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Erkenntnisse aus Märchen
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Vacuu
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Anmeldungsdatum: 01.12.2007
Beiträge: 46

BeitragVerfasst am: 05 Sep 2008 - 14:07:54    Titel: Erkenntnisse aus Märchen

Moin Leute,

ich möchte mehr 'gute' Märchen kennenlernen und
suche deshalb seltene, schöne, (ggf. recht unbekannte) Märchen,
die natürlich, wie fast alle Märchen, eine Lektion am Ende für den
Zuhörer oder Leser parat halten.

Ich find es schön, wenn man Witze erzählen kann und
neuerdings finde ich es auch ganz nützlich einige Märchen frei erzählen zu können.
Ich kann mir mich als Märchenerzähler zwar nicht vorstellen,
aber ich habe viel mit Kindern zu tun und unterhalte gerne die kleinen Racker.

Daher freue ich mich über Empfehlungen!

Zusätzlich suche ich ein Märchen, von dem ich den Namen vergessen habe.
Mal schauen, ob es einer von euch kennt:

Es geht um einen (bösen) König, der einfach alle Reichtümer
besitzt und als Lieblingsspeise Champignon-Suppe isst.
Sein Volk verwandelt er daher in Champignons,
um sich daraus Suppe machen zu lassen.
Um diesem Unrecht einhalt zu gebieten,
beschließt Nemini sich durch ihre Fantasie in
einen giftigen Pilz zu verwandeln,
um somit das Volk zu retten.
Es gelingt ihr und alle Menschen verwandeln sich zurück
und sie soll die neue Herrscherin werden,
lehnt dies allerdings ab und erklärt den Menschen,
dass sie frei sind.

Hoffentlich habe ich das einigermaßen
rekonstruieren können. (:

Freue mich auf eure Antworten!
Liebe Grüße.
Vacuu
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Anmeldungsdatum: 01.12.2007
Beiträge: 46

BeitragVerfasst am: 24 Sep 2008 - 11:20:01    Titel: Textausschnitt! Hier kommt er

Schade, dass sich keine Vorschläge gefunden haben.

Aber falls es euch trotzdem interessiert, habe ich mir mal die Mühe gemacht,
das Märchen herauszuziehen aus dem Roman.

Vielleicht ist es ja auch fiktional?

Hier ist es. Achtung ist ne Menge Text.

„Ich erinnere mich an eine kleine Prinzessin, die einmal fast ihre Fantasie verloren hätte“, sagte Suresh.
„Als sie ihre Fantasie verlor, stellte sie nämlich fest, dass sie gar keine Prinzessin war.“
„Was war sie denn?“, fragte ich leise. Meine Neugierde war geweckt.
Mutter strich mir die Haare hinters Ohr, damit ich wieder sehen konnte.
„Sie war bloß ein Champignon auf einer Wiese mit lauter anderen Champignons,
auf dem Landgut eines sehr wohlhabenden, aber bösen Königs“, fuhr er fort.
„Wo denn?“
„In Ceylon“, sagte er.
„Du meinst Sri Lanka“, berichtigte ich ihn.
„Ja, Sri Lanka. Aber lange, bevor es Sri Lanka hieß,
wurde das Land von einem bösen König regiert, der immer seine Ritter losschickte,
um Tote auszugraben und ihnen die Goldzähne rauszuziehen,
damit er sie einschmelzen und Goldringe für seine fetten Finger daraus machen konnte.
Seine Hände waren von dem Gold so schwer, dass er sie kaum heben konnte.
Sein Körper so dick, dass die Insel bei jedem seiner Schritte ein bisschen tiefer ins Meer sank.
Und sein Gesicht war so hässlich, … dass …“ „… sich sogar die Sonne hinter einer Wolke versteckte,
nur damit sie ihn nicht angucken musste“, fügte ich eifrig hinzu.
„Ganz genau“, sagte Suresh. „Du hast die Geschichte wohl schon mal gehört“,
neckte er mich und sah meine Mutter lächelnd an.
„Nein, hab ich nicht“, protestierte ich. „Ich hab nur Fantasie.“
„Und genau davon handelt die Geschichte“, fuhr Suresh fort. „Jedenfalls unterhielt der böse König sein Reich,
indem er Schiffe hinausschickte, um auf den nahe gelegenen Inseln Sklaven einzufangen.
Die Sklaven wurden gezwungen, dem Königreich zu dienen, und wenn sie ungehorsam waren, wurden sie in Champignons verwandelt,
die irgendwann in der Suppe des Königs landeten. Weil er ein so unangenehmer Mensch war,
besaß der König nach einigen Jahren viel mehr Champignons,
als man in hundert Menschenleben hätte in der Suppe essen können.
Nun hatte in den meisten dieser Champignons einmal ein Mensch gesteckt,
aber die meisten dieser Menschenleben waren in Vergessenheit geraten.
Das hätte nicht geschehen müssen, aber ihr Leben in der feuchten Erde hatte die Menschen in den Champignons dazu gebracht,
sich selbst zu vergessen, ihre Seele zu vergessen, ihr Innerstes,
sie hatten alle ihre Fantasie verloren und die Fähigkeit,
ihre gegenwärtige Lage zu überwinden.
Alle, bis auf einen kleinen Champignon namens Nemeni.
Auch wenn es manchmal sehr schwierig war,
konnte sie sich hin und wieder an eine Vergangenheit erinnern,
in der sie die geliebte Tochter eines guten Königspaares auf der Insel Sumatra gewesen war –
bevor der böse König seine Ritter nach Sumatra schickte,
um alle kleinen Kinder dort zu rauben und als Sklaven zurück nach Ceylon zu bringen.
Sie konnte davon träumen, dort in den feuchten, faulig reichenden Feldern voller identischer Champignons,
ein Mensch zu sein, wirklich und frei zu sein,
und von beispielloser Schönheit.
Nun hatte der König beschlossen, auf seinen Champignonfeldern eine Plage zu verbreiten,
weil er (obwohl er ein furchtbarer Geizkragen war) übersättigt war von all den Suppen,
die er essen musste, um mit seinen vielen neuen Feinden mitzuhalten.
Doch Nemeni, die die Macht hatte, sich vorzustellen,
dass sie alles sein konnte, was sie wollte, fasste einen Plan. Sie würde sich in einen giftigen Champignon verwandeln und den König dazu bringen,
sie in seine Suppe zu geben. Ihr war klar,
dass sie vom dicken König verspeist werden und ihr eigenes Leben verlieren würde,
doch indem sie ihn tötete, würde sie hunderttausend anderen Menschen in diesen Champignonfeldern das Leben retten.“
„Sie war aber sehr mutig“, sagte ich staunend.
„Und auch sehr klug“, sagte Suresh. „Denn als der König am Abend,
bevor er die Plage zu verbreiten gedachte, seine Suppe aß,
dachte er mit Erleichterung: Dies ist die letzte Champignonsuppe,
die ich jemals wieder essen muss, dabei ahnte er nicht,
dass er überhaupt nie wieder etwas essen würde.
Er trank die Suppe wie Wasser, weil er zum Kauen zu gierig und faul war.
Also schwamm Nemeni seine Speiseröhre hinunter und landete tief in seinem übelriechenden Magen,
wo sie ringsum ihr Gift absonderte, wie die Ringe des Saturns.
Als der König das letzte bisschen Suppe hinuntergeschluckt hatte,
gab er ein tiefes Todesröcheln von sich, und aus seinem After trat ein gewaltiger Windstoß“
(an dieser Stelle brechen sowohl Mutter als auch Tochter in helles Kichern aus)
„und Nemeni wurde jählings hinausbefördert. Und siehe da,
sie hatte sich unterwegs wieder in eine Prinzessin verwandelt.
Vor ihren Augen begannen sich sämtliche Champignons vom Boden zu erheben,
aufzuplatzen wie neue Grashalme und sich beim Wachsen in kleine Menschen zu verwandeln,
und alle riefen: „Nemeni, du bist unsere Retterin und unsere Königin.“
Doch sie war betrübt beim Anblick, der sich ihr bot – hunderttausend identische Menschen,
jeder in einer faden grauen Uniform,
während sie selbst in Weiß und Gold gehüllt war und ihre Haar nach Jasmin duftete.
„Ihr sollt nicht meine Untertanen sein“, rief sie der wartenden Menge zu.
„Ihr sollt sein wie eure Träume.“ Und während sie diese Worte sprach,
begannen sich die Menschen in ihre Träume zu verwandeln:
weiße Ritter und Kaiser und wunderschöne Königinnen und freundliche Drachen
und glückliche Kinder, und Mütter mit Babys, und Liebespaare,
die sich in den Armen hielten:“

Die Luft vibrierte von Sureshs Geschichte.

„Ist das das Ende?“, fragte ich zögernd.
„Das ist das Ende“, nickte Suresh.
„Aber willst du mir nicht noch erzählen:
Und die Moral von der Geshicht’ …?“
„Aber du kennst die Moral“, sagte Suresh.
„Na gut. Aber da fehlt doch bestimmt noch so was wie:
„Und bis zum heutigen Tage hat das Volk von Sri Lanka nie wieder Pilze gegessen.“
„Nein, denn sie essen Pilze. Und sie wissen ganz genau, welche giftig sind.“

Ausschnitt aus dem Roman „Worüber niemand spricht“ von Camilla Gibb.

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