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Sozialstaat erzeugt Arbeitslosigkeit
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aloa5
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Anmeldungsdatum: 28.02.2007
Beiträge: 1971

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 08:57:32    Titel: Re: Sozialstaat erzeugt Arbeitslosigkeit

History2009 hat folgendes geschrieben:
Ich höre immer Leute die sagen das der Sozialstaat die Arbeitslosigkeit verursacht, weil es die Kosten für die Unternehmer erhöht. Z.B. durch Lohnnebenkosten oder durch hohe Steuern die notwendig sind um den Sozialstaat zu finanzieren.

Was haltet ihr von dieser These?

Ich halte sie für falsch.

Wie schon gesagt kann ein starker Sozialstaat in einer Konkurrenzsituation mit anderen Ländern (was bei Deiner Aussage nicht vorausgesetzt wird) zu einem Export-Nachteil führen und evtl. Arbeitslosigkeit verursachen.

@elzeard Die USA anzuführen ist bei deren "auf Pump"-Verhalten wohl eher nicht angebracht. Dieses Land hat eine eigentlich benötigte Umverteilung und den darauf folgenden Konsum mit Krediten generiert (supplementiert) wenn man so will.

Das verhält sich ähnlich wie mit den Rettungspaketen der Staaten. Eigentlich müssten die Staaten diese mit Steuern finanzieren. Sie nehmen aber statt dessen Kredite. Das bedeutet jedoch nicht, das man dauerhaft auf die Steuern verzichten kann. Man hat lediglich überbrückt.

Entweder also hätten die USA einmal mit etwas Umverteilung beginnen müssen damit die kleinen Kreditnehmer auch Ihre Kredite zurückzahlen können oder es kommt zu einem crash in welchem diese Kreditblase platzt.


Ein anderes Beispiel wo dereguliert wurde und viel Umverteilung stattfindet (also Beides "wahr" ist) wäre Dänemark. Kein Kündigungsschutz, >50% Staatsquote, Vollbeschäftigung, keine staatliche Arbeitslosenhilfe (nur imho eine über Gewerkschaften) usw..


Es gibt natürlich die Möglichkeit der (Wirtschaftsliberalen) Theorie zu folgen, das ohne jeglichen Sozialstaat automatisch Vollbeschäftigung herrscht weil jeder arbeiten muss um nicht zu verhungern -- und das es hierbei zu keinem Marktversagen kommen kann. Davon halte ich nichts. Empirisch verifizierbar ist es ohnehin nicht.


Grüße
ALOA
A1848
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Anmeldungsdatum: 19.03.2008
Beiträge: 2182

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 11:58:32    Titel:

Dänen ungleich Einwohner Dänemarks?

Nunja, die Effizienz erhöht sich nicht immer, denn auch das Betriebsklima in einem Unternehmen trägt zur Produktivität bei. Ist dieses Betriebsklima nun sehr schlecht, kann es auch zu einer geringeren Effizienz kommen. Über die Möglichkeit der Auflehnung wollen wir garnicht reden, denn Streiks sind wohl das ineffizienteste.
Schau in die deutsche Geschichte. Zu Zeiten des völlig deregulierten Arbeitsmarktes erwuchs die Arbeiterbewegung. Klassenkämpfe wurden angezettelt und die Mär des gerechten Kommunismus verbreitet, die in folgenden Jahren soviel Ineffizienz und Tote verursachte.
trundle09
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Anmeldungsdatum: 04.04.2007
Beiträge: 468

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 18:43:14    Titel:

Grundsätzlich kann ich dir da schon zustimmen History2009, man sollte es tatsächlich so machen wie Skandinavien.

Und ja, Regulierung kostet Arbeitsplätze und mindert die Wohlfahrt.
Ich glaube deshalb auch, dass man den Arbeitsmarkt deregulieren sollte, allerdings wirklich nur dann, wenn man eine -ausschließlich oder größten Teils- Steuer finanzierte Arbeitslosenversicherung hat, die die Menschen auffängt und ihnen schnell und effizient dabei hilft, wieder eine Arbeit zu finden, sie dann aber auch gnadenlos sanktioniert, wenn sie eine Arbeit nicht annehmen und nach Ablauf der Versicherung sollte man dann eine Sozialhilfe bekommen, die zum Leben reicht, aber nicht so hoch ist, dass sie höher ist als so mancher Lohn, also Fehlanreize setzt.

Diese Bedingungen sind wichtig, sonst wird das ganze nicht akzeptiert.
cyrix42
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Anmeldungsdatum: 14.08.2006
Beiträge: 24257

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 18:53:26    Titel:

Willst du die Mindest-Lebenshaltungskosten an den Mindestlöhnen oder die Mindestlöhne an dem Sozialhilfesatz festmachen?

Cyrix
Elzéard B.
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 1150

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 22:24:36    Titel:

Also ich denke an folgende Pro und Contra Argumente bzgl. der These:

Pro:

- Lohnnebenkosten erhöhen Preis für Arbeit -> weniger Nachfrage nach Arbeit (typisch neoklassisch, kann aber nicht zu 100% geleugnet werden)

- Sozialstaat tritt als Konkurrent zur freien Wirtschaft auf (Versorgermentalität, Anreizminderung)

- Gewerkschaften (ebenfalls Element des Sozialstaats) bilden Kartelle und drücken die Löhne folglich über das Gleichgewichtsniveau (-> Angebotsüberschuss), typisches neoklassisches Argument

- Regulierungen stellen zunächst einmal Kostenfaktoren dar für die Unternehmen, und schränken deren Handlungsfreiheit ein (z.B. Kündigungsschutz), ebenfalls neoklassisch

- Steuern & Umverteilung wirken je nach Grad negativ bzgl. der Anreize unternehmerisches Risiko einzugehen

- globaler Wettbewerb, übermäßige Sozialpolitik begünstigt Kapitalabwanderung in andere Länder (gerade in Deutschland aktuell)

- hohe Staatsquote bzw. Abgabenlast schwächt den privaten Konsum, nachfragepolitisch

Contra:

- Umverteilung beeinflusst die Binnennachfrage positiv (das Geld verrottet nicht bei Millionären auf dem Konto ^^), keynesianisches Argument

- Gewerkschaften erzwingen hohe Löhne, ebenfalls Stärkung der Binnennachfrage, keynesianisch

- Regulierungen geben den Beschäftigten Sicherheit (Erhöhung der Produktivität), neoklassisch


Die Aufwiegung der Argumente ist sicherlich schwierig, ich persönlich denke aber, dass der Sozialstaat wichtig ist um die BInnennachfrage zu stabilisieren, aber gerade bei übermäßiger Staatsquote die Beschäftigung unter die Räder gerät.


@ cyrix. Toller Vorschlag MIndestlöhne einzuführen gerade im Bäckergewerbe. Da haben die Unternehmen ja bekanntlich unglaublich hohe Gewinnmargen. Mal wieder ein ökonomischer Glanzvorschlag
Elzéard B.
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 1150

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 22:28:49    Titel:

Ich bin übrigens ebenfalls dafür, Leistungen für Familien mit mehreren Kindern über den Regelsatz zu kappen. Dafür sollen die Familien Gutscheine für
a) Essen der Kinder in der Schule (Mensa etc.)
b) Schulsachen
c) Sportverein
d) Klassenfahrten

bekommen. Die Kinder sollen nicht unter der schlechten wirtschaftlichen Situation der Kinder leiden ! Das kommt den Kinder zu Gute, da mit Sicherheit bereits jetzt nicht alles Geld zweckgebunden eingesetzt wird.
cyrix42
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Anmeldungsdatum: 14.08.2006
Beiträge: 24257

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 22:31:31    Titel:

Elzéard B. hat folgendes geschrieben:

@ cyrix. Toller Vorschlag MIndestlöhne einzuführen gerade im Bäckergewerbe. Da haben die Unternehmen ja bekanntlich unglaublich hohe Gewinnmargen. Mal wieder ein ökonomischer Glanzvorschlag


Na dann schau dir mal Großbäckereien, allen voran Kamps an...

Cyrix
Elzéard B.
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 1150

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 22:57:43    Titel:

Und dann ignoriere die kleine Bäckerei von nebenan, die genauso vom Mindestlohn betroffen ist.

Ich schätze, dass von einem solchen Mindestlohn evtl. sogar nur 10- 20% der Angestellten wirklich arbeitslos werden. Der Rest würde die höheren Löhne per Preiserhöhung an den Verbraucher weitergeben.

Wer diese Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen möchte (bestimmt mehrere Tausend allein in der Bäckerbranche) und das verantworten kann, möchte vortreten, soll sein Handeln aber nicht mehr als sozial bezeichnen.

In der Postbranche gab es ja einen ähnlichen Effekt (ca. 30.000 Arbeitslose durch den Mindestlohn).
cyrix42
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Anmeldungsdatum: 14.08.2006
Beiträge: 24257

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 23:33:32    Titel:

Wobei man beim Postmindestlohn sagen muss, dass diese "Arbeitsplätze" rein aus Geiz erkauft wurden: Wer Stundenlöhne von 5€/h brutto sozial findet, damit er nicht 55c, sondern vielleicht 50c pro Brief zahlen muss, der ist einfach nur ziemlich selbst zentriert und nichts anderes.

Natürlich muss dann im Bäckereibetrieb um die Ecke auch wirtschaftlich gearbeitet werden, im Sinne, dass man nicht alles vor Ort selbst backt, sondern sich Großbäckereien anschließt um so günstiger pro Produkt produzieren zu können. Dann bleibt nämlich bei gleichen Preisen der Produkte mehr für Lohnkosten übrig (sofern nicht der Großbetrieb entsprechend mehr abzweigt...)


Cyrix
Elzéard B.
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 1150

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 23:44:27    Titel:

Viele kleine Bäcker leben gerade davon, dass sie das Brot noch selber backen. Bei mir um die Ecke ist auch ein Bäcker, der nicht diese Backmischungen der Großbäckereien benutzt, sondern noch wirklich selber das Brot macht. Das schmeckt frischer und vor Allem nicht so wie überall (zwischen den Großbäckereien gibts ja fast keinen Unterschied).

Und natürlich ist der Ursache für die ganzen Niedriglöhne Geiz. Würden wir als KOnsumgesellschaft nicht immer mehr dem Motto "Geiz ist geil" kaufen, hätten wir solch ein Problem gar nicht.

Die gleichen Gewerkschafter, die doch bei jeder Tarifverhandlung für mehr Lohn schreien, tragen wahrscheinlich Schuhe aus China, eine Hose aus Bangladesch und das T Shirt von den Phillipinen. Das ist ja gerade das kranke Paradoxon unserer Gesellschaft.

Dabei muss ein normales T Shirt gar nicht sooo teuer sein: In der evangelischen Kirchengemeinde bei uns gibt es T Shirts aus "Fairtrade" und die kosten gerade mal 13,90 das Stück. Klar, deutsche T Shirts wären wahrscheinlich noch teurer, aber trotzdem ein guter Anfang.

Hier gibts die sogar noch billiger:
http://www.memo.de/Werbemittel/Naturtextilien/fuer_Damen/Shirts/memo_Bio_T-Shirt_unisex_mit_V-Ausschnitt_natur.memo?groupId=13939&page=group.jsp

So, jetzt wisst ihr auch, wo ich meine Wäsche herhole xD
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