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Feststellen der Schuld
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tumi
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Anmeldungsdatum: 31.05.2009
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 11 Jul 2009 - 11:13:52    Titel: Feststellen der Schuld

Also im Erwachsenen strafrecht wir meistens ja nur geschaut, ob etwas gegen das Vorliegen von Schuld spricht. Im Jugendstrafrecht hingegen ist ja die Schuldfähigkeit positiv festzustellen. Daher stellt sich mir die Frage: Wie stellt man Schuld fest?

Danke
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 12 Jul 2009 - 11:57:31    Titel:

Als ganz wesentlich wird die Fähigkeit angesehen, dass Unrecht der Tat einsehen zu können.

Der BGH sieht den inneren Grund des Schuldvorwurfs darin begründet, "dass der Mensch auf freie, verantwortliche, sittliche Selbstbestimmung angelegt und deshalb befähigt ist, sich für das Recht und gegen das Unrecht zu entscheiden." (BGHSt 2, 194, 20)

Die bloße Feststellung, dass der Täter weiß, dass er gegen ein Strafgesetz verstößt, greift wohl zu kurz, denn denkbar ist auch, dass ein Geisteskranker wissend- und willentlich den Tatbestand eines Gesetzes verwirklicht und weiß, dass er gegen ein Gesetz verstößt. (Beispiel bei Reinhard Frank, "Über den Aufbau des Schuldbegriffs" - 1907)

Der Punkt ist wohl eher der, dass der schuldhaft handelnde Täter sich über die Auswirkungen und die Bedeutung seiner Handlung für die Betroffenen klar ist und diese (zum Tatzeitpunkt bloß gedachte, zukünftige) Realität gebilligt hat. Dabei ist zu beachten inwieweit innere wie äußere Umstände (seelische Störungen, Krankheit, Zwangssituationen) die Entscheidungsfindung beeinflussen. Kommt man auch nach Abzug aller entlastenden Umstände zu der Überzeugung, dass dem Täter eine Wahl blieb und er sich trotzdem für das Unrecht entschied, so liegt darin der Vorwurf an seine Person (Charakter). Man macht ihn zum Vorwurf, dass die eingetretene Realität (worin man auch eine Verunsicherung der ins Auge gefaßten Opfer, wenn der Taterfolg entfällt, zählen kann), letztlich nur auf ihn zurückgeht ("Wegen dir hab' ich jetzt keine Wohnung mehr." - Brand).

Dabei wird gedanklich davon ausgegangen, dass das Handeln des Menschen nicht vorherbestimmt (determiniert) ist, sondern dass er seine in Frage kommende Zukunft (und die der anderen) zumindest in einem gewissen Grade (mit-)bestimmt.

------------------

Näheres zur gedanklichen Bestimmung der Schuld findest du bei

Reinhard Frank, "Über den Aufbau des Schuldbegriffs" - 1907

Gallas, "Zum gegenwärtigen Stand der Lehre vom Verbrechen", ZStW 67 (1955), 1.


Zuletzt bearbeitet von hani125 am 12 Jul 2009 - 21:48:03, insgesamt einmal bearbeitet
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 12 Jul 2009 - 16:20:34    Titel:

Schuldhaft handelt, wer zum Tatzeitpunkt die Fähigkeit hatte, das Unrecht seines Tuns zu erkennen und nach dieser Einsicht zu handeln (e contrario § 20 StGB).
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