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"Walter Helmut Fritz:Augenblicke"-Schüler-Analyse-
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Badehose09
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Anmeldungsdatum: 11.09.2008
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 11 Sep 2008 - 14:15:55    Titel: "Walter Helmut Fritz:Augenblicke"-Schüler-Analyse-

Augenblicke
Kaum stand sie vor dem Spiegel im Badeziminer, um sich herzurichten, als ihre Mutter aus dem Zimmer nebenan zu ihr hereinkam, unter dem Vorwand, sie wolle sich nur die Hände waschen.
Also doch! Wie immer, wie fast immer.
Elsas Mund krampfte sich zusammen. Ihre Finger spannten sich. Ihre Augen wurden schmal. Ruhig bleiben!
Sie hatte darauf gewartet, daß ihre Mutter auch dieses Mai hereinkommen würde, voller Behutsamkeit: mit jener scheinbaren Zurückhaltung, die durch ihre Aufdringlichkeit die Nerven freilegt. Sie hatte - behext, entsetzt, gepeinigt - darauf gewartet, weil sie sich davor fürchtete.
- Komm, ich mach dir Platz, sagte sie zu ihrer Mutter und lächelte ihr zu.
- Nein, bleib nur hier, ich bin gleich soweit, antwortete die Mutter und lächelte.
- Aber es ist doch so eng, sagte Elsa, und ging rasch hinaus, über den Flur, in ihr Zimmer. Sie behielt einige Augenblicke länger als nötig die Klinke in der Hand. wie um die Tür mit Gewalt zuzuhalten. Sie ging auf und ab, von der Tür zum Fenster, vom Fenster zur Tür. Vorsichtig öffnete ihre Mutter. Ich bin schon fertig, sagte sie.
Elsa tat, als ob ihr inzwischen etwas anderes eingefallen ware, und machte sich an ihrem Tisch zu schaffen.
- Du kannst weitermachen: sagte die Mutter.
- Ja, gleich.
Die Mutter nahm die Verzweiflung ihrer Tochter nicht einmal als Ungeduld wahr.
Wenig später allerdings verließ Elsa das Haus, ohne ihrer Mutter adieu zu sagen. Mit der Tram fuhr sie in die Stadt, in die Gegend der Post. Dort sollte es eine Wohnungsvermittlung geben, hatte sie einmal gehört. Sie hätte zu Hause im Telefonbuch eine Adresse nachsehen können. Sie hatte nicht daran gedacht, als sie die Treppen hinuntergeeilt war.
In einem Geschäft für Haushaltungsgegenstände fragte sie, ob es in der Nähe nicht eine Wohnungsvermittlung gebe. Man bedauerte. Sie fragte in der Apotheke, bekam eine ungenaue Auskunft. Vielleicht im nächsten Haus. Dort läutete sie. Schilder einer Abendzeitung, einer Reisegesellschaft, einer Kohlenfirma. Sie läutete umsonst.
Es war später Nachmittag, Samstag, zweiundzwanzigster Dezember.
Sie sah in eine Bar hinein. Sie sah den Menschen nach, die vorbeigingen. Sie trieb mit. Sie betrachtete Kinoreklamen.
Sie ging Stunden umher. Sie würde erst spat zurückkehren. Ihre Mutter würde zu Bett gegangen sein. Sie würde ihr nicht mehr gute Nacht zu sagen brauchen.
Sie würde sich, gleich nach Weihnachten, eine Wohnung nehmen. Sie war zwanzig Jahre alt und verdiente. Kein einziges Mai würde sie sich mehr beherrschen können, wenn ihre Mutter zu ihr ins Bad kommen würde, wenn sie sich schminkte. Kein einziges Mal.
Ihre Mutter lebte seit dem Tod ihres Mannes allein. Oft empfand sie Langeweile. Sie wollte mit ihrer Tochter sprechen. Weil sich die Gelegenheit selten ergab (Elsa schützte Arbeit vor), suchte sie sie auf dem Flur zu erreichen oder wenn sie im Bad zu tun hatte. Sie liebte Elsa. Sie verwöhnte sie. Aber sie, Elsa, würde kein einziges Mai mehr ruhig bleiben können, wenn sie wieder zu ihr ins Bad käme.
Elsa floh.
Über der Straße künstliche, blau, rot, gelb erleuchtete Sterne. Sie spürte Zuneigung zu den vielen Leuten, zwischen denen sie ging.
Als sie kurz vor Mitternacht zurückkehrte, war es still in der Wohnung. Sie ging in ihr Zimmer, und es blieb still. Sie dachte daran, daß ihre Mutter alt und oft krank war. Sie kauerte sich in ihren Sessel, und sie hätte unartikuliert schreien mögen, in die Nacht mit ihrer entsetzlichen Gelassenheit.




Hallo Forum ! Hoffe ich bin hier richtig, wollte nämlich meine persöhnliche Analyse von der KG "Augenblicke" hier zum Korrigieren vorlegen. Ich besuche die 11. Klasse und war noch nie gut in Deutsch. Momentan geht es aber vorallem für mich um die Wurst, deshalb wende ich mich an dieses Forum.

Vielleicht könnt ihr mir sogar ein paar Tipps geben, worauf ich achten sollte oder was ich in Zukunft besser machen kann. Vielen Dank schonmal!

Einleitung:
In der vorliegenden Kurzgeschichte "Augenblicke", die von Walter Helmut Fritz im Jahre 1964 verfasst wurde, geht es um ein volljähriges Mädchen, das von seiner Mutter zuhause ihren persöhnlichen Freiraum genommen bekommt, wodurch sie sich bedrängt fühlt, und deshalb den Kontakt mir ihr meidet.

(Inhaltsangabe)

Analyse:
Das Mädchen Elsa zeigt durch ihr Verhalten sehr deutlich, wie abgeneigt sie in Wirklichkeit gegenüber ihrer Mutter ist. So vermeidet sie jeglichen Kontakt und versucht ihr aus dem Weg zu gehen(vgl. Z27-29,Z32-34).Das liegt daran, weil sich Elsa von ihrer übertriebenen Aufmerksamkeit genervt ist(vgl.Z10-15).Sie verspürt sogar Aggressionen, die sie vermutlich gerne aus sich heraus lassen würde(vgl. Z65-68,Z74-76). Daraus kann man schließen, dass sich Elsa von ihrer Mutter bedrängt fühlt. Ihr persöhnlicher Freiraum wird eingeschränkt bzw. genommen(vgl. Z16-21,Z26), was dazu führt, dass sie kaum noch eine Privatsphäre hat. An dieser Stelle versucht Elsa ihrer Mutter unterschwellig begreiflich zu machen, dass sie Abstand will (vgl Z22, "Komm ich mach dir Platz",Z26 "Aber es ist doch so eng").Die Mutter aber nimmt die Signale ihrer Tochter nicht wahr und ist weiterhin aufdringlich(vgl. Z37 ff.). Das hängt damit zusammen, weil Elsa ihrer Mutter nicht direkt sagt, dass sie von ihr genervt ist und sich von ihr bedrängt fühlt (vgl.Z22-26). Die Fassade, die sich Elsa aufbaut, also dass sie in Gegenwart ihrer Mutter lieb und freundlich ist(vgl. Z22-26), lässt es für die Mutter noch schwieriger werden, die eigentliche Nachricht hinter Elsas Verhalten zu empfangen, nämlich dass sie Abstand will und dass sie an ihrer Nähe desinteressiert ist(Z.37-38, "die Mutter nahm die Verzweiflung ihrer Tochter nichtmal als Ungeduld wahr"). Obwohl Elsa weiß, dass ihre Mutter einsam ist(vgl. Z69), häufig alt und krank ist(Z83-84), sie verwöhnt (Z.74) und liebt(Z.74), hat sie trozdem kein Verständnis für das vielleicht nachvollziehbare Verhalten ihrer Mutter. Der einzige Zeitpunkt, an dem Elsa ihr Verhalten und Intolleranz gegenüber ihrer Mutter bedauert, ist als sie von der Stadt nachhause kommt, sich in ihren Sessel setzt und den Drang verspürt, all ihre Gefühle aus sich heraus zu schreien(vgl.Z80-86). Mit diesem emotionalen Gefühlsausbruch würde sie gestehen, dass ihr Verhalten eigentlich nicht gerechtfertig ist(vgl. Z85-86, "...und sie hätte unartikuliert schreien mögen, in die Nacht mir ihrer entsetzlichen Gelassenheit").

Die Kurzgeschichte beginnt mitten im Geschehen(in medias res) und hat somit keine Einleitung (Exposition).Ebenso wenig exestiert ein Ende der Geschichte. Es ist somit "offen". Der Autor verwendet Präteritum und eine personale Erzählperspektive mit wenigen auktorialen Einschüben(vgl. Z37-38,Z69-74). Der Satzbau entspricht dem parataktischen Stil, es fallen also kurze, manchmal abgehackte und wenig verschachtelte(vgl. Z1-9) Sätze auf. Die Sprache ist nüchtern und sachlich, leicht zu verstehen, aber
dafür schmucklos. Die Emotionen und Gefühle werden besonders durch die ausdrucksstarken Verben verdeutlicht(vgl. Z12 "krampfte",Z14 "spannten"). Auffällig hierzu ist die Parenthese(Z.19-20), die durch ihre verwendeten Wörter "gepeinigt","behext" und "entsetzt", sehr stark den emotionalen Zustand Elsas veranschaulicht.
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1094
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2008 - 13:54:08    Titel: Re: "Walter Helmut Fritz:Augenblicke"-Schüler-Anal

Badehose09 hat folgendes geschrieben:
...und den Drang verspürt, all ihre Gefühle aus sich heraus zu schreien(vgl.Z80-86). Mit diesem emotionalen Gefühlsausbruch würde sie gestehen, dass ihr Verhalten eigentlich nicht gerechtfertig ist(vgl. Z85-86, "...und sie hätte unartikuliert schreien mögen, in die Nacht mir ihrer entsetzlichen Gelassenheit").
Mit einem offenen Gefühlsausbruch würde sie vor allem ihre angestaute Wut und Unzufriedenheit (endlich) herauslassen. Das Problem in der Beziehung ist doch, dass der Konflikt von der Tochter verheimlicht wird und rein innerlich herumgetragen wird. Daher auch die Diskrepanz zwischen den Gedanken der Tochter und ihren Äußerungen. Du müsstest vor allem genau darlegen, worin der Konflikt eigentlich besteht. Was verhindert denn, dass sie sich eine eigene Wohnung nimmt?

Zitat:
Die Kurzgeschichte beginnt mitten im Geschehen(in medias res) und hat somit keine Einleitung (Exposition).Ebenso wenig exestiert ein Ende der Geschichte. Es ist somit "offen". Der Autor verwendet Präteritum und eine personale Erzählperspektive mit wenigen auktorialen Einschüben(vgl. Z37-38,Z69-74).

Im Grunde finde ich gut, dass du die Merkmale einer Kurzgeschichte herausstellst. Das würde ich an deiner Stelle noch viel ausführlicher und vollständiger machen. Das Thema (Generationenkonflikt) ist doch zum Beispiel typisch für das Genre. Die Überschrift hast du nicht untersucht (immer wichtig bei jedem Text). Und ich würde nicht nur einfach die Merkmale aufzählen, sondern sie auch auf ihre Funktion befragen. Also: Warum verwendet der Autor diese Erzählperspektive? Was bewirkt sie? Wozu dienen die auktorialen Einschübe an diesen bestimmten Stellen? Warum an anderen Stellen die direkte Rede? usw.


P.S.: Du machst ein paar für die Oberstufe erstaunliche Rechtschreibfehler, z.B. "persö(h)nlich" (hat doch nichts mit "Sohn" zu tun), Intoleranz, existieren. Das liegt daran, dass ... (nicht "weil") oder: Das hängt damit zusammen, dass ...

"genommen bekommt"?

Mit 18 Jahren wird man volljährig, Elsa ist hier aber schon 20. Eigentlich müsste man in diesem Alter von einer "jungen Frau" sprechen (nicht "Mädchen").
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