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schuld und verantwortung
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fullmoongirl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 56

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2009 - 20:13:56    Titel: schuld und verantwortung

hallo leute
ich will die diskussion ueber schuld und verantwortung eroeffnen.
wenn ich etwas vom supermarkt stehle, dann bin ich sowohl schuldig als auch verantwortlich fuer mein handeln.

meine position ist ehe, dass ich einsehe dass ich schuld bin, dass ich was gestohlen habe, aber ich bin doch nicht auch noch dafuer verantwortlich. meine eltern sollen dafuer vernatwortlich sein, dass sie mir nicht beigebracht haben, dass das stehlen falsch ist.
was sagt ihr?

freu mich auf die diskussion Wink
rOYAL.
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Anmeldungsdatum: 19.06.2008
Beiträge: 2093
Wohnort: Heidelberg

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2009 - 20:26:30    Titel:

Strafmündig ist man in Deutschland ab 14.

Zitat:
meine eltern sollen dafuer vernatwortlich sein, dass sie mir nicht beigebracht haben, dass das stehlen falsch ist.

Irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Mensch Entscheidungen für sich selbst treffen muss und die Verantortung dafür tragen. Deiner Argumentation zufolge würde ein Mensch nie mündig werden. Dann müssten deine Eltern auch unterschreben, wenn du mit 35 ein Haus für deine Familie bauen willst und dafür einen Kredit aufnimmst.
Dieser Punkt ist in Deutschland in Strafsachen das Erreichen des 14. Lebensjahres, in Geschäftssachen gibt es mehrere Abstufungen (7, 14, 18 ). Wo würdest du denn diese Grenze ziehen?
johnruizone
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Anmeldungsdatum: 25.09.2008
Beiträge: 736

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2009 - 20:45:18    Titel:

Aber den Einfluss von dem, was die Eltern vorleben, ist nicht zu unterschätzen.

Sagen wir mal du fährt mit deinen Eltern ab deinem 5.Lebensjahr jeden Samstag im Schalke-Bus zum Heimspiel in die Nordkurve. Oder ihr geht jeden Samstag ins Museum.

Die Wahrscheinlichkeit, dass du...
Bier trinken wirst, rauchst, auf die Realschule gehst und eine Ausbildung machst, um was 'vernünftiges' zu lernen
oder
im Bioladen einkaufen gehst, die Grünen wählst, Nordic Walking machst, den Wert eines Universitätsstudiums vermittelt bekommst
...beeinflusst das schon.

Ich sage nicht, determiniert, sondern: beeinflusst.
Und wenn du dann einen Herzinfarkt bekommst und sagst "Es war ja meine Entscheidung, mit 15 mit dem Rauchen zu beginnen und Fastfood zu essen". Oder mit 45 arbeitslos wirst und sagst "Es war ja meine Entscheidung, kein Studium zu machen" ... ist schwierig.

Natürlich hat man entschieden?
Aber hat man entschieden?
Gott ist Liebe
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Anmeldungsdatum: 10.03.2008
Beiträge: 1105
Wohnort: Schweiz, männlich

BeitragVerfasst am: 18 Feb 2009 - 10:11:19    Titel:

Liebe fullmoongirl

Es gibt ja auch die mangelnde Deliktsfähigkeit Volljähriger. Das beurteilt sich mitunter auch an der Frage nach der Zurechnungsfähigkeit, letztlich aber auch an der Frage, ob der Mensch einen freien Willen ausüben könne.

Unter anderem orientiert sich eine Antwort auf Deine Frage am Grundsatz, dass Nichtwissen nicht vor dem Gesetz schützt. Dabei geht es ja letztlich auch um den Opferschutz, insbesondere wenn man beispielsweise an andere Delikte denkt, wie z.B. Sexualdelikte, Gewalt etc.

Das, was man als Delikts- bzw. Handlungs- oder als Zurechnungsfähigkeit bezeichnet, setzt beim Menschen voraus, dass er sich des Schadens bewusst ist, den er bei einem Verbrechen oder Vergehen anrichtet, das Unrecht einsieht und dass er einsichtsgemäss handeln kann. Diese Fähigkeit besitzt ein Mensch, auch wenn ihm seine Eltern nicht explizit erklärt haben, was erlaubt sei und was nicht, denn jeder Mensch bzw. die meisten Menschen haben ein Gewissen.

Was aber passiert, wenn einer ganzen Kultur die Tradition der Gewissensprüfung fehlt? Ursachen? Folgen?

GIL
Kotzi
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Anmeldungsdatum: 21.10.2008
Beiträge: 134

BeitragVerfasst am: 18 Feb 2009 - 11:57:30    Titel:

Muss man dem Kind denn explizit sagen, dass Stehlen falsch ist? Mir wurde das auch nicht gesagt, dennoch weiß ich, dass es falsch ist. Es gibt ja nun kein Lehrbuch für Eltern diesbezüglich Razz . Es ist natürlich einfacher andere für meine Verfehlungen verantwortlich zu machen, letztendlich bin ich aber derjenige der klaut.
fullmoongirl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 56

BeitragVerfasst am: 18 Feb 2009 - 16:26:24    Titel:

Ich sehe es ein, dass sobald ich volljaehrig bin, die verantwortung uebernehmen sollte, was ich getan habe. also wuerde ich die grenze bei 18 jahre alt ziehen. waere das denn in der philosophische richtung anders?

an johnruizone: meinst du somit, dass ich nicht 100% schuldig bin, dass ich was gestohlen habe? (weil meine eltern zb. das auch mal gemacht haben oder mich nie wirklich fuers stehlen bestraft haben?)

also ihr meint, dass eine diebin die alleinige schuld und vernatwortung uebernomen hat. und was ist dann mit der geselllschaft und den eltern?sind sie nicht schuldig oder mitveranwortlich?
dornbusch
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Anmeldungsdatum: 26.10.2007
Beiträge: 3823

BeitragVerfasst am: 18 Feb 2009 - 16:59:01    Titel:

Hallo Vollmondmädchen (sorry, aber so klingt dein Name für ganz lieb)

Ich arbeite seit einiger Zeit mit Jugendlichen und Heranwachsenden. Seher oft höre ich als Antwort auf Kritik von diesen folgendes:

"ich war's nicht"
"keine Ahnung"
"warum"

Von einem sittlich gereiften Erwachsenen erwarte ich dagegen das Wissen und die Fähigkeit für Verantwortung. Nenne es Ethik, Moral und Gewissen.

Je mehr die Persönlichkeit eines Menschen reift, desto geringer wird der Einfluß der Eltern oder der Gesellschaft auf sie/ihn sein.

Mit den gesetzlichen Altersgrenzen hat das aber nichts zu tun.

Gruß Dornbusch
Gott ist Liebe
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Anmeldungsdatum: 10.03.2008
Beiträge: 1105
Wohnort: Schweiz, männlich

BeitragVerfasst am: 18 Feb 2009 - 20:24:25    Titel:

Liebe fullmoongirl

fullmoongirl hat folgendes geschrieben:
also ihr meint, dass eine diebin die alleinige schuld und vernatwortung uebernomen hat.

Ja. Jemand, der eine Tat verübt, kann die Verantwortung grundsätzlich nicht auf andere abschieben.

fullmoongirl hat folgendes geschrieben:
und was ist dann mit der geselllschaft und den eltern?sind sie nicht schuldig oder mitveranwortlich?

Nein, jedenfalls nicht solange die Gesellschaft oder die Eltern Dich nicht zur Straftat angestiftet haben oder sich in irgend einer Art an der Ausübung beteiligt haben. Allerdings können bestimmte Umstände bei der Strafzumessung eine Rolle spielen. Auch weise ich bei dieser Gelegenheit auf dieViktimologie hin, eine Wissenschaft, die sich mit den Beziehungsstrukturen zwischen Täter und Opfer beschäftigt (was aber bei Deinem Beispiel nicht von Belang ist).

Aber verlassen wir doch nun den juristischen/kriminologischen Bereich und wenden wir uns der Philosophie zu:

fullmoongirl hat folgendes geschrieben:
Ich sehe es ein, dass sobald ich volljaehrig bin, die verantwortung uebernehmen sollte, was ich getan habe.

Wie Dornbusch schon sagte, ist die Persönlichkeitsentwicklung bis hin zum reifen, zur Selbstverantwortung fähigen Menschen ein fliessender Prozess, der nicht mit einer bestimmten Altersgrenze verknüpft ist, sondern einher geht mit Wahrnehmungen, Einfühlungsvermögen, Respekt vor Grenzen und Selbsterkenntnis, nebst vielen andern Bereichen, wie Erkennen eines Lebensplans, Entwickeln von Zielen und deren Verfolgung etc. Was Diebstahl ist, lernen viele Kinder, und zwar sehr früh, nämlich im Spiel: Wer kennt sie nicht, die heftigen Reaktionen, wenn einer sich beim andern ein Spielzeug "ausleiht". Solche soziale Verhaltensnormen werden in der Gruppe eintrainiert und werden dem Kind schon in jungen Jahren bewusst gemacht. Ausserdem gibt's ja noch den kathegorischen Imerativ, was endlich einmal gesagt werden muss, wo wir uns doch hier in einem Philosopie-Forum bewegen.

GIL
johnruizone
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Anmeldungsdatum: 25.09.2008
Beiträge: 736

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2009 - 15:00:29    Titel:

@dornbusch
Zitat:
Von einem sittlich gereiften Erwachsenen erwarte ich dagegen das Wissen und die Fähigkeit für Verantwortung. Nenne es Ethik, Moral und Gewissen.


Wieviel Prozent der Erwachsenen würdest du anhand deiner bisherigen Erfahrung als sittlich gereift bezeichnen?

Nach deiner Definition würde ich sagen: Leute, die nicht stehlen, weil das Gesetz es verbietet und die Polizei sie verhaften würde, sondern weil sie einsehen, dass es falsch ist.


Die ethisch interessante Frage lautet: Gibt es überhaupt richtig und falsch?
Gibt es so etwas wie ein Gewissen, oder hat das Christentum das erfunden?
Gilt der kategorische Imperativ oder können wir tun und lassen was wir wollen, und nur die faktisch existierenden Gesetze hindern uns daran?

@fullmoongirl
Ich weiß es nicht. Tendiere aber doch eher zu schuldig.
fullmoongirl
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Anmeldungsdatum: 26.11.2006
Beiträge: 56

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2009 - 19:53:40    Titel:

an johnruizone: danke fuer die erste zustimmigkeit hier in dieser diskussion Smile

aber auch an die anderen danke.Ich finde die diskussion sehr interessant.

an Gott ist Liebe: um ehrlich zu sein, ich halte ein referat fuer das thema "schuld und verantwortung in menschen". ich habe dieses beispiel genommen, da es ein heikles thema in manchen laendern ist. ich weis leider auch das man dieses thema sehr weit auseinander nehmen kann. aber bis jetzt bin ich schon recht zufrieden mit dieser diskussion, da es mir schon viele antworten bzw. mein referat leichter gestaltet hat.
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