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Gibt es mehr oder weniger gerechtfertigte Völkermorde?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Gibt es mehr oder weniger gerechtfertigte Völkermorde?
 
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schelm
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Anmeldungsdatum: 31.07.2006
Beiträge: 4312

BeitragVerfasst am: 08 Sep 2009 - 22:56:36    Titel:

Pauker schrieb :

Zitat:
Und da stellen wir fest, dass das weite Teile der deutschen Bevölkerung genau wussten, was geschah ...

Woher wußten das " weite Teile der deutschen Bevölkerung genau " ? Hast du schon einmal ein Buch über Ausschwitz bzw. die Vorbereitung und Durchführung ( inkl. des Beginns ! ) des eigentlichen Holocausts gelesen ? Ich schon. Du offenbar nicht.

Selbst die meisten jüdischen Opfer glaubten nicht daran, bis plötzlich aus den Duschen doch kein Wasser kam.

Zitat:
.. dies in Wahlen zumindest am Anfang noch absegnete

Nach meinen Informationen - aus dem DDR - Geschichtsunterricht - gab es eine " Machtergreifung " von Hitler, keine nötige Mehrheit bei den Wahlen. Meines Wissens wurde da auch nicht über die Vernichtung der Juden abgestimmt. Meines Wissens stieß Hitler auf die Begeisterung, weil er nach der großen Depression ( Weltwirtschaftskrise ) auch so was wie blühende Landschaften versprach ... Auch wenn die Krise im übrigen am Abklingen war .. aber das mußte man ja nicht verraten.

Zagor deutete an, Hitler hätte da im Hofbräuhaus ( ! ) vor 2000 ( angehopften ? ) Zuhörern mal was angedeutet. Nun ja, Rezensionen über " Mein Kampf " konnte ja jeder lesen, der damals über einen DSL - Anschluss, HDTV und ein Spiegel - Abo verfügte, gell ? Zumindest über die Goebbelsschnautze ( " Volksempfänger " ) wurde das doch unermüdlich verbreitet, oder doch nicht ? Die Propaganda schürte Hass - stetig seit 1933 - sie offenbarte aber nicht wirklich die " Endlösung ".
Zitat:
.... und später fleißig mithalf die Mordmaschine am Laufen zu halten.

Nur wenige Eingeweihte wußten exakt, was sie taten. Der große Rest an " Helfern " war Teil eines bürokratischen Systems, bei dem gewolltermaßen die rechte Hand nicht genau wußte, was die linke tat und wozu. Und dies mit deutscher Gründlichkeit, wohl wahr. So hatte ein deutscher Reichsbahner ggf. durchaus Kenntnis von den Transporten. Hatte er auch Kenntnis wohin und vorallem wozu ? Von Arbeitslagern bzw. Aussiedlungen wurde dem gemeinen Volk offiziell berichtet. Klar, wer es wirklich wissen WOLLTE hätte sicherlich Möglichkeiten gehabt, entsprechende Berichte zu erfahren. Ich schätze die Zahl derer, die es wußten oder wissen hätten MÜSSEN aber auch auf 100000 - 200000 Personen.

Wollte man ( Millionen der Bevölkerung ) es wissen ? Keine Ahnung ! Man war " beschäftigt " mit den sonstigen Kriegsfolgen - insbesondere den Return durch die alliierten Bombenangriffe und aller infrastrukturellen Folgen.

Schon mal in einer Diktatur gelebt ? Die wählt man nicht einfach ab, passen einem die Ziele der Despoten nicht wirklich ... oder klärt drüber auf, ohne das der eigene Kopf rollt. Menschen sind feige - viele. Menschen sind mutig - wenige. Leider.

--- Absatz -----

Stichwort feige. Hör ich dies Jahr noch das Resultat eurer Beratungen - oder steh ich neuerdings auf einer internen Mod - Ignore - Liste ? Macht nichts. Von Zeit zu Zeit kann ich mittels Anhang an einen Einzelbeitrag ja dran erinnern.

Freundliche Grüße, schelm
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Anmeldungsdatum: 12.06.2007
Beiträge: 1989
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BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 00:02:52    Titel:

In USA habe ich in den sechs Wochen nicht ein Denkmal für die Millionen der dort ausgerotteten Indianer angetroffen, dafür ein Holocaust Museum, das die Schandtaten der Deutschen während der Nazizeit zeigte!

Nach dem WW II kam eine Deligation von US Regierungs- und Wirtschaftsleute nach Ausschwitz. Die besichtigten aber nicht das KZ, sondern das Gebäude der IG-Farben ob es Schäden hätte (das konne ich Online lesen, aber nicht mehr sagen wo, war es Spiegel-Online, Focus-Online oder Stern-Online, die ich täglich lese). Die IG-Farben, die ja bekannterweise Zyklon B (als Entlausungsmittel) herstellte war zum Großteil in amerikanischer (US) Hand.

Was für eine verlogene, dogmatische, demagogische Dialektik dort!
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 01:05:26    Titel:

schelm hat folgendes geschrieben:
Und da stellen wir fest, dass das weite Teile der deutschen Bevölkerung genau wussten, was geschah ...

Woher wußten das " weite Teile der deutschen Bevölkerung genau "
[/quote]
Ich nehme das "genau" zurück und lasse den Rest stehen. Mag sein, dass die meisten glauben wollten, dass die Abtransportierten ins Takatukaland deportiert wurden. So genau wollte man das ja nicht wissen. Der Jude war ja Volksschädling und was mit denen passiert... muss man sich ja keinen Kopf machen. Andere wussten es komischerweise: Die weiße Rose verteilte sogar Flugblätter. Da war wohl im zweiten Flugblatt von 300.000 ermordeten polnischen Juden die Rede. Mir ist es zu doof noch weitere Belege zu suchen, wer wie noch davon hätte wissen können und müssen. Mir fallen da sofort Bahnbedienstete ein, die die Transporte in die Lager sahen. Was war mit den Volksdeutschen, die jüdische Wohnungen und jüdisches Eigentum bekamen? Alle ausgewandert? Im Ausland lebt man ohne Geld und Vermögen?

schelm hat folgendes geschrieben:

Selbst die meisten jüdischen Opfer glaubten nicht daran, bis plötzlich aus den Duschen doch kein Wasser kam.

Nun, ich in kein Historiker und kann nicht für alles Quellen liefern. M.W. gab es die Gerüchte über Massenmorde. Mein Wissen hierzu stammt aber eher aus Schindler's Liste. Das dürfte deinen Ansprüchen an historische Wahrheit nicht entsprechen. Mir ist allerdings nicht bekannt, dass es gegen die Duschszene (Erleichterung, nachdem wider Erwarten doch nur Wasser kam) von Historikern Widerspruch gegeben hätte.

schelm hat folgendes geschrieben:

Nach meinen Informationen - aus dem DDR - Geschichtsunterricht - gab es eine " Machtergreifung " von Hitler, keine nötige Mehrheit bei den Wahlen.

Die NSDAP hatte bei den Reichstagswahlen 1933 45 % erreicht. Eine Partei, die heute eine solche Zustimmung hätte, würde man als Volkspartei bezeichnen. Die "breite Zustimmung" gab es also.

schelm hat folgendes geschrieben:

Nur wenige Eingeweihte wußten exakt, was sie taten. [...] Ich schätze die Zahl derer, die es wußten oder wissen hätten MÜSSEN aber auch auf 100000 - 200000 Personen.

Sag ich doch... Man darf davon ausgehen, wenn es so viele wussten oder vermuteten, dass ein gewisser Multiplikatoreffekt eintritt... ein Gerücht eben.

schelm hat folgendes geschrieben:

Schon mal in einer Diktatur gelebt ? Die wählt man nicht einfach ab, passen einem die Ziele der Despoten nicht wirklich ... oder klärt drüber auf, ohne das der eigene Kopf rollt. Menschen sind feige - viele. Menschen sind mutig - wenige. Leider.


Nein, zum Helden wäre ich auch nicht geboren. Diese Helden gab es aber. Und es ändert nichts daran, dass das Schicksal der Juden wohl kaum einen interessierte. Proteste gab es kaum. Auch nicht zu Anfang.

Gruß
Pauker

Gruß
Pauker
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3649

BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 08:27:36    Titel:

Das Wissen um den Holocaust gehörte ab `41 sicherlich nicht zur Allgemeinbildung, dafür war die Dimension des Verbrechens und der industrielle Charakter des Völkermordes zu schrecklich. Die Frage sollte in meinen Augen auch nicht wissen, wie viele Deutschen tatsächlich hinreichend sicher davon wussten, sondern wie viele es tatsächlich wissen wollte. Pauker ist darin völlig zuzustimmen, wenn er von Anzeichen und Begleitumständen spricht, die nur wenige plausible Schlüsse über den Verbleib der jüdischen Mitbürger erlauben.
Dass aber der angesprochene industrielle Charakter des Holocaustes, der zwangsläufig auf eine umfangreiche Infrastruktur zurückgreifen muss und somit mittelbar viele Menschen als Mittäter involviert, zwangsläufig die Zahl der Mitwisser um einen vergleichbaren Faktor steigert, würde ich nicht unbedingt teilen. Es ist schlicht ein Merkmal moderner Gesellschaften mit ihren langen Interdependenzketten, dass das eigene Zutun häufig nicht mehr in einem Gesamtzusammenhang gesehen werden kann. Wer in Kaiserslautern oder Schweinfurt heute Kugellager fertigt, muss nicht wissen zu welchem Konstrukt sie sich schlussendlich zusammensetzen.

Die Endlösung der Juden wurde dem Volk gegenüber nie klar kommuniziert, zumal das Regime mit seiner Einschätzung, dass eine solche Barbarei den Alliierten in die Hände spielen würde, in meinen Augen auch ganz richtig lag. "Mein Kampf" würde ich nicht unbedingt als Kronzeugen heranziehen, da sich die Interpretation dieses Machwerkes trotz offenkundiger Wortwahl nicht von selbst erschließt. Im Spiegel der Geschichte wissen wir heute aber sehr wohl, zwischen Irrsinn und realer Absicht zu trennen. Meines Wissens ist noch immer strittig, ab wann innerhalb des Machtzirkels tatsächlich der unbedingte Wille zur Vernichtung der Juden manifest wurde. In der Vor- und Frühkriegszeit kursierten zum Teil exotisch anmutende andere "Lösungswege", die kurzzeitig auch Madagaskar eingeschlossen haben dürften.

Was den Holocaust nach meinem Verständnis von anderen Völkermorden unterscheidet, ist seiner bürokratischer und industrieller Charakter. Niemals zuvor und niemals danach wurde auf die vollständige Vernichtung eines ganzen Volkes auch über die Landesgrenze hinaus so systematisch abgestellt und so konsequent verfolgt. Die reine, nüchterne und "zweckrationale" Organisation des Völkermordes ist derart erschreckend und einzigartig, dass sich mich zu dem Schluss führt, hier eine Zivilisation auf der Höhe der Zeit zu erblicken, die alle sich hier bietenden Ressourcen zur Vernichtung eines anderen Volkes aufbringt. Zumal die Beweggründe selbst für einen Massenmord unsäglich nieder waren, bei den jüdischen Mitbürgern handelte es sich um keine "Andersdenkenden", "ehemalige Herrenkaste" oder "Regimegegner" - die Andersartigkeit wurde ihnen zugeschrieben und konnte von ihnen nicht abgelegt werden. Sie waren ihrem Wesen nach böse und daher dies- und jenseits der Landesgrenze nicht lebenswert.

Edit: Missverständlicher Tippfehler


Zuletzt bearbeitet von Lamasshu am 09 Sep 2009 - 10:51:45, insgesamt einmal bearbeitet
schelm
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Anmeldungsdatum: 31.07.2006
Beiträge: 4312

BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 10:31:45    Titel:

Lamasshu schrieb :

Zitat:
Dass aber der angesprochene industrielle Charakter des Holocaustes, der zwangsläufig auf eine umfangreiche Infrastruktur zurückgreifen muss und somit mittelbar viele Menschen als Mittäter involviert, zwangsläufig die Zahl der Mitwisser um einen vergleichbaren Faktor steigert, würde ich nicht unbedingt teilen. Es ist schlicht ein Merkmal moderner Gesellschaften mit ihren langen Interdependenzketten, dass das eigene Zutun häufig nicht mehr in einem Gesamtzusammenhang gesehen werden kann.

Stimmt. Von daher setze ich die minimal geschätzten 100 000 Mitwisser als nicht auschließlich involviert bei der direkten technischen und organisatorischen Vorbereitung an. Eher als ein Konglomerat aus direkt beteiligten bei der Vorbereitung, Gerüchten, Mund - zu Mund - Propaganda von Lagerpersonal an Angehörige und deren Weitergabe der Informationen - wobei dies sicherlich die Zahl auch nicht völlig plausibel erklären kann.

Zitat:
"Mein Kampf" würde ich nicht unbedingt als Kronzeugen heranziehen, da sich die Interpretation dieses Machwerkes trotz offenkundiger Wortwahl nicht von selbst erschließt.

Eben das sollte die Ironie ausdrücken, fehlender Rezensionen über dieses Machwerk durch die Nazipropaganda selbst bzw. eine unmögliche öffentliche Diskussion darüber, nicht nur wegen dem Fehlen entsprechend unabhängiger Kommunikationsmittel, als auch vorallem wegen der diktatorischen Kontrolle des Systems, hinsichtlich der Meinungsbildung durch eine hoch effiziente Propaganda, die es so perfektioniert noch nie zuvor gab.


Zitat:
Meines Wissens ist noch immer strittig, ab wann innerhalb des Marktzirkels tatsächlich der unbedingte Wille zur Vernichtung der Juden manifest wurde. In der Vor- und Frühkriegszeit kursierten zum Teil exotisch anmutende andere "Lösungswege", die kurzzeitig auch Madagaskar eingeschlossen haben dürften.

( Machtzirkel ? )

Dazu fand ich das, scheint mir auf den ersten Blick plausibel :

http://guntram-von-schenck.de/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=37

Zitat:
Die vierte Entscheidung Hitlers betraf die Vernichtung der Juden. Die Stufen und Steigerungen der Judenverfolgung im Dritten Reich seit 1933 können hier nicht nachgezeichnet werden (26). Der Historiker und Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, Saul Friedländer, der sein Lebenswerk der Erforschung des Holocaust gewidmet hat, datiert diese fatale Entscheidung auf die Krisentage im Dezember 1941 (27). Zur selben Datierung kommt Ian Kershaw: Danach machten die Kriegserklärung an die USA und der Beginn eines langen weltweiten Konflikts im Dezember 1941 eine Deportation der Juden in die Sowjetunion unmöglich, wenn sie überhaupt jemals in Frage kam. Als die verschobene Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 stattfand, sei die Grundentscheidung schon gefallen gewesen (2.. Die Aufgabe der Wannseekonferenz bestand nur noch in der organisatorischen Umsetzung der so genannten “Endlösung”.
Das Dunkel, das die Dezember-Entscheidung zum organisierten, systematischen Judenmord umgibt, war von Hitler und der NS-Spitze gewollt. Es gibt keine Gesprächsaufzeichnungen, Notizen, Protokolle o. ä. - einfach nichts; jedenfalls wurde bis heute nichts aufgefunden. Auch die Durchführung des Genozids unterlag strikter Geheimhaltung, was nicht verhindern konnte, dass ein Kreis von ca. 200.000 Personen, auch im Offizierskorps, Bescheid wusste oder Bescheid wissen musste. Der Schleier strengster Geheimhaltung war bewusst über den von Hitler und der NS-Spitze im Dezember 1941 beschlossenen Genozid und seine Durchführung von 1942 bis 1945 gelegt worden. Die große Masse der deutschen Bevölkerung, die vom Kriegsalltag im Übermaß in Anspruch genommen und von eigenen Sorgen bedrückt war, konnte nur sporadisch oder gerüchteweise wahrnehmen, was sich in den Vernichtungslagern im Osten abspielte (29).


Freundliche Grüße, schelm
Filzstift
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BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 15:26:31    Titel:

Es gab also 100.000 bis 200.000 "Eingeweihte" über die Außmaße der Judenvernichtung. Das sind bei einer Bevölkerungszahl von ca. 78.800.000 Einwohnern des Deutschen Reiches im Jahre 1938 etwa 1,5 % der Gesamtbevölkerung.

Was ist mit den 98 % Unwissenden?
Die wurden und werden einfach in Sippenhaft genommen.
Die Deutschen haben bis jetzt zu 100% an dieser Schuld abgetragen - einige mehr und einige weniger.

Man darf auch nicht verleugnen, dass wie Schelm schon bemerkte, die "Judenfrage" durch die Nazis scheibchenweise angegangen wurde.
Es wurde der Bevölkerung ein Sündenbock für alles negative präsentiert und nach den chaotischen Jahren der Weimarer Republik, der Hyperinflation, der Schmach des Versailler Vertrages durch das gemeine Volk dankbar angenommen.
Andere Systeme der gleichen Zeitära präsentierten andere Sündenböcke und liquidierten sie ohne ihnen die Ausreise zumindest anfangs zu ermöglichen.

So wurden die Juden zunächst aufgefordert auszureisen oder ihnen das Leben so schwer gemacht, dass sie letztendlich versuchten auszureisen.
Dabei haben sich die späteren westlichen Siegermächte(z.B. USA) nicht gerade mit Ruhm bekleckert, indem sie die Flüchtlinge abwiesen. (dazu gibt es einen sehr bewegenden Spielfilm) Das geschah zu einer Zeit, in der die Rassengesetze den Juden schon übel mitspielten.
Bis dato sah es also für den deutschen Normalbürger nach "Aussiedlung" aus. Welcher Vorwurf erwächst ihm daraus?

Auch war die Ausgrenzung der Juden keine deutsche Erfindung. Über Jahrhunderte wurde besonders den Ostjuden das Leben in ihren Siedlungsgebieten schwer gemacht und es kam immer wieder zu Pogromen.
Daher ist sicher auch die Begeisterung der ukrainischen Hilfswilligen zu erklären, besonders grausam bei der Judenvernichtung mitzuwirken.

edit: Rechtschreibfehler Rolling Eyes


Zuletzt bearbeitet von Filzstift am 09 Sep 2009 - 17:24:09, insgesamt einmal bearbeitet
Jockelx
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BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 16:16:44    Titel:

Filzstift hat folgendes geschrieben:
Es gab also 100.000 bis 200.000 "Eingeweihte" über die Außmaße der Jufenvernichtung.

Wie? Haben 'wir' uns da schon drauf geeinigt?
Es wurden schon alleine ca. 100.000 behinderte Menschen und 20.000 deutsche Kommunisten ermordet.
Wenn die alle nur einen einzigen Angehörigen gehabt hätten, dann würden wir schon
auf deine Zahl von 100.000-200.000 kommen.
Das heisst zwar nicht, dass die alle zwingend das absolut verheerende Ausmass
der Vernichtung kannten.
Dass das Ausmass aber gross und das Unrecht noch grösser sein muss,
konnte wohl sogut wie jeder wissen.
Aber mir ist auch klar, dass sowas zu wissen und dieses Wissen auch zu nutzen, damals den eigenen Tod zur Folge haben konnte.
Von daher erklärt sich sicherlich warum so viele 'nichts wussten'.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
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BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 16:52:32    Titel:

Es erklärt aber nicht, warum im Nachhinein keiner was gewusst haben wollte. Und es erklärt nicht die Schuld jedes Einzelnen Mitwissers oder Mitahners. Die eigene Gefahr bei zu lautem Protest führen als mildernde Umstände evtl. zu einem Freispruch, zur Unschuld allerdings nicht.

@lamasshu

Ich sehe aber einen Unterschied zwischen dem Herstellen von Kugellagern in Kaiserslautern und dem Transport von Menschen in Viehwaggons nach Auschwitz. Ist es wirklich absurd anzunehmen, dass der Lokführer und die Bahnangestellten an der Strecke hätte wissen müssen, was vor Ort geschah? Sahen sie nicht jeden Tag die Waggons - immer nur in die eine Richtung? Braucht es hierzu schwierige Schlussfolgerungen und unüberblickbare Interdependenzketten?

Wer lieferte eigentlich das Zyklon B in die Lager? Wer baute die Krematorien? Was ist mit den Wachmannschaften? Was ist mit den Familienangehörigen der Täter? Sicher redete nicht jeder daheim. Aber schwiegen sie alle?

Jockelx erwähnte bereits zusätzlich Angehörige, Freunde, Nachbarn und Bekannte der Opfer. Menschen wurden abgeholt und kamen nie wieder. Wie sehr muss man die Augen verschließen, um nicht zu wissen, was passierte. Wie lange sind hier die unüberblickbaren Interdependenzketten? Bei genauerem Nachdenken muss ich wohl davon ausgehen, dass es sich um viele 100.000, wenn nicht gar Millionen Mitwisser handelte.

Das 2. Flugblatt der Weißen Rose ist hierbei entlarvend. http://www1.bpb.de/themen/JOELCK,0,0,Flugblatt_II.html Wenn ein paar Studenten Bescheid wussten, warum sollten dann andere nicht auch Bescheid wissen? Vielleicht erschloss sich der industrielle Maßstab nicht. Vielleicht ging man von nicht ganz so hohen Zahlen aus.

Muss man aber jedes Detail wissen, um sich mitschuldig zu machen? Um diese Frage ging es ja ursprünglich. Inwiefern trägt die damalige Bevölkerung Mitschuld und was unterscheidet damit den Holocaust von vielen anderen Verbrechen?

Gruß
Pauker
Filzstift
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Anmeldungsdatum: 07.02.2007
Beiträge: 5998
Wohnort: im Osten unseres Landes

BeitragVerfasst am: 09 Sep 2009 - 17:34:38    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:


Muss man aber jedes Detail wissen, um sich mitschuldig zu machen? Um diese Frage ging es ja ursprünglich. Inwiefern trägt die damalige Bevölkerung Mitschuld und was unterscheidet damit den Holocaust von vielen anderen Verbrechen?

Gruß
Pauker


Die Frage ist eine ganz andere!

Inwiefern trägt ein junger Mensch von heute, der deutsch als Nationalität in seinem Pass zu stehen und keinen entlastenden Migrahigru hat, Mitschuld, nur weil seine Eltern oder Großeltern zu den 2 oder 98%Prozent von damals gehörten?
Andersherum, muss ich mir als Deutscher ohne Migrahigru von Menschen wie Zagor vorwerfen lassen, ein Deutscher zu sein und Schuldgene in meinem Blut zu haben?

Und wie lange muss diese Schuld noch finanziell und durch Bußriten abgetragen werden? Confused


Zuletzt bearbeitet von Filzstift am 09 Sep 2009 - 19:45:04, insgesamt einmal bearbeitet
Zagor
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Anmeldungsdatum: 04.06.2009
Beiträge: 171

BeitragVerfasst am: 10 Sep 2009 - 21:15:17    Titel:

@ schelm
Zitat:
Dein Kommentar ist unredlich und dem eines nur stänkern wollenden Trolls würdig. Die erläuternde Trennung, nicht die Korrelation gehen aus seiner Anmerkung eindeutig hervor. Aber bitte - wenn die Moderation sich ( noch ) nicht durchringen kann, Lamasshus Anschuldigung gegen mich zu bestätigen - so nutze ich die Gelegenheit gern, um dir ein wenig in die Parade zu fahren.

Ich fasse das nicht als ein in-die-Parade-fahren auf. Mittlerweile rechne ich sogar damit, dass auch Du antwortest. Die Andeutung bezüglich meiner Person will ich aber ignorieren- die Stimmung hier ist einfach zu explosiv, und das Thema zu ernst.

Filzstifts Sinnieren über die angebliche wahre Ursache bezüglich der Auffälligkeit des deutschen Völkermords gegenüber anderen Völkermorden entblößt einen für meine Begriffe höchst bizarren Gedankengang. Nur weil sie die Besonderheiten des Juden-Genozids inkl. die Besonderheit bezüglich der niederen Beweggründe der Nazis nicht akzeptieren kann/will, müssen nun diverse deutsche Tugenden herhalten, damit sie ihre Haltung aufrechterhalten kann.

Zitat:
Nein, das wird so nicht einmal behauptet. Ausgesagt wird, das die Wähler nicht mehrheitlich dadurch per se Judenverfolgung bzw. deren Vernichtung wählen wollten.

Eben auf diese Spekulationen - wie viele was wirklich gewählt und bezweckt haben mögen - brauche ich mich ja nicht einzulassen, denn mir ging es ja hier nur darum, auf die Unterschiede zwischen der deutschen und der türkischen Mitverantwortlichkeit der betroffenen Bevölkerung hinzuweisen. Bei den Türken herrscht in diesem Punkt völlige Klarheit: Niemanden gewählt = keine Mitverantwortlichkeit in diesem Punkt (Lilienkult wollte ja die Unterschiede wissen).

Ich habe auch nicht angenommen, dass der klassisch-historische Antisemitismus gleich bedeutend wäre mit einem totalen und systematischen Vernichtungswillen wie bei den Nazi-Ideologen. Es wäre aber völlig abwegig, davon auszugehen, dass diese Jahrhunderte lange „Vorarbeit“ keine begünstigende Wirkung auf das Wirken der Nazis gehabt haben soll.
Natürlich gab es den Antisemitismus seit der Antike und er war in vielen Ländern Europas präsent. Allerdings erst in Deutschland vollführte er den nächsten Schritt in seiner „Entwicklung“ und wurde zur Staatsdoktrin. Damit unterschied er sich von allen vorangegangenen antisemitischen Strömungen, wo ja in extremsten Auswüchsen in einzelnen Pogromen der aufgestaute Hass und Feindseligkeiten sich sporadisch entluden. Nun hatte sich mit diesem Quantensprung der Antisemitismus auch von solchen Eventualitäten, Affektierungen, gruppendynamischen Phänomenen etc. völlig losgelöst- nun konnte er permanent und völlig autark wie auf Knopfdruck staatlich organisiert und gelenkt werden, bis zur letzten Konsequenz.

Nun, das alles hätte auch in Russland geschehen können, oder auch in Frankreich oder Großbritannien. Aber es hat nun mal Deutschland „erwischt“. Das kann man Zufall nennen, oder Pech. Auf jeden Fall ist es für die Nachgeborenen eine Herausforderung.

Was den Hutu-Tutsi-Konflikt betrifft: Du sprichst ja selbst von wechselseitigen Scharmützeln, sich ändernden Machtverhältnissen und dass es sich dabei nur um einen ideologisch ähnlichsten Fall nach dem Holocaust handelt.
In seiner Gesamtheit assoziiere ich dieses Konflikt deshalb eher mit Bürgerkriegsverhältnissen oder mit den Zuständen während des 30jährigen Krieges (besonders was die Bestialität der Beteiligten angeht). Da standen zwei mehr oder weniger ebenbürtige "Ethnien" gegenüber. Überhaupt nicht zu vergleichen mit der Situation in Nazi-Deutschland (Staat inkl. sämtlicher Staatsorgane gegen einen Teil der eigenen zivilen, harm- und wehrlosen Bevölkerung).
Dass im Laufe dieses über mehrere Generationen anhaltenden Konflikts böses Blut entsteht und es zu Anfeindungen und rassistisch klingenden Äußerungen kommt, ist meiner Ansicht nach nichts Außergewöhnliches. Für einen echten Rassismus fehlt da einfach die „intellektuelle“, ideologische Grundlage, wie es bei den Nazis der Fall war und die den weiter oben genannten Quantensprung überhaupt ermöglichte. Da fehlt einfach ein H. Himmler, ein A. Rosenberg, und - weit, weit im Hintergrund - eine Madame Blavatsky.
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