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Bertolt Brecht ,,Mutter Courage und ihre Kinder"
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MightyWarrior
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Anmeldungsdatum: 19.05.2007
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: 23 Apr 2009 - 18:47:49    Titel: Bertolt Brecht ,,Mutter Courage und ihre Kinder"

Ich habe bis nächste Woche folgende Aufgabe zu erfüllen: Erkläre anhand des Inhalts und der Personenkonstellation, warum Mutter Courage nicht zu Unrecht als ,,Hyäne des Schlachtfelds" bezeichnet wird. Gehe besonders darauf ein, warum die Protagonisten im Drama weniger als Individuen denn als Typen zu sehen sind, wofür steht ,,die Mutter", wofür ,,ihre Kinder"?
Zeige aufgrund deiner Ausführungen, warumm Mutter Courage und ihre Kinder ein gutes Beispiel für das epische Theater ist und erkläre, welchen Zweck der ,,Verfremdungseffekt" hat.
Ich habe folgendes geschrieben:

Bertolt Brecht wird 1898 in Augsburg als Sohn eines Angestellten, der später zum Direktor einer Papierfabrik aufgestiegen ist, geboren und stirbt im Jahre 1956 in Berlin. Er hat Literatur, Philosophie, und später Medizin studiert. Brecht ist Lyriker, Erzähler, und in erster Linie Dramatiker und ist der Schöpfer des „epischen Theaters“. Eines seiner berühmtesten Werke ist ,,Mutter Courage und ihre Kinder“.
In „Mutter Courage und ihre Kinder“ geht es um eine Frau, die im 30-jährigen Krieg ihre drei Kinder nur mit Hilfe des Krieges versorgen kann, und gleichzeitig eines nach dem anderen verliert.
Anna Fierling, auch Mutter Courage genannt, zieht im Jahre 1624, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, mit ihren drei Kindern Eilif, Schweizerkas, ihrer stummen Tochter Kattrin und ihrem Marktwagen, durchs Land. In Darlene begegnen sie einem Feldwebel und einem Werber, die für den Feldzug in Polen Soldaten suchen. Als Wahrsagerin sagt sie dem Feldwebel, aber auch ihren eigenen Kindern den Tod voraus, um ihren Sohn von dem Soldatenleben fernzuhalten, was ihr aber durch einen Handel, der sie ablenkt, nicht gelingt. 1625/26 trifft sie ihren Sohn Eilif, als Soldatenheld, in Polen wieder. Auf seine Heldentat, einen Bauern zu erschlagen und sein Vieh zu stehlen, reagiert sie sehr negativ.
Drei Jahre später gerät Mutter Courage, gemeinsam mit dem finnischen Regiment, in die Gefangenschaft der Katholiken. Ihr Sohn Schweizerkas, ist Zahlmeister geworden und verwaltet die Regimentskasse, doch als er diese vor den Katholiken in Sicherheit bringen will, wird er erwischt und in Gefangenschaft genommen. Um ihn freikaufen zu können, versucht die Courage, ihren Marktwagen an den Obristen der Lagerhure Yvette, zu verpfänden, doch durch ihre Geldgier und die lange Feilscherei um den Preis, verliert sie doch ihren Sohn Schweizerkas.
Sie gerät immer wieder in den Konflikt, aus dem Krieg Profit zu machen und ihre Mutterrolle wahrzunehmen.
Ihr zweiter Sohn Eilif wird zum Tode verurteilt, weil er zur Zeit des Friedens eine Bauersfrau umgebracht hat. 1636 wird auch ihre Tochter Kattrin erschossen, da sie versucht die Stadt Halle vor der Gefahr der kaiserlichen Truppen zu warnen.
Im Unwissen über den Tod ihres zweiten Sohnes, zieht die Courage mit ihrem Wagen weiter, ohne etwas aus ihrem Verhalten im Krieg gelernt zu haben.

Mutter Courage will ihre Kinder aus dem Krieg heraushalten, als sie jedoch einem Feldwebel eine Schnalle verkaufen will, wirbt ein anderer Werber ihren Sohn Eilif an. Hier zeigt sich ein Widerspruch zwischen Mutter und Händlerin. Sie stellt die Interessen der Händlerin über die Mutter. Ihr Programm, sich aus dem Krieg rauszuhalten und vom Krieg zu verdienen, kann sie nicht verwirklichen, sie muss dem Krieg auch etwas geben. Das Verhältnis der Courage zum Krieg ist wirtschaftlich, d. h. sie sucht im Krieg ihren Vorteil. Sie muss den Krieg also bejahen und wird deshalb vom Feldprediger als ,,Hyäne des Schlachtfeldes » bezeichnet. Während andere sich über den Frieden freuen, bedeutet er für sie den Ruin. So wie sie auch ihren ersten Sohn während eines Handels verloren hat, so verliert sie auch ihren 2. Sohn Schweizerkas. Sie ist zu spät dazu bereit gewesen, ihren Karren für das Leben ihres Sohnes einzutauschen. Sie stellt wieder ihr wirtschaftliches Interesse vor das Leben ihrer Kinder.
Courage bezahlt ihre ökonomischen Interessen mit dem Verlust ihrer drei Kinder und am Ende auch mit dem persönlichen Ruin.

Eilif ist der ältere und tapfere Sohn. Er geht zugrunde, weil er sich selbst treu bleibt und so im Sinne seiner Mutter handelt. Im Krieg ist er der große Held, weil er brutal die Bauern erschlägt und ihnen das Vieh raubt. Er wird für seine Tat ausgezeichnet. Im Frieden tut er das gleiche, doch nun gilt er als Verbrecher, und wird erschossen. Eilif muss sterben, weil er seiner Mutter nachlebt und sie ihm nicht beigebracht hat, wie man sich unter den jeweiligen Bedingungen verhält.

Schweizerkas ist so ehrlich, dass er die Regimentskassa auch dann nicht an den Feind ausliefert, als sein Leben bedroht wird. Er hat dabei nicht den eigenen Vorteil im Sinn, sondern handelt nur ehrlich, so wie es ihm seine Mutter gelehrt hat. Auch er kann nicht abwägen, wie in einer besonderen Situation gehandelt werden muss.

Um Kattrin, ihre stumme Tochter, ist Mutter Courage besonders besorgt, doch die verunstaltete Wunde erhält Kattrin, als sie für ihre Mutter Waren abholt. In der zehnten Szene versucht Kattrin mit Trommelschlägen die Bürger der Stadt Halle vor dem bevorstehenden Überraschungsangriff zu warnen. Diese völlig uneigennützige Tat kostet Kattrin das Leben. Die Bauern, denen das Haus gehört auf dessen Dach Kattrin trommelt, sind genauso wie Courage. Sie wollen sich heraushalten, auch wenn Mitmenschen dabei ums Leben kommen.

In der Person Mutter Courage erkennt man den Überlebenstrieb, den ein Mensch hat. Sie gab das zu erkennen, als sie lieber den Planwagen behalten hat anstatt ihren Sohn freizukaufen. Aber auch die Zähigkeit und Ausdauer der Menschen erkannte man an Mutter Courage, ihrer Tochter und dem Feldprediger, denn es ist kein Zuckerlecken viele Jahre während des 30-jährigen Krieges durch Europa zu ziehen.

Meiner Meinung nach ist das Drama “Mutter Courage und ihre Kinder” von Bertolt Brecht sehr empfehlenswert, da es durch die Art des epischen Theaters einmal eine andere Art von Drama darstellt.
Das epische Theater reiht die Szenen ohne dramatischen Aufbau erzählend nebeneinander. Durch die erzählende Form, durch eingestreute Provokationen, Zwischengesänge und Selbsterklärungen der Personen versucht Brecht den Zuschauer aus der passiven Haltung zu lösen und ihn zu einer kritischen Stellungnahme zu dem Dargestellten zu bringen. Das Geschehen läuft auch nicht mehr dramatisch auf Höhepunkt, Katastrophe und Lösungen zu.
Brecht will mit dem epischen Theater den Zuschauer in einer kritischen Distanz zu dem auf der Bühne Dargestellten halten. Er will dem Zuschauer keine allgemeingültigen Lösungen vorexerzieren, sondern zum Nachdenken anregen.
Ansonsten ist “Mutter Courage und ihre Kinder” ein wirklich etwas andersartiges, aber dennoch sehr empfehlenswertes Drama.


Was könnte ich verbessern bzw. verändern?
Danke und Lg
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