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Wie lernt sichs eigentlich im Jurastudium?
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Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Wie lernt sichs eigentlich im Jurastudium?
 
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derjim
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Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 906

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 05:03:43    Titel:

Zitat:

Welche Teile des Rechts muss man gut überschauen oder sogar auswendig können?


alle. deshalb heisst es ja auch Einheitsjurist. Alternativ gehst du zur FH als Abätschelor Cool


Zitat:

Was lässt man in der Regel gänzlich außer Acht?


erstens den gesunden Menschenverstand und zweitens die Rücksicht auf jegliche eigene körperliche und seelische Bedürfnisse (besonders in der Zeit der Examensvorbereitung)

Zitat:

Was genau lernt ein Jurastudent den lieben langen Tag?


Was sich andere , die bereits Juristen sind, sich irgendwann einmal auf dem Klo ausgedacht und dann in furchtbar wichtigen Fachblättern oder Entscheidungen abgelassen haben.


Zitat:

Woher bekomme ich einen guten, anschaulichen und möglichst wenig abschreckenden Gesamtüberblick über unser Recht, wenn ich mit all dem noch gar nichts anfangen kann?


Ich empfehle in so einem Fall immer das gute alte von Uwe Wesel: alles was Recht ist. schön klein und kompakt und deckt mit groben Überblick alles ab,
Daphney
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Anmeldungsdatum: 03.05.2009
Beiträge: 214

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 09:55:17    Titel:

Danke für eure Antworten.

Es gibt ja zu einigen Fällen unterschiedliche Lehrmeinungen/Entscheidungen. Darf man sich das dann in seiner Argumentation aussuchen oder sollte man sich nach BGH richten, wenn der was dazu gesagt hat?

Und wie sieht das aus, man KANN ja gar nicht alle Gesetze kennen, niemand tut es, behauptet zumindest Haft, wie geht man denn dann vor?
Und wieviel Anteil lernt man "auswendig" und wieviel "löst" man Fälle? Wieviel Anteil hat man Grobüberblick darüber "wo was steht" (geht das?), wieviel ist wirklich gelernt, wieviel ist eigens überlegt und zusammengeschustert?
Wie lange arbeitet man mit Fällen, wie verändert sich das Lernen im Laufe der Semester? Jaja, viele Fragen. Aber die Frage WAS ihr lernt, ist immernoch nicht so richtig beantwortet. Lernt ihr Paragraphen auswendig? Wenn nicht, was dann? Wenn zum Teil, was noch?

Das Buch will ich mir besorgen, habe jetzt schon öfter gelesen, dass es gut sein soll.
Daphney
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Anmeldungsdatum: 03.05.2009
Beiträge: 214

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 09:57:42    Titel:

Ah, vielleicht hat es jemand abzugeben? Smile Neu ist es recht teuer. :/
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 13:33:41    Titel:

Nur kurz was mir spontan so einfällt:

Ziel des Jura-Studiums ist es zu lernen, jede erdenkliche Rechtsfrage vertretbar lösen zu können. Man lernt die Systematik von Gesetzes, die Auslegung ebensolcher, mit verfassungsrechtlichen Implikationen umzugehen und allerlei mehr. Um sich das notwendige Handwerkszeug draufzuschaffen, werden viele einzelne Rechtsgebiete gelehrt. Dabei gilt: Der Weg ist das Ziel. Öffentliches Baurecht lernt man nicht, um ein Experte im öffentlichen Baurecht zu werden, sondern um mit den besonderen Problemstellungen des öffentlichen Rechtes vertraut zu werden, damit man später selbstständig solche Probleme aufarbeiten kann - Baurecht oder nicht. Diese Rechtsgebiete muss man allerdings durchdrungen haben, um Fälle lösen zu können. Man muss die Grundstrukturen der Gesetze verstanden haben, die dahinter stehenden Wertungen und Konflikte. Das ist Knochenarbeit.

Auswendig lernen muss man insofern, als man die Bedeutung hinter unklaren Begriffen lernen muss (was ist z.B. eine Körperverletzung i.S.d. § 223 StGB, das Gesetz definiert es nirgendwo) - Gesetze selber muss man nie auswendig lernen. Man muss aber lernen sich in Gesetzen zurecht zu finden und sehr viele Gesetze (z.B. das BGB oder die VwGO) kennt man nach genügend Übung quasi in- und auswendig, weiß also sofort wo welche für einen relevante Normen zu finden sind. Das kommt aber automatisch durch den vielen Umgang mit dem Gesetz.
Asterisque
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Anmeldungsdatum: 03.05.2006
Beiträge: 576
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 15:16:03    Titel:

Daphney hat folgendes geschrieben:
Danke für eure Antworten.

Es gibt ja zu einigen Fällen unterschiedliche Lehrmeinungen/Entscheidungen. Darf man sich das dann in seiner Argumentation aussuchen oder sollte man sich nach BGH richten, wenn der was dazu gesagt hat?


Tja, die Antwort wird dich jetzt vielleicht schockieren... aber du musst alle Meinungen kennen (sog. Meinungsstreit), diese innerhalb einer Falllösung darstellen und dich dann argumentativ einer anschließen. Es gibt meistens eine herrschende Meinung (hM), manchmal auch Rechtsprechung und herrschende Lehre. Im ersten Examen ist es "egal" welcher Meinung du dich anschließt solange du entsprechend argumentierst... im zweiten Examen muss man sich stets der Rechtsprechung anschließen.
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 15:38:16    Titel:

So einfach ist es in Bezug auf das 1. StEx leider auch nicht, das wolltest du durch die Gänsefüßchen wahrscheinlich ausdrücken. Nur ergänzend deshalb: Theoretisch kann man sich für alle vertretbaren (d.h. grds. bereits von Rechtskundigen vertretenen) Meinungen entscheiden, oft muss man aber aus einem "Weiterdenken" des Falles heraus entscheiden, welche Meinung am besten in die Klausur passt. Das nennt man einen klausurtaktischen Streitentscheid. Die Entscheidung für die ein oder andere Meinung hat oft nicht nur Schönheitswert, sondern entscheidet über die Aufarbeitung von Folgeproblemen. Unter anderem derlei anzuwendende Klausurtaktik macht juristische Klausuren extrem schwer.
MichelNobel
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Anmeldungsdatum: 16.02.2009
Beiträge: 242

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2009 - 21:01:07    Titel:

Zitat:
Tja, die Antwort wird dich jetzt vielleicht schockieren... aber du musst alle Meinungen kennen (sog. Meinungsstreit), diese innerhalb einer Falllösung darstellen und dich dann argumentativ einer anschließen


muss man ALLE Meinungsstreits im 1.Examen auswendig wissen? Aus ÖffR,Zivil und StrafR??? Shocked
qwertz
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Anmeldungsdatum: 21.02.2006
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 23 Mai 2009 - 00:51:17    Titel:

restlos alle zu kennen dürfte kaum möglich sein.

ich denke wichtig ist, dass man Problembewusstsein hat und ggf. auch in der Lage ist, ohne einschlägige "Meinungen" zu kennen anhand des Gesetzes verschiedene Auslegungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 23 Mai 2009 - 09:31:21    Titel:

qwertz hat folgendes geschrieben:

ich denke wichtig ist, dass man Problembewusstsein hat und ggf. auch in der Lage ist, ohne einschlägige "Meinungen" zu kennen anhand des Gesetzes verschiedene Auslegungsmöglichkeiten zu erarbeiten.


Schon nach erst 2,5 Monaten Rep würde ich das sofort bestätigen. Entscheidend ist es zu lernen, wie man Argumente findet, ohne den Streitstand auswendig zu kennen. Die Masse an Streitständen fällt mir jetzt im Rep erst auf; es ist unmöglich, alles auswendig zu lernen und auch wenig sinnvoll, da man ohnehin wieder vergisst. Und die Art und Weise zu argumentieren lerne ich richtig erst jetzt im Rep, vorher hat man doch noch oft versucht, sich alles zu merken.

Es ist schon von großem Vorteil, wenn man das Problem kennt. Wenn das nicht der Fall ist, muss man Problembewusstsein entwickeln, so dass man eben auch mit völlig fremden Materien umgehen kann.
MichelNobel
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Anmeldungsdatum: 16.02.2009
Beiträge: 242

BeitragVerfasst am: 23 Mai 2009 - 10:37:11    Titel:

Marina hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Entscheidend ist es zu lernen, wie man Argumente findet, ohne den Streitstand auswendig zu kennen.



Kannst du Uns hierfür einen kleinen Einblick geben oder ein kleines Beispiel?
Das wäre nett!

LG
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