Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Gedicht: Epoche- Expressionismus oder Naturalismus?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Gedicht: Epoche- Expressionismus oder Naturalismus?
 
Autor Nachricht
Laura07
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 14.11.2007
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 04 Feb 2009 - 17:58:14    Titel: Gedicht: Epoche- Expressionismus oder Naturalismus?

Hallo,
ich hab da mal ne Frage!

Wir haben eine Deutschklausur geschrieben und zwar über das Gedicht "Auf der Fahrt nach Berlin" von Julius Hart.
Wir sollten es u.a. in die Epoche einordnen... der größte Teil von uns hat es in die Epoche des Expressionismus eingeordnet!
Nun ist das Gedicht aber im Jahre 1882 entstanden, was ja eigentlich auf den Naturalismus hindeutet, der ja von 1880-1900 war!
Ist es, wenn man es gut begründen kann möglich es auch in die Epoche des Expressionismus einzuordnen? Es gibt in dem Gedicht wirklich mehrere Stellen, die auf diese Epoche und nicht auf den Naturalismus hindeuten!
Wie zB. die Farben rot/ schwarz, Bewegungsverben, Metaphern, Folgen der Industrialisierung, Menschen gehen in Masse unter und es ist auch Subjektiv, wie ich finde.
Nun ist der Expressionismus aber ja die Gegenbewegung zum Naturalismus, wäre es trotzdem möglich mit den genannten Gründen es in die Epoche einzuordnen?? subjektives hat doch auch im Naturalismus nichts zu suchen?

Würde mich über Antworten freuen!
Laura07
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 14.11.2007
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 04 Feb 2009 - 18:02:08    Titel:

Ach und hier vielleicht noch das Gedicht Wink

Auf der Fahrt nach Berlin
Von Westen kam ich, – schwerer Haideduft
Umfloß mich noch, vor meinen Augen hoben
Sich weiße Birken in die klare Luft,
Von lauten Schwärmen Krähenvolks umstoben,
Weit, weit die Haide, Hügel gelben Sand's,
Und binsenüberwachs'ne Wasserkolke,
Fern zieht ein Schäfer in des Sonnenbrand's
Braunglühendem Reich verträumt mit seinem Volke.

Von Westen kam ich und mein Geist umspann
Weichmüthig rasch entschwund'ne Jugendtage,
War's eine Thräne, die vom Aug' mir rann,
Klang's von dem Mund wie sehnsuchtsbange Klage? ...
Von Westen kam ich und mein Geist entflog
Voran und weit in dunkle Zukunftstunden ...
Wohl hob er mächtig sich, sein Flug war hoch,
Und Schlachten sah er, Drang und blut'ge Wunden.

Vorbei die Spiele, durch den Nebelschwall
Des grauenden Septembermorgens jagen
Des Zuges Räder, und vom dumpfen Schall
Stöhnt, dröhnt und saust's im engen Eisenwagen ...
Zerzauste Wolken, winddurchwühlter Wald
Und braune Felsen schießen wirr vorüber,
Dort graut die Havel, und das Wasser schwallt,
Die Brücke, hei! dumpf braust der Zug hinüber.

Die Fenster auf! Dort drüben liegt Berlin!
Dampf wallt empor und Qualm, in schwarzen Schleiern
Hängt tief und steif die Wolke drüber hin,
Die bleiche Luft drückt schwer und liegt wie bleiern ...
Ein Flammenheerd darunter – ein Vulkan,
Von Millionen Feuerbränden lodernd, ...
Ein Paradies, ein süßes Kanaan, –
Ein Höllenreich und Schatten bleich vermodernd.

Hindonnernd rollt der Zug! Es saust die Luft,
Ein anderer rast dumpfrasselnd risch vorüber,
Fabriken rauchgeschwärzt, im Wasserduft
Glänzt Flamm' um Flamme, düster, trüb' und trüber,
Engbrüst'ge Häuser, Fenster schmal und klein,
Bald braust es dumpf durch dunkle Brückenbogen,
Bald blitzt es unter uns wie grauer Wasserschein,
Und unter Kähnen wandeln müd' die Wogen.

Vorbei, vorüber! und ein geller Pfiff!
Weiß fliegt der Dampf, ... ein Knirschen an den Schienen!
Die Bremse stöhnt laut unter starkem Griff ...
Langsamer nun! Es glänzt in Aller Mienen!
Glashallen über uns, rings Menschenwirr'n, ...
Halt! Und »Berlin!« Hinaus aus engem Wagen!
»Berlin!« »Berlin!« Nun hoch die junge Stirn,
Ins wilde Leben laß dich mächtig tragen!

Berlin! Berlin! Die Menge drängt und wallt,
Wirst du versinken hier in dunklen Massen ...
Und über dich hinschreitend stumm und kalt,
Wird Niemand deine schwache Hand erfassen?
Du suchst – du suchst die Welt in dieser Flut,
Suchst glühende Rosen, grüne Lorbeerkronen, ...
Schau dort hinaus! ... Die Luft durchquillt's wie Blut,
Es brennt die Schlacht und Niemand wird dich schonen.

Schau dort hinaus! Es flammt die Luft und glüht,
Horch Geigenton zu Tanz und üpp'gem Reigen!
Schau dort hinaus, der fahle Nebel sprüht,
Aus dem Gerippe nackt herniedersteigen ...
Zusammen liegt hier Tod und Lebenslust,
Und Licht und Nebel in den langen Gassen – – –
Nun zeuch hinab, so stolz und selbstbewußt,
Welch' Spur willst du in diesen Fluten lassen?

Julius Hart, 1882
Generaltoni
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 04 Feb 2009 - 18:02:36    Titel:

Hier das Gedicht mit der Jahreszahl der Entstehung:

Julius Hart:
Auf der Fahrt nach Berlin


Von Westen kam ich, – schwerer Haideduft
Umfloß mich noch, vor meinen Augen hoben
Sich weiße Birken in die klare Luft,
Von lauten Schwärmen Krähenvolks umstoben,
Weit, weit die Haide, Hügel gelben Sand's,
Und binsenüberwachs'ne Wasserkolke,
Fern zieht ein Schäfer in des Sonnenbrand's
Braunglühendem Reich verträumt mit seinem Volke.

Von Westen kam ich und mein Geist umspann
Weichmüthig rasch entschwund'ne Jugendtage,
War's eine Thräne, die vom Aug' mir rann,
Klang's von dem Mund wie sehnsuchtsbange Klage? ...
Von Westen kam ich und mein Geist entflog
Voran und weit in dunkle Zukunftstunden ...
Wohl hob er mächtig sich, sein Flug war hoch,
Und Schlachten sah er, Drang und blut'ge Wunden.

Vorbei die Spiele, durch den Nebelschwall
Des grauenden Septembermorgens jagen
Des Zuges Räder, und vom dumpfen Schall
Stöhnt, dröhnt und saust's im engen Eisenwagen ...
Zerzauste Wolken, winddurchwühlter Wald
Und braune Felsen schießen wirr vorüber,
Dort graut die Havel, und das Wasser schwallt,
Die Brücke, hei! dumpf braust der Zug hinüber.

Die Fenster auf! Dort drüben liegt Berlin!
Dampf wallt empor und Qualm, in schwarzen Schleiern
Hängt tief und steif die Wolke drüber hin,
Die bleiche Luft drückt schwer und liegt wie bleiern ...
Ein Flammenheerd darunter – ein Vulkan,
Von Millionen Feuerbränden lodernd, ...
Ein Paradies, ein süßes Kanaan, –
Ein Höllenreich und Schatten bleich vermodernd.

Hindonnernd rollt der Zug! Es saust die Luft,
Ein anderer rast dumpfrasselnd risch vorüber,
Fabriken rauchgeschwärzt, im Wasserduft
Glänzt Flamm' um Flamme, düster, trüb' und trüber,
Engbrüst'ge Häuser, Fenster schmal und klein,
Bald braust es dumpf durch dunkle Brückenbogen,
Bald blitzt es unter uns wie grauer Wasserschein,
Und unter Kähnen wandeln müd' die Wogen.

Vorbei, vorüber! und ein geller Pfiff!
Weiß fliegt der Dampf, ... ein Knirschen an den Schienen!
Die Bremse stöhnt laut unter starkem Griff ...
Langsamer nun! Es glänzt in Aller Mienen!
Glashallen über uns, rings Menschenwirr'n, ...
Halt! Und »Berlin!« Hinaus aus engem Wagen!
»Berlin!« »Berlin!« Nun hoch die junge Stirn,
Ins wilde Leben laß dich mächtig tragen!

Berlin! Berlin! Die Menge drängt und wallt,
Wirst du versinken hier in dunklen Massen ...
Und über dich hinschreitend stumm und kalt,
Wird Niemand deine schwache Hand erfassen?
Du suchst – du suchst die Welt in dieser Flut,
Suchst glühende Rosen, grüne Lorbeerkronen, ...
Schau dort hinaus! ... Die Luft durchquillt's wie Blut,
Es brennt die Schlacht und Niemand wird dich schonen.

Schau dort hinaus! Es flammt die Luft und glüht,
Horch Geigenton zu Tanz und üpp'gem Reigen!
Schau dort hinaus, der fahle Nebel sprüht,
Aus dem Gerippe nackt herniedersteigen ...
Zusammen liegt hier Tod und Lebenslust,
Und Licht und Nebel in den langen Gassen – – –
Nun zeuch hinab, so stolz und selbstbewußt,
Welch' Spur willst du in diesen Fluten lassen?

(Julius Hart. 1882)
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Gedicht: Epoche- Expressionismus oder Naturalismus?
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum