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Unterhaltsanspruch nach nicht bestandener Ausbildung?
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§§Charly§§
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Anmeldungsdatum: 09.01.2009
Beiträge: 32

BeitragVerfasst am: 12 Jan 2009 - 10:54:46    Titel: Unterhaltsanspruch nach nicht bestandener Ausbildung?

Folgender Fall.

A ist Tochter von B und C. A ist 26 Jahre alt und besitzt keine abgeschlossene Berufsausbildung. Einen absolvierten Ausbildungsgang hat Sie nicht erfolgreich bestanden und besitzt somit keinen anerkannten Berufsabschluss. Jetzt möchte A studieren und muss zunächst das Abitur an einem Kolleg erwerben.

Sind B und C der A gegenüber weiterhin zur Zahlung des Unterhalts verpflichtet?
julesone
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Anmeldungsdatum: 28.05.2008
Beiträge: 402
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 12 Jan 2009 - 11:41:30    Titel:

b) Lehrlinge:

Der Unterhaltsanspruch umfasst nicht nur die Zeit der Schulausbildung, sondern grundsätzlich auch die Zeit der Berufsausbildung. Deshalb hat auch ein Lehrling Anspruch auf Unterhalt, auf den er sich aber seine Ausbildungsvergütung anrechnen lassen muss.

Grundsätzlich hat ein Kind nur einen Anspruch auf Finanzierung einer Ausbildung. Deshalb kann das Kind nicht nach erfolgreicher Beendigung der ersten Lehre Unterhalt für eine weitere Lehre beanspruchen.
Von diesem Grundsatz, dass nur eine Ausbildung geschuldet wird, gibt es folgende Ausnahmen:

* wenn das Kind die erste Lehre abbricht, weil sie nicht seinen Fähigkeiten entspricht. Ebenso wie man z.B. einem Gymnasiasten zugesteht, einmal "sitzen zu bleiben", so muss man auch bei einem Lehrling mit der Möglichkeit rechnen, dass er die Ausbildung nicht schafft. Wenn er dann die Lehre abbricht und eine andere Lehre anfängt, behält er deshalb grundsätzlich seinen Unterhaltsanspruch.
* Wenn das Kind nach der Lehre eine weitere (Schul-) Ausbildung aufnehmen will, so gilt folgendes:
o Die Rechtsprechung bejaht in der Regel einen weiteren Unterhaltsanspruch in den sogenannten "Abitur-Lehre-Studium"-Fällen. Es handelt sich dabei um den häufigen Ausbildungsgang eines Kindes, das erst Abitur macht, dann eine Lehre und anschließend studiert. Obwohl eigentlich ja bereits eine Berufsausbildung beendet ist, bejaht der BGH in diesen Fällen einen weiteren Unterhaltsanspruch, wenn das Studium in einem inhaltlichen Zusammenhang mit der Lehre steht und zeitlich kurz nach der Lehre aufgenommen wird. Deshalb besteht z.B. ein Unterhaltsanspruch, wenn das Kind nach dem Abitur zunächst eine Banklehre macht und dann z.B. Betriebswirtschaft studiert. Gegenbeispiel: wenn das Kind zunächst eine Bäckerlehre macht und dann Medizin studieren will, fehlt der inhaltliche Zusammenhang, so dass für das Studium kein Unterhalt verlangt werden kann. Der zeitliche Zusammenhang ist gegeben, wenn das Kind nach der Lehre so schnell wie möglich mit dem Studium anfängt. Dabei kann der Zeitraum auch ein Jahr betragen, wenn z.B. zu dem Datum., als das Kind seine Lehre beendete, die Frist für die Einschreibung an der Hochschule bereits abgelaufen war und der betreffende Studiengang nur einmal jährlich angeboten wird.
Keinen Unterhaltsanspruch gibt es nach der Rechtsprechung dagegen in den Fällen Schule-Lehre-Fachabitur-Studium. Hier ist die Berufsausbildung mit der Lehre abgeschlossen. Der Besuch der Fachhochschule und das anschließende Studium stellen keine Fortführung dieser Ausbildung dar, sondern sind eine neue Ausbildung, während man in den Fällen Abitur-Lehre-Studium davon ausgehen muss, dass der Abiturient auch hinterher studiert und eine Lehre nur als (Zwischen-)Stadium seiner Ausbildung betreibt. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn die Eltern die Begabung ihres Kindes unterschätzt haben und es deshalb nicht von vornherein aufs Gymnasium schickten.

c) Studenten:

Studenten können Unterhalt beanspruchen, solange sie die durchschnittliche Studiendauer nicht wesentlich überschreiten. Für eine Promotion können sie in der Regel keinen Unterhalt verlangen. Bis zum 2./3. Semester können sie auch die Fachrichtung wechseln, wenn sich herausstellt, dass die erste Studienwahl falsch war. Nach Beendigung des Studiums - egal aus welchen Gründen - müssen sie nach einer Bewerbungsfrist von 3 Monaten eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Nimmt das Kind sein Studium erst nach einer absolvierten Lehre auf, so handelt es sich u.U. um eine Zweitausbildung, die die Eltern nicht zu finanzieren haben. Hierzu verweise ich auf die Ausführungen oben unter "b) Lehrlinge".

d) Für Kinder, die Wehrdienst leisten, finden Sie spezielle Ausführungen hier.

Zur Höhe des Unterhalts:

* Ist das Kind unverheiratet und maximal 21 Jahre alt und geht es noch zur Schule und lebt es im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils, so richtet sich der Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle, Altersklasse "ab 18". Die Höhe des Unterhalts hängt also vom Einkommen der Eltern ab.
* Während des Studiums sind Studenten grundsätzlich nicht verpflichtet, nebenher zu arbeiten. Einkünfte aus Studentenjobs bleiben daher unberücksichtigt, es sei denn, es handelt sich um einen ständigen Nebenverdienst.

* In allen anderen Fällen beträgt der Unterhaltsbedarf eines volljährigen Kindes, das nicht mehr bei seinen Eltern lebt, 600,- Euro..
* sind volljährige Kinder verheiratet, so ist primär der Ehegatte unterhaltspflichtig. Ist dieser arbeitslos oder noch in der Ausbildung, so muss das Kind sich um eine Erwerbstätigkeit bemühen. Erst wenn feststeht, dass trotz intensiver Bemühungen keine Arbeit gefunden wird, entsteht ein Unterhaltsanspruch gegen die Eltern.

* in allen anderen Fällen müssen volljährige Kinder eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, notfalls eine unterhalb ihres Ausbildungsgrades.


Ich denke, dass das Problem insbesondere am ALter der A liegt. Mit 26 noch Unterhalt wird wohl kaum durchgehen.
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 12 Jan 2009 - 12:02:56    Titel:

Hier drängt sich auch die Frage auf, was A denn die ganze Zeit über gemacht hat... wenn sie kein Abitur hat, wird sie ja ihren Schulabschluss schon mit 16-18 gemacht haben, dann blieben bis zu ihrem aktuellen Alter von 26 ja noch immer ganze acht Jahre. So lange dauert eine Ausbildung ja nicht, also bleiben ca. fünf Jahre, in denen A was genau gemacht hat?

Außerdem sollte A sich fragen, ob sie, wenn sie schon ihre Ausbildung nicht bestanden hat, wirklich sicher ist, dass ein Studium dann das Richtige für sie ist.
julesone
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Anmeldungsdatum: 28.05.2008
Beiträge: 402
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 12 Jan 2009 - 12:24:15    Titel:

Richtig Rhyeira, denn das volljährige Kind ist gezwungen seine Ausbildung (welche auch immer) "zügig" zu beenden.
Gehen wir mal vom schlechtesten Fall aus
Haupt/Realschulabschluss mit 20 (hab ich schon gesehn)
Beginn der Lehre 12 Monate später (andernfalls schon nicht mehr zügig, somit eh kein Anspruch mehr, einige Gerichte gehen auch von 6 Monaten Schonfrist aus)
Abbruch der Lehre kurz vor Abschluss mit 24
Da haben wir dann im schlechtesten Fall 2 Jahre Leerlauf und somit ist das nicht mehr zügig = kein Anspruch

AUßerdem mit 26 sollte man irgendwie schon wissen was man will und dann noch Unterhalt verlangen tzä. Denn, 1. Abi nachholen mind. 1 Jahr plus Studium mind. 3 Jahre. Das würde Unterhalt bis mind 30 bedeuten. Wäre das mein Gör, ich würd der nen Vogel zeigen
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