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Direkte permanente Demokratie
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urbanh
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Anmeldungsdatum: 04.09.2006
Beiträge: 136

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2009 - 14:00:59    Titel:

Hallo. Die meisten Leute glauben, dass einmal in vier oder fünf Jahren wählen zu dürfen, Demokratie wäre.
Und die meisten Menschen verbinden mit dem Wort Demokratie etwas positives. Also wird sich diese Situation in der wir momentan sind, nicht verändern.
Ausserdem glauben die meisten, dass eben diese direkte Demokratie nicht funktionieren kann, weil jeder vom Anderen glaubt, er wüsste nicht genug von den Zusammenhängen der Politik um mitentscheiden zu können. Was natürlich völliger Bullshit ist, aber so sind wir halt.
Und zu guter Letzt ist gerade nicht die richtige Zeit dafür. Mit zunehmender Infantilität der zivilisierten Bevölkerung, die froh ist, dass ihnen Entscheidungen abgenommen werden, schreiten Mainstream, Individualität (Individualität ist der Mainstreem), und Ohnmacht voran.
Aber so ist das halt, traurig aber wahr
Gruss Urban
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2009 - 14:42:21    Titel:

urbanh hat folgendes geschrieben:
Hallo. Die meisten Leute glauben, dass einmal in vier oder fünf Jahren wählen zu dürfen, Demokratie wäre.

Ja, das glaube ich auch. Es ist doch bereits jetzt Dauerwahlkampf. Zusammen mit allen Landtags- und Europawahlen, haben wir alle paar Monate Wahlen. Noch mehr? Irgendwann muss halt auch mal gearbeitet werden.

Und es ist das gute Recht, jedes Bürgers sich nicht jeden Tag bis ins Detail über Bundeshaushalt, Verkehrswegegesetz, etc... kümmern zu müssen. Dann käme er auch nicht mehr dazu, Geld zu verdienen. Das sollen mal die machen, die dafür bezahlt werden.
Ich sage ihnen alle 4 oder 5 Jahre (oder mit Landtagen noch häufiger) ob ich mit dem was sie tun einverstanden bin.

Perfektes System. Ich sehe keinen Grund daran etwas zu ändern.

Gruß
pauker
cyrix42
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Anmeldungsdatum: 14.08.2006
Beiträge: 24257

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2009 - 14:44:28    Titel:

Ähm, man kann doch "Politiker absetzen". Man nennt dies Neudeutsch auch "abwählen"...

Cyrix
Tlaloc
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Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2009 - 19:57:07    Titel:

Die direkte Demokratie ist, an den Maßstäben des Idealismus gemessen, ohne Zweifel eine deutlich "bessere" Staatsform als die Repräsentativdemokratie, weist aber leider erhebliche Schwächen in ihrer praktischen Realisierbarkeit auf. Ein entscheidendes Problem ist der moderne Massenstaat. Eine (relativ) unmittelbare Demokratie lässt sich vielleicht in der vergleichsweise bevölkerungsarmen Schweiz realisieren, aber nur unter großen Mühen und unter Einbußen der staatlichen Handlungsfähigkeit und Effizienz in einem 80 Millionen-Staat wie Deutschland.

Die von urbanh kritisierte "Primitivität" von Wahlkämpfen und Unterhaltungsmedien halte ich nicht für die Ursache, sondern für ein Symptom von politischer Verantwortungslosigkeit. Diese Dinge würden nicht auf diese Weise praktiziert werden, hätten ihre momentanen Varianten keinen durchschlagenden Erfolg. In einer Masse von partiellen Entscheidungsträgern müsste jeder ungefiltert und jederzeit mit jedem anderen kommunizieren können, um eine optimale "Schwarmintelligenz" zu entwickeln. Ist diese Kommunikation gestört oder schlicht und einfach nicht realisierbar, ist die Entscheidung eines oder weniger Individuen unter Umständen "besser", dass heißt zur Umsetzung vordefinierter Ziele geeigneter, als die eines größeren Kollektivs.

Hinzu kommt das politische Desinteresse einzelner Individuen an bestimmten Entscheidungen, deren Folgen ihre Situation nicht tangieren, oder an Politik überhaupt. Noch schwieriger ist der Umgang mit solchen, die zwar willens, aber eben nicht fähig (Unmündigkeit, Dissozialität, mangelnde Langzeitperspektive, irrationale Denkmuster, ...) zur politischen Partizipation sind und daher eher Schaden anrichten würden. Dafür muss man die Möglichkeit schaffen, politische Macht zu delegieren. An dieser Stelle kommen die Parteien ins Spiel. Wenn aber, aus welchen Motiven auch immer, zu viele bereit sind, ihren persönlichen Anteil an der Macht an diese zu übertragen, wird aus der anfänglich durchaus sinnvollen Spezialisierung ein überbordender Lobbyismus. Ab einer "kritischen Masse" ist die Machtfülle der Parteien dann so groß, dass die Gesamtheit derjenigen ohne Parteienbindung de facto nichts mehr bewirken kann, so dass gezwungenermaßen ein reines Parteiensystem entsteht, dass Missbrauchsversuchen Tür und Tor öffnet.

Die attische Demokratie zur Idealvorstellung moderner und postmoderner Demokratien zu erheben, ist außerdem mehr als zweifelhaft, da sie einerseits das Resultat einer allmählich abgeschwächten Plutokratie war, zudem Metoiken und Frauen vom wahlberechtigten Demos und damit von der politischen Partizipation ausschloss und nebenbei keinerlei Probleme mit der koexistierenden Sklaverei hatte. Den Ostrakismos als Instrument zur Durchsetzung der Gemeinwohlbindung zu bezeichnen ist sehr fraglich, weil die Geschichte zeigt, dass zum Teil gerade die Personen, die sich besonders um das Gemeinwesen verdient gemacht haben, wie etwa Themistokles, aus Furcht vor ihrem wachsenden Einfluss verbannt wurden. Heute, wo man in der Regel Demokratie, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit, elementare Freiheitsrechte und das Gleichheitprinzip als eine synergische Einheit betrachtet, würde man darin eher eine gemäßigtere, subtil kanalisierte Ersatzhandlung des Lynchens erkennen.
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