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Diebstahl von Toten
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qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 21 März 2009 - 14:30:17    Titel: Diebstahl von Toten

Hallo,

habe hier ein kleines Problem. kurz zum Sachverhalt:

"A sieht in einem Graben auf seinem Grundstück die Leiche des ihm flüchtig bekannten V liegen. A erkennt sofort, dass V eines natürlichen Todes gestorben ist. Um die "Gunst der Stunde" zu nutzen, zieht er nicht nur die wervolle Armbanduhr vom Arm des Toten, sondern bricht auch einen Goldzahn aus dessen Kiefer, um beides "zu Geld zu machen".
Danach benachrichtigt er den einzigen Angehörigen, den Sohn des Toten S."
§168 ist nicht zu prüfen!


Es geht hier nur um den Teil mit dem Zahngold. Ein vollendeter Diebstahl scheidet aus, da das Gold nicht fremd ist.
Nun stellt sich die Frage für mich: muss ich hier im Gutachten auch den versuchten Diebstahl ansprechen und danach abgrenzen, ob ein möglicher Rechtsirrtum des A ein untauglicher Versuch oder ein Wahndelikt ist?
Bieten sich anhand der Angaben überhaupt genug Anhaltspunkte um annehmen zu können, dass der Täter hier einem Irrtum unterliegt (also davon ausgeht, dass Gold sei "fremd").

Oder soll man in so einem Fall wo nichts genaues im Sachverhalt steht bezüglich den Annahmen des Täters das ganze lieber weglassen?


Zuletzt bearbeitet von qwertz am 25 März 2009 - 23:47:25, insgesamt einmal bearbeitet
Gregsen
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Anmeldungsdatum: 30.01.2006
Beiträge: 523

BeitragVerfasst am: 21 März 2009 - 16:39:22    Titel:

Fremd ist für den Täter eine Sache die nicht im allein- oder miteigentum des Täters steht. Daher sind die Uhr und das Gold fremde Sachen für den A. Es fehlt jedoch an nem gewahrsamsbruch weil V im Tod keine Sachherschaftswillen mehr haben kann. Er macht sich aber wegen Unterschlagung strafbar.

Oder nimmst du bei A einen generellen Besitzbegründungswillen an den Sachen des V an, wenn dieser auf seinem Grundstück stirbt? Wäre ne interessante überlegung.

Für einen untauglichen versuch oder einen anderen irrtum gibt Sachverhalt nichts her, daher würd ich es auch auf keinen Fall ansprüfen.
MaryAnn
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 21 März 2009 - 17:16:31    Titel:

In der JuS 2008, 1086 ist eine Fortgeschrittenenklausur drin, mit einem ähnlichen Zahngoldfall. Da wird durchaus eine Abgrenzung zum Wahndelikt vorgenommen.
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 21 März 2009 - 17:21:41    Titel:

Gregsen hat folgendes geschrieben:
Fremd ist für den Täter eine Sache die nicht im allein- oder miteigentum des Täters steht.

Das allein reicht aber nicht - die Sache darf auch nicht herrenlos sein.
Und da V nicht mehr Eigentümer ist und wohl die Erben - anders als bei der Uhr - auch nicht mit dem Tod Eigentümer geworden sind, dürfte das Zahngold hier wohl herrenlos und damit für den A nicht fremd sein.
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 21 März 2009 - 22:14:33    Titel:

Richtig Rhyeira, so hab ich das auch gelöst. Die Uhr ist natürlich fremd, aber kein Gewahrsamsbruch.
Das Gold ist herrenlos und somit nicht fremd für den Täter.



Zitat:
In der JuS 2008, 1086 ist eine Fortgeschrittenenklausur drin, mit einem ähnlichen Zahngoldfall. Da wird durchaus eine Abgrenzung zum Wahndelikt vorgenommen.


gab den dann der Sachverhalt etwas her dafür?




Tendiert ihr denn hier in dem Fall eher dazu den untauglichen Versuch anzusprechen? Dann müsste sich ja irgendwo raus ein Irrtum des Täters ergeben...


edit:

wenn ich hier einen versuch hinsichtlich des goldes prüfe müsste ich das gleiche doch auch hinsichtlich der Uhr tun oder nicht?
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 25 März 2009 - 23:18:44    Titel:

Zitat:
Fremd ist für den Täter eine Sache die nicht im allein- oder miteigentum des Täters steht. Daher sind die Uhr und das Gold fremde Sachen für den A. Es fehlt jedoch an nem gewahrsamsbruch weil V im Tod keine Sachherschaftswillen mehr haben kann. Er macht sich aber wegen Unterschlagung strafbar.


Bis auf den Teil mit der Fremdheit bzgl des Zahns trifft das zu. Der Zahn ist nicht fremd. Die Uhr sehrwohl.

Die Frage die sich mir immernoch stellt ist, ob ich hinsichtlich der UHR einen versuchten Diebstahl zu prüfen habe - da scheitert der vollendete Diebstahl an der Wegnahme (kein gewahrsam, weder beim Erben noch beim Toten).

Die Unterschlagung vollendet der A hinsichtlich der Uhr zweifellos. Aber kann ich A auch Tatentschluss hinsichtlich versuchten Diebstahls unterstellen?


Als weiteres Beispiel mal den Fall hier:
http://www.jurakopf.de/die-uhr-des-toten/

Wieso wird da kein Versuch des Diebstahls angeprüft, der Täter wird ja kaum gewusst haben, dass kein Gewahrsam vorhanden ist nur weil der Hausherr kürzlich verstorben ist....





Zitat:
In der JuS 2008, 1086 ist eine Fortgeschrittenenklausur drin, mit einem ähnlichen Zahngoldfall. Da wird durchaus eine Abgrenzung zum Wahndelikt vorgenommen.


Ja die habe ich auch gelesen, allerdings steht im Sachverhalt dort explizit drin, dass die Täter dachten, dass die Goldzähne den Erben zustehen würden. Da habe ich ja dann auch in jedem Fall ausreichende Informationen um die Versuchsprüfung durchzuführen.
Ronnan
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Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 2295
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BeitragVerfasst am: 26 März 2009 - 00:05:53    Titel:

das zahngold wird nicht vererbt weil es quasi ein körperteil ist da es die richtigen zähne ersetzt?
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 26 März 2009 - 00:10:49    Titel:

Ronnan hat folgendes geschrieben:
das zahngold wird nicht vererbt weil es quasi ein körperteil ist da es die richtigen zähne ersetzt?


Genau, dadurch verlieren die Zähne die Eigentumsfähigkeit - und mit dem Tod werden sie dann herrenlos.
Ronnan
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Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 2295
Wohnort: Karlsruhe, Residenz des Rechts

BeitragVerfasst am: 26 März 2009 - 00:13:46    Titel:

gibts dann (zivilrechtlich) ein vorangiges aneignugsrecht oder irgendsowas der erben oder malt zuerst wer zuerst kommt
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 26 März 2009 - 00:22:09    Titel:

Also zum Zahngold hab ich das hier noch gefunden:
http://www.alpmann-schmidt.de/downloads/entscheidung_monat_mai.pdf

da ist das verkürzt dargestellt (inkl den zwei verschiedenen ansichten dazu)
Da prüfen die auch keinen Versuch, hinsichtlich der Uhr bin ich mir aber nicht so sicher ob man den versuch dort auch einfach so ausschließen kann.
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