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Seit Repbeginn(quantitative)Überforderung und Leistungsdruck
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Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Seit Repbeginn(quantitative)Überforderung und Leistungsdruck
 
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Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 09:04:55    Titel: Seit Repbeginn(quantitative)Überforderung und Leistungsdruck

Hallo liebes Forum,

ich habe im März mit Hemmer angefangen und bin "eigentlich" sehr zufrieden damit (Lehrmethode, Art der Dozenten etc.). Mit den Inhalten habe ich keine Probleme, ich komme immer gut mit und kann auch gut mitarbeiten.

Was mir aber schwer zu schaffen macht, ist die enorme Menge des Stoffes. Da ich immer sehr perfektionistisch bin und möglichst jedes Detail, was am Rande mal angesprochen wurde, sofort nacharbeiten möchte und mir dann auch alles in eigenen Skripten nochmal festhalten bzw. alte Skripten ergänzen möchte, komme ich kaum hinterher, wenn man nicht 8 Stunden jeden Tag lernt. (Und das kann doch nicht gut sein und schaffe ich momentan auch psychisch nicht.)

Hinzu kommt, dass ich momentan noch viel Zeit für den Klausurenkurs benötige, weil die Klausuren für mich einfach noch zu schwer sind, da ich viele Sachen einfach noch nicht kenne, d.h. 1-2 Tage gehen schonmal für eine Klausur drauf.

Fakt ist, dass ich jetzt fast 10 Tage Zeit hatte und mir fest vorgenommen habe, alles nachzuarbeiten, aber der Leistungsdruck in meinem Kopf und die große Menge an Stoff hat schließlich dazu geführt, dass ich bis jetzt immernoch nichts gemacht habe. Heute hab ich den totalen Tiefpunkt, weil mich auch mein Gewissen plagt. Auch am Klausurenkurs habe ich die letzten Male nicht mehr teilgenommen wegen zeitlicher Überforderung.

Das Ärgerliche daran ist, dass ich bei den Fällen wirklich gut mitkomme, alles verstehe und mir das auch echt Spaß macht, aber dass ich danach durchdrehe, wenn ich an die Masse denke und diese Gedanken dazu führen, dass ich nicht mehr nacharbeite.

Wie habt ihr das gemacht? Ist das normal am Anfang? Ich weiß auch gar nicht, wie ich so richtig Lehrbücher etc. in die Examensvorbereitung einbeziehen kann, da ich schon so lange brauche, um bloß die Fälle nachzuarbeiten! Ich weiß auch nicht, wie ich das mit dem Wiederholen machen soll. Irgendwann in 3 Monaten habe ich sonst ja alles wieder vergessen. Question Confused

Würde mich über Erfahrungsberichte + Lösungsmöglichkeiten Smile freuen, ich bin im Moment echt verzweifelt. Sad
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 09:33:08    Titel:

Das klingt danach als würdest du dich in Details verlieren, das groooße Problem. Mein Rezept (das ich momentan aufgrund meines Auslandsaufenthaltes aber nur einmal die Woche mit Kapitalgesellschaftsrecht teste): Großlehrbücher und spezielle Artikel nur im absoluten Ausnahmefall. Kommentare nur bei Verknüpfungsproblemen mit anderen Fragen und Hintergrundfragen bei Wertungszweifeln. Plus Examensvorbereitung ganz streng einteilen in Lern- und Vertiefungsphase. In der Lernphase nur das unabdingbare Grundwissen draufschaffen und alles was darüber hinaus geht ganz ausblenden (fast alles davon ist im Examen irrelevant, das muss man sich immer wieder klar machen; hier verschenkt man Zeit und Energie!). Erst in der Vertiefungsphase kann man dann mit einem Gesamtbild im Kopf sich einzelne Detailprobleme ansehen. Nicht des materiellen Wissens wegen, sondern um das Verständnis zu prüfen und zu schärfen. Ob ein Problem wichtig oder weniger wichtig ist kann man Skripten meist gut entnehmen; Zweifelsfragen sollte der Repetitor beseitigen.

Das Wichtigste: Kein Perfektionismus, der Perfektionist wird vor dem Examen einen Nervenzusammenbruch erleiden! Du kannst nicht alles lernen was irgendwie relevant werden könnte, es ist unmöglich. Stoffauswahl ist der Schlüssel, vor jeder Beschäftigung mit einem Themenkomplex und einem Einzelproblem eine gedankliche Relevanzkontrolle durchführen.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 10:51:14    Titel:

StR-Tobi hat folgendes geschrieben:
Das klingt danach als würdest du dich in Details verlieren, das groooße Problem. Mein Rezept (das ich momentan aufgrund meines Auslandsaufenthaltes aber nur einmal die Woche mit Kapitalgesellschaftsrecht teste): Großlehrbücher und spezielle Artikel nur im absoluten Ausnahmefall. Kommentare nur bei Verknüpfungsproblemen mit anderen Fragen und Hintergrundfragen bei Wertungszweifeln. Plus Examensvorbereitung ganz streng einteilen in Lern- und Vertiefungsphase. In der Lernphase nur das unabdingbare Grundwissen draufschaffen und alles was darüber hinaus geht ganz ausblenden (fast alles davon ist im Examen irrelevant, das muss man sich immer wieder klar machen; hier verschenkt man Zeit und Energie!). Erst in der Vertiefungsphase kann man dann mit einem Gesamtbild im Kopf sich einzelne Detailprobleme ansehen. Nicht des materiellen Wissens wegen, sondern um das Verständnis zu prüfen und zu schärfen. Ob ein Problem wichtig oder weniger wichtig ist kann man Skripten meist gut entnehmen; Zweifelsfragen sollte der Repetitor beseitigen.


Vielen Dank erstmal, Tobi! Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine Examensvorbereitung in Wiederholungs- und Vertiefungsphase einteilen soll, wenn man ein Rep besucht. Es geht wirklich alle Zeit zum Nacharbeiten der Fälle und der darin auftretenden Probleme drauf, z.B. sind wir im BGB AT grad im Stellvertretungsrecht und viele der Probleme kannte ich noch überhaupt nicht, erstrecht nicht im Zusammenhang, wie sie in großen Fällen auftreten... In den anderen Fächern ist es ähnlich. Man hat für nichts anders Zeit. Wie soll man dann vernünftig irgendwann vertiefen? Das ist doch nur mit Vorbereitung ohne Rep möglich oder wenn man noch ein halbes Jahr dranhängt, was ich aber nicht machen werde, da ich meinen Freiversuch im April 2010 jedenfalls nutzen werde.

Wenn ich im Rep mitkommen will, MUSS ich die Fälle nacharbeiten und dann muss ich auch die Probleme schon erarbeiten. Lesen muss man dazu zwar nicht viel, wenn man aufpasst, da die Argumente immer in der Stunde genannt werden (insbes. im Strafrecht haben wir diesbzgl. einen sehr gute Dozenten) und außerdem ja in der Lösungsskizee auftauchen. Aber es ist trotzdem immens viel Arbeit, finde ich. Naja, und in einem Strafrechtsfall vom Rep kommen dann schon gut mal 5 Probleme drin vor, die man alle diskutieren muss. Confused

Hinsichtlich des Perfektionismus hast du Recht, aber es ist wirklich sehr sehr schwer abzustellen. Ich habe zwar auch im Studium schwerpunktmäßig gelernt und nie alles, aber jetzt im Rep denkt man halt bzw. ich denke halt, dass ich alles können muss oder zumindest möglichst viel können will - letztlich kommt es auf das gleiche hinaus: Man ist überfordert und nutzt dann selbst die Zeit, die man hat, nicht.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 10:59:01    Titel:

Man muss nicht alles können, das ist Quark. Lass dir das auch von den Repetitoren nicht einreden. Die verdienen mit der Angst der Leute ihr Geld.

Bezüglich der Zweiteilung hast du wahrscheinlich Recht. Die ist nur effektiv durchzuziehen wenn man der selbstbestimmten Examensvorbereitung den Vorzug gibt. Die Botschaft ist allerdings trotzdem klar: Ganz streng selektieren, nicht alles Vorgekaute auch Nachkauen. Kopf einschalten bei der Auswahl des Lernstoffes. Im Examen sind Grundlagen gefragt, nicht mehr und nicht weniger. Lässt man sich davon leiten sollte dem Stoffinfarkt eigentlich zuvorzukommen sein.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 11:01:06    Titel:

Ok, danke dir, werde mal schauen, wie sich das machen lässt...
Krawallbiene
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Anmeldungsdatum: 15.08.2005
Beiträge: 5181

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 11:02:29    Titel:

Hallo Marina!

Ich glaube, dass du dir wirklich einfach zuviel Druck machst. Das Stoffproblem hat wirklich jeder. Und wer sagt, das sei kein Problem, der lügt. Ich glaube das wissen wir alle.

Nur geht wohl auch jeder anders mit dem Problem um. Ich selbst bin ja jetzt auch schon fast nen halbes Jahr im Rep. Natürlich kommt bei mir auch immer wieder der Gedanke: man wie soll man sich das alles merken können, ABER ich lasse mich davon nicht runter ziehen. Das macht ja alles nur noch viel schlimmer und nützen tuts einem ja herzlich wenig.

Und wirklich alles kannst du bzw kann man eh nicht wissen. An den Gedanken sollte man sich vielleicht gewöhnen. Ich kann damit leben.
Lass dich nicht so runterziehen. Das wird schon.
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 11:08:37    Titel:

Das wichtigste hat Tobi - wie so oft - eigentlich schon gesagt. Ich unterlege die Ausführungen daher nur mit meinen eigenen Erfahrungen aus Examensvorbereitung und Examen.
Nicht umsonst wird häufig betont, dass das Grundlagenwissen der entscheidende Faktor im Examen ist. Nahezu jeder Prüfer weist daraufhin, dass das Gros der Klausuren nicht am fehlenden Detailwissen sondern an Grundlagenfehlern scheitert. Insoweit unterscheidet sich das Examen nachhaltig von den Fortgeschrittenenübungen. Hier mag es noch zu bewerkstelligen sein, den Prüfungsstoff flächendeckend unter der Einbeziehung etlicher Spezialprobleme aufzusaugen und dann im Klausurfall auch tatsächlich parat zu haben. Im Examen ist eine solche Vorgehensweise angesichts der Stoffmenge zum Scheitern verurteilt. Auf der anderen Seite ist man - wiederum anders als bei den Großen Übungen - im Examen aufgrund von fundiertem Grundlagenwissen und durch Klausurtraining erworbenes Problembewusstsein in der Lage, sich auch unbekannte Probleme selbständig zu erarbeiten. Das etwa in hemmer-Skripten vielfach angetroffene Postulat, man müsse den Streit nicht kennen sondern nur erkennen, wird hier plötzlich plastisch.
Ich persönlich habe das Glück, über ein ausgesprochen gutes Gedächtnis zu verfügen, um das mich schon mancher Kommilitone beneidet hat. Gleichwohl habe ich, je weiter meine Examensvorbereitung rückte, zunehmend auf das Erlernen von Einzelproblemen und Detailwissen verzichtet. Es gibt davon einfach zu viel und die Wahrscheinlichkeit, dass im Examen tatsächlich Treffer gelandet werden, ist verschwindend gering. Das ist freilich eine Grundsatzdebatte, die ich vielfach mit Kommilitonen ausgefochten habe. M.E. wird in völlig übertriebener Weise versucht, sich Spezialprobleme, besondere Fallgestaltungen etc. einzuprägen und überdies danach gestrebt, auch noch die letzte Fallvariante und Abwandlung in concreto nachzuvollziehen.
Indes läuft man hierdurch Gefahr, sein Gedächtnis zu überladen und sich den Blick aufs Wesentliche zu verstellen. Im Examen sieht man dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Sicher gibt es Standardprobleme, die man beherrschen sollte. Den Schwerpunkt der Klausur machen diese aber so gut wie nie aus. Dieser erschließt sich aber bei vorhandenem Problembewusstsein und ist mit entsprechender Argumentationsgabe auch lösbar.
In diesem Zusammenhang dürfen auch ein paar warnende Worte bzgl. des hemmer-Klausurenkurses erlaubt sein: Hier wird nämlich eine Abprüfung von Detailwissen vorgenommen (und auch entsprechend korrigiert) wie es in der Examenspraxis schlichtweg nicht vorkommt. Das sieht man auch, wenn man parallel den Klausurenkurs seiner Uni besucht.
Wer sich schwertut, dies zu glauben, der möge einmal Ausbildungsliteratur zu rate ziehen, in denen der Autor Erfahrungen aus seiner Klausurerfahrung im Examen preisgibt (etwa Schwerdtfeger, Öffentliches Recht in der Fallbearbeitung; Schumann, Die ZPO-Klausur oder Arzt, Die Strafrechtsklausur). Spätestens hier wird ersichtlich, wo das eigentlich Problem liegt und warum es bei unbefangener Bearbeitung, die sich auf fundiertes Grundlagenwissen und Methodik beruht, tendenziell eher vermeidbar ist.
Ich halte solche Grundlagenbücher übrigens generell für sehr hilfreich. Zu erwähnen wäre da etwa noch Frenz, Öffentliches Recht, wo sicher nicht von ungefähr im Vorwort darauf hingewiesen wird, dass den Autor häufig Emails erreichen, in denen ihm gedankt wird, weil sein Buch die Grundlage des Prädikatsexamen des Dankenden gewesen sei.
Berücksichtig man all dies, so lässt man sich auch nicht mehr so leicht von der Stoffmenge erschlagen, zumal wenn man sich vor Augen hält, dass diese niemand auch nur annähernd flächendeckend beherrschen kann.


Zuletzt bearbeitet von Shafirion am 17 Apr 2009 - 11:10:13, insgesamt einmal bearbeitet
Marina85
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 11:09:48    Titel:

Dankeschön, Krawallbiene! Mir haben auch schon Leute, die ein halbes Jahr dabei sind, gesagt, dass man sich daran gewöhnt und sich das irgendwann einpendelt. Allerdings hat mir das jemand am ersten Tag erzählt und da wusste ich ja noch gar nicht, was er meinte.

Ich lasse mich ja auch nicht von dem Gedanken runterziehen: Ich werde nie alles können. Mich zieht halt runter, dass ich alles nacharbeiten möchte und das nicht schaffe (insbes. im Moment wegen des Klasurenkurses) und jetzt hab ich schon 10 Tage nichts gemacht und fange jetzt an, mich irgendwie dem Problem zu stellen.

Ich finde es im Moment schwierig, mit dem Problem umzugehen, da ich eben nicht genau weiß, wie ich richtig vorgehen soll und da es jetzt ums Examen geht und nicht mehr nur um Klausuren oder Schwerpunkt (der ja auch eine andere Bedeutung als die Staatsprüfung hat).
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2009 - 11:15:28    Titel:

Shafirion hat folgendes geschrieben:
Das wichtigste hat Tobi - wie so oft - eigentlich schon gesagt. Ich unterlege die Ausführungen daher nur mit meinen eigenen Erfahrungen aus Examensvorbereitung und Examen.
Nicht umsonst wird häufig betont, dass das Grundlagenwissen der entscheidende Faktor im Examen ist. Nahezu jeder Prüfer weist daraufhin, dass das Gros der Klausuren nicht am fehlenden Detailwissen sondern an Grundlagenfehlern scheitert. Insoweit unterscheidet sich das Examen nachhaltig von den Fortgeschrittenenübungen. Hier mag es noch zu bewerkstelligen sein, den Prüfungsstoff flächendeckend unter der Einbeziehung etlicher Spezialprobleme aufzusaugen und dann im Klausurfall auch tatsächlich parat zu haben. Im Examen ist eine solche Vorgehensweise angesichts der Stoffmenge zum Scheitern verurteilt. Auf der anderen Seite ist man - wiederum anders als bei den Großen Übungen - im Examen aufgrund von fundiertem Grundlagenwissen und durch Klausurtraining erworbenes Problembewusstsein in der Lage, sich auch unbekannte Probleme selbständig zu erarbeiten. Das etwa in hemmer-Skripten vielfach angetroffene Postulat, man müsse den Streit nicht kennen sondern nur erkennen, wird hier plötzlich plastisch.
Ich persönlich habe das Glück, über ein ausgesprochen gutes Gedächtnis zu verfügen, um das mich schon mancher Kommilitone beneidet hat. Gleichwohl habe ich, je weiter meine Examensvorbereitung rückte, zunehmend auf das Erlernen von Einzelproblemen und Detailwissen verzichtet. Es gibt davon einfach zu viel und die Wahrscheinlichkeit, dass im Examen tatsächlich Treffer gelandet werden, ist verschwindend gering. Das ist freilich eine Grundsatzdebatte, die ich vielfach mit Kommilitonen ausgefochten habe. M.E. wird in völlig übertriebener Weise versucht, sich Spezialprobleme, besondere Fallgestaltungen etc. einzuprägen und überdies danach gestrebt, auch noch die letzte Fallvariante und Abwandlung in concreto nachzuvollziehen.
Indes läuft man hierdurch Gefahr, sein Gedächtnis zu überladen und sich den Blick aufs Wesentliche zu verstellen. Im Examen sieht man dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Sicher gibt es Standardprobleme, die man beherrschen sollte. Den Schwerpunkt der Klausur machen diese aber so gut wie nie aus. Dieser erschließt sich aber bei vorhandenem Problembewusstsein und ist mit entsprechender Argumentationsgabe auch lösbar.
In diesem Zusammenhang dürfen auch ein paar warnende Worte bzgl. des hemmer-Klausurenkurses erlaubt sein: Hier wird nämlich eine Abprüfung von Detailwissen vorgenommen (und auch entsprechend korrigiert) wie es in der Examenspraxis schlichtweg nicht vorkommt. Das sieht man auch, wenn man parallel den Klausurenkurs seiner Uni besucht.
Wer sich schwertut, dies zu glauben, der möge einmal Ausbildungsliteratur zu rate ziehen, in denen der Autor Erfahrungen aus seiner Klausurerfahrung im Examen preisgibt (etwa Schwerdtfeger, Öffentliches Recht in der Fallbearbeitung; Schumann, Die ZPO-Klausur oder Arzt, Die Strafrechtsklausur). Spätestens hier wird ersichtlich, wo das eigentlich Problem liegt und warum es bei unbefangener Bearbeitung, die sich auf fundiertes Grundlagenwissen und Methodik beruht, tendenziell eher vermeidbar ist.
Ich halte solche Grundlagenbücher übrigens generell für sehr hilfreich. Zu erwähnen wäre da etwa noch Frenz, Öffentliches Recht, wo sicher nicht von ungefähr im Vorwort darauf hingewiesen wird, dass den Autor häufig Emails erreichen, in denen ihm gedankt wird, weil sein Buch die Grundlage des Prädikatsexamen des Dankenden gewesen sei.
Berücksichtig man all dies, so lässt man sich auch nicht mehr so leicht von der Stoffmenge erschlagen, zumal wenn man sich vor Augen hält, dass diese niemand auch nur annähernd flächendeckend beherrschen kann.


Vielen lieben Dank für diesen ausführlichen Beitrag! Der hilft mir sehr.
Nur ich frage mich konkret, wie ihr mit dem Hemmerkurs umgegangen seit? Ich mache es im Moment noch so, dass ich jedes einzelne Problem nacharbeiten möchte, aber ich merke, dass mich diese Vorgehensweise schon nach 4 Wochen fertig macht. Außerdem habe ich ein ungutes Gefühl bei dieser Vorgehensweies. Ich schaue mir zwar auch immer das Drumherum an und wiederhole etwas davon, aber dieses (fast ausschließliche) Problemlernen nervt mich irgendwie total.
Ich weiß einfach nicht, was wichtig ist und was nicht.

Andererseits sagen selbst unsere Dozenten, dass man im Examen häufig nur Probleme erkennen und andeuten kann, aber oftmals gar nicht die Zeit habe, große Streitstände zu führen.


Zuletzt bearbeitet von Marina85 am 17 Apr 2009 - 11:18:49, insgesamt einmal bearbeitet
Diablo1
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Anmeldungsdatum: 16.09.2007
Beiträge: 64

BeitragVerfasst am: 29 Jul 2009 - 19:27:11    Titel:

Ich bin auch in der Examensvorbereitung. Aber ich kann mich nicht jeden Tag dazu motivieren, zu lernen. Wie habt ihr das gemacht, Wo habt ihr gelernt. Bibo oder zu Hause?
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