Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Elitemanager MBA
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Elitemanager MBA
 
Autor Nachricht
Gast







BeitragVerfasst am: 13 Apr 2005 - 10:47:24    Titel: Elitemanager MBA

Hier ein interessanter Artikel, der den Studiengang zum MBA beleuchtet:

Einen Einblick in die Ausbildung und Denkweise unserer Wirtschaftseliten gewährt uns jetzt eine Studie des kanadischen Managementlehrers Henry Mintzberg, der die nordamerikanische Managerausbildung zum MBA (Master of Business Administration) untersucht hat ("Manager statt MBAs", Campus). Der MBA stellt eine Art Eintrittsbillett in die amerikanische Wirtschaftselite der Manager, Berater und Investmentbanker dar.

Der MBA ist das, was man im Fachjargon als "dominant Design" bezeichnet, eine Art Markenartikel, der auch weit über die USA hinaus marktbeherrschend ist und zu einer starken Vereinheitlichung "zwischen Boston und Bukarest" beigetragen hat. Die zweijährigen MBA-Lehrgänge beruhen auf einem standardisierten Lehrplan, auf einer etablierten Weltanschauung und werden durch den Verband der Business-Schulen reguliert. MBA-Lehrpläne stellen Budget, Finanzberichterstattung und Instrumente zur Kostenkontrolle in den Mittelpunkt. Die Lehre beruht auf einer Mischung aus Fallstudien und scholastisch mathematisierten Marktmodellen, losgelöst vom beruflichen Kontext. Die angehenden Manager lernen in der kurzen Zeit ihrer Ausbildung vor allem, analytisch zu denken und anhand von Papieren und Zahlen rasche Entscheidungen zu treffen. Soziale Situationen kommen nicht vor, da sie sich nicht in Zahlen darstellen lassen, und der gesellschaftliche Rahmen, in dem sie arbeiten, entgleitet daher ihrem Blick völlig, sie erwerben weder volkswirtschaftliche, noch politische oder soziologische Kompetenzen.

Einer Umfrage der American Economic Association zufolge besitzen die MBA-Absolventen zwar hervorragende Fähigkeiten zum Problemlösen, können diese Fähigkeiten jedoch in der Regel nur für formale Techniken der Modellierung nutzen, nicht aber zum Lösen realer Probleme. Die Studenten waren sogar der Meinung, dass eine vertiefte Kenntnisnahme der "wahren" Probleme sie bei der Anwendung ihrer üblichen Techniken eher hemmen würde, da deren vereinfachende Annahmen über die Wirklichkeit auf einmal viel schwerer von ihnen zu akzeptieren waren. Wenn die Probleme, die die Modelle verstecken, plötzlich ans Tageslicht kommen, neigen die Studenten also dazu, den Kopf einzuziehen. Dementsprechend hielten auch 68 Prozent der Befragten eine Kenntnis der Wirtschaft in der Ökonomie für "überflüssig" - mit der Realität wollten sie nichts zu tun haben, sie bleiben lieber in ihrem ideologischen Modellbaukästchen, und der amerikanische Ökonom Robert Kuttner sah daher schon "eine Generation von graduierten Idioten heranwachsen, die über eine Reihe von Techniken verfügen, aber nichts von Ökonomie verstehen".

Gerade weil also hier analytische Brillanz mit sozialer Inkompetenz kombiniert wird, führt die MBA-Ausbildung zu zwei scheinbar gegensätzlichen Ergebnissen: Zur Zunahme von Kontrolle und Bürokratie und zur Zunahme von raschen und für die Belegschaften unberechenbaren Veränderungen. Die Manager, die darauf getrimmt sind, einsame Entscheidungen zu treffen, verzichten darauf, aus der Kenntnis der Stärken und Schwächen der Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden zu schöpfen. Da sie auf rasche Wechsel eingestellt sind, sitzen sie in den Büros und basteln an Kontrollen, um Daten für ihre Reorganisationstrategien zu bekommen. So entstehen bürokratisch-hierarchische Strukturen, Systemwelten, in denen Entscheidungen aus formalisierten und zahlenmäßig erfassbaren Sachverhalten getroffen werden. Trotz aller Reden vom Netzwerk als neuer Form der Unternehmensorganisation sind deshalb heute viele Großunternehmen hierarchischer und bürokratischer als noch in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren.

Der Teamgeist, bei dem die Manager die Arbeit der Mitarbeiter unterstützen und fördern, und die langfristige strategische Denkweise sind nicht mehr Teil des Instrumentenkastens, den die Business Schulen vermitteln. Wie kam es dazu, dass die meisten MBAs von der Praxis nichts mehr wissen wollen? Wie kam es dazu, dass all das verloren ging, was bislang noch in deutschen Mittelstandsbetrieben und in Japan zur Heranbildung von Führungskadern gehört - die Jahre der Ausbildung, in denen der ganze Betrieb durchlaufen wird, um am Ende aus lauter Netzwerken von persönlichen Beziehungen zu bestehen, die bei der Umsetzung von Maßnahmen helfen? Wie kam es bei den Managern zur Verwandlung des Bildes von der Unternehmung?

Hier spielte der wohl einflussreichste Managementlehrer dieser neuen Generation eine Rolle, Michael Jensen, der das Prinzipal-Agenten-Problem erfand. Seine Fragestellung war: Wie kann man jemanden dazu bringen, genau das zu tun, wofür man ihn bezahlt? Wie kann man verhindern, dass der Handwerker während der Zeit, in der man ihn bezahlt, gleichzeitig noch etwas für jemand anderen macht? Wie kann man verhindern, dass der Manager (der Agent), der von den Aktionären (Prinzipalen) eingesetzt ist, für etwas anderes, als den shareholder value, den Aktienkurs, arbeitet? Und weil man allen misstrauen muss, benötigt man überall eine Kontrolle - am besten einen Markt. So entstand die Legitimation des Marktes für Unternehmen aus einem negativen Menschenbild, aus einer Lehre der Angst reicher Leute vor Übervorteilung. Jensen hatte zusammen mit Meckling die shareholder-value-Theorie geboren: Aktionäre als Eigentümer der Unternehmen müssen den ungeteilten Gewinn erhalten, denn jeder Dollar, den die Manager in Arbeit, Umwelt und öffentliche Belange stecken, nimmt den Aktionären das Recht, über ihr Eigentum zu entscheiden und "ihre" Gewinne etwa in andere Unternehmen anzulegen, die ihnen rentabler erscheinen.

Manager, die sich zu sehr für die Belegschaft, die Gemeinden oder den Umweltschutz einsetzen, vergehen sich am Eigentum der Aktionäre! Diese Theorie legitimierte den von den Investmentbanken in den Neunzigerjahren geschaffenen Markt für Unternehmen, der die Gewinnmargen der Manager derselben Branche miteinander verglich. Manager wurden daran gemessen, ob sie mit den ihnen anvertrauten Firmen mindestens ebenso viele Gewinne erzielen, wie die Konkurrenz ("benchmarking"-Prinzip). Das benchmarking wurde zum Kontrollinstrument für die Investmentbanken und Berater über die Manager, und feindliche Übernahmen wurden an den Business Schools zur Reaktion des Marktes auf Manager erklärt, die nicht im Sinne des Aktionärswohls gehandelt hatten. Damit war eine rundum abgesicherte Theorie entstanden, die die radikale Kräfteverschiebung im Verhältnis zwischen Produktionssektor und Finanzsektor erklärte. Sie hatte nur zwei kleine Schönheitsfehler: Sie handelte nicht von Menschen und von lebendigen Unternehmen, sondern von reduzierten Abstraktionen und Modellen. Und weil sie nichts von wirklichen Menschen und Organisationen verstand, funktionierte sie nicht: Da die Manager zunehmend mit Aktien bezahlt wurden, partizipierten sie selbst an dieser neuen Art der Firmenbeherrschung (corporate governance), die die Firmen zu Objekten des Marktes für Unternehmen macht. Es handelte sich also nicht mehr um einen Markt, die Interessen fielen zusammen, die Manager trieben die Objekte der Begierde, die Betriebe, in dieselbe Richtung wie die Berater und Investmentbanker - sie wurden zu Söldnern, die umso mehr selbst an ihrem Geschäft verdienen konnten, je mehr Gewinn sie dem beherrschten Betrieb abnahmen. Sie haben die Lehren von Peter Drucker, dem Urvater der Managementtheorie, vergessen, für den die Erzielung von Gewinn nicht nur eine falsche, sondern auch eine irrelevante Aufgabe des Managers war: "Companies make shoes not money", Unternehmen stellen Schuhe her, nicht Geld.

Die heutigen Praktiken der Vorstandsvergütung, die Bilanzfälschungen (immer mehr Firmen müssen nach der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse ihre Zahlen korrigieren), beiläufige Entlassungen von "Humankapital" bei fallenden Aktienkursen - das alles zeugt von dieser gewandelten Einstellung, die nicht für langfristige Planung und Entwicklung von Unternehmen, sondern für kurzfristige Kurssteigerungen der Aktien belohnt wird.

Die Manager-Söldner haben den Gesellschaftsvertrag aufgekündigt, und sie haben auch nicht ihr Versprechen eingehalten, dass die Globalisierung Gewinne für alle mit sich bringen werde. Während die Zahl der Dollar-Milliardäre in den USA von 66 im Jahre 1989 auf 268 gestiegen ist, hat sich die Armut nicht verringert, sondern verstärkt und ist im gleichen Zeitraum von 31,5 Millionen auf 34,5 Millionen gestiegen. In den USA tragen heute Lohn- und Sozialsteuern dreimal so viel zum Gesamtsteueraufkommen bei wie noch vor 30 Jahren. In Deutschland hat sich im Zeitraum zwischen 1970 und 2000 der Lohnsteueranteil beim Gesamtsteueraufkommen verdoppelt, die Körperschafts- und Gewerbesteuer halbiert. Auch Deutschland ist auf dem Weg zurück zum Klassenstaat, der Armutsbericht der Bundesregierung gibt darüber Auskunft. Schnell steigenden Spitzeneinkommen von Topmanagern stehen auch hier zu Lande stagnierende oder sinkende Effektivlöhne gegenüber. Armut ist kein vorübergehender Zustand mehr, sondern hat sich verfestigt, bei Langzeitarbeitslosen aus den früheren Bergrevieren, aus der Türkei und aus Russland und bei allein erziehenden Müttern. Der Anteil der armen Familien ist von 12,1 (1998) auf 13,9 (2004) gestiegen. Die Arbeitslosigkeit ist von 2,9 Millionen im Jahre 1998 auf 5,2 Millionen (2005) gestiegen und auch die Zahl der überschuldeten Haushalte ist rapide angestiegen - von 2,77 Millionen 1999 auf 3,13 Millionen Ende 2004.

Die neue Manager-Söldnerkaste, die sich für global hält, weil sie sich mit den lokal gebundenen Betrieben nicht mehr identifiziert, scheint stets auf der Gewinnerseite, denn durch die Aktien, mit denen sie vergütet wird, gewinnt sie bei steigenden Kursen, und durch die "goldenen Fallschirme" der Millionenabfindungen, mit denen ihre von versierten Anwälten verfassten Verträge ausgestattet sind, ist sie gegen Scheitern und fallende Aktienkurse abgesichert. Die Aufkündigung des Gesellschaftsvertrags durch diese neue Manager-Söldnerkaste wird von Seiten der übrigen Vertragspartner ("stakeholder"), die aus Mitarbeitern, Umwelt und öffentlichen Organen bestehen, zunehmend als Verrat empfunden. In den Betrieben machen sich Verdruss und innere Abwendung bemerkbar: In einer Umfrage der Rutgers Universität zeigten sich 58 Prozent der Arbeiter davon überzeugt, dass Manager auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind - und wenn es zum Schaden des Unternehmens wäre. Zerstörte Betriebskulturen, brutale Konkurrenzkämpfe zwischen den Armeen der abhängig Beschäftigten der europäischen Länder statt gegenseitiger Unterstützung, Wählerapathie und neue nationalistische Reaktionen, das sind die schon heute sichtbaren Erfolge ihrer Politik.

Die neuen Manager fühlen sich nicht mehr verpflichtet, zum allgemeinen wirtschaftlichen Wohlstand beizutragen. Sie wollen nicht mehr investieren, weil die erwarteten Gewinne niedriger sind, als die Gewinnmargen, die die Banken und Analysten erwarten. Der BDI-Präsident Jürgen Thumann hat daher sinnigerweise den Vorschlag gemacht, Unternehmen Steuern zu erlassen, die ihre Gewinne in die eigenen Betriebe reinvestieren. Das ist die Antwort der Manager auf den Vorwurf des mangelnden Patriotismus des Bundeskanzlers: Der Staat, den zu unterstützen sie nahezu aufgegeben haben, soll die Lücke zwischen dem Produktionsrisiko und dem Anlagerisiko schließen.

Dass ein Bedürfnis nach einer Neuausrichtung vorhanden ist, ist überall zu spüren, doch die Frage ist, wie und ob es sich durchsetzen kann. In der Führung einiger großer amerikanischer Pensionsfonds hat sich nach den Skandalen der Telekombranche und den hohen Verlusten für die Mitglieder der Fonds inzwischen die Erkenntnis herumgesprochen, dass es wenig Sinn macht, die Anlagegelder von Arbeitern und Lehrern in Firmen anzulegen, die durch volkswirtschaftlich sinnlose Fusionen und Reorganisationen die Pensionsansprüche der Beitragszahler reduzieren. Die neuen Manager der Fonds schwenken immer mehr auf langfristige Anlagestrategien um und ziehen ethische Investitionen vor - heftig bekämpft von der republikanischen Presse und der Wall Street. Main Street, das zeigen die bisherigen Schritte dieser Fonds, könnte sich auf diesem Wege wieder Gehör verschaffen, wenn sie ihr Kapital aus denjenigen Unternehmen zurückziehen, die Arbeitsplätze abbauen, oder Privatisierungen fördern. Die Beitragszahler, sagte Phil Angelides, der Vorstand des kalifornischen Pensionsfonds CalPers, "sollten ihre Rechte als Eigentümer wahrnehmen: Das Zeitalter der Kurzsichtigkeit ist zu Ende. Wir müssen uns wieder auf Dinge von nachhaltigem Wert konzentrieren."

CalPers ist einer der einflussreichsten Fonds und verfügt mit etwa 180 Milliarden Dollar über ein Potenzial von der Größenordnung des gesamten Weltcomputermarktes. Auch der Treuhänder des Pensionsfonds der Angestellten New Yorks (NYCERS), William Thompson, kündigte an, er werde "die Politik des Fonds nach Umweltgesichtspunkten und Menschenrechtsgesichtspunkten ausrichten", und dabei versteht er auch Arbeit als ein Menschenrecht.

Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0402/magazin/0002/
Gast







BeitragVerfasst am: 15 Apr 2005 - 11:09:33    Titel:

desshalb ist es gut, dass an univeristäten, wenn auch verhalten eine Unternehmensethik gelehrt wird. es dürfe sich fälle wie bei mannesmann nicht wiederholen. es war zwar alles legal, was die abfindung betrifft, aber war es auch legitim???

und des weitern sind auch die erfolgreichsten firmen der welt alle samt familienunternehmen - mit loyalität und visionärem ergeiz, das geschaffene zu erhalten und weiter zu sichern.

ein negativ beispeil ist auch der größte chemie-konzern der welt, die BASF mit dem stammwerk in ludwigshafen. dort werden so viele mitarbeiter wie nie freigestellt, um die dividende und den gewinn hochzuhalten. es sollte nicht so sein, dass bei gewinn arbeitnehmer ihren job verlieren. im gegenteil!
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> VWL/BWL-Forum -> Elitemanager MBA
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum