Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Warum müssen Unternehmen immer wachsen?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Warum müssen Unternehmen immer wachsen?
 
Autor Nachricht
markusob
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 09.06.2005
Beiträge: 601

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 13:39:51    Titel: Warum müssen Unternehmen immer wachsen?

Ich lese regelmäßig eine Wirtschaftszeitung. Und wenn hier über Unternehmen geschrieben wird, dann werden sie nur dann positiv bewertet, wenn sie noch wachsen können. Sobald keine Möglichkeit mehr besteht, das kommende Geschäft auszubauen mit neuen Ideen oder Kunden, dann werden sie regelrecht abgeschrieben.

Ein Beispiel wäre Ebay. Dieses Unternehmen hätte keine Möglichkeit neue Ideen einzubringen und die Nutzerzahlen wären rücklaufig. Da würde ich spontan sagen, na und? Einen Bedarf, seinen alten (oder gar nicht mal so alten) Krempel für oft knapp unter Neupreis zu verkaufen, wird es immer geben. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen ,dass ich Ebay einmal gar nicht mehr nutzen werde (das hat mir eine Menge Geld gespart). Und wenn die Autkionen rückläufig sind, so ist das doch ganz normal, weil in den ersten Jahren die Dachböden aus 30 Jahren geleert wurden. Das konnte einfach nicht immer so weitergehen. Aber ein bestimmtes Niveau an neuen Autkionen wird es immer geben. Man kann doch das Personal und die Ausstattung des Unternehmens an den geringeren Bedarf anpassen. Wenn ich so eine große Firma hätte, dann würde ich so lange damit weitermachen, bis es nicht mehr geht. Das könnte bei vorsichtiger Führung 100 Jahre dauern.

Ich verstehe die Denkweise nicht. Hat es etwas damit zu tun, dass man aus der Sicht von Anlegern wertet, die nur an Unternehmen interessiert sind, die überproportional durch neue Ideen und Kunden wachsen können? Aber ist ein Untenehmen, das diese Kriterien nicht erfüllt und keinen Gewinn im ökonomischen Sinne erwirtschaftet, auch für die Besitzer/Gründer/Mitarbeiter denn wertlos? Denn deren Entlohung und die Abschreibungen stellen aus Sicht des Unternehmens ja Kosten dar und deshalb muss man doch eigentlich keinen Gewinn machen. Kann man nicht auch ohne Wachstum weitermachen? Zum Beispiel Ebay hat doch kaum Konkurrenten und Kostendegressionseffekte dürften eher eine geringe Rolle spielen (es ist ja nur eine Dienstleistung). Es gibt ja auch viele kleine Unternehmen, die einfach nur den Lebensunterhalt der Besitzer einbringen. Die überleben oft mehrere Generationen.

Habe ich einen wichtigen Aspekt übersehen?
makro3
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 01.10.2007
Beiträge: 951

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 14:22:15    Titel:

Hier siehst du mal die enorme Bedeutung der Wachstumsrate (der Dividenden) auf den (stylisierten) Unternehmenswert:

http://www.investopedia.com/terms/g/gordongrowthmodel.asp

wenn du mal realistische Zinssätze einsetzt und dann mit den Wachstumsraten rumspielst, fällt Dir etwas auf.
dr-kapital
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 279
Wohnort: zh

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 14:43:16    Titel:

warum sollte ein unternehmen bei konstantem unternehmenswert für mitarbeiter wertlos sein? die erwirtschaften weiterhin return on labor. aus investorensicht wäre das unternehmen natürlich inferior gegenüber alternativen anlageformen. wieso das so ist, kannst du ja aus dem kommentar von mak3 entnehmen.
markusob
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 09.06.2005
Beiträge: 601

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 20:24:44    Titel:

Also ich kann aus dem Modell die Information entnehmen, dass für Investoren eine Aktie umso mehr wert ist, je größer die Wachstumsrate der Dividende in den kommenden Jahren ausfällt, umgekehrt sinkt der Preis der Aktie, wenn die Wachstumsrate der Dividende sinkt oder negativ wird. Sollte das Geschäft von Ebay in den kommenden Jahren schrumpfen, könnte der Preis der Aktien so stark sinken, dass sie von jemandem gekauft und ausgeschlachtet werden, stimmts?

Ich ziehe daraus die Schlüsse, dass die Finanzierung über den öffentlichen Kapitalmarkt eine bestimmte Art der Unternehmenszielsetzung erzwingt, die für Unternehmen, die sich nicht über den öffentlichen Kapitalmarkt finanzieren, nicht unbedingt gültig ist.

Vielleicht kann man von den Gründern von Ebay (wie von vielen anderen Start-ups der New Economy) sagen, dass sie bei der Gründung eine langjährige Geschäftstätigkeit als persönliche Existenzgrundlage gar nicht unbedingt angestrebt haben, sondern einfach nur ihren eigenen Aktienkurs möglichst schnell hochtreiben wollten, um ihre Anteile dann für möglichst viel Geld zu verkaufen.
makro3
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 01.10.2007
Beiträge: 951

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 20:41:45    Titel:

markusob hat folgendes geschrieben:
Also ich kann aus dem Modell die Information entnehmen, dass für Investoren eine Aktie umso mehr wert ist, je größer die Wachstumsrate der Dividende in den kommenden Jahren ausfällt, umgekehrt sinkt der Preis der Aktie, wenn die Wachstumsrate der Dividende sinkt oder negativ wird. Sollte das Geschäft von Ebay in den kommenden Jahren schrumpfen, könnte der Preis der Aktien so stark sinken, dass sie von jemandem gekauft und ausgeschlachtet werden, stimmts?

Ich ziehe daraus die Schlüsse, dass die Finanzierung über den öffentlichen Kapitalmarkt eine bestimmte Art der Unternehmenszielsetzung erzwingt, die für Unternehmen, die sich nicht über den öffentlichen Kapitalmarkt finanzieren, nicht unbedingt gültig ist.

Vielleicht kann man von den Gründern von Ebay (wie von vielen anderen Start-ups der New Economy) sagen, dass sie bei der Gründung eine langjährige Geschäftstätigkeit als persönliche Existenzgrundlage gar nicht unbedingt angestrebt haben, sondern einfach nur ihren eigenen Aktienkurs möglichst schnell hochtreiben wollten, um ihre Anteile dann für möglichst viel Geld zu verkaufen.


Egal wie sich ein Unternehmen finanziert, Unternehmenswert ist Unternehmenswert, und die Wachstumsrate des Gewinns (bzw der Dividende) hat auf diesen eben einen riesigen Einfluss.
Matoser
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 206
Wohnort: Gerolzhofen

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 20:43:46    Titel:

Tja die New Economy, das ist mehr Zocken als Unternehmertum.
makro3
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 01.10.2007
Beiträge: 951

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2008 - 20:48:20    Titel:

markusob hat folgendes geschrieben:
Sollte das Geschäft von Ebay in den kommenden Jahren schrumpfen, könnte der Preis der Aktien so stark sinken, dass sie von jemandem gekauft und ausgeschlachtet werden, stimmts?



Naja, ganz so einfach ist es dann doch nicht.
tokyob
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 19.06.2006
Beiträge: 3096
Wohnort: Tokyo, Japan

BeitragVerfasst am: 01 Jul 2008 - 09:46:09    Titel:

Das hier angesprochene Modell ist ja nur eine Moeglichkeit zur Unternehmensbewertung.
Andere Modelle nehmen z.B. den Buchwert der Firma als Grundlage. So koennte man Exxon z.B. nach dem Wert der Raffinerien, der Oelbohrrechte, etc. bewerten.

Das Problem ist, dass E-Bay keine wirklich greifbaren Werte hat. Die Server sind schnell veraltet und 15,000 Angestellte sind auch nicht so viel. Da kommt es eher auf den erwarteten Gewinn an, und wenn der stagniert oder schrumpft, kann der Preis halt fallen. Die Firma Ebay hat einen Boersenwert von 36 Milliarden Dollar, im Vergleich dazu z.B. die Lufthansa 10 Milliarden (100,000 Angestellte) oder die Deutsche Bank 42 Milliarden (80,000 Angestellte).
markusob
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 09.06.2005
Beiträge: 601

BeitragVerfasst am: 01 Jul 2008 - 20:34:15    Titel:

@makro 3: Es geht mir nicht darum, dass ich den Zusammenhang zwischen Unternehmenswert und Wachstumsrate des Gewinns bestreiten will. Ich stelle mir nur vor, dass für einen Unternehmer, der sich nicht am öffentlichen Kapitalmarkt finanziert, dieser Wert nicht unbedingt die zentrale Rolle spielt.


@tokyob: Imo liegt der Wert von Ebay im Bekanntheitsgrad. Die meisten Autkionskunden würden auf keine andere Seite gehen, weil sie dort zu wenig Handelspartner vermuten würden. Ich bestreite auch gar nicht, dass dieser Firmenwert auch ziemlich schnell schrumpfen kann, aber trotzdem wird es wohl auch in Zukunft keine bessere Seite geben, um das zu machen, was man bei Ebay macht. Wenn ich in dem Wirtschaftsmagazin Microsoft als schweres Kreuzfahrtschiff, Google als ebensolches mit Yahoo als kleines Rettungsboot im Schlepptau, Amazon als wendiges Motorboot und Ebay als auf einen Felsen aufgelaufenes Paddelboot gezeichnet sehe, dann verstehe die Denkweise nicht so ganz.
I-user
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 02.08.2007
Beiträge: 1109
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 01 Jul 2008 - 23:48:23    Titel:

Wert eines Unternehmens kann man nicht so einfach berechnen, wie das in der verlinkten Formel steht. Wenn das Unternehmen normal Geschäfte macht und nicht wächst, kann es zwar einen hohen Wert haben (und damit auch Anteile an ihm), aber dieser Wert bleibt eher konstant.
- Würde ein Investor eine Aktie kaufen, von der er ausgeht, ihr Kurs würde sich in der Zukunft nicht wesentlich ändern?
- Nur wenn er hohe Dividenden erwartet. Dividenden sind aber meistens ein kleinerer Teil der Aktiengewinne, mehr erwartet man meistens von Kurssteigerungen.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Warum müssen Unternehmen immer wachsen?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum