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Quasi-Kausalität beim Unterlassen
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schildkroetche
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Anmeldungsdatum: 03.08.2009
Beiträge: 58

BeitragVerfasst am: 03 Aug 2009 - 15:35:16    Titel: Quasi-Kausalität beim Unterlassen

Hey Leute,

schreibe zur Zeit eine HA im Strafrecht II und habe ein kleines Problem.

Folgender Fall (abgekürzt):
Zwei Bergsteiger A und B klettern an einer Felswand. B wird von einem Felsbrocken getroffen und bricht zusammen.
A hilft ihm nicht, da er ihn nicht leiden kann und klettert weiter.
Die spätere Obduktion der Leiche ergibt, dass B möglicherweise auch dann nicht hätte gerettet werden können, wenn A sofort Hilfe geholt hätte. Ob die Überlebenschancen des H bei sofortiger Hilfe größer gewesen wären, kann nicht geklärt werden.

Also prüfe ich Totschlag durch Unterlassen... komme aber bei der Quasi-Kausalität dazu, dass ja der tatbestandliche Erfolg nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entfallen wäre, hätte A sofort Hilfe geholt, da es ja wie angegeben, nicht eindeutig festgestellt werden konnte, ob die Überlebenschancen höher gewesen wären.

D.h. ich fliege gleich raus und A ist nur wegen 323c - unterlassenen Hilfeleistung strafbar??? Obwohl er ihm absichtlich nicht geholfen hat???

Gruß und danke schonmal für eure Hilfe
schildkroetche
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Anmeldungsdatum: 03.08.2009
Beiträge: 58

BeitragVerfasst am: 03 Aug 2009 - 16:52:53    Titel:

habe eine idee:

wäre es logisch dann einen versuchten totschlag durch unterlassen zu prüfen???

denn vollendeter totschlag durch unterlassen liegt ja nicht vor....
und die nicht-vollendung bezieht sich ja dann auf das unterlassen des A und dadurch ist B ja nicht gestorben, also wäre es prinzipiell ein versuch????
MarenK
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Anmeldungsdatum: 12.07.2006
Beiträge: 222

BeitragVerfasst am: 03 Aug 2009 - 17:59:36    Titel:

wie kommst du nun auf Versuch? Der B ist doch tot.

M.E. müsste es lauten: Totschlag durch Unterlassen (-), da nach hM. Kausalität nur bei sicherer Erfolgsabwendung, d.h. das mögliche Handeln müsste den Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit abgewendet haben.

Das er ihm absichtlich nicht geholfen hat kann ihm nicht zur Last gelegt werden. Und da es ist nicht feststellbar ist, ob sein Unterlassen den Tod verhindert hätte: in dubio pro reo. Ihm kann keine Pflicht zur Rettung in dem Sinne auferlegt werden für etwas, wo nicht feststellbar ist, ob sein Unterlassen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überhaupt zu dem Erfolg geführt hat.
Umbraticulus
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Anmeldungsdatum: 21.09.2008
Beiträge: 112
Wohnort: Münster

BeitragVerfasst am: 03 Aug 2009 - 18:11:01    Titel:

Wenn du einen entsprechenden Tatentschluss zur Tötung deinem Sachverhalt entnehmen kannst, steht § 212 I, 13 I nicht im Weg. Vollendung scheidet mangels Quasi-Kausalität ja aus.

Die Garantenstellung ergibt sich aus Gefahrengemeinschaft.

Versuchsstrafbarkeit kann auch vorliegen, wenn der Erfolg eingetreten ist, er dir aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht zugerechnet werden kann.

Unmittelbares Ansetzen müsste hier ja unproblematisch vorliegen.
schildkroetche
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Anmeldungsdatum: 03.08.2009
Beiträge: 58

BeitragVerfasst am: 03 Aug 2009 - 19:00:37    Titel:

okay, supi, dann prüfe ich den versuch durch...

noch eine kleine frage:

a weiß nicht, dass er bezüglich des b ein garant aufgrund einer gefahrengemeinschaft ist. also wird das doch als irrtum über die garantenpflicht als solche verstanden. also ein gebotsirrtum entsprechend einem verbotsirrtum nach §17?????
zu prüfen wäre dieser dann in der schuld???
Umbraticulus
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Anmeldungsdatum: 21.09.2008
Beiträge: 112
Wohnort: Münster

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2009 - 17:48:30    Titel:

schildkroetche hat folgendes geschrieben:
okay, supi, dann prüfe ich den versuch durch...

noch eine kleine frage:

a weiß nicht, dass er bezüglich des b ein garant aufgrund einer gefahrengemeinschaft ist. also wird das doch als irrtum über die garantenpflicht als solche verstanden. also ein gebotsirrtum entsprechend einem verbotsirrtum nach §17?????
zu prüfen wäre dieser dann in der schuld???


Bei dieser Frage kommts darauf an, ob dein A sich über die Tatsachen, die die Garantenstellung begründen irrt (-> § 16 I) oder über die rechtliche Bewertung, dass diese Tatsachen zu einer Garantenstellung führen (-> § 17 I).

Denkt er, dass man als Bergsteiger in einer Gefahrengemeinschaft nicht einstehen muss für seine Kameraden, hast du also einen Verbotsirrtum nach § 17 I, was in deinem Bergsteigerfall wohl wahrscheinlicher ist, als, dass er nicht weiß, dass der B Mitglied der Gefahrengemeinschaft ist. Wink
schildkroetche
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Anmeldungsdatum: 03.08.2009
Beiträge: 58

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2009 - 18:58:38    Titel:

vielen dank... genau so dachte ich mir das... danke für die hilfe Very Happy
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