Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Intention von "Der Schlaf in den Uhren"
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Intention von "Der Schlaf in den Uhren"
 
Autor Nachricht
Ashlight
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 2
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 09 Feb 2009 - 18:41:06    Titel: Intention von "Der Schlaf in den Uhren"

Hallo Hallo Smile

im Rahmen unseres Seminarfaches machen wir zur Zeit Zusammenfassungen aller Semester in Deutsch. Naja, jedenfalls darf sich unsere Gruppe mit dem guten alten Tellkamp beschäftigen. Ich unter anderem mit der Intention.

Hat irgendwer etwas zu diesem Punkt?
Sina123
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 25.09.2007
Beiträge: 137

BeitragVerfasst am: 09 Feb 2009 - 19:34:17    Titel:

Faule Socke!

Aber ich habe hier einen (Klausur-)Text (eine Rezension), der analysiert werden sollte....

Was will der Text?
„Was will der Autor wohl nur damit sagen?“ – Diese Frage kann man so stellen, muss man
aber nicht. Es geht auch anders: „Was will der Text?“
Die Antwort hierauf gibt Klaus Nüchtern bei der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises
2004 für den Textauszug aus Uwe Tellkamps Roman „Der Schlaf in den Uhren“ mit seiner
Aussage „Ich merke auch, dass er [besagter Textauszug] will, dass ich ihn toll finde.“
Doch wie findet man als einfacher Leser, der nicht wie Herr Nüchtern Juror für einen
angesehenen Literaturpreis ist, heraus, was der Text will? – Ganz einfach, man setzt sich mit
dem Text auseinander, man nimmt sich Zeit und unterhält sich mit ihm:
- Guten Tag, ich bin ein Text. Finde mich toll!
- Da fällt aber jemand mit der Tür ins Haus...
Wer bist du überhaupt, Text? Ich kenne dich noch gar nicht richtig.
- Ich bin ein Ausschnitt aus dem Roman „Der Schlaf in den Uhren“ und entstamme der
Feder Uwe Tellkamps. Mit mir hat er 2004 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen.
- Den Ingeborg-Bachmann-Preis? Hört, hört, das muss also gute Literatur auf
hohem Niveau sein. Wir dürfen von unserem Text eine komplexe Sprache und einen
hohen Anspruch an den Leser erwarten. Zudem verspricht die Biographie des Autors
spannende Themen. Geboren 1968 in Dresden war Uwe Tellkamp zur Zeit der DDR
als NVA-Panzerkommandant tätig und arbeitet jetzt hauptberuflich als Unfallchirurg
in München.
Sag einmal, Text, was für einen Einfluss hat die Geschichte deines Verfassers auf dich
gehabt?
- Oh, das ist ganz einfach: Ich bin ein Kunstwerk! Mit mir hat Uwe Tellkamp seiner
Heimatstadt Dresden ein Denkmal gesetzt, ich bin eine Hommage. Außerdem hat sich
Herr Tellkamp durch mich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts, vor allem
natürlich der Epoche der DDR, auseinandergesetzt.
- Das klingt ja nun wirklich interessant: Beschäftigung mit der deutschen
Geschichte des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig Hommage an Dresden.
Und wie hat dein Autor das alles umgesetzt? Was ist genau dein Inhalt?
- In mir berichtet ein Ich-Erzähler, Fabian, von einer Straßenbahnfahrt durch Dresden.
Dabei gibt er in Form eines Bewusstseinsstroms seine Assoziationen zu den
verschiedenen Haltestellen der Fahrt wieder. Dabei greift er zur Geschichtsschilderung
u.a. auf Kindheitserinnerungen zurück und lässt auch andere Figuren wie
beispielsweise die Schokoladenarbeiterin Lucie Krausewitz zu Wort kommen.
- Ein Bewusstseinsstrom, das finde ich tatsächlich toll. Dadurch wirkt die
Geschichtsdarstellung nicht wie eine Sammlung linearer Anekdoten, sondern
stattdessen erhält der Leser endlich einmal ein Gesamtbild.
Die Idee mit dem Erinnerungsstrom gefällt mir. Erzähl mir mehr darüber, Text.
- Mein Erschaffer hat dieses literarische Mittel besonders durch eine Vielzahl von
Metaphern und eine gehäufte Verwendung von Adjektiven und Appositionen
ausgestaltet. Außerdem leitet er den Bewusstseinsstrom durch sprachliche
Erinnerungsbrücken, die allesamt auf dem sinnlichen Wahrnehmen des Erzählers
beruhen. Findest du mich jetzt gut?
- Ehrlich gesagt, ja, aber das werde ich dem Text noch nicht erzählen. Der
starke Gebrauch von Adjektiven und Metaphern gegenüber verhältnismäßig wenigen
Verben macht den Text plastischer. So kann man die sinnlichen Eindrücke des Erzählers fast mitfühlen. Allein das klingt für mich schon gelungen, aber schauen wir
mal, was der Text sonst noch zu bieten hat.
Soll ich dich nur wegen des Bewusstseinsstroms toll finden oder hast du auch
noch andere Vorzüge?
- Und ob, ich bin geprägt von einer Meditation über die Zeit, ausgehend von
Hofmannsthals „Rosenkavalier“. In mir ist der Gedanke an und über die Zeit
allgegenwärtig.
- Auch das noch! Eine Meditation über die Zeit klingt zwar philosophisch und ist
sicherlich auch lesenswert; aber Hofmannsthals „Rosenkavalier“? Was ist das
überhaupt? Eigentlich wollte ich nur einen Text lesen und nicht gleich zwei. Gute
Literatur muss doch auch machbar sein, ohne dem Leser irgendwelche Vorkenntnisse
abzuverlangen.
Das überzeugt mich nicht unbedingt. Wenn das alles ist...
- Bei weitem nicht! Ich bin nämlich nicht nur ein Stück gute Literatur sondern auch
musikalisch: Uwe Tellmann hat beim Verfassen von mir viele lyrische Elemente
eingebaut. Zudem hat er in mir zahlreiche musikalische Strukturen auf die Sprache
übertragen. Mein Aufbau ist beispielsweise der Rondoform nachempfunden. Auch
kann man bezüglich der Erinnerungen von einer Polyphonie sprechen. Ganz zu
schweigen von der orthographischen Umsetzung der Dialekte der Figuren.
- Ich bin beeindruckt. Mit diesem Text ist es Uwe Tellkamp gelungen,
Geschichtsdarstellung mit philosophischen Elementen bezüglich der Zeit auf eine
sprachlich ansprechende Art durch einen lyrisch-musikalischen Erinnerungsstrom zu
verbinden. Ein derartiges Meisterwerk verdient es, dass man sich Zeit nimmt und sich
in Ruhe mit ihm auseinandersetzt. Nur so kann man es genießen, auch ohne
Vorkenntnisse.
Text, ich finde dich toll!
gymwil.files.wordpress.com/2007/10/was-will-der-text.pdf
Ashlight
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 2
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 10 Feb 2009 - 17:15:39    Titel:

vielen Dank!
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Intention von "Der Schlaf in den Uhren"
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum