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Versuch - objektiver Versuchstatbestand
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exite
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Anmeldungsdatum: 20.02.2008
Beiträge: 15

BeitragVerfasst am: 11 Sep 2008 - 13:01:00    Titel: Versuch - objektiver Versuchstatbestand

Hallo,

sitze zur Zeit an einer HA und habe Probleme mit dem objektiven Versuchstatbestand.

SV : K möchte den M durch die Windschutzscheibe erschiessen. Er legt an und drückt ab. Es löst sich aber kein Schuss . K wusste nicht, dass das Magazin leer ist.

Mit dem subjektiven Versuchstatbestand, dem Entschluss, komme ich klar, aber mir fällt es echt schwer das alles systematisch korrekt einzuordnen.

Muss ich hier noch unmittelbares Ansetzen prüfen, obwohl der Versuch schon beendet ist ? Wie prüft man überhaupt den beendeten Versuch und was mit der Prüfung des möglichen Rücktritts (rücktritt ist ohnehin nicht möglich bei beendetem versuch) ?

Grüße
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 07:51:40    Titel:

Versuchsprüfungen laufen immer so ab:

I. Vorprüfung
1. Keine Vollendung
2. Strafbarkeit des Versuchs
II. Tatentschluss
III. Unmittelbares Ansetzen
IV. RWK/Schuld
V. Rücktritt
1. Kein Fehlschlag
2. Rücktrittsverhalten
--> Bestimmung, welcher Var. des Rücktritts vorliegt
3. Freiwilligkeit
4. Gesamtergebnis


Und: NATÜRLCH ist bei einem beendetem Versuch der Rücktritt möglich! Das steht doch im Gesetz (§ 24 I 2 StGB: "Ernsthaftes Bemühen"); sonst wäre der Rücktritt für diesen Fall doch gar nicht geregelt.

In deinem Fall allerdings liegen ja keinerlei Anzeichen dafür vor, dass er überhaupt zurücktreten wollte, trotzdem kurz ansprechen, jedenfalls scheitert es spätestens an der Freiwilligkeit.
Unmittelbares Ansetzen prüfst du natürlich auf jeden Fall, denn du musst hier doch grad den Versuch prüfen!
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 07:58:02    Titel:

Eben... unmittelbares Ansetzen ist immer zu prüfen, wenn du es mit einem Versuch zu tun hast, denn du musst ja schließlich erstmal prüfen, ob überhaupt schon ein Versuch vorliegt (und nicht zum Beispiel nur eine bloße Vorbereitungshandlung).

Wenn das unmittelbare Ansetzen so unproblematisch ist wie hier (derjenige hat die Waffe schon abgedrückt), dann brauchst du es natürlich nicht ausführlich zu prüfen, aber eine kurze Definition des unmittelbaren Ansetzens mit einer kurzen Subsumtion sollte es schon sein.

Einfach so weglassen kannst du das unmittelbare Ansetzen jedenfalls nicht!
Immerhin stelt es ja den objektiven Tatbestand dar, den würdest du bei einem vollendeten Delikt auch nicht einfach komplett weglassen, nur weil er unproblematisch erfüllt ist - wenn du zum Beispiel eine unproblematische Sachbeschädigung prüfst, schreibst du ja zumindest in einem oder zwei Sätzen hin, dass und warum der objektive Tatbestand erfüllt ist. Genauso musst du's beim Versuch machen - Unproblematisches kurz abhandeln, Problematisches ausführlicher, aber immer erwähnen.
igor2000
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Anmeldungsdatum: 16.08.2008
Beiträge: 98

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 17:03:53    Titel:

nur mal grad zur begrifflichkeit: vertu ich mich da jetzt total oder gibt es beim versuch gar keinen "objektiven tatbestand" im eigentlichen sinne?

auch das unmittelbare ansetzen bestimmt sich doch danach, ob der täter nach seiner vorstellung so weit war, dass er unmittelbar zur tat ansetzte. steht ja auch im gesetz, §22.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 17:34:45    Titel:

Der objektive TB ist beim Versuch das unmittelbare Ansetzen! Die Vorstellungen des Täters bzgl. aller objektiven Merkmale prüft man im Tatentschluss (= Vorsatz)!
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 18:32:54    Titel:

aber es ist doch richtig, dass auch das unmittelbare Ansetzen ein subjektives Element hat, schließlich geht man ja auch beim unmittelbaren Ansetzen von subjektiven Kriterien aus. (Unmittelbares Ansetzen liegt vor, wenn der Täter ->>nach seiner Vorstellung<--- von der Tat....)?

Zuletzt bearbeitet von qwertz am 19 Sep 2008 - 18:35:24, insgesamt einmal bearbeitet
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 18:34:54    Titel:

Also, ich prüfe beim unmittelbaren Ansetzen immer nur das objektive Ansetzen zu den einzelnen TB-Merkmalen. Alles andere wurde vorher im Tatentschluss genannt. Oder könnt ihr mir ein Beispiel nennen, was ihr meint?
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 18:36:49    Titel:

wenn ich mir folgende definition anschaue:

Der Täter setzt unmittelbar zur Tat an, wenn er
nach seiner Vorstellung eine Handlung vornimmt,
die bei ungestörtem Fortgang zur
Tatbestandverwirklichung führen soll und aus
seiner Sicht das geschützte Rechtsgut dadurch
konkret gefährdet ist.


da wird doch nicht nur auf objektive kriterien abgestellt? oder vertue ich mich
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 18:47:47    Titel:

Ich weiß, was du meinst - man prüft als objektiven Tatbestand das unmittelbare Ansetzen, wobei aber die Definition des unmittelbaren Ansetzens neben den objektiven auch subjektive Merkmale enthält (in vielen Lehrbüchern wird das ja umschrieben mit "der Täter setzt unmittelbar an, wenn [...] und wenn er subjektiv die Grenze zum Jetzt-geht's-los überschreitet").

Ich würde einfach nicht zuviel darüber nachdenken und das unmittelbare Ansetzen als objektiven Tatbestand mit der üblichen Definition prüfen ... das ist eben einfach so, dass da auch eine subjektive Komponente mit hineinkommt.

(Ein ähnliches Problem habe ich immer bei der Mittäterschaft - für mich enthält das Merkmal des Vorliegens eines gemeinsamen Tatplanes, das man ja im objektiven Tatbestand prüft, auch ziemlich viel an subjektiven Komponenten. Ich habe mir irgendwann einfach angewöhnt, nicht mehr so viel darüber nachzudenken, sondern es einfach wie gewünscht im objektiven Tatbestand durchzuprüfen.)


Zuletzt bearbeitet von Rhyeira am 19 Sep 2008 - 18:48:59, insgesamt einmal bearbeitet
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 19 Sep 2008 - 18:48:46    Titel:

qwertz hat folgendes geschrieben:
wenn ich mir folgende definition anschaue:

Der Täter setzt unmittelbar zur Tat an, wenn er
nach seiner Vorstellung eine Handlung vornimmt,
die bei ungestörtem Fortgang zur
Tatbestandverwirklichung führen soll und aus
seiner Sicht das geschützte Rechtsgut dadurch
konkret gefährdet ist.


da wird doch nicht nur auf objektive kriterien abgestellt? oder vertue ich mich


Ja, stimmt... Aber ich kann mir einen praktischen Fall dennoch nicht so ganz vorstellen, da man ja ohnehin zuerst immer den Tatentschluss prüft und dadurch wird doch dann schon deutlich, welche Vorstellungen der Täter hat...?
Wenn der Täter nach seiner Vorstellung schon nicht unmittelbar ansetzt, sehe ich da schon keinen Vorsatz. Somit sehe ich auch keinen Fall, in dem man in einer Prüfung zum unmittelbaren Anetzen kommt, aber den subjektiven Aspekt der Def. verneinen kann. Wie gesagt, lasse mich gern eines Besseren belehren Smile .
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