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Feindselige Willensrichtung bei Tötung auf Verlangen?
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DerHit
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Anmeldungsdatum: 03.09.2008
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 03:37:51    Titel: Feindselige Willensrichtung bei Tötung auf Verlangen?

Hey, hab mal ne Frage:

Die Mutter bittet die Tochter, dass diese sie durch ein schmerzloses Gift an einem ihr unbekannten Tag zu töten. Erst weist sie die Bitte von sich.Aber nach mehrfachen Bitten der Mutter beginnt sich die Tochter vorzustellen, dass das eintretende erbe nicht schlecht wäre und mischt das Gift in der mutter ihr essen.

Meine Frage:
Ich prüfe das Mordmerkmal der Heimtücke und komme in der Prüfung auf die restriktive auslegung des BGH zu sprechen. dieser fordert eine feindselige Willensrichtung. liegt die hier vor? wenn ja, wie begründe ich die? wenn nein, wie widerleg ich die? find des verzwickt...
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 07:11:50    Titel:

Eine feindselige Willensrichtung wird dann verneint, wenn man das Opfer tötet, um ihm bestimmte Qualen zu ersparen, es also im Prinzip nur "gut" meint (insbes. sog. "Todesengel"-Fälle).
Ich denke, das ist hier schon problematisch. Einerseits tötet die Tochter ihre Mutter primär deshalb, weil diese sie inständig darum bittet. Andererseits schwingen auch "feindselige" Motive sekundär mit. So verstehe ich den SV zumindest.
Ich schlage vor, dir Kommentare etc. zur Hand zu nehmen und allgemein nachzuschlagen, was für die Fälle gilt, in denen neben der - ich sage mal - "bewusstseinsdominanten" fehlenden Feindseligkeit auch noch andere - als feindselig zu wertende - Motive vorliegen. Zu berücksichtigen bei der Argumentatin ist hier m.E. natürlich auch die grundsätzlich restriktive Auslegung der Mordmerkmale (lebenslange Freiheitsstrafe). Für eine Ablehnung der Heimtücke spricht weiterhin, dass die Tochter nicht von vornherein feindselige Motive hatte, sondern diese erst durch "angestrengtes Vorstellen" hervorgerufen wurden, vielleicht auch deshalb, damit es ihr leichter fällt, die eigene Mutter zu töten?
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 07:59:01    Titel:

Hm, ich kann dem von dir geschilderten SV nicht wirklich entnehmen, welches der beiden Motive für das Handeln der Tochter nun vorherrschend war - vielleicht geht das aus dem Originalwortlaut deutlicher hervor?

Ansonsten hat Marina recht, nimm dir mal einen Kommentar vor, der wird die Problematik sicher behandeln.

Diskutieren müsste man wohl auch die Arglosigkeit, bzw. die Frage, ob man hierbei ausschließlich auf den konkreten Todestag abstellt oder miteinbezieht, dass die Mutter allgemein damit rechnete, (irgendwann) getötet zu werden.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 08:24:29    Titel:

Rhyeira hat folgendes geschrieben:
Hm, ich kann dem von dir geschilderten SV nicht wirklich entnehmen, welches der beiden Motive für das Handeln der Tochter nun vorherrschend war - vielleicht geht das aus dem Originalwortlaut deutlicher hervor?


Hm, doch, finde schon, dass aus dem - wenn auch hier nur kurz geschildertem - SV hervorgeht, dass die Sorge der Tochter bewusstseinsdominant ist, weil ja eindeutig drinsteht, dass sie erst ausdrücklich und immer wieder gebeten wird und erst dann zu der Vorstellung gelangt, dass möglicherweise auch das Erbe nicht schlecht ist. Das klingt für mich schon danach, dass sie ihre Mutter nur wegen dem Erbe nicht töten würde, sondern sich eher versucht hat, etwas vorzustellen, damit es ihr leichter fällt. Ohne weitere SV-Infos würde ich das so wörtlich zwar nicht schreiben, aber ich stell mir den SV halt so vor:

Mutter bittet Tochter, sie zu vergiften. Tochter findet das erst schlimm und möchte auch nicht so wirklich, hat aber Mitleid mit Mutter - ist sich aber nicht so sicher. Nach mehreren Bitten stellt sie sich vor, was das noch für sie selbst mitbringen könnte und kommt dann auf's Erbe.

Sollte es so oder so ungefähr im Original sein, finde ich meine Argumentation stimmig Smile .
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 16 Sep 2008 - 08:28:56    Titel:

Ach, ich korrigiere mich jetzt doch. Hab einen kleinen Teilsatz überlesen, nämlich dass sie die Bitten der Mutter erst zurückweist. Sollte also im SV keinerlei Hinweis für Mitleid zum Tatzeitpunkt (!) sein, dann liegt schon eher Feindesligkeit vor. Aber sollte es aus dem SV hervorgehen, dass die Tochter eigentlich ihre Mutter nicht töten will (was ich erstmal aus dem Teilsatz folgere, dass sie die Bitten erst zurückweist) und ihr primär auch Schmerzen ersparen will, dann würde ich die Sorge als vorherrschend ansehen.
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