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Das Knabe und die Mädchen
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Sklodov
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Anmeldungsdatum: 29.12.2007
Beiträge: 85
Wohnort: Österreich

BeitragVerfasst am: 10 Jul 2008 - 21:36:13    Titel: Das Knabe und die Mädchen

Hi! Smile

Eine Sache die mich nun schon längere Zeit beschäftigt.

Warum trägt das Substantiv "Mädchen" eigentlich einen sächlichen Artikel?

Beim Jungen, Knaben, Burschen usw. ist es ganz einfach, niemand käme auf die Idee, etwas anderes als ein "der" voranzusetzen.

Beim Mächen fällt zunächst einmal auf, daß es die Differenzierungen in der Beschreibung des Weiblichen für einen jungen Menschen eigentlich nicht gibt und nur der Begriff "Mädchen" gebräuchlich ist, im Vergleich zu vielen unterschiedlichen Bezeichnungen für junge männliche Menschen.

Und dann noch die Sache mit der Sächlichkeit bzw. Kindlichkeit!

Das Mädchen!

Soll die Verdrängung ins Sächliche das Mädchen schon im sprachlichen Sinne als noch nicht fertigen Menschen erscheinen lassen.

Das Kind, das Mädchen, die Frau!

Das Kind, der Junge, der Mann!

Wo ein Junge schon mit einigen Jahren ins Männliche trifftet bleibt dem Mädchen bis zur Adoleszenz nur das Kindliche, Sächliche um dann, womöglich mit umso stärkerer Wucht, direkt in die Weiblichkeit zu stürzen oder gestürzt zu werden?

Welches Geheimnis verbirgt also "das" Mädchen?

lg Sklodov
Mephistoles
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Anmeldungsdatum: 06.04.2008
Beiträge: 2193

BeitragVerfasst am: 10 Jul 2008 - 21:39:35    Titel:

Das Fräulein hast du noch vergessen.
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 10 Jul 2008 - 21:39:51    Titel:

Weil alle Deminutive auf -chen und -lein sächlich sind. Ist einfach eine Regel. Du kannst ja mal beispielsweise den Deminutv von der Junge bilden.

Das Genus wird dem Substantiv nicht aufgrund eines (möglichen) natürlichen Geschlechts zugewiesen.

Bei Fräulein und Mädchen sind die Deminutive zum Standardwort geworden. Dementsprechend ist auch die deminutivische Konnotation aus der Semantik verschwunden. Man spricht dann von Lexikalisation.
Sklodov
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Anmeldungsdatum: 29.12.2007
Beiträge: 85
Wohnort: Österreich

BeitragVerfasst am: 10 Jul 2008 - 22:34:38    Titel:

Klar, das ist die sprachwissenschaftliche Erklärung für Deminutive. (das Männlein, das Bäumlein usw.) Die Frage stellt sich mir aber eher vor einem anderen Hintergrund.

Etymologisch hat sich das Mädchen aus dem Mägdchen entwickelt. Nun ist ein Mägdchen (sächl.) eben eine junge Magd (weibl.), das ist klar.

Warum jedoch, hat sich im täglichen Sprachgebrauch bei einer jungen weiblichen Person die Verwendung des Begriffes "Mädchen" durchgesetzt?

Beim jungen männlichen Menschen gibts eben den Jungen, den Burschen, den Knaben im täglichen Sprachgebrauch - niemand (oder kaum jemand) spricht heutzutage noch vom Bürschlein, Knäblein usw.

Und ganau darauf zielte meine Frage eigentlich ab - eher auf den sozialen, psychologischen Aspekt der Verwendung des Begriffs "Mädchen"!

Wieso entwickelten wir kein eigenes Wort für ein junges, weibliches Wesen, welches nicht auf der Verwendung des Diminutivs basiert?

Und Fräulein kommt sowieso nicht in Frage, denn von einem Fräulein spricht man ab, na sagen wir mal 15 - 16 Jahren und Mädchen verwendet man für ein etwa 4 - 13jähriges Kind.

Bonne nuit!

Sklodov
Mephistoles
Gesperrter User
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Anmeldungsdatum: 06.04.2008
Beiträge: 2193

BeitragVerfasst am: 10 Jul 2008 - 22:42:10    Titel:

Sklodov hat folgendes geschrieben:

Und Fräulein kommt sowieso nicht in Frage, denn von einem Fräulein spricht man ab, na sagen wir mal 15 - 16 Jahren und Mädchen verwendet man für ein etwa 4 - 13jähriges Kind.

Sklodov


Was sagt man denn dann zu einem 13 bis 15 Jahre alten weiblichen Wesen?


Natürlich ist Fräulein nicht gleichzusetzen mit Mädchen, du hast es nur in deiner Aufzählung vergessen.


Aber eine andere Frage: Gegen was hat sich "Mädchen" denn durchgesetzt? Gab es früher noch andere Begriffe für weibliche Kinder? Die haben doch sicher nicht ausschließlich "Mägdchen" gesagt, oder?
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 11 Jul 2008 - 00:12:50    Titel:

Hallo

Offenbar überlasst ihr den Klartext mal wieder mir! - In John Cleland's "Fanny Hill", einem der berühmtesten pornographischen Romane des 18. Jahrhunderts finden sich Dutzende von Namen für das männliche Glied, seine Erektion und Penetrationsfähigkeit. Die Frau besteht aus einer makellosen Figur, schönen Brüsten - und Haaren an der Scham, die sich wie Schaum anfühlen. Während die Ejakulation des Mannes jeweils detailliert beschrieben wird, empfindet die Frau nur eine undefinierbare Wärme den Körper erfüllen und einen kaum erklärbaren Höhepunkt der Lust (als müsste sie sterben). Wie's da drinnen aussieht, erfährt man nicht. - Freud versuchte in seinen "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" seine Vorstellungen der Frau als penislosem Mängelwesen wenigstens zu relativieren. Aber erst der Gärtner in "Lady Chatterley's Lover" von D.H.Lawrence findet heraus, was sich mit dem "little penis" der Frau so alles anstellen lässt und lehrt seine Geliebte, die Sexualität ihres Körpers zu erforschen - ein Grund, weshalb das Buch in England so lange auf dem Index stand.

Das Ganze ist natürlich NICHT auf meinem Mist gewachsen: Ich beziehe mich auf ein Kapitel in Robert Scholes' grandiosem "Semiotics and Interpretation" (1982), das die Geschichte der Klitoris qua Geschichte eines langen Verschweigens und Verleugnens untersucht. - Aber mein Ausflug in pornographische Gefilde lässt sich vielleicht als Versuch einer "sozialen" Begründung für den penetranten Gebrauch des sächlichen Artikels für junge Frauen verstehen:

@Sklodov

Könnte es sein, dass man die Frau so lange wie möglich als ASEXUELLES Wesen wahrnehmen wollte (eine zu beschützende Sache, ein "Kleinod") - und dass sich diese Haltung bis heute sprachlich (Sprache bewegt sich ja nur langsam!) manifestiert?

Gruss Bruno

P.S.: Ueberlasst solche Antworten in Zukunft gefälligst in der Blüte ihrer Jugend stehenden Menschen!!!
Melishe
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Anmeldungsdatum: 15.05.2008
Beiträge: 277

BeitragVerfasst am: 11 Jul 2008 - 04:21:17    Titel:

@ Bruno58 bezüglich des PS
Das dürfte mitunter nicht ganz einfach sein, da "in der Blüte ihrer Jugend stehende Menschen" nicht immer alles wissen, was sich in einem langen, lesefreudigen Leben so ansammelt.

z.B. Eine Freundin und ich unterhalten sich in der Kantine (es gab Backfisch) über die Bezeichnung "Backfisch" für junge Frauen und überlegen halbernst, welchen Zusammenhang man hier konstruieren könnte. Ein "in der Blüte [seiner] Jugend" stehender Mensch (30+) meint dazu, er habe viele Assoziationen zu Backfisch, aber er finde es schon eigenartig, dass wir dabei ein junge Frauen dächten. Ich denk, das verdeutlicht, was ich meine Wink

lg
Melishe
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 11 Jul 2008 - 05:28:12    Titel:

@Sklodov: Wortbildungstechnisch trägt "Mädchen" ein Deminutivsuffix. Semantisch gesehen handelt es sich um keinen Deminutiv mehr, wie ich oben bereits sagte. Ich wiederhole das nur, da du erneut gefragt hast, warum, wir heute den Deminutiv verwenden. Heute ist das kein Deminutiv mehr.

Dass Knabe und Bursche Standardwörter für Junge sind, wäre mir neu, allenfalls Archaismen und Dialekt.
Beau
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Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 6875
Wohnort: Frankreich

BeitragVerfasst am: 11 Jul 2008 - 06:27:43    Titel:

Wenn wir schon dabei sind... Darf ich Euch, bitte, fragen, wie steht es mit dem Akkord (Kongruenz?) im Satz?
Hat Faust es richtig gesagt:

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
meinen Arm und Geleit
ihr anzutragen?

Sollte es nicht "ihm" heißen (das Fräulein = ihm)?

Beau
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Klimperkasten
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Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3408

BeitragVerfasst am: 11 Jul 2008 - 07:23:06    Titel:

Guten Morgen, beau,

Recht hast Du! - Aber Goethe nimmt es mit der Sprache doch nicht so genau!
Bei ihm dominiert offenbar das natürliche Geschlecht.

Es sagt ja auch:

"Da steh' ich nun, ich armer Tor und bin so klug, ALS WIE zuvor."

Linguistische Grüße,

Klimperkasten Wink
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