Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

groß oder klein
Gehe zu Seite Zurück  1, 2
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> groß oder klein
 
Autor Nachricht
mephisopheles
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 125

BeitragVerfasst am: 01 Jan 2009 - 20:15:35    Titel:

Zitat:
Sport ist doch kein Tätigkeitswort, sprich Verb sondern ein Nomen,[...]

Eben. Darum habe ich diesen Satz gewählt.
Das Problem:
Für mich als Laie ist es eben nicht so klar ersichtlich, welchen Charakter das Wort "Essen" in dem Beispielsatz hat. Das Wort "Sport" hat im gleichen Kontext genau so klar Substantivcharakter, obwohl man da auch was tut.

Anderes Beispiel:

"Mein Hobby ist Schwimmen"
Ich stecke als Laie in der Zwickmühle:

Einerseits ist Schwimmen auch hier vom Inhalt her zwangsläufig eine Tätigkeit und müsste folglich klein geschrieben werden.
Auch hier kann ich den Satz umformulieren, um auf den Tätigkeitscharakter des Wortes "schwimmen" hinzuweisen:
"Mein Hobby ist es, zu schwimmen"

Das Wort Sport ist klar, es ist ein Substantiv und kann kein Verb sein. Das Wort "Schwimmen" oder, im alten Beispile, "Essen" kann beides sein.
Wenn nun ein Substantiv problemlos in den Satz passt, ohne weh zu tun, wie kann dann das Wort "Essen", welche ja sehr wohl auch als Substantiv auftreten kann, hier 'eindeutig' Verbcharakter haben müssen?


Übrigens:
Bei uns in Franken ist das Verb "sporteln" nicht ungewöhnlich. Very Happy
Das aber nur nebenbei.
Vesar
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 01 Jan 2009 - 20:52:53    Titel:

Die Sache ist die, dass Schwimmen hier eine Bezichnung für eine konkrete Sprortart ist wie Kugelstoßen oder Tauziehen oder Basketball.

Du kannst ja sagen: Mein Hobby ist Basketball oder Eishockey etc. Da wird dir bewusst, dass es sich um kein Verb handelt.

Die Bezeichnung Schwimmen ist aber selbstverständlich ein Derivat des Verbes durch Substantivierung bzw. hier Nominalisierung (ja, da gibt es einen Unterschied, der hier aber nicht entscheidend ist).

Als Tipp stets die Austauschprobe machen.

Vorsicht bei der Analogisierung mit dem Wort Tätigkeit. Diesen für mich fast schon irreführenden Begriff haben wir leider der traditionellen Grammatik zu verdanken. Viele Substantive beschreiben eine Tätigkeit, vor allem wenn sie durch das produktivste Mittel aller Nominalisierungen (Derivation vom Verb entstehen. Substantiv oder Nomen bedeutet eben Name, Also Benennung und Bezeichnung. Mit einem Substantiv wird auf ein Ding verwiesen, auf eine Sache, einen Gegenstand. Dieses "Ding" wird dann Teil des Diskurses, eben objektiviert, beinahe so, al ob du es in die außersprachliche Welt transportierst. Und hier ist das Ding, welches das Substantiv bezeichnet eben eine konkrete Sportart, auf welche es verweist. Ein Substantiv hat also immer eine Zeigefunktion.
Verben sind aber verbaler Ausdruck einer Tätigkeit (Substantive können auf eine Tätigkeit verweisen, darauf zeigen), sie sind damit verbale Prozesse.
Aber die interessante Frage ist eben (für mich als Linguisten), inwieweit manche Verbformen wie beispielsweise der Infinitiv nominalen Charakter haben und inwieweit manche Nomen verbalen Charakter haben. Das hatte ich ja oben bereits kurz angerissen, entfernt sich aber von der Problematik des Threads.
mephisopheles
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 125

BeitragVerfasst am: 01 Jan 2009 - 22:02:12    Titel:

Zitat:
Ein Substantiv hat also immer eine Zeigefunktion.
Verben sind aber verbaler Ausdruck einer Tätigkeit (Substantive können auf eine Tätigkeit verweisen, darauf zeigen), sie sind damit verbale Prozesse.

Schmerzhaft laienhaft (zumindest für einen Linguisten) könnte ich also sagen: so richtig getan wird nur in einem Verb was. Ein substantiviertes Verb hat sich abstrahierend so sehr von der eigentlichen Tätigkeit entfernt, dass da nicht mehr wirklich das Tun selbst Inhalt der Aussage ist.

Das ist interessant zu wissen, auch wenn es mir, zumindest im Moment, noch nicht wirklich zum endgültigen Verständnis des Problems verhilft.

Beim ursprünglichen Satz "Essen ist meine Lieblingsbeschäftigung." steht ja auch nicht das aktuelle Tun im Vordergrund, genauso wenig wie bei "Mein Hobby ist Eishockey." Auch hier wird ja nur auf die Tätigkeit an sich verwiesen oder gezeigt. Tatsächlich gegessen wird in diesem Satz ja nicht.
Meine Begriffsstutzigkeit mag nervig sein, wofür ich Abbitte leiste, aber ich muss mich wiederholen:
Was hat das (substantivierte) Essen, was das Eishockey nicht hat?
Vesar
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 01 Jan 2009 - 22:58:43    Titel:

In dem obigen Satz ist "essen" nicht nominalisiert. Es bleibt ein Verb. Ich hatte aber bereits gesagt, dass der Infinitiv relative nominale Eigenschaften hat.

Aber das Substantiv "Essen" hat jedoch die gleichen Eigenschaften wie das Substantiv "Eishockey". Es verweist/zeigt auf eine Sache, die Gegenstand und Teil des Diskurses ist. Das wird dir klar wenn du irgendein Verb nimmst und es durch einen Artikel nominalisierst und damit einen Satz bildest. Die Frage nach dem Unterschied zwischen "Essen" und "Eishockey" ist in dem Sinne falsch gestellt, da die Wortbildung nicht die gleiche ist.
Bei Verbnominalisierungen kommt zu der eigentlichen Bedeutung des ursprünglichen Verbes noch eine zusätzliche hinzu. Bei "Esse" ist es swohl die Mahlzeit als auf das, was dann auf dem Tisch steht. Diese zusätzliche Bedeutung hat es also, was "Eishockey" nicht hat. Aber außerdem behält es teilweise seine verbalen Eigenschaften wie den prozessualen Aspekt. Damit meine ich das, was du immer als "bezieht sich auf eine Tätigkeit" beschreibst. ABer das kommt eben durch die unterschiedliche Wortbildung (Verbderivat vs. Kompositum).

Meine Lieblingsbeschäftigung ist essen.
Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, zu essen.
Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, wenn ich esse.

vs.

Mein Hobby ist Basketball.
Mein Hobby ist Basketball spielen.
Mein Hobby ist es, Basketball zu spielen.
Mein Hobby ist es, wenn ich Basketball spiele.

Wenn du ich den vierten Satz bei "essen" so umstelle, wie ich es getan habe, ist der verbale Charakter eindeutig. In den anderen Sätzen siehst du ebenfalls, dass ich ein Verb hinzufügen muss. In diesem Falle stellt "schwimmen" vs. "Schwimmen" wirklich einen Grenzfall dar.

Mein Hobby ist Schwimmen.
Mein Hobby ist es, zu schwimmen.
Meine Hobby ist es, wenn ich schwimme.
Im ersten Satz meint man eher die Sportart (wie Basketball), da diese Beudeutung für das nominalisierte Verb, also das Substantiv, existiert, warum diese also nicht verwenden, in den anderen beiden Sätzen meint man eher die Tätigkeit, den Vorgang.
mephisopheles
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 125

BeitragVerfasst am: 01 Jan 2009 - 23:32:05    Titel:

Zitat:
Mein Hobby ist Schwimmen.
Mein Hobby ist es, zu schwimmen.
Meine Hobby ist es, wenn ich schwimme.
Im ersten Satz meint man eher die Sportart (wie Basketball), da diese Beudeutung für das nominalisierte Verb, also das Substantiv, existiert, warum diese also nicht verwenden, in den anderen beiden Sätzen meint man eher die Tätigkeit, den Vorgang.


So langsam schnackelt's...
Ich schlaf mal drüber.

Merci für die Geduld, und das auch noch an Neujahr...
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> groß oder klein
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2
Seite 2 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum