Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Don Karlos Analyse, zweiter Auftritt, Gesprächsstruktur
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Don Karlos Analyse, zweiter Auftritt, Gesprächsstruktur
 
Autor Nachricht
Strykor
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 02.12.2008
Beiträge: 31

BeitragVerfasst am: 27 Okt 2009 - 22:27:13    Titel: Don Karlos Analyse, zweiter Auftritt, Gesprächsstruktur

Hallo, ich schreibe bald eine Klausur über Don Karlos und wollte mich vergewissern ob denn meine Analysen tauglich sind. :>
Zum Üben habe ich mir den zweiten Auftritt, Vers 128 bis 168 etwas näher angeschaut. Ein bisschen Feedback wäre nett.

In dem von Friedrich Schiller geschriebenen Stück, "Don Karlos", uraufgeführt im Jahre 1787, geht es um politisch-gesellschaftliche Konflikte, wie die Unterdrückung der niederländischen Provinzen, sowie um familiär-soziale Intrigen am Hofe König Philipps II.

In dem zweiten Akt findet ein Zusammentreffen zwischen dem Marquis von Posa, einem alten Freund von Don Karlos, und Karlos selber statt. Zuvor erfährt der Leser, dass Don Karlos an seinem Hof verraten ist, er wird von allen Seiten, selbst Domingo, dem Beichtvater, bespitzelt, misstraut seinem Vater, dem König und seinem Hof.
Des Weiteren wird klar, dass Don Karlos ein sehr unüberlegtes beziehungsweise hitzköpfiges Verhalten aufweist, welches ihn in seine Probleme die er offensichtlich schon besitzt, noch weiter hineinreitet. Diese Probleme behält er für sich und der Leser erfährt lediglich, dass sie existieren.
In der folgenden Szene wird das Verhältnis zu dem Marquis von Posa sehr deutlich (vlg. V. 128-168).

Der Marquis steht für ein Freiheitsideal, Don Karlos selber hat zu ihm eine sehr gute Beziehung, was anders herum nicht deutlich wird.
Zunächst, durch die überschwengliche Begrüßung, "Was seh ich! O ihr guten Geister" Mein Roderich!" (V. 128/29), wird klar, dass Karlos ein sehr enges Verhältnis zu dem Marquis von Posa hat. Durch die vorher gewonnene Information, Karlos sei nicht in der Lage, seine Gefühle gut zu kontrollieren, wird dem Leser bewusst, dass es sich ohne Zweifel um eine wahre Aussage handeln muss, dessen Bedeutung keinerlei Ironie aufweist.
Folglich wird beschrieben, dass sein krankes Herz nun heilte (vgl. V. 134/135), was nur auf den Marquis zurückzuführen wäre. Dies verstärkt einerseits die Freude Karlos über das Wiedersehen, andererseits verstärkt es aber auch die Schwere der Probleme die Karlos offensichtlich mit sich herumträgt.
Der Marquis von Posa selbst ist mit der Situation überfordert und stutzt (vgl. V. 131), er hat es nicht erwartet, seinen Freund in diesem Zustand wiederzusehen, was man aus den Fragen, "Ihr krankes Herz? Und was ist wieder gut?" (V. 137), ablesen kann. Aus diesen Fragen wird zusätzlich klar, dass er Karlos in einem gewiss besseren Zustand in Erinnerung hat.
Anstatt in dem Verlauf des Gespräches nun auf diese Fragen zu antworten, stellt Karlos selbst praktisch Gegenfragen um von sich abzulenken, da er in diesem Moment nicht über seine Probleme sprechen möchte. Diese Fragen sind allerdings für Karlos offenbar belanglos, er fragt lediglich warum und wer den Marquis von Posa zu dem spanischen Hof schickte (vgl. V. 138-145). Diese Fragen sind belanglos, da sie Karlos, dessen Freude wir über die Wiederkehr kennengelernt haben, nicht interessieren. Aus seinem vorigen Verhalten wird klar, dass er sich in diesem Auftritt lediglich über die Erscheinung freut.
Nun bemerkt der Marquis von Posa seine Chance und verfällt in einen Monolog, aus dem er nicht mehr unterbrochen werden kann. In dem ersten Teil schildert er seine Bestürzung über den Zustand seines Freundes Karlos (vgl. V. 146-151), er sei nicht mehr der löwenkühne Jüngling, merkt aber gleichzeitig, dass er an Karlos nicht mehr herankommt, da dieser zu viele Probleme mit sich selbst hat.
Dennoch kommt der Marquis aufgrund der Fragen von Karlos nicht drum herum, diese zu beantworten und verrät seinen eigentlichen Grund am Hofe zu sein. Karlos als Abgesandten nach Flandern zu schicken sei für ihn, den Abgeordneten der gesamten Menschheit, die letzte Hoffnung dort die Unterdrückung zu beenden (vgl. V. 155-167).
Karlos zu erwartende Antwort tritt nach dem Monolog ein, er ist, wie beschrieben unbetroffen von dieser Wendung und lässt die Hoffnung des Marquis lediglich dahin stürzen (vgl. V. 167).

Aus diesem Teil des zweiten Auftrittes lassen sich einige Dinge festhalten. Zunächst ist die Beziehung von Karlos zu dem Marquis, wie schon genannt, sehr gut. Es handelt sich offensichtlich um einen langen Freund, welchem er sich als einzigem anvertrauen kann, da er an dem ganzen Hof seines Vaters verraten ist, weswegen die Komponente der Familie als Beratungsfunktion ebenso wegfällt.
Zudem kommt, dass Karlos in dem Moment des Auftrittes kein Ohr für die politisch-gesellschaftlichen Probleme des Marquis hat, weswegen dieser, wenigstens vorübergehend, seine Hoffnung, Flandern zu befreien verliert.
Letztlich wird die Position des Marquis sehr deutlich. Zwar ist sein Verhältnis zu Don Karlos nicht sehr eindeutig festzuhalten, jedoch lässt sich sagen, dass der Marquis für ein Freiheitsideal steht, da er sich selber als Abgeordneter der gesamten Menschheit sieht und gegen die Unterdrückung in Flandern kämpft.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Don Karlos Analyse, zweiter Auftritt, Gesprächsstruktur
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum