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Mit S oder OHNE S, wann und warum?
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ctnghia
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Anmeldungsdatum: 14.05.2009
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: 05 Jun 2009 - 19:43:29    Titel: Mit S oder OHNE S, wann und warum?

Bundeswehrbescheinigung
oder
Bundeswehrsbescheinigung


Motivationsschreiben
oder
Motivationschreiben


Man schreibt Bundeswehrbescheinigung und Motivationsschreiben.
Ich kann mir jedoch nicht erklären, kann jemand mir weiterhelfen?
Klimperkasten
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Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3408

BeitragVerfasst am: 05 Jun 2009 - 23:33:29    Titel:

Das ist eine gute Frage! - Das "S" ist ja ein Genitiv-S, kein Plural-S, das es ja auch im Deutschen bei manchen Wörtern gibt. Zum Beispiel beim Eigennamen: Die Müllers, die Schmidts....

Das Genitiv-S ist dort zu finden, wo man das Wort ohne "S" nicht gut aussprechen könnte.

Eine bessere Begründung fällt mir nicht ein. Es scheint mir auch Willkür zu sein. - Wenn ich mir das Wort "Schafskäse" ansehe, so stelle ich fest, dass es duchaus auch ohne Genitiv-S aussprechbar sein könnte. - Sogar besser!

Schafkäse - Schafskäse

Die zweite Version hat sich durchgesetzt.

Nun, als Muttersprachler dürfte man keine Schwierigkeiten damit haben. - Der Deutsch lernende Ausländer hat es da schon schwerer. - Er muss jedes zusammen gesetzte Wort gesondert lernen.

Klimperkasten Wink
oberhaenslir
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Anmeldungsdatum: 20.09.2007
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 05 Jun 2009 - 23:48:51    Titel: Bundeswehrbescheinigung = Bescheinigung der Bundeswehr

.

Bundeswehrbescheinigung = Bescheinigung der Bundeswehr

Wehrsschliessung = Schliessung des Wehrs


Motivationschreiben = Schreiben betreffend die Motivation

Bundesvertrag = Vertrag des Bundes

.
Zwanglos
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Anmeldungsdatum: 11.10.2006
Beiträge: 2912
Wohnort: Taipeh

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2009 - 02:25:44    Titel:

Ich zitiere „Die Wortbildung des Deutschen: Ein Überlick” (zweite, überarbeitete Auflage) von Elke Donalies.

Zitat:

Seite 42

3.6 Das Fugenelement

Wortbildungsprodukte bestehen im Deutschen vor allem aus Wörtern, Konfixen und Wortbildungsaffixen, die miteinander kombiniert werden, z.B. zwischen Hut und Schachtel, befindet sich die Fuge:

Hut [Fuge] schachtel.

Die Fuge ist meist leer (z.b. bei Hutschachtel, identisch, unschön, bereden, vergolden), mitunter aber durch ein Fugenelement ausgefüllt (z.B. bei Hochzeitstorte):

Hochzeit [Fugen-s] torte

Fugenelemente finden sich offenbar vor allem in nominalen und adjektivischen Komposita . . . Nach Ortner et al. . . . weist „der weitaus größte Teil der Komposita” kein Fugenelement auf, nämlich 72,8% der nominalen und 69,2% der Adjektivkomposita ihres Korpus, wobei Ortner et al. zahlreiche Elemente als Fugenelemente sehen, die ich als Flexionsaffixe verstehe (z.B. das Genetiv-s in Haushaltsdefizit). Die Fuge bei Verbkomposite ist bislang weniger exakt erforscht; soweit zu erkennen, ist sie immer leer.

Im Deutschen finden sich in Komposita die Fugenelemente:

- -i- . . .
- -o- . . .
- -s- (z.B. Geschwindigkeitsrausch): Das einheimische Fugenelement -s- steht in der Regel in Komposita nach Ersteinheiten mit folgenden Suffixen: -heit (z.B. Schönheitswahn, mehrheitsfähig), -ion (z.B. Unionsvertreter, emotionsstark), -ität (z.B. Identitätskrise, realitätsfern), -keit/-igkeit (z.B. Flüßigkeitsdepot, höflichkeitshalber), -schaft (z.B. Freundschaftsdienst, gemeinschaftsfördernd), -ung (z.B. Heizungsmonteur, erwartungsgemäß). Darüber hinaus zeigt sich eine Tendenz, das Fugen-s- immer dann einzusetzen, wenn die Ersteinheit komplex ist, z.B. Hochzeit in Hochzeitstorte. Im Gegensatz dazu wird bei ähnlichen Komposita, deren Ersteinheit ein einsilbiges Wort ist, kein Fugen-s- verwendet (z.B. Zeitmaß). . . . Hier richtet sich die Verwendung des Fugenelements offenbar ganz nach der Ersteinheit.

Mitunter zeigen sich regionale Unterschiede, etwas schweizerisch Abfahrtzeit gegenüber bundesdeutschem Abfahrtszeit, österreichisch Fabriksarbeiter gegenüber bundesdeutschem Fabrikarbeiter . . .


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Klimperkasten
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Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3408

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2009 - 12:40:36    Titel:

Ich glaube, dass man folgende Regel aufstellen könnte:

Verb + Substantiv Arrow kein Genitiv-s
Z.B. Mietvertrag = Vertrag zum Mieten
Bratkartollel = Kartoffel zum Braten

Substantiv + Substantiv Arrow Genitiv-s nur dann, wenn das Substantiv im Genitiv a priori ein "s" hat.

Z.B. Schafskäse = Käse des Schaf(e)s
Gesichtscreme = Creme des Gesichts

Bei "Handcreme" kein "s", denn der Genitiv von " die Hand" ist "der Hand".

Man müsste als Muttersprachler auf "Versuch und Irrtum" fortfahren, um heraus zu finden, ob obige Erkenntnis ihre Richtigkeit hat.

Man kann freilich auch das oben empfohlene Buch lesen, das ich allerdings nicht kenne.

Sehr interessante Fragen werden hier von an der deutschen Sprache interessierten Ausländern gestellt! -

Dankesehr dem Themenstarter für die Fragenstellung!

Da wird einem die "Muttersprache" erst einmal so richtig bewusst!

Linguistische Grüße,

Klimperkasten
Wink
Zwanglos
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Anmeldungsdatum: 11.10.2006
Beiträge: 2912
Wohnort: Taipeh

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2009 - 13:23:53    Titel:

Klimperkasten hat folgendes geschrieben:
Substantiv + Substantiv Arrow Genitiv-s nur dann, wenn das Substantiv im Genitiv a priori ein "s" hat.

Z.B. Schafskäse = Käse des Schaf(e)s
Gesichtscreme = Creme des Gesichts

Bei "Handcreme" kein "s", denn der Genitiv von " die Hand" ist "der Hand".

Man müsste als Muttersprachler auf "Versuch und Irrtum" fortfahren, um heraus zu finden, ob obige Erkenntnis ihre Richtigkeit hat.


die Schwierigkeit -> der Grad der Schwierigkeit -> der Schwierigkeitsgrad...

Flüßigkeitsbehälter; die Freundschaftskrise; Herrschaftsland; erwartungsgemäß; Krankheitssymptome; Zusammensetzungsprozess; Belastungsgrad...

Das Genus der Ersteinheiten aller den obengenannten Zusammensetzungen ist weiblich, wobei der Genetiv mit der und nicht des gebildet wird. Ich glaube, dass ein Kompositum wenig mit dem Genitiv zu tun hat.
Zwanglos
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Anmeldungsdatum: 11.10.2006
Beiträge: 2912
Wohnort: Taipeh

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2009 - 13:43:19    Titel:

Beau hat folgendes geschrieben:
Ja, wenn schon die Schweizer, die Deutschen und die Österreicher nicht einig sind... , was werden wir, arme Deutsch lernende Ausländer, my dear friend und ami Zwanglos?


Als Ausländer soll man vielleicht in nur eine Richtung studieren. Ich bin kein „Deutschlernender”, sondern ein „Hochdeutschlernender”. Hochdeutsch allein zu (er)lernen finde ich ausreichend schwierig Rolling Eyes Wenn ich ein Hochdeutschmeister werde, werde ich mich nur dann vielleicht für die andere Dialekte interessieren...
Beau
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Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 6875
Wohnort: Frankreich

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2009 - 15:01:03    Titel:

... und jetzt versuche ich zu verwenden, was ich hier eben gelernt habe...

- die Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft (mit drei "f"!)

- das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (Mecklenburg-Vorpommern!)
Klimperkasten
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Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3408

BeitragVerfasst am: 28 Jun 2009 - 20:49:16    Titel:

Zwanglos hat folgendes geschrieben:
Man will den Glottisschlag womöglich vermeiden?



Wäre möglich! Wink
Arborius
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Anmeldungsdatum: 07.03.2009
Beiträge: 383
Wohnort: Bin nicht mehr hier,

BeitragVerfasst am: 28 Jun 2009 - 23:11:52    Titel:

Ich denke, die Frage danach wann "s", wann nicht, müsste sich doch geklärt haben, oder?
Es ist kein Genitiv-s und hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Bei Komposita gibt es ein Fugen-Element, dass verschieden aussehen kann: wie ein Genitiv, wie ein Plural, gar nicht.

Hund + Hütte = Hundehütte (aber: ein Hund)
Haus + Boot = Hausboot
Mieten + Haus = Mietshaus.

Es gibt keine Regel, wie ein Fugen-Element aussieht. Weder Glottisverschlusslaut (Schnee + Eule) noch Genitiv.



Da fällt mir ein: Wo wohnt die Katze?
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