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Von Bismarck zu Hitler
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Herr Benedikt
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Anmeldungsdatum: 27.06.2008
Beiträge: 250

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2009 - 15:18:57    Titel: Von Bismarck zu Hitler

Schönen guten Tag zusammen!
Ich werde übernächste Woche mein schriftliches Abitur in Rheinland-Pfalz ablegen und mache mir natürlich, neben dem üblichen Lernen von Daten, Fakten und Zusammenhängen, auch Gedanken über mögliche Aufgabenstellungen.

Die drei Themenschwerpunkte werden wohl: Deutschland im 19. JH (hauptsächlich Bismarck), der Nationalsozialismus und Deutschland nach 1945 (Teilung, Ostpolitik, Wiedervereinigung) sein.

Ich halte es für sehr gut möglich, dass beispielsweise eine Fragestellung à la Golo Mann: "Konstruieren Sie einen Weg von Bismarck zu Hitler" oder etwas derartiges drankommen könnte.

Vielleicht wäre es ja dem Ein oder Anderen möglich, meine Notizen hier ein wenig zu ergänzen oder zu korrigieren:


1.) Die Einigung Deutschlands 1871 machte sich die nationale Bewegung zueigen, um ein Dt. Reich unter der Vormachtstellung Preußens zu begründen.
2.) Nicht wie 1848/49 gefordert, gingen Einheit und Freiheit (Nationalismus und Liberalismus) einher. Vielmehr entstand der Nationalstaat auf Kosten des Liberalismus. Die Souveräne im dt. Bundesrat waren die Souveräne der 22 dt. Einzelstaaten und der 3 Reichsstädte).
3.) Liberalismus und Demokratie konnten sich unter der auf Bismarck zugeschnittenen Reichsverfassung kaum entwickeln. Dem Reichstag (und somit der eigentlichen Vertretung des Volkes nach heutigem demokratischen Verständnis) kamen zu wenige Rechte zu (lediglich das Budgetrecht und wenige andere...). Des weiteren konnte er jeder Zeit durch den Bundesrat mit kaiserlichem Einverständnis aufgelöst und neugewählt werden.
4.) Zudem war die Verfassung derart konstruiert, dass sie sich zumindest bis 1888 (Wilhelm II. wird dt. Kaiser) in entscheidenden Fragen auf Bismarck und Wilhelm I. konzentrierte. In außenpolitischen Fragen hatte der Kaiser weitestgehend, in Herresfragen ausnahmslos freie Hand. Das Heer war nur ihm unterstellt.
5.) Da jedoch Bismarck weitestgehend die Politik des dt. Reiches steuerte (zahlreiche Karikaturen zeigen ja Wilhelm I. als Marionette Bismarcks), konnte der Reichskanzler sich eine "quasi-diktatorische" Stellung zu eigen machen.
6.) Seine Position zur Demokratie und dem Parlamentarismus zeigt sich bereits 1862, wonach die politischen Fragen seiner Zeit nicht durch "Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Blut und Eisen entschieden" werden.
7.) Sozialistengesetze und Kulturkampf sind ein weiterer Indikator für Bismarcks Haltung zu Demokratie und Liberalismus, Meinungs- und Pressefreiheit.
8.) Anders als beispielsweise in Frankreich, wo sich aufklärerische Staatstheoretiker wie Locke, Hobbes oder Montesqieu etablieren konnten und liberales und demokratisches Denken schließlich die zukünftige Staatsform bestimmten, wurden derartige Elemente bei Bismarck unterdrückt.
Der Liberalismus bspw. wurde 1866 mit der Indemnitätsvorlage bewusst gespalten. Die daraus hervorgehende Nationalliberale Partei konnte nur in der Zusammenarbeit mit Bismarck bestehen.

Dies alles wären für mich Argumente, die man in ausgearbeiter Form ggf. für einen "Weg von Bismarck zu Hitler aufführen könnte. Wir wären damit wieder bei der These vom dt. Sonderweg.
Was mir auffällt ist, dass diese Punkte sich allesamt auf die Bismarck'sche Innenpolitik, bzw. auf eine Art Geisteshaltung im dt. Volk beziehen (bspw. die Einschränkung des Liberalismus und das Hinnehmen der gegebenen politischen Umstände).
Lässt sich obige Liste evtl. durch außenpolitische Faktoren ergänzen?

Ich wäre wirklich für jeden Rat sehr dankbar.

Liebe Grüße
Snapdragon
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Anmeldungsdatum: 03.04.2007
Beiträge: 547

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2009 - 17:52:38    Titel:

Spannendes Thema, aber die entscheidende Frage ist: was ist mit "von Bismarck zu Hitler" gemeint?
Geht es um die Chronologie und die Abfolge der Ereignisse oder gar um eine Verknüpfung, womit wir bei der Sonderwegsdebatte sind.
Anders ausgedrückt: siehst du eine direkte Verbindung von Bismarck zu Hitler, bzw siehst du Bismarck als notwendige Bedingung bzw Wegbereiter Hitlers?
Schwierige Frage und fürs Abitur eigentlich zu schwer. Nur zwei Gedanken dazu:
1) Gibt es determinismus in der Geschichte? Oder Kausalketten? Oder unausweichbares Schicksal?
2) Man bedenke: es waren die Nazis selber, die aus propagandistischen gründen eine solche Tradition (die ja noch weiterging; auch Luther und friedrich d. Gr. waren vorläufer des A.H.) "pflegten".
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"Geschichte macht nicht klug für den Augenblick, sondern weise fürs Leben."
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Anmeldungsdatum: 16.10.2008
Beiträge: 41

BeitragVerfasst am: 14 Jan 2009 - 22:57:47    Titel:

Ich denke dass es sich um die deutsche Geschichte in der Zeit von Bismarck bis Hitler handelt.

Was sich aus deinen Recherchen nicht ergibt ist dass Bismarck von Wilhelm II. regelrecht zum Rücktritt aufgefordert wurde.

ps.seie deiner Sache nicht sicher wenn du meine Antwort zu deiner Klausur hinzufügst.
Siehe besser noch mal bei google nach.
Es geht schließlich um eine potentiell wichtige Klausur und ich möchte nicht der "Buh-Mann" sein wenn diese information falsch ist.
wasp
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Anmeldungsdatum: 13.01.2007
Beiträge: 2541

BeitragVerfasst am: 23 Jan 2009 - 22:20:39    Titel:

Snapdragon hat folgendes geschrieben:

1) Gibt es determinismus in der Geschichte? Oder Kausalketten? Oder unausweichbares Schicksal?
.


hat die Geschichtswissenschaft eine Antwort auf diese Frage? Oder kann man dass nicht sagen im Allgemeinen?

Ich vermute mal dass es eine Mischung aus Determinismus und Kausalketten ist?
Vikalein
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Anmeldungsdatum: 07.06.2012
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 07 Jun 2012 - 17:50:47    Titel:

"Anders ausgedrückt: siehst du eine direkte Verbindung von Bismarck zu Hitler, bzw siehst du Bismarck als notwendige Bedingung bzw Wegbereiter Hitlers? "


War Bismarck nun der Vorbereiter für Hitler ?
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