bestimmter Themen und ggf. Fälschungen lassen sich die Absichten des Kompilators und/oder die Interessen der Zeit erkennen.

Viele Sammlungen erlangten eine weite Verbreitung und Anerkennung. Die recht bescheidenen Anfänge entwickelten sich zu Sammlungen, die stoff- und themenreich waren. Obwohl sie lokal geprägt waren, erlangten sie eine weitreichende Geltung und Wirkung. Berühmte Sammlungen aus dem 7. und 8. Jahrhundert sind die "Hispana" und die "Dionysio-Hadriana". Bekannt und im Zuge der Kirchenreform des 11. und 12. Jahrhunderts viel genutzt sind auch die pseudoisidorianischen Fälschungen, in der das Recht der Bischöfe gegenüber dem Metropoliten betont wurde. Das Visitationsbuch Reginos von Prüm ist eine systematische Sammlung des 10. Jahrhunderts. Eine große Resonanz und Verbreitung erfuhr die Sammlung Burchard von Worms, die er in 20 Büchern nach Sachgruppen geordnet niederlegte. Nachdem in Bologna die Kanonistik aufgekommen war, wurden weitere bedeutende Sammlungen geschaffen. Das um 1140 veröffentlichte so genannte Dekret Gratians (eigentlich "Concordia discordantium canonum") wird als Höhepunkt und Abschluss der Kanonessammlungen zugleich betrachtet. Die Zusammenfassung und Bearbeitung - Gratian versuchte auch Widersprüche aufzulösen - hatte im Mittelalter größte Bedeutung, wurde später in den "Corpus iurus canonici" aufgenommen und erfuhr damit offizielle Gültigkeit. Danach begann die Zeit des klassischen von Rom bestimmten Kirchenrechts.

Quelle: http://www.phil-gesch.uni-hamburg.de/edition/Quellenkunde/CanonesGottesfriedenDekretalen.html
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