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Argumentationstechnik + Meinungsstreitigkeiten
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Berliner84
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Anmeldungsdatum: 04.11.2007
Beiträge: 73

BeitragVerfasst am: 07 Jun 2009 - 20:31:49    Titel: Argumentationstechnik + Meinungsstreitigkeiten

Hallo,

ich habe momentan das große Problem, dass ich in Übungen und Klausuren nicht (genug) Argumente für ein rechtliches Problem finden kann. Die Meinungsstreitigkeiten kann ich mir auch nicht alle merken, das ist einfach zu viel.

Gut, der Prüfungsaufbau, die Definitionen und wo ich die passenden Normen zu suchen habe, ist klar. Wie kommt ihr damit klar? Findet ihr immer leicht Argumente? Normalerweise würde man sagen "saug dir was aus den Fingern", aber so einfach ist es leider nicht immer.

Vllt. könnt ihr mir da weiter helfen.

Viele Grüße,
Mathias
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 08 Jun 2009 - 10:09:07    Titel:

Das ist so pauschal schwer zu beantworten. Hilfreich wäre es u.a. zu wissen, in welchem Abschnitt des Studiums du dich befindest. Vielleicht kannst du auch ein konkretes Beispiel nennen, bei dem du in der Klausursituation Schwierigkeiten hattest, sinnvolle Argumentationsmuster zu entwickeln.
Berliner84
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Anmeldungsdatum: 04.11.2007
Beiträge: 73

BeitragVerfasst am: 09 Jun 2009 - 17:40:39    Titel:

Also es geht generell um Klausuren im Zivil- und Strafrecht. Momentan bin ich im 2. Semester.
jones49
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Anmeldungsdatum: 04.06.2006
Beiträge: 373

BeitragVerfasst am: 09 Jun 2009 - 17:50:13    Titel:

Nach meiner Erfahrung ist es so, dass man die Dinge im 2. Semester rechtlich noch nicht wirklich versteht bzw. nur glaubt sie zu verstehen. Der "Aha-Effekt" kommt in vielen Gebieten erst später.

Deshalb sollte man die Meinungsstreitigkeiten und die dazugehörigen Argumente schon auswendig können. Das sollte im 2. Semester auch noch längst nicht "zu viel" sein. Später im Examen musst du den kompletten Stoff parat haben! Versuch es vielleicht mal mit Karteikarten, wenn du das noch nicht probiert hast.

Oft ist es bei den Meinungsstreits so, dass man sie entweder auswendig können muss, weil man sonst im Leben nicht darauf gekommen wäre. Teilweise sind die Streits so angelegt, dass die Argumente sehr offensichtlich sind und man nur den Streit ansich kennen muss.

Mit "Methodenlehre" und Systemverständnis wirst du im 2. Semester kaum arbeiten können; das bringt häufig selbst nach 10 Semestern Jura nichts. Man kommt nicht umhin schier unfassbare Mengen an Stoff auswendig zu lernen.
Ant-Man
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Anmeldungsdatum: 19.06.2008
Beiträge: 240

BeitragVerfasst am: 09 Jun 2009 - 23:21:38    Titel:

Dir stehen grundsätzlich 6 Auslegungsmethoden zur Verfügung:

I. Grammatikalische Auslegung (Wortlaut)

II. Systematische Auslegung (wo steht eine Vorschrift?; du kannst hier insbesondere die Stellung einer Vorschrift mit der Stellung einer anderen Vorschrift vergleichen)

III. Teleologische Auslegung (Sinn und Zweck)

IV. Historische Auslegung (wann und wie ist die Vorschrift entstanden, was sagt die Gesetzesbegründung bzw. die Gesetzesmaterialien usw.)

V. Richtlinienkonforme Auslegung (wenn § auf eine EG-Richtlinie beruht, spielt vor allem im Schuldrecht eine große Rolle)

VI. Rechtsvergleichende Auslegung (wie ist ein bestimmter Sachverhalt in einem Land geregelt: gleich wie in Dtl. oder komplett anders?)


Mit diesen Auslegungsmethoden musst du eben arbeiten. Das lernst du nicht von heute auf morgen. Aber wenn du dich mit Problemen beschäftigst, solltest du die einzelnen Argumente gedanklich einer der Auslegungsmethoden zuordnen.

Du musst zu einem Problem keine 10 Argumente kennen. Es reicht, wenn du pro Meinung maximal 1 Argument parat hast und für die Meinung, für die du dich entscheidest, noch zusätzlich ein Argument.

Du orientierst dich immer erst am Wortlaut. Dann hast du schon mal ein Argument. Und danach musst du dir was einfallen lassen. Insbesondere die systematische und die teleologische Auslegung führen sehr oft weiter.
Da kann man sich immer was aus den Finger saugen. Insbesondere bei der teleologischen Auslegung (Minderjährigenschutz, Strafbarkeitslücken, effektiver Grundrechtsschutz, etc.).

Dann gibt es noch Sachen wie teleologische Reduktion und Analogien. Mit denen du dich auch beschäftigen musst.

Du solltest dir mal ein Buch zur juristischen Methodenlehre anschauen, z.B. Zippelius...ist auch in 2, 3 Tagen durchgearbeitet.
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 10 Jun 2009 - 20:35:01    Titel:

Alternativ die etwas knappere Variante bei Pilniok, JuS 2009, 394.
Berliner84
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Anmeldungsdatum: 04.11.2007
Beiträge: 73

BeitragVerfasst am: 10 Jun 2009 - 23:33:42    Titel:

Danke euch erstmal, werd mir mal Lektüre zur Methodenlehre anschauen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass mich die Antwort von jones49 doch ziemlich geschockt hat, dass ich alle Meinungsstreitigkeiten auswendig lernen muss. Das werd ich niemals schaffen. Ich bin schon froh, wenn ich die wichtigsten Definitionen im Kopf habe.

Gruß, Mathias
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 10 Jun 2009 - 23:53:43    Titel:

Berliner84 hat folgendes geschrieben:
Danke euch erstmal, werd mir mal Lektüre zur Methodenlehre anschauen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass mich die Antwort von jones49 doch ziemlich geschockt hat, dass ich alle Meinungsstreitigkeiten auswendig lernen muss. Das werd ich niemals schaffen.


Ein guter Jurist muss das auch nicht. Aber das war hier unlängst schon Gegenstand einer unergiebigen (sowie einer sehr ausführlichen und produktiven) Kontroverse... Wink
jones49
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Anmeldungsdatum: 04.06.2006
Beiträge: 373

BeitragVerfasst am: 11 Jun 2009 - 07:14:58    Titel:

Naja, alle ohnehin nicht. Das ist wohl auch kaum möglich. Aber beträchtliche Mengen sind das schon.

Bei vielen ist es wie gesagt in späteren Semestern so, dass der Aha-Effekt kommt, man die Probleme versteht und dann auch nicht mehr vergisst.

Schwierig wird es aber oft durch die manchmal doch recht "politischen" Entscheidungen des BGH bzw. BVerfG. Da kann man ein noch so guter Student sein, was die sich manchmal als Korrektiv einfallen lassen, ist zum Haareraufen. Da hilft weder Methode noch Lehre, das muss man wissen oder man geht baden.
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