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Interpretation zu einer Kurzgeschichte - Korrektur
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He-Man
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Anmeldungsdatum: 04.12.2005
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 31 Aug 2008 - 12:27:48    Titel: Interpretation zu einer Kurzgeschichte - Korrektur

Hi, liebe Community!

Ich muss die Kurzgeschichte "Streuselschnecke" von Julia Franck analysieren. Es wäre nett, wenn sich jmd. die Mühe machen könnte und mein "Meisterwerk" begutachten könnte.
Dies war für mich die erste Interpretation einer Kurzgeschichte und Probleme mit der deutschen Sprache habe ich auch (wohne noch nicht so lange hier). Also bitte nicht gleich ausflippen. Ich habe mich bemüht. Smile Danke.

Zitat:
In dem Text „Streuselschnecke“ von Julia Franck, geht es um ein junges Mädchen, das ihren Vater kennenlernt, den sie lange Zeit nicht gekannt hat und ihn auf tragischem Weg wieder verliert.

Es fällt auf, dass der Text keine Einleitung enthält und der Leser sich direkt im Geschehen befindet. So beginnt der Text mit einem Anruf (Z.1).
Ebenso werden keine Informationen über die Person freigegeben. Auf diese Weise ist es dem Leser möglich, sich in die Lage des Mädchens hineinzuversetzen. Unterstützt wird dieser Punkt durch die hier angewendete Alltagssprache. Dadurch wird gewährleistet, dass ihn die breite Masse versteht und sich viele Leser mit der Protagonistin identifiziert. Diese Aspekte sind Merkmale einer typischen Kurzgeschichte.
Dennoch gibt es Textstellen die diesem Texttypus widersprechen. So erstreckt sich die Handlung der Geschichte über mehrere Jahre – genauer gesagt über „zwei Jahre“ (Z.23), während es sich bei Kurzgeschichten um kürzere Zeiträume handelt. Hinzu kommt das geschlossene Ende, welches ebenso auf keine reine Kurzgeschichte schließen lässt.
Die Erzähltechnik erfolgt nach einem „Schritt für Schritt“-Prinzip. Es fällt auf, dass die Autorin an einigen Stellen Sätze aneinandergereiht hat („Er trug Jeans, Jacke und Hose“ (Z.8 ); ,,Unsympathisch war er nicht , eher schüchtern“(Z.11); ,,Er nahm mich mit ins Restaurant und stellte mich seinen Freunden vor.“(Z.13) Meiner Meinung nach soll die langsame Annäherung zum Vater deutlich werden.
Außerdem bedient sich die Autorin an dieser Stelle des Stilmittel der Anapher („er“). Dieses soll verdeutlichen, dass der Mann eine sehr wichtige Person für das Mädchen ist und sie sich in dieser Bekanntschaft etwas erhofft.
Da die Protagonisten weder bei ihrer Mutter wohnt (Z.2) noch ihren Vater lange Zeit nicht gekannt hat und sie bei ihren Freunden wohnt und auch mit Drogenabhängigen verkehrt (Z.3;29), symbolisiert die Überschrift der Geschichte „Streuselschnecke“ für die verworrenen Lebenswege des Mädchens und ihrer Familie.

Mit dieser Geschichte will uns die Autorin auf einen Missstand in unserer heutigen Gesellschaft aufmerksam machen, indem sie eine schwierige Lebenssituation eines verwahrlosten Mädchens darstellt, welches ihren Vater gerade kennenlernt und durch diese Bekanntschaft wieder etwas Hoffnung horchet, ihn aber nach kurzer Zeit durch seinen tragischen Tod verliert. Heutzutage sind viele Menschen viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und merken dadurch viel zu spät wie wichtig ein Mensch sein kann, so wie es in Zeile 34-36 steht („Er sagte, er hätte gerne mit mir gelebt, es zumindest versucht, er habe immer gedacht, dafür sei noch Zeit, eines Tages - aber jetzt sei es zu spät.“)



Was meint ihr dazu? Gibt es noch was zu ergänzen? Habt ihr noch Ideen?

Hier die Kurgeschichte:

Zitat:

Julia Franck: Streuselschnecke
Der Anruf kam, als ich vierzehn war. Ich wohnte seit einem Jahr nicht mehr bei meiner Mutter und meinen Schwestern, sondern bei Freunden in Berlin. Eine fremde Stimme meldete sich, der Mann nannte seinen Namen, sagte mir, er lebe in Berlin, und fragte, ob ich ihn kennen lernen wolle. Ich zögerte, ich war mir nicht sicher. Zwar hatte ich schon viel über solche Treffen gehört und mir oft vorgestellt, wie so etwas wäre, aber als es soweit war, empfand ich eher Unbehagen. Wir verabredeten uns.Er trug Jeans, Jacke und Hose. Ich hatte mich geschminkt. Er führte mich ins CaféRichter am Hindemithplatz und wir gingen ins Kino, ein Film vonRohmer. Unsympathisch war er nicht, eher schüchtern. Er nahm mich mit ins Restaurant und stellte mich seinen Freunden vor. Ein feines,ironisches Lächeln zog er zwischen sich und die anderen Menschen. Ich ahnte, was das Lächeln verriet. Einige Male durfte ich ihn bei seiner Arbeit besuchen. Er schrieb Drehbücher und führte Regie bei Filmen. Ich fragte mich, ob er mir Geld geben würde, wenn wir uns treffen, aber er gab mir keins, und ich traute mich nicht, danach zu fragen. Schlimm war das nicht, schließlich kannte ich ihn kaum, was sollte ich da schon verlangen? Außerdem konnte ich für mich selbst sorgen, ich ging zur Schule und putzen und arbeitete als Kindermädchen. Bald würde ich alt genug sein, um als Kellnerin zu arbeiten, und vielleicht würde ja auch noch eines Tages etwas Richtiges aus mir. Zwei Jahre später, der Mann und ich waren uns immer noch etwas fremd, sagte er mir, er sei krank. Er starbein Jahr lang, ich besuchte ihn im Krankenhaus und fragte, was er sich wünsche. Er sagte mir, er habe Angst vor dem Tod und wolle es so schnell wiemöglich hinter sich bringen. Er fragte mich, ob ich ihm Morphium besorgen könne. Ich dachte nach, ich hatte einige Freunde, die Drogen nahmen, aber keinen, der sich mit Morphium auskannte. Auch war ich mir nicht sicher, ob die im Krankenhaus herausfinden wollten und würden, woher es kam. Ich vergaßseine Bitte. Manchmal brachte ich ihm Blumen. Er fragte nach dem Morphium, und ich fragte ihn, ob er sich Kuchen wünsche, schließlich wusste ich, wie gerne er Torte aß. Er sagte, die einfachen Dinge seien ihm jetzt die liebsten –er wolle nur Streuselschnecken, nichts sonst. Ich ging nach Hause und buk Streuselschnecken, zwei Bleche voll. Sie waren noch warm, als ich sie ins Krankenhaus brachte. Er sagte, er hätte gerne mit mir gelebt, es zumindest gern versucht, er habe immer gedacht, dafür sei noch Zeit, eines Tages –aber jetzt sei es zu spät. Kurz nach meinem siebzehnten Geburtstag war er tot. Meine kleine Schwester kam nach Berlin, wir gingen gemeinsam zur Beerdigung. Meine Mutter kam nicht. Ich nehme an, sie war mit anderem beschäftigt, außerdem hatte sie meinen Vater zu wenig gekannt und nicht geliebt.
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 31 Aug 2008 - 13:24:03    Titel: Re: Interpretation zu einer Kurzgeschichte - Korrektur

He-Man hat folgendes geschrieben:
Dies war für mich die erste Interpretation einer Kurzgeschichte und Probleme mit der deutschen Sprache habe ich auch (wohne noch nicht so lange hier). Also bitte nicht gleich ausflippen. Ich habe mich bemüht.


Hi He-Man!

Nach meinem Gefühl hast du das Eigentliche der Kurzgeschichte überlesen. Das Wort "Vater" taucht nur ein einziges Mal in der Geschichte auf, und das nur indirekt am Ende. Die Tochter selbst bezeichnet diese Person nicht als ihren Vater, für sie ist sie nur "der Mann" oder "er".

Da der Leser aber über keinerlei Vorinformationen verfügt, kennt er das Verhältnis der Figuren zueinander nicht. Für ihn, den Leser, stellt es sich so dar, als erzählt ein angehendes Call-Girl (das für Geld mit Männern gehen möchte) eine bewegende Anekdote aus ihrem Leben. Aus dieser Doppeldeutigkeit der Beziehung, welche du herausarbeiten müsstest, entsteht der Reiz und der tiefere Sinn der Geschichte.
He-Man
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Anmeldungsdatum: 04.12.2005
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 31 Aug 2008 - 14:24:12    Titel: Re: Interpretation zu einer Kurzgeschichte - Korrektur

Leoni hat folgendes geschrieben:
He-Man hat folgendes geschrieben:
Dies war für mich die erste Interpretation einer Kurzgeschichte und Probleme mit der deutschen Sprache habe ich auch (wohne noch nicht so lange hier). Also bitte nicht gleich ausflippen. Ich habe mich bemüht.


Hi He-Man!

Nach meinem Gefühl hast du das Eigentliche der Kurzgeschichte überlesen. Das Wort "Vater" taucht nur ein einziges Mal in der Geschichte auf, und das nur indirekt am Ende. Die Tochter selbst bezeichnet diese Person nicht als ihren Vater, für sie ist sie nur "der Mann" oder "er".

Da der Leser aber über keinerlei Vorinformationen verfügt, kennt er das Verhältnis der Figuren zueinander nicht. Für ihn, den Leser, stellt es sich so dar, als erzählt ein angehendes Call-Girl (das für Geld mit Männern gehen möchte) eine bewegende Anekdote aus ihrem Leben. Aus dieser Doppeldeutigkeit der Beziehung, welche du herausarbeiten müsstest, entsteht der Reiz und der tiefere Sinn der Geschichte.


Danke für deine Antwort.
Nun gut, und jetzt? mh, weiß jetzt nicht was ich dazu schreiben soll...
naja ok, ich überleg mir was Embarassed
Wie sind denn die Formulierungen und die formalen Dinge? Kann man das so stehen lassen (mal abgesehen von meiner "Fehlinterpretation") ?
badkittyy
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Anmeldungsdatum: 31.08.2008
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 31 Aug 2008 - 16:59:56    Titel:

Zitat:
Dennoch gibt es Textstellen die diesem Texttypus widersprechen. So erstreckt sich die Handlung der Geschichte über mehrere Jahre – genauer gesagt über „zwei Jahre“ (Z.23)


Zieht sich die Handlung der Geschichte nicht über 3 Jahre? Confused
Ich meine da steht, dass er nach 2 Jahren krank geworden ist, aber nach einem weiteren Jahr gestorben ist. Sie lernte ihn ja mit 14 kennen...als sie 17 war, ist er gestorben. Ich weiß nicht, ich bin im Interpretieren ziemlich schlecht Embarassed aber das fiel mir nur grad so auf Rolling Eyes

Und zum Formalen und so kann ich dir nicht viel sagen. Aber was sicher ist, ist dass deine Interpretation viel zu kurz ist, die Einleitung und die kurze Inhaltsangabe fehlen. Außerdem hast du nichts über den Erzähler gesagt und es sind viel zu wenige Stilmittel von dir erwähnt worden. Wink


Zuletzt bearbeitet von badkittyy am 31 Aug 2008 - 17:10:43, insgesamt einmal bearbeitet
He-Man
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Anmeldungsdatum: 04.12.2005
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 31 Aug 2008 - 17:08:10    Titel:

badkittyy hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Dennoch gibt es Textstellen die diesem Texttypus widersprechen. So erstreckt sich die Handlung der Geschichte über mehrere Jahre – genauer gesagt über „zwei Jahre“ (Z.23)


Zieht sich die Handlung der Geschichte nicht über 3 Jahre? Confused
Ich meine da steht, dass er nach 2 Jahren krank geworden ist, aber nach einem weiteren Jahr gestorben ist. Sie lernte ihn ja mit 14 kennen...als sie 17 war, ist er gestorben. Ich weiß nicht, ich bin im Interpretieren ziemlich schlecht Embarassed aber das fiel mir nur grad so auf Rolling Eyes


Ok, dann sind es 3 Jahre. Danke sehr Laughing
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