Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Problemfall: Versuch oder vollendetes Erfolgsdelikt?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Problemfall: Versuch oder vollendetes Erfolgsdelikt?
 
Autor Nachricht
§§reiter08
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 11.10.2008
Beiträge: 92
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 01:45:15    Titel: Problemfall: Versuch oder vollendetes Erfolgsdelikt?

Hallo Forum!

Folgender Fall zum Thema Rücktritt vom Versuch (!):

T will O töten und schießt auf ihn. Nachdem er die schweren Schussverletzungen bei O wahrnimmt, packt ihn Reue. Nun will T den O retten. Er bringt ihn schnellstmöglich in das nächste Krankenhaus. Dort erliegt O aber kurz darauf seinen Schussverletzungen und stirbt.

Meine Überlegungen dazu:

1) Ein fehlgeschlagener Versuch ist es nicht, denn es ist nicht ersichtlich, dass T den O nicht, wenn er wollte, immer noch erschießen könnte.

2) Nach der Tatplantheorie des BGH ist der Versuch beendet. Die letzte Ausführungshandlung ist nach der Vorstellung des T womöglich noch nicht abgeschlossen, denn er hofft ja, den O noch retten zu können. Aber halten wir uns mal an die BGH-Variante; der Versuch ist beendet.

3) Das führt uns dann zu § 24 Abs. 1, wonach der Rücktritt zu verneinen ist, da der Erfolg am Ende nicht verhindert werden kann.
-----------------------------------------------------------------------------
Was tun, wenn jetzt aber in der Fallfrage steht "Wie hat sich T strafbar gemacht?". Hier würde doch jeder normale Mensch direkt erkennen, dass es sich um ein vollendetes Erfolgsdelikt (Totschlag) handelt, Kausalität kein Problem, objektive Zurechnung kein Problem. Wer kommt denn auf die Idee, hier Versuch und Rücktritt zu prüfen? Trotzdem hat man uns diesen Fall zum Thema Rücktritt in der Vorlesung vor die Nase geklatscht.

Wie ist das eigentlich, würde sich der von T unternommene Rettungsversuch überhaupt auf die Strafe auswirken?

Gruß


Zuletzt bearbeitet von §§reiter08 am 02 Feb 2009 - 11:49:40, insgesamt einmal bearbeitet
SÖZ
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 31.01.2009
Beiträge: 57

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 10:09:02    Titel:

O ist das Opfer und ist gar nicht strafbar, er tot und Tote prüft mam nicht...
Wenn da stehen würde "wie hat sich T strafbar gemacht" dann muss man T prüfen und sagen Rücktritt + und keine Strafbarkeit, meiner Ansicht. Je nach dem wie man die Reue des T auslegt und entweder bejaht oder werneint.Meine Ansicht Gruß
§§reiter08
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 11.10.2008
Beiträge: 92
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 11:50:32    Titel:

Sorry, ich meinte natürlich T, hab den Fehler behoben Embarassed Wink
§§reiter08
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 11.10.2008
Beiträge: 92
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 11:52:57    Titel:

Aber dann erklär mir bitte wie du zu diesem Ergebnis kommst! Ich mein, O, ein Mensch, ist tot und T ist dafür auch kausal geworden. Gut, meinetwegen ist es dann kein Totschlag sondern KV mit Todesfolge, dann hätten wir im Bezug auf den Totschlag halt nen Rücktritt und dazu ne vollendete Körperverletzung mit der schweren Folge. Vielleicht meinst du das.. denn gar keine Strafbarkeit wäre falsch, du meinst wahrscheinlich keine Strafbarkeit wgn Totschlags.

Gruß
§§reiter08
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 11.10.2008
Beiträge: 92
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 12:05:00    Titel:

Nachtrag:

Wobei ich selbst aber nach wie vor am Totschlag festhalte, denn zur Tatzeit handelt T ja mit Tötungsvorsatz. Nach dem Koinzidenzprinzip ist halt entscheidend, wie sich der Täter bei Begehung der Tat verhält und nicht was er davor oder danach tut.
Und zum Rücktritt: mal angenommen, O wird im Krankenhaus gerettet. Dann wäre der Rücktritt natürlich gegeben. Aber so würd ich sagen hat T halt Pech gehabt.
Asterisque
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 03.05.2006
Beiträge: 576
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 12:45:33    Titel:

Der BGH hat die Tatplantheorie längst aufgegeben! Diese wird gar nicht mehr vertreten! (ist aber bei unterschiedlichem Ergebnis zum Rücktrittshorizont in der Klausur zu nennen, dann aber abzulehnen) Der BGH ist einer neueren Entscheidung zwar überraschenderweise noch einmal auf die Tatplantheorie eingegangen, aber in einem anderen Zusammenhang.
Abzustellen ist auf den Zeitpunkt nach der letzten Tathandlung (sog. Rücktrittshorizont). Glaubt der T nach der letzten Tathandlung (also hier der Schuss), dass der Erfolg eintritt (beendet) oder ausbleibt (unbeendet)?


Zum Rest: Voraussetzung für einen Rücktritt vom Versuch ist die Nichtvollendung. Wenn der Erfolg dennoch eintritt und dies dem Täter zuzurechnen ist, hat er wie du so schön geschrieben hast, eben Pech gehabt.
§§reiter08
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 11.10.2008
Beiträge: 92
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 02 Feb 2009 - 14:46:21    Titel:

Ups Very Happy Stimmt, im Wessels/Beulke steht Der BGH ist zunächst der sog. Tatplantheorie gefolgt dh er tut es jetzt nicht mehr. Danke für den Hinweis! Ich hätte es mir sonst falsch eingeprägt.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Problemfall: Versuch oder vollendetes Erfolgsdelikt?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum